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Review: Farid Bang – Asphalt Massaka 3

veröffentlicht: Dienstag, 19.05.2015, 22:20 Uhr
Autor: KDePa





01. Asozialer Marokkaner
02. Wachstumshormone
03. Tag der Abrechnung
04. Johnny Fontaine
05. Regel Nr. 6
06. Niemand
07. King of Gangstarap
08. Asphalt Massaka 3
09. Benz Mansory
10. Der totale Beef
11. Härteste im Land
12. FDM
13. Nicht schon wieder Autotune
14. Outro


"Der 'alte' Farid Bang ist zurück" – so kündigt das Banger Musik-Oberhaupt den letzten Teil der "Asphalt-Massaka"-Trilogie an, welche an seine ersten beiden Soloalben anknüpfen soll. Denn nachdem auf seinen letzten Alben der ein oder andere Themensong auch mal die verletzliche oder ernste Seite Farids durchblitzen ließ, soll die neue Platte kompromissloser denn je werden. Das bedeutet im Klartext: Es sollen die Mütter von halb Rapdeutschland penetriert und nebenbei die Karrieren ihrer Söhne beendet werden – im Prinzip nichts anderes als das, was sich der Banger schon seit Jahren auf die Fahne schreibt. Ob der Unterhaltungswert jedoch durch dauernde Repetitionen nicht geschmälert wird, bleibt fraglich.

"Asphalt Massaka 3" bietet uns 14 Songs, deren Inhalt sich in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen lässt: Es geht um Prahlerei und Übertreibung, Anabolika und Bizeps sowie Geschlechtsteile und Analverkehr. Es wird kaum eine noch so abwegige und befremdliche Vergleichsmöglichkeit ausgelassen, um den Umfang von Farid Bangs Oberarm – gestählt durch das Verteilen von Nackenklatschern an Ferris MC und ungezähmten Konsum von Wachstumshormonen – ins Unermessliche zu dichten. Das einzige auf der Welt, was vermutlich noch beeindruckender ist als der Armumfang des Düsseldorfers, ist der Bau seines Unterleibes. Manchmal wirkt es geradezu grotesk, wenn der Banger darüber rappt, wo gerade was von ihm herunterhängt und auf Albumlänge besehen grenzt das dann schon fast an sexuelle Belästigung, wenn wir kontinuierlich mit anatomischen Details seiner vermeintlich kaum noch menschlichen Beckengegend konfrontiert werden.

"Sehen Frauen deinen Dick, sagen sie: 'Oha, Kleiner/
Da ist sogar ein Strohhalm breiter!'/
Deutsche Rapper kriegen Tritt in die Visage/
Bin kein T-Rex, doch mein Schwanz, er ist dicker als meine Arme/
"
(Farid Bang auf "Asphalt Massaka 3")

Ganz nebenbei werden auf "AM3" nicht weniger als 23 Rapper, Rapperinnen oder Rapcrews gedisst. Gefühlte 90 Prozent der Beleidigungen oder Punchlines sind an Intimfeind Fler, dem allein der Banger den Track "Tag der Abrechnung" widmet, oder dessen Mutter gerichtet. Nach dem gefühlten hundertsten Diss gegen das Maskulin-Oberhaupt wähnte ich mich irgendwann jedoch fast zwischen den Kommentarfeldern eines plakativen Posts über Klingelstreiche von Rappern gelandet. Von allen Seiten prasselten pubertäre Witze und hohle Sprüche auf mich ein. Noch weniger als die Lines gegen Sido und Kitty Kat, die lieber mal im Jahre 2009 geblieben wären, verstehe ich jedoch Disses gegen Trailerpark oder Chakuza. Und nicht zuletzt dieser permanente Sexismus auf dem Album macht jede Menge von Farids Punchlines ungenießbar. Der "Härteste im Land" verwechselt hier Entertainment mit Gewalt.

"Kitty Kat seh' ich in hautengen Klamotten/
Anstatt saugen oder kochen am bouncen wie 'ne Fotze/
Ich fick' Paul und die Karotte, weil ihr Fotzen seid/
B-Tights Henkersmahlzeit wird der Bordstein sein/
"
(Farid Bang auf "Johnny Fontaine")

Die Beats der Platte sind allesamt sauber ausproduziert und gut hörbar. Das Soundbild bewegt sich zwischen düsteren, aggressiven und epochalen Instrumentals. Ab und an bringen die darauf gerappten Lines auch eine gute Portion des typischen Farid Bang-Humors mit sich. Aussagen wie "Regel 6: bevor du 'ne Nutte fickst/ Geh auf Nummer sicher und frag', ob sie Mutter ist/" brachten auch mich zum Schmunzeln. Diese plumpe, direkte Art, welche an mancherlei Stellen lustig sein mag, wird aber einfach zu oft zu extrem ausgespielt. "Ferris MC, ich komm', um dich umzulegen/ Denn ich sehe für dich keinen Grund zu leben/" und ähnliche Drohgebärden lassen jegliche Kreativität und Gewitztheit vermissen. Damit die Line besser funktioniert, wird auch mal kurzzeitig die Grammatik etwas vernachlässigt, was allerdings nichts mit dem neuerdings sehr innovativen Umgang mit Ethno- oder Soziolekten im Deutschrap zu tun hat. Dazu finden sich weiterhin zu viele recycelte Lines älterer Releases auf der Platte wieder. So ist auch der Running Gag auf "Asphalt Massaka 3", ein selbstironischer Scherz darüber, dass Farid Bang immer dieselben pöbelnden Einstiege in seine Songs benutzt, leider vielmehr bittere Selbsterkenntnis.

Fazit:
Wir, die wir damals mit 15 Jahren "Asphalt Massaka" 1 und 2 gefeiert und die Beleidigungen lachend mitgerappt haben, sind nun gute fünf Jahre älter und finden zum Glück andere Dinge unterhaltsam als damals. Farid Bangs Musik hat sich – zumindest auf dieser Platte – im Vergleich zu seinen Anfangswerken thematisch gar nicht verändert, sondern vielmehr radikalisiert. Freilich gibt es auch genug neue junge Rapfans, die sich köstlich über Penissprüche und Bizepsgelaber amüsieren. Und wer sich vorher über das Album informiert hat, wusste schließlich auch, was ihn darauf erwarten wird. Es bleibt für mich an dieser Stelle jedoch nur zu hoffen, dass das nächste Release des Bangers, wie es BLK oder DLTDL gewesen sind, wieder etwas abwechslungsreicher und durchdachter gestaltet ist, denn zu oft bekam man auf "AM3" einfach den Eindruck: Farids "Rapniveau ist Tourette-Syndrom".


(Maximilian Lippert)



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