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Review: EstA – BestA

veröffentlicht: Donnerstag, 03.03.2016, 20:46 Uhr
Autor: PeasOut





01. Hallo Fans (Intro)
02. Sex mit der Ex
03. Was da los
04. Alles ist okay
05. Ohne dich
06. Immer noch derselbe
07. Hinter den Kulissen
08. Club 27
09. Hier und jetzt
10. So bin ich nicht
11. Ich muss raus
12. Tunnelblick
13. Freundeskreis
feat. Nima
14. Ja oder nein
15. Highmat
16. BestA (Outro)


Wir schreiben das Jahr 2000, meine achtjährigen Mitschüler fanden es kLasse, Wortspiele mit meinem Namen zu machen und konnten es nicht sein Lassen, immer wieder neue Kreationen zu schaffen. 16 Jahre später hat sich der Humor dieser Leute allerdings an das Alter angepasst, sodass man selbst im VBT einem Frank Hemd nicht mehr die Inkarnation eines halben Hemdes vorwerfen kann. Der fragwürdige Geschmack meiner Altersgenossen hat allerdings auch heutzutage noch einige Vertreter im Deutschrap; so veröffentlicht der Saarbrücker EstA nun drei Jahre nach seinem Debüt "EstAtainment" seinen zweiten Langspieler "BestA". Nebenbei wurde dieses Jahr auch eine EP mit den Namen "EstAlation" veröffentlicht, was die Frage offen lässt, ob die ignorante Art, welche der Künstler zumeist an den Tag legt, ein Image darstellen soll oder er "Alleine gegen Alle" ist und sich zumindest auf dieser kreativen Ebene nicht aus der Spur bringen lässt.

Ich hab' immer noch 'ne große Fresse/
Doch du hast hier nix zu suchen, Motherfucker/
Als ob du hier nix verloren hättest/
Wo sind jetzt die Forumfaggots?/

(EstA auf "Immer noch der Selbe")

"Das hier ist EstA, comprende?" – um ehrlich zu sein, verstehe ich es nicht ganz. Wir haben hier einen Künstler, der mit "Sex mit der Ex" einen thematisch lauwarm aufgekochten Track bietet, der auch in der kreativen Umsetzung mit dem Satz 'Er hat sich stets bemüht.' am besten zusammen gefasst wäre. Zeitgleich bietet er uns auf diversen anderen Tracks, "Tunnelblick" als Beispiel, einen Blick hinter die Maske der Kunstfigur, indem er vergangene Ereignisse und Abschnitte seines Lebens Revue passieren lässt. Daneben findet man, unter anderem mit "Immer noch derselbe", Representer, wie man sie von dem Saarbrücker von vergangenen Veröffentlichungen kennt. Doch eben diese stellen textlich den Schwachpunkt des Albums dar, denn Zeilen wie "Pure Ignoranz, da ich nicht reagier' wie Edelgase" oder "Wie und wann soll ich euch entgegen komm' wie Geisterfahrer?" lassen das Gefühl aufkommen, dass der Künstler nicht verwendete Lines aus seiner ehemaligen RBA-Zeit nun auf diesem Album verwendet. Fans des Saarländers, welche sich nebenbei als EstAlanten bezeichnen, möchten anmerken, dass die Höhepunkte hier einen Ausgleich bieten könnten; das ist in meinen Augen problematisch, da die Platte kaum Highlights bietet. Dies mag zwar auch dem Umstand geschuldet sein, dass in der Mehrzahl Tracks vorhanden sind, auf denen der Künstler sich mit sich selbst befasst, allerdings ist die Umsetzung hiervon maximal passabel bis durchschnittlich.

Ich hatte Angst, dass meine Freundin mich verlässt/
Wie kurz davor es war, hab' ich bis heute nicht gecheckt/
Wie oft hab' ich mir gedacht: 'Ich halte das nicht mehr aus'/
Aber dann gewusst: Ich mache das alles für diesen Traum!/

(EstA auf "Hinter den Kulissen")

Bei der Instrumentierung wird klar, dass hier hauptsächlich ein Beatbastler, namentlich SiNCh, seine Hand im Spiel hatte. Produziert ist "BestA" beileibe nicht schlecht, die Beats sind passend auf den Künstler und das jeweilige Thema zugeschnitten, es fehlt dem Ganzen allerdings etwas Besonderes. Oftmals hat man Alben, die man immer und immer wieder hört und sich an jeden einzelnen Part, jede einzelne Hook erinnern kann, da im Instrumental Facetten auftauchen, die verschiedene Lieder voneinander unterscheiden. Sieht man von den vorhin angesprochenen "Immer noch derselbe" und "Sex mit der Ex" ab, fehlt diese Variation größtenteils, die Platte plätschert quasi vor sich hin und kommt plötzlich beim Outro an. Das Ganze passiert allerdings nicht ohne den einen oder anderen Chorus, der sich doch angenehmer hat hören lassen, als ich es mir zugestehen möchte, was den Gesangsausflügen EstAs geschuldet ist, der auch in der Vergangenheit schon mehrmals bewiesen hat, dass er ein Gefühl für eingängige Melodien besitzt. Jedoch gerät er hier teilweise auf Wege, in denen die Pop-Einflüsse zu austauschbar wirken; andernfalls wäre dies wohl ein Punkt, der dem Album positiv zu zusprechen wäre, so ist es eher ein herausstehendes Merkmal, dem in meinen Augen allerdings weder eine positive noch negative Wertung gerecht wird. Vergebens wartet der Hörer darauf, dass die von EstA gelebte Arroganz sich in seinem Soundbild niederschlägt, zu austauschbar klingt das Gesamtpaket zwischen Instrumentierung und dem Rap des Saarbrückers. Fast möchte man meinen, dass "BestA" konstruiert wurde, um bei der breiten Masse anzukommen, während sich das wahre Ich des Musikers hierbei in den Hintergrund drängen lässt.

Fazit:
Vorab wünsche ich mir persönlich, dass EstAs nächstes Album "EstAblishment" oder "EstAse" heißt, denn damit würde er seine Linie treu bleiben und ich hätte bewiesen, dass ich auch keinen Geschmack habe, was die Betitelung eines Albums angeht. Das sollte allerdings auch die einzige Parallele zu "BestA" bleiben, denn die Auseinandersetzung mit sich selbst als Hauptbestandteil eines Langspielers versprüht beim Saarbrücker keine Authentizität und wirkt in Verbindung mit poplastigen Hooks beinahe wie ein lauwarmer Aufguss des modernen Sidos, abgesehen von der nicht von Andreas Bourani gesungenen Hook. Die an den Tag gelegte Art sollte sich musikalisch und thematisch niederschlagen, wobei vor allem zweites auch eine gewisse Kreativität erfordert, um zukünftig nicht im Deutschrap-Sumpf unterzugehen. Sollte der Musiker den Weg dieses Albums allerdings weiterhin beschreiten, während er als Persönlichkeit weitestgehend uninteressant bleibt, wird man zukünftig wohl ohne große Sorge sagen können: EstA, auch "ohne dich" ist "alles okay".


Lasse Golenia



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