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Review: Fler präsentiert Frank White – Keiner kommt klar mit mir

veröffentlicht: Freitag, 27.02.2015, 12:41 Uhr
Autor: KDePa





01. Intro
02. Gangster Frank White
03. Anti Alles
04. Outlaw
05. Du Kek
06. Der Asphalt glänzt
07. Das Leben ist kein Internet
08. Mc Fit Skit
09. Du bist nicht bereit dafür
10. Alles Fake
11. 1 G
12. Schwanzlutscher
13. Ich schwöre
14. Credits
15. Fler vs. Frank White
feat. Laas Unltd.
16. Realtalk
17. Badewiese Pt. 2
18. Outro


Fler präsentiert Frank White. Der Berliner kramt sein altes Ego hervor, um an seine Anfangszeit im Rapgeschäft anzuknüpfen. Zum ersten Mal ist er dabei ohne Kollabopartner auf den Beats unterwegs und passend dazu lautet der Albumtitel "Keiner kommt klar mit mir". Im Vorfeld der Veröffentlichung hatte es den Anschein, als wolle Fler auch wirklich jede Gelegenheit dazu nutzen, den Namen seiner Platte zu legitimieren. Neben diversen obligatorischen Tweefs trennte er sich nicht gerade harmonisch nach und nach von allen Rappern seines Labels Maskulin, bedrohte Journalisten und verfasste einen kontroversen öffentlichen Brief an den Rivalen Farid Bang. Für sein neues Album kündigte er an, sich stilistisch an seinem Kollabo-Erstling und Deutschrapmeilenstein "Carlo Cokxxx Nutten" zu orientieren. Nicht wenig dazu beigetragen hat auch, dass sein ehemaliger CCN-Partner Bushido den dritten Teil dieser Reihe nun solo machen möchte. Doch vermag Frank White auch musikalisch der Impulsivität und Durchschlagskraft des Klassikers gerecht zu werden?

Klar ist erst einmal, dass Fler in der Szene kein Neuling mehr ist, der um seinen Platz kämpfen muss, genauso wie Deutschrap anno 2015 nicht mehr um Beachtung und Anerkennung in der Öffentlichkeit kämpfen muss. Deshalb verwundert es nicht, wenn der einzigartige CCN-Flavor auf "KKKMM" nicht lupenrein zu spüren ist. Doch befreien wir uns von dieser starren Erwartungshaltung, denn "Keiner kommt klar mit mir" ist schließlich einfach das elfte Soloalbum eines etablierten Künstlers, der einen kleinen Ausflug zu seinen Wurzeln wagen möchte – nicht mehr und nicht weniger.
Nach dem "Intro", gespickt mit Zitaten aus den Film "King of New York", dem Frank White seinen Namen entlehnt hat, geht der düstere Beat direkt in den ersten Track "Gangster Frank White" über. Hier verarbeitet Frank neuere Vorkommnisse wie Streitereien mit Journalisten, nennt "CCN 3" ohne ihn eine "Blamage" und stellt fest: "Ghetto-Rap am Mic, meine Fans sind wieder glücklich". Die Hook geht gut ins Ohr und verleiht der ersten Anspielstation durchaus Hitpotential. Auch "Anti Alles", "Outlaw" und "Der Asphalt glänzt" erinnern mit simpel gehaltenen, bedrohlichen Musikuntermalungen an alte CCN-Beats und bilden allesamt gelungene Tracks. Dabei wird munter gegen alles und jeden gepöbelt: zum Beispiel Farid Bang, Marcus Staiger oder Toxik Kargoll – um nur ein paar zu nennen. "Badewiese Pt.2" übernimmt dann nicht nur den Titel des Klassikers von 2002, sondern auch einzelne Textpassagen, die Frank dann in die Gegenwart überführt. Spätestens hier treten dann doch Retro-Feeling und Nostalgie auf.

"Heute ist nicht gestern, deutscher Rap verändert sich/
Farid Bang, du Hurensohn, du bekommst ein' Messerstich/
Ich wär' gerne freundlich, doch ihr Opfer fuckt mich ab/
Ihr seid alle gegen Action, dann kommt nicht in meine Stadt/
"
(Frank White auf "Badewiese Pt. 2")

Obwohl sich Frank mehrfach gegen Technikfanatismus à la Reimsilben zählen ausspricht, präsentiert er sich selbst auf "KKKMM" diesbezüglich durchgängig auf einem guten Niveau, mit einigen für ihn ungewohnt komplexen Reimketten, die zusammen mit seinem starken Flow für eingängigen Hörgenuss sorgen. "Du Kek" und "Du bist nicht bereit dafür" bleiben der aggressiven Linie der Platte treu und wissen ebenfalls, mit druckvollen Beats zu überzeugen, bei denen von Flers Trap-Ära nicht mehr viel zu hören ist. Der Track "Ich schwöre" sorgt mit schnellem Beat und einem etwas anderen Flow sowie einer weiblichen Hook für etwas Abwechslung. Immer wieder lässt sich auch heraushören, dass Fler im letzten Jahr viele Schwierigkeiten mit der Rapszene, aber auch außerhalb dieser, gehabt hat. Auf den Tracks "Das Leben ist kein Internet" und "Alles Fake" rappt Frank gegen jüngere Rappergenerationen an und versucht, sich durch Härte und Realness von diesen abzusetzen. Dies gerät auf "Schwanzlutscher" allerdings sehr in eine Richtung, in der er etwas viel über "Blasen", "Schwänze" und "literweise Wichse" rappt.

"Fotze, mach hier nicht auf intellektuell/
Die ganze Szene, sie ist für mich metrosexuell/
Arrogante Spasten, unloyale Ratten/
Während Felix bei mir bläst, kriegt er Klatsche auf den Nacken/
"
(Frank White auf "Du Kek")

Ein klein wenig mehr Themenvielfalt bieten die Anspielstationen "1 G", auf der Frank eine ehemalige Beziehung anspricht, in der er für seine Ex-Freundin und deren Eltern schließlich nicht gut genug war, und "Credits", welche Flers Zeit bei Aggro Berlin verarbeitet und dessen Vorreiterrolle für die deutsche Rapszene proklamiert. Das fiktive Duell "Fler vs. Frank White", mit Laas Unltd. als Kampfrichter, eine Fortsetzung des Battles auf "Fremd im eigenen Land", kommt allerdings nicht an die erste Begegnung heran, auch weil man nur mühevoll die Parts von Fler und Frank auseinanderhalten kann. Das sechsminütige "Outro" bringt in einer Ansprache an Flers Kritiker und Gegner, in der sich Frank White alles von der Seele redet, und welche seine Entwicklung noch einmal kurz herunterbricht, den gesamten Albuminhalt auf den Punkt: Mit ihm kommt einfach keiner klar.

"Und sie fragen mich: "Wie war dieser Anis drauf?"/
Universal-Deal, plötzlich war sein Handy aus/
Doch auch ohne dich hab ich das Land gefickt/
So 'ne Rapper wie du haben plötzlich Angst gekriegt/
"
(Frank White auf "Credits")

Fazit:
"Keiner kommt klar mit mir" ist, wie auch Fler selbst, ehrlich und unverfälscht. Die Platte erzählt viel aus seiner jüngsten Vergangenheit und rechnet mit allen ab, die Kritik übten, sich gegen ihn stellten oder eben einfach nicht mit ihm klar kamen. Dabei nähert sich Frank durch düstere, schnörkellose Beats, klassisches Berliner Strassenvokabular und jede Menge aggressives, asoziales Gepöbel seinem CCN-Stil an. Wer eine nahtlose Anknüpfung an die Kollabo-Alben mit Sonny Black erwartet hat, wird nicht ganz zufrieden gestellt werden, aber jede realistische Erwartungshaltung hätte das schließlich auch verboten. "KKKMM" ist ganz einfach ein starkes Gangsta Rap-Album, das vielleicht die eine oder andere clevere Line mehr, statt Beleidigungen gegen wahllose Personen der Öffentlichkeit, gut vertragen hätte, doch wer damit nicht klar kommt – naja, das tut ja schließlich eh keiner.


Maximilian Lippert



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