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Review: Farid Bang – Asphalt Massaka 2

veröffentlicht: Sonntag, 21.03.2010, 23:00 Uhr
Autor: ProRipper





01. Intro
02. Banger Musik
feat. G-Style
03. Immer noch ein Bastard feat. Eko Fresh
04. Es ist soweit feat. Summer Cem
05. Vom Tellerwäscher zum Millionär feat. Layouna
06. Goodfella
07. Stress ohne Grund
feat. Summer Cem
08. Gangsta Musik feat. Bass Sultan Hengzt
09. Schwer ein Mann zu sein feat. Manuellsen
10. Ich bin Düsseldorf
11. Gangbanger 2
feat. Al-Gear
12. Wer will Beef?
13. Klick Klick Boom
feat. Capkekz und Al-Gear
14. Ey yo feat. Kollegah
15. Noch Einmal

"Es kann mit der Vernichtung begonnen werden" – die Begrüßung, die den Hörer auf dem neusten Release aus dem Hause German Dream erwartet, trifft es exakt auf den Punkt. Farid Bang aka Farid Gangbang aka Jean-Claude Van Damme oder – bescheiden ausgedrückt – Düsseldorf ist zurück. Auf "Asphalt Massaka 2" verteilt der Marokkaner Rundumschläge en masse, nachdem er bereits auf dem gemeinsamen Album mit Selfmader Kollegah ("Jung, brutal, gutaussehend") die halbe Szene gegen sich aufhetzte. Und auch dieses Mal verhält sich Farid nicht weniger respektlos gegenüber sämtlichen eingeschworenen HipHop-Heads. Doch was genau erwartet den Hörer nun auf "Asphalt Massaka 2"? Nun ja...

"Ey, ich lebe wie ProSieben-Stars, hab' Mädchen wie Collien im Arm/
Und Fler hängt vor dem Rechner, sucht nach W-LAN wie Politiker/
Du Homo, ich schlag' dich weg, Promo für Straßenrap/
Fler, was dir fehlt, ähnelt dem Logo von K.I.Z./
Was, MOK, ich hab' deine Schwester geknallt/
Und bin öfter im Gericht drin als Pfeffer und Salz/
"
(Farid Bang auf "Intro")

Gleich im Intro disst sich Farid Bang auf einem bedrohlichen Chor-Sample kreuz und quer durch die gesamte Deutschrap-Szene und charakterisiert damit auf Anhieb sein komplettes Album. Denn auf diesem finden sich überall verteilt etliche Dissattacken und Seitenhiebe, vor allem gegen die Berliner Rapsparte ("Intro", "Wer will Beef?", "Ich bin Düsseldorf", "Stress ohne Grund"). Egal ob Fler, MOK, Sido, B-Tight, Godsilla oder Franky Kubrick – jeder bekommt sein Fett ab. Farids Flow mag dabei nicht jedem gefallen, sicher – und seine Stimme ist definitiv gewöhnungsbedürftig, das lässt sich nicht bestreiten. Doch nach bitterem Ernst klingt keine seiner Lines. Viel mehr hört man zwischen jeder Zeile eine Art Augenzwinkern heraus, eine Art von Humor, die dem Marokkaner einen gewaltigen Sympathiebonus bei mir verschafft. Flowliche Variationen darf man dennoch nicht erwarten, genau wie eine immense Vielfalt an Themen. Meist wird ganz im Sinne eines "klassischen Zuhältertapes" Punchline um Punchline aneinandergereiht und hin und wieder mal eine – leider meist recht verhaspelte – Doubletimestelle eingebaut. Dieses bekannte Schema zieht sich wie ein roter Faden durch "Asphalt Massaka 2" – Fler mit Karotten penetrieren, Frauen abschleppen, dealen, Fler mit Karotten penetrieren, kurz klarstellen, dass man der neue King of Rap sei und schließlich noch einmal Fler mit Karotten penetrieren. Womit Farid sich in Begleitung mit German Dream-Kollege Summer Cem den größten Hieb gegen Frank White erlaubt, ist dann der Track "Stress ohne Grund", eine Hommage an den Klassiker "Carlo Cokxxx Nutten", für die Produzent Illthinker sogar das selbe Sample benutzte.

"Farid Bang, Summer Cem, King und Nummer 1/
Weil ich immer untertreib' – komm, wir ficken euch zu zweit/
German Dream, wir werden im Ghetto gepumpt/
Doch ich komm' auf die Party und mach' Stress ohne Grund/
"
(Farid Bang und Summer Cem auf "Stress ohne Grund")

Zwar werden auch erste Schritte in Richtung tiefsinnige Tracks unternommen – welche nebenbei bemerkt auch nicht zu verachten sind, da Farid etwa mit "Vom Tellerwäscher zum Millionär" oder "Schwer ein Mann zu sein" (feat. Manuellsen) gleichzeitig auch sein Potenzial als Storyteller beweist – jedoch sind diese die absolute Ausnahme. Und so recht ins "Asphalt Massaka"-Konzept reinpassen wollen diese Titel auch nicht. So wird zum größten Teil dann doch wieder mit einer Fülle an Vergleichen und Wortspielereien weiter gedisst und rumgeprollt, was das Zeug hält. Die Features leisten dabei ihr Übriges – textlich bieten zwar auch diese nicht wirklich viel Abwechslung und vor allem Kollegah enttäuscht mit einem etwas schwächelnden Part auf dem innovationsreichen Titel "Ey yo", aber sie reihen sich dennoch nahtlos in das Gesamtbild mit ein. Vor allem Bass Sultan Hengzt passt sich dem Stil des Albums mit seiner Berliner Schnauze großartig an und verspricht niveaulose Zeilen:

"Rapper haben Glück und kriegen nur'n Stich in den Oberschenkel/
Wenn's nach mir geht, zerfetz diese Penner so wie Robert Enke/
Deine Mutter hab' ich nachts ins Adlon bestellt/
Und sie hat Gas gegeben, so als wär sie Adolf himself/
"
(Bass Sultan Hengzt auf "Gangsta Musik")

Die Instrumentals, auf denen Farid seine Abschlachtung der kompletten Szene vollstreckt, wurden durchweg genial produziert: Joshimixu, Illthinker, Juh Dee, Rizbo, Efe und Abaz steuern hier Brett nach Brett bei und sorgen für Abwechslung pur. Da gibt es düstere Choralklänge, Orgelsamples, technolastige Clubbanger oder auch ganz abgedrehte Beats. Das gesamte Klangbild geht dabei in Richtung Mainstream, sodass es auch gerne mal mit einer Autotunehook vonseiten Farids überlagert wird, was sich jedoch stets als äußerst passend und amüsant erweist.

Fazit:
Insgesamt kann man Farid Bang durchaus als "Kollegah in Asozial" bezeichnen. Er bietet zwar nicht immer ganz so ausgefallene, sondern teilweise sogar schon abgenutzte Vergleiche und kommt auch raptechnisch sicher nicht auf das Level vom "Boss", doch dennoch erkennt man starke Parallelen zwischen ihm und seinem JBG-Kollegen. Was bei dem Düsseldorfer jedoch störend ins Gewicht fällt, ist der auf Dauer doch zu variationslose Flow und die wenige Abwechslung, die er textlich bietet. Nach der x-ten Line, die sich wieder einmal damit beschäftigt, wie Fler mit Karotten penetriert wird, möchte man von diesem Thema einfach nichts mehr hören. Aber was Farid erreichen wollte, hat er erreicht: Er hat ein sehr gutes Album für diejenigen hinterlassen, die Gefallen an seiner respektlosen, aber dennoch humorvollen Art und seinen Rundumschlägen gegenüber jedermann finden... zu welcher Gruppe ich mich beizeiten auch gerne dazu zählen lasse.


Pascal Ambros (ProRipper)



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