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Interview: Fatoni (Yo Picasso, Entwicklung, Zukunft) – Text

veröffentlicht: Montag, 14.12.2015, 19:33 Uhr
Autor: Felixxl


Es war bisher ein turbulentes Jahr für Fatoni: Zunächst erschien im Juli ohne große Ankündigung die "C'mon" EP. Es folgte eine gemeinsame Tour mit Weekend und 3Plusss und als wäre das nicht schon genug, gipfelte dieses Jahr am 06. November mit "Yo, Picasso" in einem gemeinsamen Album mit Dexter. Nach Gründen, um einmal hinter die Fassade dieses produktiven Jahres schauen zu wollen, muss also nicht lange gesucht werden. Wir wünschen viel Spaß mit unserem Interview.



rappers.in:
Hallo Fatoni und vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

Fatoni:
Ja ja ve ve.

rappers.in:
Mit "Yo, Picasso" kommt nach zwei EPs endlich das mittlerweile doch sehnlichst erwartete Album. Warum hast du dir nach "Solange früher alles besser war" mit einem quasi Solorelease über Albumlänge so viel Zeit gelassen?

Fatoni:
Ich habe erstmal ein Album mit Edgar Wasser gemacht und dann zwei EPs. Ich finde das gar nicht so wenig. Aber klar, manche releasen zwei Alben im Jahr. Dafür sind meine halt besser. Mein ich das jetzt ironisch – weiß ich selbst nicht. Ist auch egal. Heeeeey. Mein Album kommt!

rappers.in:
Der Titel und das Cover sind eine Anlehnung an das gleichnamige Werk von Pablo Picasso. Warum genau kam es zu dieser Auswahl? Seht ihr euch in eurer künstlerischen Arbeit in der Tradition der Malerei?*

Fatoni:
Im Titel ist ein Yo. Das ist eigentlich der Hauptgrund.
Picasso hat dieses Selbstportrait mit 19 Jahren gemalt, da war er schon fresh so wie ich. Aber erst so mit dreißig hat er diesen Style entwickelt mit dem ihn heute die meisten Menschen in Verbindung bringen, bei mir sehe ich das ähnlich. Somit habe ich eine lächerlich oberflächliche Parallele zwischen mir und dem größten bildenden Künstler unserer Zeit gezogen. GHIAH!
Außerdem hat das Gemälde vor ein paar Jahren irgendein reicher Sack für 48 Millionen Dollar oder so gekauft. So viel ist das Album von mir und Dexter auch wert. Punkt.

rappers.in:
Du hattest vorher schon öfters mal Beats von Dexter auf deinen Releases. Wann kam der Gedanke auf, ein ganzes Album gemeinsam zu produzieren?

Fatoni:
Das ist schon lange her. Vier Jahre oder so.

rappers.in:-
Sowohl Dexter als auch du gelten in der Rapszene durchaus als außergewöhnlich kreative Köpfe. Wie kann man sich die gemeinsame Arbeit vorstellen?

Fatoni:
Er macht geile Beats. Ich rappe drauf, er baut die Beats aus. Wir arrangieren zusammen. Viel läuft übers Internet, aber ich war auch öfters in Stuttgart, damit wir direkt zusammen arbeiten. Leider kann ich keine spektakulärere Antwort geben.



rappers.in:
Das Snippet bestätigt die Vermutung: "Yo, Picasso" bietet so weit den gewohnten Fatoni-Style sowie typische Dexter Beats. Also alles wie immer oder hat die Zusammenarbeit kreative Experimente hervorgebracht?

Fatoni:
Ich finde nicht alles wie immer. Das ist schon besser als sonst.

rappers.in:
In "Benjamin Button" betonst du, dass Rapper normalerweise mit dem Alter nachlassen, du hingegen dieser Bewegung trotzt. Das Gefühl bekommt man auch, wenn man sich die Wertschätzung deiner Musik in der Szene anschaut. Stehst du demnach deiner musikalischen Vergangenheit kritisch gegenüber oder siehst du sie als Teil deiner Entwicklung an, also die Grundlage für das, was du jetzt machst?

Fatoni:
Ich kenne eigentlich kaum Rapper, die ihr Frühwerk ernsthaft feiern. Wer das macht, kann nur komisch sein oder einer von denen, die ich in "Benjamin Button" meine. Es gibt ein paar Tracks, die ich ernsthaft feiere von damals, aber vieles auch nicht oder eben ironisch.

rappers.in:
Ursprünglich bekannt wurdest du als Teil der Kombo Creme Fresh. Besteht noch Kontakt zu Keno und Bustla und kommt ihr auch noch auf einer musikalischen Ebene zusammen? Oder ist das Kapitel Creme Fresh definitiv abgeschlossen? Letzterer steuerte ja schließlich sogar einen Remix zu deiner neuen EP bei.

Fatoni:
Wir haben Kontakt. Alles ok. Im Moment planen wir nichts, aber wer weiß schon, was kommt. Ich weiß nicht, was kommt. Ich weiß gar nicht, ob irgendwer weiß, was kommt, also so in der Zukunft. Ich glaube eigentlich nicht, dass jemand weiß, was in der Zukunft so kommt, oder? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Wer weiß das also? Ich zumindest nicht. Vielleicht machen wir ja mal wieder was zusammen. Aber mit Gewissheit kann das niemand sagen.

rappers.in:
"C'mon das geht auch klüger" hießt die vorherige EP – hast du hier eine passende Geschichte für uns, in der du dir das selbst im Nachhinein dachtest?

Fatoni:
Ich denke mir diesen Satz sehr oft in Bezug auf mich selbst und alle anderen Menschen. Ist doch klar. Wir sind ja alle ständig dumm. Aber die besten konkreten Geschichten habe ich ja alle im Song verrappt. Der Song ist ja sozusagen "der gerappte Witz".



rappers.in:
Mit Edgar Wasser hast du dich sowohl auf Albumlänge als auch auf den Bühnen des Landes als schlagkräftiges Tag Team bewiesen. Wie genau habt ihr euch eigentlich kennen gelernt und hast du eine kleine Anekdote, die du dazu erzählen möchtest?

Fatoni:
Ich habe ihn 2011 als Support von Creme Fresh gebucht. Es gibt so viele Geschichten, zum Beispiel die, wie wir in Japan mit seinen Eltern auf Waljagd gegangen sind, man war das ein Abenteuer. Aber ich möchte eigentlich nichts genaues erzählen, ich möchte den Mythos Edgar Wasser nicht zerstören.

rappers.in:
Inwiefern hatte die gemeinsame Arbeit an "Nocebo" Einfluss auf dein weiteres Schaffen als Rapper? Ist Edgar da eine Person, die eine besondere Rolle für dich einnimmt?

Fatoni:
Wir haben uns gegenseitig protegiert, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was das heißt.

rappers.in:
Können denn Fans von dir und Edgar Wasser auf neue, gemeinsame Releases hoffen?

Fatoni:
Yope! "Nocebo 2" kommt auf jeden Fall! Wir haben ein ganz krasses Feature mit einem sehr bekanntem Rapper gemacht! Das muss bald raus! Das müssen alle hören. Das könnten die besten drei Verses sein, die jemals auf Deutsch gerappt wurden! Real Talk!

rappers.in:
Gerade deine Livepräsenz ist lobend hervorzuheben. Selten treten Rapper noch alleine auf die Bühne, du hingegen verzichtetest bei Gigs beispielsweise sogar auf den DJ und kommst stattdessen mit einem Koffer als Ersatz auf die Bühne. Du hast dahingehend ja auch schon jahrelange Erfahrung. Ist der Live-Aspekt etwas, was dir besonders wichtig ist und wie bereitet sich Fatoni auf einen Auftritt vor?

Fatoni:
Das ist auf jeden Fall wichtig. Da ist ja auch die Kohle zu holen. Deshalb auch der Koffer, diese DJ's sind doch nur Blutegel! Meint er das jetzt ironisch? Ich wärme meine Stimme auf, bevor ich auf die Bühne gehe, so richtig mit einsingen. Dann trink ich einen Schluck Whiskey und dann rapp ich total gut. Das ist mein Ding.

rappers.in:
Du warst gerade mit Weekend und 3Plusss auf Tour. Wie kam es zu dieser Konstellation und wie war die Rückmeldung?

Fatoni:
Die Rückmeldung war gut. Ich kenne Weekend über Edgar Wasser, ich habe Bock viel zu spielen, weil ich glaube, ich bin ein Act, der ganz oldschoolmäßig seine Fans über seine Liveshow bekommt.

rappers.in:
Beide Rapper sind deutlich kürzer dabei als du, dennoch gabst du weiterhin die Vorband. Kommt in solchen Momenten auch einmal die Eifersucht hoch, dass man vielleicht doch lieber mehr Erfolg gehabt hätte oder ist Musik für dich weiterhin einfach ein Hobby, das etwas Geld abwirft und die Vorfreude auf die Tour überwiegt?

Fatoni:
Ich habe einen langen Atem und mittelfristig werde ich eh der krasseste mit der krassesten Fanbase, es ist alles gut. Ying und Yang sind im Einklang, was ein Reim, das muss ich rappen.



rappers.in:
Deine beiden Tourpartner sind durch Online-Videobattles bekannt geworden. Ist das etwas, was du verfolgst? Wenn ja, was reizt dich daran? Wenn nein, was spricht dagegen?

Fatoni:
Ich habe das nicht wirklich verfolgt. Das Niveau war mir oft zu niedrig. Außerdem gibt es so viel andere Musik, man kann sich ja nicht alles geben. Das ist wie mit Serien.

rappers.in:
Du hast ja sicherlich die Antwort von Fettes Brot auf die beiden "Vorurteile"-Songs gehört, die du mit Juse Ju und der Antilopen Gang gemacht hast. Was war dein erster Gedanke, als du den Track gehört hast?

Fatoni:
Ich fand das einfach total abstrus, ich fand das lustig.

rappers.in:
Auch wenn sie durch die Zeit geheilt werden, bist du ja offenbar nicht der größte Freund von Hypes. Was macht denn Hypes für dich besonders nervig und welchen aktuell kursierenden Hype empfindest du als besonders störend?

Fatoni:
Viele Menschen haben mich schon ähnliches gefragt. Aber das ist offensichtlich ein Missverständnis, ich hab nichts gegen Hypes. Das wäre ja total sinnlos, die sind ja einfach da.
Ich habe lediglich festgestellt, dass alle vorbei gehen, so wie alles vorbei geht. Das ist nicht mal ein besonders kluger Gedanke, ich hab dann einen ganz okayen Satz daraus gemacht und heute verkaufe ich Turnbeutel, auf dem der steht. Deutscher Rap ist schon eine ganz besonders peinliche Angelegenheit.

rappers.in:
"Alles ist ein Kreis" rappst du auf deiner "C'mon" EP. Um in diesem Sinne noch einmal zum Anfang des Interviews zurück zu gelangen: Was können wir für die Zukunft von dir erwarten?

Fatoni:
Das ist sehr schwierig zu sagen. Wer weiß schon, was in der Zukunft passieren wird. Ich glaube, niemand. Oder gibt es da wen? Mir fällt auf jeden Fall spontan keiner ein. Ich bin nicht sicher, könnte man mal googeln. Ich weiß es wirklich nicht. Ich plane Dinge, aber ob die dann wirklich zustande kommen, weiß man ja nie, leider. Niemand weiß mit Gewissheit, was in der Zukunft kommt. "Nocebo 2" wird krass, vielleicht.

rappers.in:
Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören selbstverständlich dir:

Fatoni:
Am 6.11. kommt mein Album. Wir haben diesmal Boxen gemacht. Sowas behindertes. Kauft das bitte! Ich hab keinen Bock, dass die alle irgendwo rumstehen auf einem Haufen. Wem nützt das?



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