Angemeldet bleiben?

Review: Kex Kuhl – 5 und 30

veröffentlicht: Dienstag, 17.05.2016, 17:15 Uhr
Autor: PeasOut





01. Terrakotta
02. Süd/Nord
feat. eRRdeKa
03. Ausgehen
04. Kurt Cobain
feat. Ali As
05. 5UND30
06. Circa 60 Bars


Battle-Turniere als musikalische Vergangenheit und EP-Releases als Gegenwart: Nicht selten wird dieser Weg gegangen – bisweilen mit zweifelhaftem Erfolg. Doch das Feedback scheint durchaus positiv gewesen sein, wenn auf die Erstveröffentlichung noch eine weitere folgt. So nun auch bei Kex Kuhl, bekennender Vollbartträger und akustisch erkennbar an einem leicht schwäbisch gerollten "R". 2014 betrat er mit der "Bartik EP" die Bildfläche eines Raps, der für eine größere Masse konzipiert wird; "5 und 30" stellt nun einen Schritt zurück zum Independent-Künstler dar, der sich nicht an Labelvorgaben halten will. In diese Abweichung vom vorbestimmten Weg passt auch der Titel des neusten Tapes des Stuttgarters: da es nach seiner eigenen Aussage für den Club 27 bei ihm nicht mehr ganz reichen dürfte, formiert er das Ganze kurzerhand in den "Club 35" um und gibt sich somit selbst noch ein paar schöne Jahre auf dieser Erde. Fragt sich nur noch, ob sich der Künstler, der neben seiner Tätigkeit als Rapper auch als Leinwand für Tattoo-Künstler arbeitet, soundtechnisch treu bleibt oder stellen die sechs Songs doch einen eigenen Soundtrack für den angedachten letzten Abschnitt im Leben von Kex Kuhl dar?

Was für ein Dulli! Meinst du, mein Magen wird satt von 'nem Hunni?/
Meinst du, das Artwork, die Beats und die Clips und das Mastering klappt für 'nen Hunni?

(Kex Kuhl auf "5UND30")

Würde man mich fragen, in welche Richtung der Rap eines Kex Kuhl geht, wäre die ehrlichste Antwort, die ich geben könnte, wohl etwas in die Richtung: "Keine Ahnung". Haben wir auf "Terrakotta" gitarrenlastigen, rockigen Sound, finden wir auf "Süd/Nord" einen BoomBap-Beat, der zudem sehr viel ruhigere Töne anschlägt. Auf "Ausgehen", welcher aus rein musikalischer Sicht, unter anderem durch eine gesungene Hook und kleine Spielereien, das Highlight der Platte darstellt, bleibt dieser Flavour erhalten. Weiter haben wir auf dem Tape noch elektronische Elemente in der Instrumentierung von "Kurt Cobain" und ein wahres Beatwirrwarr auf "Circa 60 Bars". Einen roten Faden findet man, wenn überhaupt wohl nur als Zeichnung auf der Haut des bärtigen Rappers, denn acht verschiedene Produzenten für sechs Tracks sprechen eine klare Sprache, beziehungsweise vielmehr eine unklare. Der ein oder andere hiervon wird wahrscheinlich nur seinen Teil zu dem eben angesprochen Sammelsurium beigesteuert haben.

Wenn ich dich Schwuchtel nenne, macht mich das nicht homophob/
Sondern dich zu einer Schwuchtel, du Schwuchtel/

(Kex Kuhl auf "Circa 60 Bars")

Oftmals gehen die thematischen und soundtechnischen Aspekte einer Veröffentlichung Hand in Hand. Kex Kuhl bricht auf "5 und 30" allerdings aus diesem vorgefertigten Rahmen aus; denn so variantenreich der Klangteppich der Platte noch ist, so sehr lässt sie sich textlich auf wenige Punkte herunterbrechen. Hauptsächlich finden wir mit Punchlines gespickte Representer, für die mit eRRdeka und Ali As auch ansprechende Featuregäste gewählt wurden. Auf der einen Seite ein Künstler, der alleine durch seine Delivery zeigt, was er von sich selbst hält und "Süd/Nord" so einen ganz eigenen Flavour gibt, auf der anderen Seite einen Rapper, der raptechnisch schwächer ist, dafür den gewissen Wortwitz mitbringt. Das Ganze wird ummantelt von der frechen Schnauze, die der geborene Augsburger Kex mitbringt, immerhin ist er "der Grund, dass Väter ungern eine Tocher haben" (Kex Kuhl auf "Circa 60 Bars"). Lediglich "Ausgehen" fällt glücklicherweise aus diesem Gesamtbild heraus, denn die musikalische Umsetzung des Songs hätte wohl nicht mit dem restlichen Tenor des Tapes zusammengepasst. So lädt uns der Künstler auf 4:03 Minuten in seine Gedankenwelt ein lässt uns an seiner Sichtweise auf verschiedene Teile seines Lebens teilhaben.

Fazit:
Hand aufs Herz, "5 und 30" wird wahrscheinlich nicht als Meilenstein in die deutsche Rapgeschichte eingehen; jedoch kann man Kex Kuhl auch nicht vorwerfen, eine EP veröffentlicht zu haben, die der Kategorie "Schund" zuzuordnen ist. Das neueste Werk des Künstlers ist soundtechnisch ein grundsolides Werk, welches in meinen Augen seine größten Schwächen im textlichen Bereich besitzt. Den eigens geschriebenen Soundtrack für den letzten Abschnitt seines Lebens stellt es wohl nicht dar, Fans des bärtigen Musikers dürfen sich allerdings immerhin über neuen Output freuen. Wie die musikalische Zukunft des Augsburgers aussieht, steht in den Sternen, doch über seinen weiteren Lebensweg dürften wir spätestens an seinem 35ten Geburtstag etwas erfahren.


Lasse Golenia



Bewerte diese CD:

Diese Review wurde 6376 mal gelesen
6 Kommentare zu dieser Review im Forum