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Special: Digged That! VBT – Lieblingsqualifikationen der Redaktion #1

veröffentlicht: Dienstag, 10.04.2018, 18:27 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi

Das VBT geht 2018 nach acht regulären Turnieren und Ablegern wie dem BLB oder VBT Splash! in die allerletzte Runde – doch anstatt in Wehmut zu versinken und dem größten Battleturnier Deutschlands hinterherzutrauen, sollte man sich lieber auf ein starkes letztes Turnier freuen. Denn auch wenn das Teilnehmerfeld am Anfang der Qualifikationsphase größtenteils aus Newcomern bestand, kamen in den letzten Tagen hunderte neue Einreichungen dazu, unter welchen sich viele Perlen und Veterane befinden, die für eins der interessantesten VBTs sorgen könnten. Auch die rappers.in-Redaktion verfolgt gespannt das Turnier und wird darüber berichten. Den Anfang macht das Top-5-Ranking der Lieblingsqualifikationen der einzelnen Redakteure!

5. Platz: Blektro

Zugegeben – Blektro wirkt im ersten Moment wie einer von hunderten untalentierten Maskenrappern, wie es sie in jedem VBT gab. Hat man diese Vorurteile aber mal abgelegt und das Intro seiner Qualifikation überstanden, wird man umgehend überrascht: Auf einem atmosphärischen, synthesizer-lastigen Instrumental überzeugt der Teilnehmer mit druckhaftem Stimmeinsatz, einigen unterhaltsamen Lines und routinierten Flows. All dies sorgt für einen interessanten Style, mit dem er sich aus dem riesigen, unübersichtlichen Teilnehmerfeld abhebt – trotz einiger Schwächen wie der trashig wirkenden Hook und der eher hilflosen Videoperformance, die wahrscheinlich für reichlich Angriffsfläche sorgen wird. Dennoch ist Blektro ein Teilnehmer, den man insbesondere wegen seines Steigerungspotentials im Auge behalten sollte.

4. Platz: Shliiwa

Muss man zu Shliiwa noch viel sagen? Während seiner unzähligen VBT-Teilnahmen bewies er immer wieder, dass er ein hohes musikalisches Wiederkennungspotential, einen eingängigen Flow und eine markante Stimme besitzt – quasi die perfekten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Battlerapper; wäre da nicht seine Schwäche, in seinen Runden eine derart hohe lyrische Diskrepanz aufzuweisen. Während man sich immer noch gerne an seine Rückrunde gegen Splifftastic im VBT 2013 erinnert, ließen seine textlichen Leistungen besonders im letzten regulären VBT stark nach. Mit seiner diesjährigen Qualifikation liefert er wieder genau das, was man von ihm erwartet: Ein musikalisch ansprechendes, eigenes Gesamtpaket. Wenn er jetzt noch in Battlestimmung ist, steht einer erfolgreichen Teilnahme nichts mehr im Weg!

3. Platz: Tamo-Flage

Sieben Jahre sind seit Tamo-Flages letzter Teilnahme an einem regulären VBT bereits vergangen – und dass er noch mal mitmacht, damit hat wohl bis zum Ende der Frist niemand mehr gerechnet. In der letzten Minute lud Tamo seine Qualifikation aber doch noch hoch und er zeigt sich gleich angriffslustig: Das BoomBap-Instrumental von Pfarrah bringt den passenden Groove mit sich, um dem gesamten Turnier Stagnation zu unterstellen, ohne dabei auf Lines, die sich auf seinen Legendenstatus beziehen, zu verzichten. Der Mix und Master klingt professionell, das Video kann sich sehen lassen und auch textlich beschränkt er sich nicht nur auf uninspirierte Representer – alles spricht dafür, dass er motiviert ist und seine Teilnahme nicht auf die leichte Schulter nehmen möchte.

2. Platz: Dupash

Langsam ist auch beim Letzten angekommen, dass Dupash weder Lance Butters noch Gary Washington kopiert und während der letzten beiden VBTs war er sogar ein Publikumsliebling, der mit seinem markanten Stil und seinen hochwertigen, selbstproduzierten Videos immer für viel Entertainment sorgte. Gleichzeitig ist er aber auch dafür bekannt, Fristen zu verpeilen und schwache Hinrunden zu liefern, was ihn schon des Öfteren ein Weiterkommen kostete. In seiner diesjährigen Qualifikation feuert er gegen den Preis des Turnieres, macht sich über gegen ihn gerichtete Biting-Vorwürfe lustig und richtet einige Punchlines an andere Teilnehmer wie Yung Hiker (in diesem Jahr 2feels). Wenn Dupash es schafft, sich genug Zeit zu nehmen, ist er definitiv ein Teilnehmer, von dem man viele Runden erwarten kann.

1. Platz: Engine Itano

Dreimal nahm Dr. Lucs bereits am VBT teil und auch in diesem Jahr qualifizierte er sich überraschend unter dem Alias Engine Itano. Gerade deswegen war ich so sehr überrascht, als ich die ersten Lines hörte und noch nicht wusste, um wen es sich eigentlich handelt. Dennoch war ich gleich gefesselt vom progressiven Instrumental und dem Text, der anfangs in Richtung Storytelling geht, sich aber im Verlauf des Parts immer mehr in eine kreative Kampfansage wandelt, die Lust auf die Battlerunden von ihm macht. Auch wenn das Teilnehmerfeld in diesem Jahr unglaublich stark und vielfältig ist, sticht Dr. Lucs vor allem durch sein Konzept, aber auch durch seine Routine aus all den Favoriten deutlich heraus.

(No My Name Is Maxi)


5. Stanley

Wer sich in der Vergangenheit auch unter dem Radar ein wenig in der RBA umgesehen hat, der wird zwangsweise auf Stanley gestoßen sein. Wenn auch bei Weitem nicht der exzentrischste MC, bringt er neben handwerklicher Finesse eine musikalische Sicherheit und Leichtfüßigkeit mit, die im Gedächtnis bleibt. Dazu ist er eben doch ein typischer RBAler: Kaltschnäuzig, herablassend und verdammt routiniert. Kriegt dieser Dude einen anständigen Videomann organisiert, könnte die Mischung aus charakteristischem Sound und unverkopften Punchlines ein Problem für viele darstellen. Viel Angriffsfläche bietet Stanley bislang nämlich nicht.

4. Master Orbit

Ein in diesem Kosmos relativ unbekannter Name, den man trotzdem auf dem Schirm haben sollte, ist Master Orbit. Der Freiburger Conscious-Rapper und Produzent macht nun seit einer ganzen Weile kompromisslosen Oldschool-Sound in der Tradition von Rappern wie Prezident oder AzudemSK. Gerade eigentlich mit dem Kickstarter-Release des Kollabo-Albums "Herz & Hirn Kotze" beschäftigt, kamen aber auch schon Zusammenarbeiten mit den Wuppertalern No Hope Music und lokalen Artists zustande. Zugegeben funktioniert die Qualifikation besser, wenn man nicht allzu sehr auf das Video achtet, aber in Sachen Routine am Mic und stimmlicher Form sollte man ihn auch ohne große Battleerfahrung auf keinen Fall unterschätzen.

3. Bernd Ohne Namen

Bernd Ohne Namen hat 2015 bewiesen, dass er einer der außergewöhnlicheren Punchline-Rapper der letzten Jahre ist. Selbstironisch und mit einer gewissen Absurdität kompensieren pointierte Reimschemata, überraschend aufgebaute Wortspiele und eine ziemlich einzigartige Wortwahl, dass Dieter10ab nach wie vor mehr schlecht als recht rappt. Wie aber auch schon bei Teilnehmern wie Klaus Bukkake oder Weekend spielt dieser Stil eher in den Charme, als ein wirkliches Hindernis zu sein. Die entspannte, sympathische Oldschool-Atmosphäre sorgt mit den unglaublich konstanten Treffern für einen der unterhaltsamsten MCs in diesem Jahr, der auf jeden Fall die ein oder andere großartige Runde abliefern wird.

2. Mike Jones Mayn

Der letzte Neuzugang der Insight Job-Gang ist gleichzeitig auch ihr vielleicht interessantestes Mitglied. Und das liegt sicher nicht daran, dass die in jüngeren Turnieren verdammt erfolgreiche Crew (ein Turniersieg, ein mal Halbfinale für Talf) nicht an sich schon ziemlich tight wäre. Aber der schon eine ganze Weile Wirbel in der RBA machende Mike Jones Mayn rappt mit so viel Energie, Zynismus und geballter Verachtung, dass man sich mehr als nur einmal an einen jungen JAW erinnert fühlen mag. Ein massives technisches Fundament, eine einzigartige und komplett ausgereifte Delivery und nie langweilig aufgebaute Punchlines; wer diesen Dude nicht im Auge behält, soll sich nicht wundern, den nächsten RBA-Durchstarter verpasst zu haben.

1. Die RRG

Hättste nicht gedacht, wa? Es ist ein bisschen geschummelt, drei Leute auf den ersten Platz der Favoritenliste zu packen, aber bitte: Die RRG (minus Akfone, leider) stellt gleich drei der besten Rapper der VBT-Geschichte, Punkt. Mikzn70 oder Henry Mustache wurde in drei Turnieren sträflich viel zu früh aus dem Turnier gevotet, Pat Riot oder der Geile Vater lieferte 2011 Weekend eines der stärksten (und kriminell unterschätztesten) Battles seines Laufes und Der Don aka Fid Rizz rappt und produziert mit einer Furiosität, an die in der VBT-Geschichte nur wenige heranreichen. Diese Typen haben einen gottverdammten Alchemist-Shoutout bekommen. Wenn es um reinen Rap geht, haben sie Favoritenstatus neben Tamo-Flage (der nur in dieser Liste fehlt, weil ihn eh jeder in seiner Liste hat).

(Cuttack)

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