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Review: Fler – Im Bus ganz hinten

veröffentlicht: Dienstag, 01.11.2011, 17:46 Uhr
Autor: TonySunshine





01. Du bist out
02. Mein Lifestyle
feat. Moe Mitchell
03. Dirty White Boy
04. Spiegelbild
05. BTM Skit
06. Kein Kommentar
07. Immer noch kein Fan davon
feat. Silla & MoTrip
08. Zeichen feat. Moe Mitchell
09. Um uns rum feat. G-Hot & Nicone
10. Chinatown Skit
11. Teer in meiner Lunge
12. Wir machen einen drauf
13. Wenn ich kein Rapper wär
14. Freunde werden Feinde
15. Im Bus ganz hinten
16. Vollmond
feat. G-Hot

Fler ist dumm. Fler kann nichts. Fler ist ein Prolet. Fler disst ständig für Promo. Fler ist ein Nazi. Fler ist dies, Fler ist das. Alles Aussagen, die man über den Berliner Rapper immer und immer wieder hören und lesen muss. Meist wird dabei aber einiges totgeschwiegen, das man ihm einfach nicht absprechen kann. Klar hat Fler nicht nur gute Tracks veröffentlicht, klar hätte sich Fler den einen oder anderen Disstrack sparen können (zuletzt "Erst Ghetto, dann Promi" gegen Sido), klar hätte das Image des harten Deutschen nach "Neue deutsche Welle" nicht noch zwei Mal herhalten müssen, aber: Wer war denn der einzige Rapper damals bei Aggro Berlin, der auch "aggro" geblieben und nicht im Weihnachtsmannkostüm bei "Popstars" rumgehampelt ist? Welcher andere Rapper ist so ehrlich wie Fler und gesteht sich immer wieder Fehler und Schwächen ein? Wer gab im deutschen Rapgeschäft zu Zeiten von "Trendsetter" ein besseres Gesamtpaket ab als eben Fler? Und nicht zuletzt: Wer liefert immer wieder einen guten Track ab und lenkt die volle Aufmerksamkeit damit auf sich und bleibt sich trotzdessen noch treu und macht, worauf er Bock hat? All das und noch mehr macht Fler aus und ist auf "Im Bus ganz hinten" so stark wie fast nie zuvor zu hören.

"Yüah, ich red' von Kohle, man, ich liebe Bares/
Du redest nur von Kohle, wenn du auf 'ne Shisha wartest/
Warum ich immer noch mit Basey unterm Bett schlafe/
Man, ich hab' echten Beef, nicht wie du auf Rapbasis/
"
(Fler auf "Du bist out")

"Du bist out" geht mit seinen zwei 16ern mitten in die Fresse, Fler zeigt, wo der Hammer hängt, wer hier der Beste, Härteste und Coolste ist. Das macht jeder, und die meisten machen es schlecht, Fler nimmt man allerdings jedes Wort davon ab und unterhaltsam ist seine arrogante Art auch nach all den Jahren noch. Und wer immer noch behauptet, Fler wäre mittlerweile technisch ein kaum mehr als ordentlicher Rapper, kann nur ein ignoranter Hater sein. Besser kann man ein Fler-Album kaum einleiten. Konsequent weitergeführt wird das auch mit den nächsten Tracks. Lebensverändernde Weisheiten bekommt man selbstverständlich nicht serviert, aber das wird wohl auch niemand erwarten oder hören wollen. "Mein Lifestyle" erzählt von selbigem, "Dirty White Boy" ist ein typischer Fler'scher Prolltrack, "Spiegelbild"... auch. Gerade aber letzterer weiß nach mehrmaligem Hören zu gefallen. "Ohhhhh Shit, ich sehe mich im Spiegel und bin sooo schick"!

"Fler war so lang' auf der Straße, dass er fast arabisch spricht/
Schläge für meine Gegner, jeder macht seine Fehler/
Ich bin kein Fan von deinem Label mehr, du scheiß Verräter/
Du kannst nur bei Nacht mit dein' Gangstern komm'/
Draußen sieht man dich nur noch bewacht wie das Pentagon/
"
(Fler auf "Immer noch kein Fan davon")

Nach dem ersten kleinen Aussetzer "Kein Kommentar" erwartet den Hörer wieder volles Programm. Gemeinsam mit Silla und MoTrip battlet Fler Gott und die Welt und... Bushido, oder was war das mit dem Label und "bei Nacht"? Ein fetter Beat, drei gute Rapper, perfekter Track. MoTrips Einfluss auf das Album ist nebenbei bemerkt mal mehr, mal weniger stark zu hören. Verleugnet wurde von Fler ohnehin nicht, dass sein neuer Kumpel auch hin und wieder Feder führte, und auch, wenn die MoTrip-typischen Styles (z.B. halbe Zeile, Pause, Stichwort als Vergleich) zu offensichtlich sind, trägt das wohl sehr positiv zum Album bei. Gerade die Battletexte erscheinen stark verbessert im Vergleich zu früheren Werken. Bei aller Sympathie traue ich Fler nicht zu, die Zeilen "Warum zittert deine Hand/ Dein klitzekleiner Schwanz reicht nicht, um mich zu ficken, man, ich witter' deine Angst/" (aus "Teer in meiner Lunge", einem der stärksten Tracks des Albums) alleine geschrieben zu haben. Doch, um Flers Argumentation hierbei zu benutzen: Warum sollte er sich bei Texten nicht helfen lassen, wenn das Produkt am Ende besser ist? Im Grunde hat er Recht.

"Ich fick' dich von oben, unten, hinten und vorne, bis/
Du nicht mehr weißt, wo oben, unten, hinten und vorne ist/
Ich sag's dir nur von vornherein, ich geb's dir hinten und auch vorne rein/
Deepthroat, Peepshow, Pornostyle/
"
(Fler auf "Wir machen einen drauf")

"Wir machen einen drauf" ist ein herrlich primitiver Track über die Vollführung des Liebesakts, der etwas an den Track "Disco" aus dem Mixtape "90210" erinnert, von der Qualität – zum Glück aber nicht vom Niveau – aber Welten darüber liegt. Ob das nun spätpubertär ist oder nicht, und ob man derartiges hören will, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich zumindest würde beides mit einem klaren "Ja!" beantworten. Die restlichen Tracks sind allesamt sehr schnell erklärt. So sind "Wenn ich kein Rapper wär", "Freunde werden Feinde" und "Um uns rum" leider eher Lückenfüller, "Zeichen" der ruhigste Track des Albums, der den meisten bereits bekannt sein dürfte und recht schön anzuhören ist, und "Im Bus ganz hinten" und "Vollmond" eben die Tracks, die zum Schluss noch dazu da sind, um das Album perfekt abzurunden. Gerade der zuletzt genannte gehört zu den besseren Songs und schließt perfekt an die alten Tracks von Fler und G-Hot als Duo an.

Fazit:
"Im Bus ganz hinten" ist von vorne bis hinten einfach ein absolut rundes Ding. Vom Intro "Du bist out", als er den Busfahrer "Wichser" nennt, bis er im letzten Track "Vollmond" "in einem Auto, das sich kein Rapper leisten kann" durch die Stadt cruist: Fler weiß einfach genau, was er tut, was ihn ausmacht und wo seine Stärken liegen. Außerdem wissen die meisten Beats absolut zu gefallen und heben sich von austauschbaren, qualitativ durchschnittlichen Instrumentals aus vergleichbaren Alben deutlich ab. Auch die Features (G-Hot, MoTrip, Moe Mitchell und Nicone) sind bedacht gewählt und bis auf Nicone ansprechend geraten. Selbst wenn ich den meisten Thematiken mit zunehmendem Alter nicht mehr ganz so viel abgewinnen kann, wie als 13-jähriger, bleibt "Im Bus ganz hinten" so für mich ein absolut ausgereiftes Produkt, für das ihn seine Fans vergöttern dürften. Fler in Höchstform!


(TonySunshine)



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