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Interview: Juicy Gay (Signing, "HWG" & Sandwiches) - Text

veröffentlicht: Mittwoch, 26.04.2017, 14:07 Uhr
Autor: InsertPointlessName


Es wird wieder frech angegrüßt! Letzte Woche veröffentlichte das jüngste WSP-Signing, Juicy Gay, sein Debütalbum/Mixtape namens "Hallo, wie gehtʼs?"; auch eine Tour ist schon angekündigt. Man fragt sich also, wie lange der Kopf hinter "Musik ist haram" und der Mitbegründer des Szenehits "WKMSNSHG" noch seinen Status als Geheimtipp behält. Höchste Zeit, ein paar Fragen zum Status quo und dem neuen Projekt zu stellen.



rappers.in: Hallo, wie geht’s? Online findet man noch nicht so viele Interviews von dir. Bist du eher ein interviewscheuer Typ?

Juicy Gay: Ich habe gar nicht so viele Anfragen bekommen. Wahrscheinlich bin ich einfach ein zu uninteressanter Typ (lacht). Es gibt natürlich auch Schöneres, als Fragen zu beantworten. In den letzten Wochen hat sich das aber tatsächlich etwas gehäuft, also da kommt noch ein bisschen was.

rappers.in: Hat das etwas mit deinem Signing bei WSP zu tun? Man könnte schließlich annehmen, dass sich das über den Deal alles ein wenig professionalisiert.

Juicy Gay: Ach nee, die lassen mir eigentlich freie Hand und zwingen mich zu nichts. Aber ich finde es immer cool, wenn die mir ein Interview klarmachen, das so vielleicht nicht zustande gekommen wäre. Die Anfragen nehme ich dann natürlich auch gerne an.

rappers.in: Wenn du schon bei den Interviews keine intensive Professionalisierung bemerkst: Tust du das dann bei der Musik? Immerhin hat "HWG" eine mehrwöchige Promophase bekommen.

Juicy Gay: Das kommt vielleicht so rüber, aber so viel verändert hat sich gar nicht. Mir kommt es vor, als wäre alles wie immer. Die Jungs bringen auf jeden Fall Struktur rein, das beeinflusst mich aber nicht in meinem Schaffen.

rappers.in: Als die Meldung zu deinem WSP-Signing kam, ist das bei vielen erst einmal auf Verwunderung gestoßen, da die Soundästhetik der restlichen Labelkünstler ja eher Richtung BoomBap anzusiedeln ist. Wie ist da überhaupt der Kontakt zustande gekommen?

Juicy Gay: Ich bin ja seit einem Jahr bei Melt Booking. Die sind eben dicke mit WSP. Dann war ich irgendwann mal bei WSP in der Wortsport-Lounge, das ist so ein Event, das die regelmäßig in Heilbronn veranstalten. Zu dem Zeitpunkt lag schon ein bisschen in der Luft, dass ich da vielleicht signe. Dexter, der WSP-Chef, und alle anderen waren von Anfang an korrekt zu mir, das hat mich dann letzten Endes auch zu der Entscheidung bewogen.

rappers.in: Also gibt es in Zukunft vielleicht auch Juicy Gay feat. Schote auf einem Dexter-Beat?

Juicy Gay: Natürlich, wenn sie Bock darauf haben. Warum nicht?



rappers.in: Ich habe dich tatsächlich letztes Jahr auf dem ein oder anderen Festival gesehen, auf dem du auch schon Songs von deinem neuen Projekt gespielt hast, unter anderem "2 Uhren" oder "Skibrille". Wie lange existieren diese Tracks denn insgesamt schon?

Juicy Gay: "100k Mäuse" und "Kagawa" haben wir schon letztes Jahr im März fertig gehabt; im Sommer haben wir dann irgendwann "Skibrille" gemacht. Danach wurde es irgendwie unstrukturierter, ich wusste gar nicht so richtig, wie ich was anfangen sollte. Irgendwann war dann Asad (Producer AsadJohn, Anm. d. Red) bei mir und wir konnten nicht mal aufnehmen, weil alles so chaotisch war (lacht). Er meinte dann, ich solle mich mal organisieren, hat mir Beats geschickt und so weiter. Danach habe ich das ganze Tape in zwei Wochen fertig gemacht.

rappers.in: Das ganze Tape in zwei Wochen?

Juicy Gay: Ja, vielleicht auch in 'nem Monat. Aufgenommen habe ich dann zum Teil bei ihm und zum Teil bei mir zu Hause.

rappers.in: Auf dem Tape ist jetzt auch ein Song, in dem es nur darum geht, wie du dir ein Sandwich bei Subway bestellst. Wie entsteht so eine Nummer?

Juicy Gay: (lacht) Wegen des Beats! Kennst du vielleicht Mr. Ghetto? Der macht genau solche Songs wie den Subway-Track! Ich hab ja noch ein paar Bars drin – aber er, er hat nicht mal Bars – er schneidet die Songs nur aus ein paar einzelnen Wörtern zusammen! Als Asad mir den gezeigt hat, hatte ich direkt diesen Subway-Song im Kopf.

rappers.in: Das beste Brot ist übrigens immer noch Cheese-Oregano!

Juicy Gay: Ja, beim Freestylen passieren eben auch Fehler! Ich bin auch nicht perfekt (lacht). Ich habe bei der Aufnahme währenddessen online geguckt, wie man so einen Sub überhaupt belegt und das dann improvisiert. Asad hat es einfach später zusammengeschnitten.

rappers.in: AsadJohn ist sowieso für die kompletten Instrumentals verantwortlich, oder? In einem älteren Interview hast du ja noch anklingen lassen, einige Tracks selbst zu produzieren, das überlässt du inzwischen aber offenbar anderen.

Juicy Gay: Ja, dieses Mal habe ich nur paar Melodien beigesteuert, sonst ist das alles seine Arbeit. Er hat das schon so ganz rund gemacht, außer ihm gibt es nur eine Arbeit von Lex Lugner.

rappers.in: Als Gegenpol zu "Subway" gibt es auf dem Album auch ein paar Tracks, die schon in Richtung Lovesong gehen. Sind die einer bestimmten Person gewidmet?

Juicy Gay: "Paris" ist tatsächlich an meine Freundin gerichtet, mit der ich auch selbst in der Stadt war. Und "3x" ist einfach ein zufällig erfundener Song , den ich an sich stimmig fand. Manche meinten im Vorfeld, ich würde zu wenig deepe Nummern und zu viel Turn-Up drauf haben, aber ich finde die Mischung eigentlich ganz gut.

rappers.in: Vor einem Jahr hast du dir noch den Status als "schwulster Rapper Deutschlands" auf die Fahne geschrieben, das war auch eines der Merkmale, mit denen du als erstes assoziiert wurdest. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass sich das etwas reduziert hat. War das eine bewusste Entscheidung, um dir da keinen Stempel aufdrücken zu lassen?

Juicy Gay: Ich würde es nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung nennen. Eigentlich mach ich auch seit ungefähr 'nem Jahr nichts explizit "Schwules" mehr. Der Eindruck entsteht wohl auch, wenn das zum Beispiel bei einem Falk Schacht-Interview direkt im Titel steht, da denken dann alle "boah krass, was geht da ab?". An sich von der Musik her war nur mein erstes Mixtape damit aufgeladen, seitdem ist das nicht mehr so.

rappers.in: Falls du dich erinnerst, vor kurzem war ja dieser Homophobie-Vorfall mit dem YouTube-Rapper Mert: Nachdem du ihn schon mit dem Riesendildo verprügelt hast; kommt da demnächst noch der zerstörende Disstrack oder hat dich die Sache dann doch nicht so interessiert?

Juicy Gay: (lacht) Er hat nicht mal seinen Disstrack verdient. Ich glaube, der macht das wirklich nur aus Promogründen. Wer weiß, wie homophob der Typ wirklich ist? Also ich meine, man merkt schon, dass das 'nen wahren Kern hat, aber das auf 15 Minuten auszuwalzen, ist einfach nur Promo gewesen. Der Move zeigt doch schon, was für ein Bastard er ist.

rappers.in: Du mischst immer noch in diesem SoundCloud-Untergrund mit und arbeitest mit Künstlern mit gerade einmal ein paar hundert Klicks zusammen. Sind das alles Kollegen von dir?

Juicy Gay: Das sind tatsächlich fast alles Leute, die ich kenne; ganz viele zum Beispiel von der Berg Money Gang. Eigentlich mach ich dann auch immer einen Part, wenn mich jemand fragt. Das Entscheidende ist dann, ob der Song nice ist. Wenn ja, habe ich auch eigentlich immer direkt Bock. Manchmal brauche ich zwar 'ne Woche, bis ich den Part fertig habe, aber warum sollte ich das nicht machen? Ich bin keiner, der Features aufgrund meiner Bekanntheit ablehnt.

rappers.in: Bei deinen Live-Performances hast du 'ne unglaubliche Energie, das Publikum ist immer ab der ersten Sekunde dabei. Dabei spielst du noch gar nicht so lange vor größeren Crowds, hast du irgendwo Erfahrung gesammelt?

Juicy Gay: Ich habe eigentlich schon ziemlich viel live gespielt. Ich war ja zum Beispiel mit LGoony auf Tour, da sammelt man 'ne Menge Erfahrung und weiß, wie man die Leute anheizt. Und ganz ehrlich, die neuen Songs sind auch einfach so schon krass livetauglich. Es sind eine Menge Turn-Up-Songs geworden.

rappers.in: Die wichtigste Frage zum Abschluss: Wann kommt "Schwuler Samt"? Inzwischen hast du nur noch neun Jahre bis zum versprochenen Release.

Juicy Gay: Weiß man's? Ich muss mich mal an die ersten Punchlines setzen. Aber ein paar Jahre sind ja schließlich noch Zeit (schmunzelt).



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Friedrich Stf.

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