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Review: Eko Fresh – König Von Deutschland

veröffentlicht: Donnerstag, 28.09.2017, 14:46 Uhr
Autor: Cuttack





01. Intro
02. König
03. Immer noch der gleiche
04. Zur Erinnerung Reloaded
feat. Ferris
05. Der Beste
06. Gheddo Finale
feat. Bushido
07. Komm in meine Hood rein feat. Hasan.K & GRiNGO44
08. Bordstein Westfalen feat. Kollegah, Farid Bang & Deemah
09. Master P
10. Almanis feat. Khalid Bounouar
11. Life goes on feat. Nedim Hazar
12. Scheiss egal feat. Culcha Candela
13. Moment feat. Samy
14. Taco Bell feat. Frauenarzt & Silkk The Shocker
15. Kein Limit feat. Fiend, Olexesh, Massiv, Sierra Kidd & DCVDNS
16. Was ist mit der Welt passiert feat. MoTrip & Sebastian Krumbiegel
17. Mach ma keine Filme feat. Kida Khodr Ramadan, Frederick Lau, Sido, Elyas M'Barek, Veysel & Sami Nasser
18. Radio feat. 257ers

Eine gute Freundin von mir spricht ab und zu über das Konzept "Self-Care": Etwas bewusster auf sich selbst Acht geben, sich hier und da etwas Gutes tun und dafür sorgen, dass man geschmeidiger durch dieses Leben kommt, das auch so schon bescheuert genug ist. Ich mag dieses Konzept auch. Mein heutiger Akt der Self-Care: Geschlagene zwei ganze Bonus-Alben, die Eko Fresh als Dreingabe in seine Box geschmissen hat – ich höre sie mir gar nicht erst an. Hach. Siehste mal. Gleich viel besser.

Um ehrlich zu sein, wenn es nach mir geht, müsste dieses ganze Projekt nicht sein. "König Von Deutschland", das zehnte in Ekrems Diskographie. Mit jedem Promomove und jedem Marketing-Gimmick, den das Spielbuch irgendwie hergibt, inklusive Andrea-Berg-Diss und Teilnahme am Red-Bull-Soundclash. Und bei jeder Single-Auskopplung schickt ein Kumpel mir begeistert den Song (Shoutout an Jens, Du bist einer von den Guten, though) mit der festen Überzeugung, dass das der Song wird, der mich zu Eko umstimmt. Aber der Eindruck ist immer der Gleiche: Erzwungen, gewollt, lieblos, uninteressant. Freezy fühlt sich schon seit einer ganzen Weile wie ein Rapper an, der nur noch aus Gewohnheit und Bequemlichkeit rappt. Und genauso klingt dann eben auch die Einleitung:

Man ich seh den Redakteur, den es wieder stört/
Ehrenloser, der Verräter, ähnlich wie ein Deserteur/
Lockert seine Finger und will eine Review runtertippen/
Als würd ich seine Mutter ficken/

(Eko Fresh auf "Intro")

Okay, point in case, Eko. Ich habe meine Reviews hier tatsächlich schon unbefangener angefangen. Aber wenn er schon 120 Sekunden im neuen Album mit der Angst vor der Kritik ringt, warum gibt er mir denn nicht einfach mal irgendetwas, das ich vorbehaltlos gut finden könnte? Eine musikalische Vision gibt es nicht, Konzept, sinnvoll eingebettete Ideen oder roten Faden sucht man ebenfalls vergebens. Eko ist "Immer noch der gleiche" und ist stolz darauf. Sympathie und Erfolg machen aber keine brauchbare Mucke. Es gibt schlicht kaum einen Rapper, der mit so kompetenten Handwerkszeug so inkompetente Musik macht wie er: Komplett desorientiert hechtet Freezy über achtzehn Anspielstationen von Konzept zu Konzept, von Sound zu Sound, auf dem einen Track werden moderne Trends gedisst, dreißig Sekunden später eröffnen 808-Drums den Nächsten. Auf "Der Beste" predigt man HipHop-Kredibilität, auf "Was Ist mit der Welt passiert" trällert Sänger Sebastian Krumbiegel dann:

Andauernd Kriege/
Wann ist denn Friede?/
So viele Fragen/
Die Antwort ist Liebe/
Oh, oh/
Die Antwort ist Liebe/
Oh, oh/

(Sebastian Krumbiegel auf "Was ist mit der Welt passiert?")

Der Mann ist so bedacht darauf, auf keinen Fall irgendjemandem auf die Füße zu treten, dass er bedenkenlos Bushido, Sido, Kollegah, aber eben auch Culcha Candela, die 257ers und Elyas M'Barek auf die Platte holen kann. Passt eh hinten und vorne nichts zusammen, warum nicht auch noch 27 Features. 27 Features. Muss ich erklären, warum das wahnsinnig ist? "König von Deutschland" ist ein gigantischer, unkonsumierbarer Flickenteppich aus Fleißarbeit, der sich aber durch die Bank anfühlt wie sechste Stunde Geschichte. Die Quantität und die Sprunghaftigkeit der Platte werden durch nichts legitimiert oder begründet, Eko funktioniert auf allen Titeln genau gleich statisch: Entweder betont er mit halb-spöttischer Tonlage Füllerlines wie Punchlines oder er schwingt auf einem geschwollenen Pianobeat die Pathoskeule wie Konan der Barbar. Da wird dann auch mal eine mitreißende Flüchtlingsgeschichte mitsamt Vergewaltigungen, sterbenden Kindern und niederbrennenden Asylheimen runtererzählt wie der Plot einer Mitten- im-Leben-Episode vom Reißbrett. Hauptsache, der Zeigefinger ist oben.

Master P/
No Limit, ich hab No Limit, ich bin Master P/

(Eko Fresh auf "Master P")

Dabei gibt es ja auch die ganz guten Momente: Auf "Der Beste" wird ein ganzer Part rückwärts eingerappt, auf "Bordstein Westfalen" realisiert man die Integrations-Geschichte zumindest mal über das Selbstzitat hinaus. Aber auf jeden guten Moment kommen mindestens zwei völlig Unerträgliche: Der "Scheiß auf die Hater"-Song mit Culcha Candela inklusive Ballermann-Hook. Die Master-P-Hommage, die fast so authentisch klingt wie Sierra Kidds Anglizismengebrauch. Die Cloud-Rap-Parodie "Almanis", die einfach offensichtlich nichts von der Spartenmusik versteht. Das völlig wahllose "Fuck AfD" von einem rappenden Elyas M'Barek, der es einem substanzlosen Representer-Part für die billige politische Kontroverse hinterherschiebt. Und wenn es nicht ausdrücklich nervt, langweilt es eben. Eko ist unwitzig, wenn er witzig sein will, kantenlos und seicht, wenn er tiefer gehen will, und wenn er mit raptechnischer Versiertheit beeindrucken will, bricht nur die lodernde Mittelmäßigkeit aus ihm heraus. Dass Eko Fresh eigentlich ein recht talentierter Rapper ist, spürt man kaum noch. Stattdessen sorgt der Flair von Lieblosigkeit und verkümmern gelassenem Potential für eines der ermüdendsten Alben des Jahres.


(Yannik Gölz)



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