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Review: Hollywoodsfinest - Soziopath

veröffentlicht: Freitag, 27.04.2007, 13:25 Uhr
Autor: Sekundär





Tracklist
1. Vorwort
2. Introvertiert
3. Nur die Liebe zt
4. Liebe & Romantik
5. SKIT Feinschmecker
6. HIV Prototyp
7. Ostdeutschland
8. Eastside representer
9. Hart aber herzlos
10. SKIT die Hoffnung stirbt zuletzt
11. Sex drugs and rock'n'roll
12. Soziopath
13. Arbeitsbeschaffungsmaahme
14. SKIT Kinderliebe
15. Schoener wohnen
16. Volles Programm
17. SKIT Tod der Scheidung
18. Gott, schenk ihnen Fluegel
19. Discovery channel
20. SKIT Internetstar
21. Rechts vor links
22. Deepthroating & Peitsche
23. Das Urteil

Hardcore Entertainment.
Diese zwei Worte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Erstlingswerk des Ostdeutschen Rappers Hollywood Hank. Hardcore Entertainment ist im Grunde die treffendste Beschreibung des „Soziopath“-Albums. Auf insgesamt 23 Tracks wird der Zuhörer in die kranke Welt des Newcomers entführt, die weitgehend aus Drogen, Alkohol und Geschlechtskrankheiten besteht. Nebenbei wird natürlich noch die eine oder andere Mutter gefickt sowie eine mindestens zweistellige Anzahl schwuler deutscher Rapper. Begleitet von diversen Filmzitaten und bis auf eine Ausnahme durchgehend eigens produzierten Beats wird zu 100% das Hollywoodsfinest-Programm gefahren.
Das sehr mysteriös anmutende Intro leitet die ersten Battletracks ein, in denen Hollywood seine Attitüde deutlich macht.

(„Ich leb für Drogen, Hoes und Geld, steh im Fokus meiner selbst
denn deutscher Rap ist homosexuell wie Tokio Hotel
Ich bin porno und mach grade deine Dorfschlampe zur Sklavin
Spiel mit Folteraccessoires an ihren Fortpflanzungsorganen”)

Hiernach folgen diverse Tracks mit relativ unterschiedlichen Themen, die aber alle eins gemeinsam haben: Ideenreichtum. Bei Battletracks von Ideenreichtum zu sprechen ist in der Tat ungewöhnlich, allerdings bringt Hollywood dem Hörer sich selbst und seine Umgebung auf die unterschiedlichsten Arten näher, ohne dabei jemals aus der Rolle des Soziopathen zu fallen.
Ob er dabei eher erzählend vorgeht (“Ostdeutschland”, “Hoffnung stirbt zuletzt”, “Feinschmecker”) oder ohne Rücksicht auf Verluste Battlelines abspult, die die Energie einer Wasserstoffbombe zu haben scheinen. (“Sex, Drugs & Rock ‘n’ Roll”, “Arbeitsbeschaffungsmaßnahme”, “Schöner Wohnen”)
Stets hat man es hier mit den kranken Gedanken eines Rappers zu tun, der sich von der Masse abhebt, was er nicht einfach nur durch unkonventionelle Inhalte und Aussagen erreicht, sondern auch durch einen mehr als ansehnlichen, teilweise extrem schnellen Flow und überaus geschickten Umgang mit Reimen.

(“Ich spiel zur Winterzeit den Santa Claus im Kinderheimversammlungsraum
heißt fick mit einer Schlangenfrau und sing dabei Oh Tannenbaum”)

Das letzte Drittel des Albums wartet, nachdem man sich bereits einen gefestigten Eindruck von Hollywood gemacht hat, mit wenigenÜberraschungen auf. Ideenreichtum und Innovation sind wie gesagt vorhanden, allerdings mangelt es dann an Facettenreichtum. Der Hörer erfährt schon bald nichts neues mehr über den ostdeutschen Ausnahmerapper, die Aussagen fangen an, sich zu wiederholen und es fehlt jegliche Selbstreflexion.
Mit “Discovery Channel” lässt der beste Track des Albums fast bis zum Ende auf sich warten. Hier zeigt Hollywood Hank all sein Können auf einen sehr melodischen Beat und variiert seine Flows und Reimketten auf sehr beeindruckende Weise. Dieser Track hätte Single-Potential.
Abgerundet wird das Erstlingswerk des Newcomers von einem Massenfeature-Track, auf dem die Labelkollegen JAW und Dima sowie die norddeutschen Untergrundtalente Persteasy und Crusoe vertreten sind und eine mehr als zufriedenstellende Leistung abliefern.

Allgemein ist das gesamte Album mehr als gut gelungen. Es bietet definitiv viel, was man in den letzten Jahren bei deutschem Rap vermisst haben könnte. Leider zeigen die Tracks zwar viel von Hollywoods Ideenreichtum, aber die verschiedenen Themenkonzepte zeigen immer nur eine Seite von Hollywood, was wiederum Eintönigkeit verursacht. Diese Art von Eintönigkeit ist nichtsdestotrotz sehr gut umgesetzt und um Klassen besser als der deutsche Standard-Rap, weshalb ich diese LP mit 8 von 10 Punkten bewerte.


(Sekundär)



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