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Review: Jaden Smith - The Sunset Tapes: A Cool Tape Story

veröffentlicht: Sonntag, 16.12.2018, 17:30 Uhr
Autor: Vincentbl3003





Vielseitig, aber überladen, grandios produziert, aber textlich ideenarm, interessante Ansätze, jedoch nicht ausgereift: Die Kritiker waren sich nach Jaden Smiths Debütalbum "Syre" letztes Jahr ziemlich einig darüber, dass es ein Album mit einer langen Liste Pros und Cons ist. Musikalisch probierte sich der damals 19-jährige in allem aus. Dabei begeisterten songübergreifende Konzepte, schön produzierte, atmosphärische Balladen, rohe Tracks mit straightem Rap und gelungene Popsongs, die von der Frische und dem Hunger des Youngsters lebten. Leider zeigte die andere Seite der Medaille durchgehend inhaltslose und wirre Texte, geklaute Songideen und Überlängen von einigen Liedern, die man auch nicht ganz mit künstlerischer Unerfahrenheit entschuldigen kann. Sehr gespannt war man nun auf das zweite Album, was hat Jaden dazugelernt, in welche Richtung entwickelt er sich und wie viel von seinem Potenzial kann er abrufen?

There she lies, in my arms/
I‘m a sucker for this summer nights, girl
l/
(Jaden Smith auf "Distant")

Melancholisch und ästhetisch ist "Soho" gleich am Anfang wegweisend für die musikalische Idee dieses Albums. Die Entwicklung geht hin zu ruhigen atmosphärischen Tracks, die leider mit der Qualität der Produktion stehen und fallen. Während man Jaden auf Tracks wie "Breakfast " oder "Falcon " auf seinem Debutalbum noch auf einem hohen Level technisch einwandfrei spitten hörte, kommt auf diesem Tape größtenteils eintöniger Gesang mit einer oft überzogenen Präsenz von Autotune wie auf "Yeah Yeah" oder liebloser, monotoner Rap wie auf "A Calabasas Freestyle". Konzeptionell aus der Masse heraus sticht nur "Better Things", ein lockerer, eingängiger Pop-Song, der für sich betrachtet jedoch allenfalls ordentlich ist. Die starken Momente hat "The Sunset Tapes: A Cool Tape Story", wenn ein schön ausproduziertes Instrumental in den Vordergrund rückt und Jaden selbst zur Nebenfigur wird, wie auf "FALLEN Part 2". Bei ähnlichen Songs mit schwächeren Beats, auf denen er den Song selbst tragen muss, offenbaren sich die gravierenden Schwächen. "Play This On A Mountain At A Sunset" ist dafür ein Paradebeispiel. Die ganzen sechs Minuten lang variiert der minimalistische Beat kein bisschen und so zeigt sich, dass Jaden Smith sowohl die lyrischen Fähigkeiten als auch die gesangliche Einzigartigkeit fehlen, die so ein Song unbedingt braucht, um atmosphärisch und klanglich ansprechend zu sein. Die energischen, dynamischen, mitreißenden Tracks wie "Icon" oder "Goku" waren zwar inhaltlich ebenso belanglos und die meisten Lines grottenschlecht, haben aber durch die lebendige und authentische Performance eines hungrigen Jungspundes eine ganz andere Qualität als die Werke dieses Tapes. Charisma, wie es in vielen Parts auf "Syre" aufklang, spürt man nur auf "Plastic", in dem er auch mit Stimme und Flows variiert. Ansonsten geht hier jedes Flair verloren in einem krampfhaften Versuch, den in den letzten Jahren durch Rapper wie Future und 21 Savage auf Anklang gestoßenen Rapstyle zu beherrschen.

We got orange jam, in a new whip, finna orange it/
Man, think Im bout´ to go to Florence then/

(Jaden Smith auf "Soho")

Fazit:
Nach dem vielversprechenden Debutalbum im letzten Jahr ist dieses Tape frustrierend. Nicht nur, dass Smith sich lyrisch auf einem traurig niedrigen Level befindet, fällt schwer ins Gewicht, sondern auch die oft eintönigen Balladen langweilen. Wenn diese jedoch einen tragenden Beat haben, oder wenn er vom üblichen Konzept abweicht, kann er auf Songlänge durchaus überzeugen. Es ist viel Potenzial einfach nicht genutzt worden, was bei einem durchaus talentierten Rapper mit solchen Möglichkeiten sehr schade ist.

(Vincent Busche)



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