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Review: Frank White und Godsilla - Südberlin Maskulin

veröffentlicht: Mittwoch, 01.10.2008, 20:36 Uhr
Autor: Hakanonym





Disk 1:
01. Erster Track (Intro) feat. Beko
02. Dein Leben
03. Vater Unser
04. Skit 1
feat. Uebelst
05. Ich bin ein Rapper
06. Bizz Action Drive
feat. Orgi69
07. Glaub an dich feat. She-Raw
08. Was los ?!?
09. Auf der Straße
10. Wenn der Beat nicht mehr läuft
11. Unsere Zeit
12. Alqaida auf Deutsch
13. Skit 2
14. Zunami Business
15. Schlaflos
feat. Sido und Ozan
16. Maskulin Maskulin feat. Bass Sultan Hengzt
17. Zu oft
18. Seit MTV
19. Letzter Track (Deine Frau)


Disk 2:
01. Ghetto im Kopf feat. Ozan
02. Nacht und Nebel Aktion 2
03. Comeback
04. Mehr Kohle
feat. Frauenarzt und Reason
05. Wie du mir so ich dir feat. Sera Finale
06. Jeden Tag


In Sachen Deutschrap steht Frank White, zusammen mit Sonny Black, für die Einführung des Gangsterrap. Harte Battletexte, in denen die Messlatte gewaltbereiter Lyrics deutlich nach oben geschraubt wurde, sind unweigerlich mit Westberlin Maskulin verknüpft. Was ist also zu erwarten, wenn Frank White und Godsilla ihr Album "Südberlin Maskulin" nennen? Richtig. Harte Raps und Straßenmentalität.

"Frank White ist back am Block, Rap ist für mich Freizeit/
SBM, LSD, hauptberuflich Drive-By/
Südberlin! Maskulin! Aggro wieder hardcore/
Schlechtes Vorbild.../"

(Frank White in "Erster Track/Intro")

Schon die einleitenden Worte des Albums geben die Stoßrichtung vor. Es wird gefrontet, was keinen Respekt zollt, Messer werden gezückt, die Straße hochgejubelt und die eigene Arroganz in den Himmel gelobt. Thematisch bewegt sich das Ganze, recht unspektakulär anmutend, zwischen den Schlagworten "Gangster", "Aggression" und "Südberlin".
Wer seine Hoffnung darauf aufbaut, dass Frank White und Godsilla irgendetwas revolutionieren wollen, der setzt ganz eindeutig auf das falsche Pferd. Dennoch entspricht "Südberlin Maskulin" nicht dem Credo des alten Weins in neuen Schläuchern. Ein genaueres Hinhören offenbart dann auch, was sich genau geändert hat. Es ist die Absicht: Man versucht nicht, wie es noch vor zwei bis drei Jahren der Usus gewesen ist, "Ghettorap" in den Club zu bringen. Der eigene Standpunkt ist klar und an diesem wird nicht mehr herumgedoktort. Er wird zelebriert.

"Nenn mich arrogant, guck, ich scheiß auf jeden, der rappt/
Und es bleibt mir überlassen, welche Regeln ich brech/
Geh zur Seite, Godsilla Massenhysterie/
Du und ich: Das ist ein Klassenunterschied/

(Godsilla in "Dein Leben")

Es wirkt alles sehr routiniert. Wenn Akzente gesetzt wurden, dann kann man davon ausgehen, dass es willentlich geschehen ist. Ein Blick auf die Featureliste, die teils mit weniger Bekannten (Ozan, Beko, Reason), teils mit der Berliner HipHop-Prominenz (Sido, Orgi69, Bass Sultan Hengzt, She-Raw) ausgestattet ist, lässt zuerst vermuten, dass es sich hier um viele Lückenfüller handelt. Doch beim Anhören der Tracks merkt man, dass fast jedes Feature an der richtigen Stelle sitzt.
Konsequenterweise sind auch die Beats, für die Djorkaeff verantwortlich ist, in "back to the roots"-Manier an die alten Tage angeknüpft. Streicher, böse Synthesizer, tiefer Bass, drückende Kick, krachende Snare. Es kann zwar keine Rede davon sein, dass die Hooks komplett weichen mussten, doch wurden sie größtenteils auf gängige Einzeiler reduziert. So brüllen Frank White und Godsilla zusammen mit Bass Sultan Hengzt auf dem gleichnamigen Track über vier Takte hinweg lediglich "(Südberlin) Maskulin". Anscheinend wollten die beiden, dass selbst Menschen mit dem IQ-Wert einer Glühbirne mitbekommen, dass die Protagonisten aus dem südlichen Teil Berlins stammen. Und über das Geschlecht soll nicht länger spekuliert werden: "Maskulin! Südberlin Maskulin!".

Hand aufs Herz: Wenn man die Namen liest, dann erwartet man nicht unbedingt, dass es Wortspiele en masse regnen wird. Das ist auch nicht der Fall. Doch ab und an bringen die Berliner Rapgrößen Zeilen mit denen man (bzw. ich) nicht wirklich gerechnet hätte. Wie schon erwähnt: Es ist nicht die Zeit, um raptechnische Revolutionen vom Zaun zu brechen. Man setzt auf Altbekanntes, und indem man der ganzen Chose noch die eigene persönliche Note verleiht, versucht man, den Hörer auf die eigene Seite zu ziehen. Sofern man also grundsätzlich etwas mit Frank White und Godsilla anfangen kann, ist man gut beraten, sich dieses Album zu Gemüte zu führen.


(Hakanonym)



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