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Review: Farid Bang – Banger leben kürzer

veröffentlicht: Donnerstag, 10.03.2011, 23:59 Uhr
Autor: Nikepa





01. Intro
02. Du fils de pute feat. Raf Camora
03. 3 mal im Leben
04. Teufelskreis
05. Mein Mann ist ein Gangster
feat. Zemine
06. Bitte spitte 5000
07. Neureiche Wichser (NRW)
feat. Summer Cem & Fard
08. Ein Stich genügt feat. Habesha & Haftbefehl
09. Banger leben kürzer
10. Hol die Hände aus der Tasche
feat. Afrob & Eko Fresh
11. Spiel ohne Regeln
12. Mensch
feat. Delus
13. Willkommen auf der Kö
14. König der Nacht
feat. Ramsi Aliani
15. Dreh die Zeit zurück
Bonus-Tracks:
16. Lady Gaga Flow
17. Goodfella Übernahme Remix
feat. Haftbefehl, Summer Cem, Massiv, Capkekz & Eko Fresh

Ich steh' ja extrem auf Hood-Filme. Gangsterstreifen, Geschichten großer Gangs. Viele mögen darin nichts Großartiges sehen, aber die Atmosphäre reißt mich stets mit. So hab' ich früher dann auch "Asphalt Massaka" in zwei Teilen gesehen. Klar, das mag schauspielerisch nicht immer ein Hochgenuss gewesen sein, doch war man erst einmal in dem Streifen drin, sprang bei mir immer der Funke über. Farid Bang und Konsorten treten und schlagen im Verlauf gegen alles, was sich bewegt. Nun verzichtete man auf eine namentliche Fortsetzung (die ja bekanntlich sowieso enttäuschen) und drehte "Banger leben kürzer". Schnitt, Special Effects, Kamerawinkel, alles egal. Hier geht es nur um Farid. Also, Popcorn nehmen, ab ins Kino, los geht's!

"Ich ficke diese Fotzen in den Medien/
Denn das Einzige, was für mich Folgen hat, sind Serien/
Ich komm' mit einem Basi und zerfetz' dich, Bastard/
Denn meine Gun ist scharf wie Mexikaner/
"
(Farid Bang auf "Intro")

Ich bin also schon mal definitiv nicht im falschen Saal. Farid Bang verteilt Ansagen an seine Gegner. Oft entertainend, mit hin und wieder sinnlos wirkenden Passagen. Die Story? Dieselbe wie immer: German Dream gegen den Rest. Gründe? Egal. Nachdem zu Beginn erneut erst einmal verdeutlicht wurde, wer der Boss von Düsseldorf ist, folgt mit "3 mal im Leben" eine erfolgreiche Rückbesinnung auf "AM1". Doch trotz der nun auf "drei" Begegnungen erweiterten Storyline ist der Verlauf derart vorhersehbar, dass ich die Zeit nutze, um kurz auszutreten. Eine besondere Art der Kampfkunst performt Mr. Gangbang auf "Bitte spitte 5000". Man weiß zwar oft vorher schon, wohin der nächste Tritt geht, doch bietet es eine nette Abwechslung zu den Straßenprügeleien. Persönlicher wird es dann, als Farid sich auf dem Titeltrack zum Albu... ähm, Film Sido widmet (der leider keinen Gastauftritt ergattern konnte oder wollte). Das Ergebnis ist eine für mich unerwartet gute Szene, in welcher der Hauptdarsteller auch wieder zeigt, dass er ein Weltmeister des Niveaulimbos ist. Doch ganz ehrlich: Wer zu einem Boxkampf geht, der erwartet kein Goethetheater.

"Das sind Killerflows, doch ich vertick' das Dope/
Und dieser Paul Würdig, er sieht aus wie Hitlers Sohn/
Das ist Massaker, du bist ein Spastiker/
Und eine Frage: Wo war deine Kraft, als Azad kam?/
"
(Farid Bang auf "Banger leben kürzer")

Ansonsten gibt es noch ein paar Gruppenschlägereien, in welchen Farid durch mehrere Nebendarsteller unterstützt wird. Labelkollege Summer Cem sowie Fard sorgen zwar für ebenso wenig textliche Abwechslung wie Haftbefehl, halten aber das Niveau des Protagonisten. Zur positiven Überraschung für mich mutiert die Szene mit einem energischen Afrob und einem souverän flowenden, aber sinnlos textenden Eko Fresh. Das liegt hierbei aber auch sicher an der durchweg überragend produzierten Hintergrundmusik, für welche sich unter anderem Hookbeatz, Crystal, STI und Phrequincy verantwortlich zeichnen. Klare Aufwertung des Gesamtbildes!
Doch zu jedem noch so harten Typen gehört auch eine menschlichere Seite. Mitten im Film gibt es plötzlich gefühlsbeladene Nebenstränge. Man erlebt die Probleme Farids auf der Beziehungsebene ("Mein Mann ist ein Gangster"), erfährt etwas über seine Vergangenheit ("Spiel ohne Regeln") und über Selbstzweifel in seiner Gegenwart ("Dreh die Zeit zurück"). Das ist alles ganz nett, zumal er das in früheren Werken in nicht so hoher Frequenz eingebaut hat, dennoch ragt für mich keiner dieser Abschnitte besonders heraus. Eine Ausnahme bildet hier die von Delus wunderbar unterstützte Szene, in welcher Farid uns verschiedene Einzelschicksale vor Augen führt ("Mensch").

"Sie wurd' übel geschlagen, hat 'nen psychischen Schaden/
Heute denkt sie, alle Ausländer wär'n Typen wie Ali/
Die letzten Jahre sah sie dauernd die Faust/
Deshalb geht sie heut' auf Demos und schreit 'Ausländer raus'/
"
(Farid Bang auf "Mensch")

Dennoch: Mir wär's lieber, Farid würde noch mehr austeilen, anstatt auf halbherzig umgesetzte Themenvielfalt zu setzen. Wegen der bin ich einfach nicht hier! Nicht, weil ich sie generell ablehne, sondern weil ich glaube, dass seine Stärken einfach nicht in tiefsinnigen Lebensdarstellungen liegen. Zum Glück gibt es ja noch das Bonusmaterial. Einmal allein ("Lady Gaga Flow"), einmal in "Azzlack"-Gruppe ("Goodfella Übernahme Remix") gibt es für Freunde Farids verbaler Ausbrüche noch mal ein paar mehr oder weniger nette Abschiedsworte. Bonuspunkt für diese zusätzlichen Szenen! Am Ende hat der Protagonist wieder einmal eine Menge Gangsterkram erledigt, ein paar Gefühle rausgelassen und sich danach noch mal um eine Menge Gangsterkram gekümmert. Für die Story wird er wohl keinen Oscar bekommen, aber hey, dazu hätte er heutzutage wohl auch Ballett tanzen müssen.

Fazit:
Farid Bangs Monologen zuzuhören, ist immer so eine Sache. Ich hab' das Gefühl, manchmal amüsieren sie mich auch einfach ungewollt. Einige Aussagen erscheinen mir wenig sinnvoll. Ob das Drehbuch absichtlich so konzipiert ist, ist meiner Meinung nach fragwürdig. Aber man darf hierbei auch einfach keine neue Lebensphilosophie erwarten. Ich bezweifel', dass der German Dreamer durch sein nun etwas breiter aufgestelltes Werk viele neue Fans von sich überzeugen kann. Wer ihn vorher nicht mochte, wird wohl jetzt auch nichts mit ihm anfangen können. Wer hingegen Mr. Bang mag, der wird auch das Album mögen. Doch vermutlich wird er, ganz im Sinne eines klassischen Filmfans, sagen: "Ja, okay, vielleicht besser als der Letzte, aber niemals so gut wie der Erste!" Ich bin zufrieden. Mehr habe ich mir nicht versprochen.


(Nikepa)



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