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Review: Kay One – Prince of Belvedair

veröffentlicht: Sonntag, 11.03.2012, 18:50 Uhr
Autor: Enu





01. Intro
02. Prince of Belvedair
feat. Emory
03. Besser im Bett
04. Rain on you
feat. Emory
05. Herz aus Stein
06. Sportsfreund
feat. Shindy
07. Zeiten ändern sich Skit
08. P1
09. I Need a Girl Part 3
feat. Mario Winans
10. An Tagen wie diesen
11. Lagerfeld Flow
feat. Bushido & Shindy
12. Reich & Schön feat. Emory
13. Waschraum Skit
14. Renate
15. Das Spiel
feat. Emory
16. Boss feat. Bushido
17. Unter Palmen feat. Benny Blanko
18. Ich liebe euch
19. Auf mich!
20. Outro


Große Töne spuckt Kay One im 16bars.de-Interview zu seinem neuen Album "Prince of Belvedair". Es soll "so krass vielfältig sein". Alles besser als beim letzten. Nebenbei wird noch über ganz Rapdeutschland hergezogen und ein bisschen mit Auslandskontakten geprahlt. Sicher ist Kay One ein guter Rapper, aber ob er das Zeug zum bahnbrechenden Album hat, weiß ich nicht. Aber ich lasse mich gerne überzeugen, also buche ich einen Flug und mache mich auf zur Audienz beim "Prince of Belvedair".

Schon im Titeltrack zeigt sich, was mich auf den nächsten eineinhalb Stunden Spielzeit erwartet. Simpler, eintöniger Bretterbeat und Selbstverliebtheit vom Feinsten. Kay One läuft hier mit Zeilen wie "Ich ficke hier, dort und dort und die Fette, die du fickst, sagt 'Sport ist Mord'" zu lyrischen Höchstleistungen auf. Dazu eine fast homoerotisch anmutende, aalglatte Hook von Emory. Auf "Besser im Bett" wird es bei Weitem nicht besser. Kay One vögelt sich hier durch Freundinnen von Mathestudenten, Physikstudenten und allerlei anderen Studierenden. 100% auf Charts getrimmt. Leider bleibt Kenneth Glöckler hier weit unter seinen Möglichkeiten, denn dass der Junge es eigentlich besser kann, weiß man ja. Doubletime, Freestyle. Offenbar sorgt das Leben eines Prinzen in Luxus und Dekadenz für einen musikalischen Qualitätsverlust sondergleichen.

"Du denkst, du bist so krass in Mode/
Mit deiner Hochwasserhose/
Ich trag' in Europa die Krone/
Oben ohne, Titten aus Plastik/
Mister Bombastic/
"
(Kay One auf "Besser im Bett")

Bereits jetzt dürfte jedem klar sein, dass uns auf dem Album Texte mit dem Tiefgang eines Heissluftballons erwarten. Die Themenvielfalt beschränkt sich auf typischen Representerrap, das Nachheulen einer verlorenen Liebe oder das wilde Penetrieren fremder Frauen. Zwischendurch prollt man noch ein bisschen mit Money, Designerklamotten, Autos oder Ähnlichem und kombiniert alles mit präpubertärem Humor oder auch gänzlich unhumoristisch. Auch Kay Ones Aufspringen auf den Atzenzug trägt nicht zur Besserung bei. Was nützt es einem denn, "Reich & Schön" zu sein, wenn dabei doch nur lyrische Ergüsse herauskommen, die allerhöchstens auf Atzenniveau sind ("Ich bin lieber reich und schön als arm und hässlich und den Champus ex ich, yeah"). In bester Ballermannmanier werden hier Models gefickt und Feste gefeiert, wie sie fallen, aber nicht irgendwie, sondern als ob es der letzte Tag wäre.
Die ungezwungenen sexuellen Kontakte, die er zu pflegen scheint, werden natürlich durch ein gebrochenes Herz ermöglicht. Schließlich hat er ja kein "Herz aus Stein", sondern war auch mal verliebt. Da wird dann statt der vollbusigen Blondine schon mal die Vergangenheit gefickt. Auch hier sind gute Lyrik oder ansprechende Flows Fehlanzeige.

"Es heißt, ich wär' kein Beziehungstyp/
Ich hab' mein' Spaß/
Ich muss raus, ich find' nachts kein' Schlaf/"

(Kay One auf "Herz aus Stein")

Besserung schafft einzig und alleine der Track "Renate". Zwar dreht sich auch hier alles um den Koitus mit einer Unbekannten, aber das Ganze wird auf einem Ziehharmonikabeat lässig vorgetragen und schafft es tatsächlich, mir ein Lächeln zu entlocken. Bei aller harten Kritik muss ich Kay One eines lassen: Trotz des unterirdischen Niveaus der Platte hat er es tatsächlich geschafft, Features zu finden, die ihn gut aussehen lassen. Dabei sind nicht mal die zwei grottigen Bushidoparts das Problem, sondern eher die Trommelfell perforierenden Emoryhooks, neben denen selbst ein gesanglich vollkommen unbegabter Kay One wie eine junge Whitney Houston erscheint.
Beattechnisch reicht das Repertoire des Albums von oben bereits erwähnten Bretterbeats über diskotaugliche 08/15-Partykracher, bis hin zu nervigem Pianogeklimper. Alles sehr hochwertig produziert, doch trotzdem dröge bis zur Besinnungslosigkeit. Innovativ sieht anders aus, alles schon mal gehört, alles schon mal besser und genau so verhält es sich mit dem Flow des ersguterjunge-Members. Zwar hat Kay One sich für jede dieser Beatbaustellen eine charakteristische Art zu flowen zugelegt, behält diese drei Variationen aber auf Albumlänge bei. Wer (gute) Doubletimepassagen erwartet, wird auf diesem Release leider enttäuscht und auch sonst klingt das Ganze rein technisch veraltet. Man hat das Gefühl, es schon x-mal besser oder gleich gut gehört zu haben.

Fazit:
Nicht mal die charakteristische Moncler-Schwimmweste schafft es, Kay One auf diesem Album noch vor dem Absaufen zu retten. Meinen größten Respekt dafür, dass ein eigentlich so begabter Rapper wie er es schafft, ein Album zu kreieren, auf dem fast jeder Track Skippotenzial aufweist. Sicherlich wird die Scheibe ihre Daseinsberechtigung haben, aber die hundertprozentige Charttrimmung spürt man. Da sie dank dieser zielgruppenorientierten Vermarktung aber nur ein herzloses Produkt billiger Massenware ist, die dabei weit unter dem Niveau anderer, aktueller Veröffentlichungen bleibt, zeigt sich, dass Kay One wohl nicht mehr in der Liga der großen MCs mitspielen will. Die Anstrengungen, die er unternommen hat, um diesen Verdacht vollends zu festigen, belohne ich mit wohlverdienten 1,5 Mics.


(Enu)



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