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Special: Die besten Deutschrap-Alben des 21. Jahrhunderts

veröffentlicht: Sonntag, 08.01.2017, 11:33 Uhr
Autor: Max

In der Musik wie im Film, der Malerei oder sonst wo in der Kunst ist bei der Bewertung eines Werkes ein Gefühl von extrem großer Bedeutung: Nostalgie. Oder wer würde heute von einem goldenen Zeitalter reden? Wohl nur die wenigsten. Warum genau das so ist, inwiefern sich das auf unseren Geschmack auswirkt oder durch welche Regionen im Gehirn dies genau bestimmt wird, mögen andere ergründen. Ein Symptom des Ganzen ist aber definitiv, dass in vielen Listen und Rankings die 1990er und vorige Jahre des Deutschraps und auch des internationalen Raps dominieren. In Deutschland scheint sich dieses Bewusstsein so langsam auch für die frühen 2000er zu schärfen, Stichwort Aggro Berlin, wurde doch erst kürzlich der 14. Geburtstag von CCN und der 12. Geburtstag von Electro Ghetto (nicht mal runde Geburtstage) in den sozialen Netzwerken ausgiebig gefeiert. Die BBC stieß ebenfalls auf dieses Nostalgie-Phänomen, als sie Kritiker auf der ganzen Welt nach den besten Filmen aller Zeiten fragte. Nur sechs Filme aus diesem Jahrtausend waren in der Top 100 vertreten, sodass sie noch einmal nach den besten Filmen des 21. Jahrhunderts fragten und diesmal mehr als doppelt so viele Kritikerstimmen auf der ganzen Welt einfangen konnten.
Inspiriert von diesem Verfahren haben wir Deutschrap-Kritiker im ganzen Land nach den ihrer Meinung nach besten Deutschrap-Releases des 21. Jahrhunderts befragt und konnten über 20 Stimmen von so einigem sammeln, was im Deutschrap-Kritikerkosmos Rang und Namen hat. An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für all die tatkräftige Unterstützung und ziehen unseren imaginären Hut vor Eurem Fleiß und Eurer Liebe zur Sache, gerade weil wir selbst wissen, in was für einem Missverhältnis zum Geld die Arbeit als Deutschrap-Kritiker steht.
Wir nutzten für die Erstellung der Liste ein simples Rankingsystem: Jeder Befragte hatte genau eine Stimme und gab eine Liste seiner Top 20 Deutschrap-Releases ab, die zwischen dem 01. Januar 2001 und dem 30. September 2016 releast worden sind. Am Ende rechneten wir alle Stimmen zusammen. Wir haben ausschließlich Kritiker befragt, sowohl Mitarbeiter bei Promo-Agenturen oder Ähnlichem als auch Rapper selbst wurden bewusst nicht gefragt.

(Danke an die Backspin Redaktion, Oliver Marquart, Skinny, die rap.de Redaktion, Falk Schacht, Alexander "Up" Ryck, Florence "Lupa" Bader, Tobias Wilinski von Genius Deutschland und natürlich unsere eigene Redaktion)







Platz 10: Sonny Black & Frank White – Carlo Cokxxx Nutten (2002)

Sonny Black und Frank White. Zwei Männer, die heute kaum noch aus der Szene wegzudenken sind, machten mit Carlo Cokxxx Nutten mehr als nur ein Album. Sie brachten harten Berliner Straßenrap einem größeren Publikum näher, ohne auch nur eine Sekunde auf Massentauglichkeit zu achten oder sich selbst zu zensieren. Sonny Black hämmerte samplelastige, auf Streicherelementen basierende, düstere und zugleich metallische Instrumentals aus seiner MPC und beide Rapper ließen es sich nicht nehmen, darauf rappend die Sau raus zu lassen. Alles und jeder wurde auf diesem Album in irgendeiner Form beleidigt, weder Sonny Black noch Frank White nahmen ein Blatt vor dem Mund und genau diese Attitüde ist es, die Carlo Cokxxx Nutten im Jahr 2002 aus dem Untergrund hervorhob und es bis heute zu einem viel beachteten Release macht. Das Album bildet den legendären Grundstein einer ebenso legendären Reihe von Alben, allerdings schaffte es keiner der Nachfolger, an den ersten Teil heranzukommen.

http://www.rappers.in/de/Classics_Re...8_Special.html

(El-Patroni)







Platz 9: Bonez MC & Raf Camora – Palmen aus Plastik (2016)

Dancehall auf Deutsch – das war bis zu diesem Jahr nur wenigen vorbehalten. Zu ungelenk die Sprache, zu veraltet der Musikstil. Doch spätestens mit den Hits von Drake in diesem Jahr war Dancehall wieder überall zu hören; und wer sollte das auf Deutsch besser umsetzen als der musikalische Kenner Raf Camora zusammen mit dem zurzeit geradezu in Richtung Spitze rasenden Bonez MC, Mitglied der 187ers. Gesagt, getan. Hätte mir jemand vor 12 Monaten diese beiden als Durchstarter des Jahres prophezeit, er hätte sehr gute Argumente gebraucht. Genauso hätte er selbst wohl nicht geglaubt, wie riesig der Erfolg der beiden würde. Denn das Kollabo-Album überzeugt: Hit reiht sich an Hit, der Rap sitzt, die Attitüde passt – goldene Platten für Single und Album sind das Ergebnis und noch diesen Winter haben die beiden Protagonisten ihre Zusammenarbeit fortgeführt. Zusammenarbeiten von zwei Künstlern auf Albumlänge sind immer so eine Sache. "Palmen aus Plastik" hat uns dieses Jahr bewiesen, dass sich verschiedene Künstler und konsequente musikalische Idee nicht ausschließen und dass auch nicht vermainstreamter Rap immer noch den Mainstream erobern kann. Für viele wohl das Album des vergangenen Jahres, taucht es als einziges aus dem Jahr 2016 in unserer Liste auf. Chapeau, weiter so.



(Max)







Platz 8: Prezident – Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte (2013)

"Es ist eine verquere Art von Pathos, wer sie fühlt, hat seinen Spaß mit diesem Wuppertaler Arschloch", so beschreibt Prezident den Appeal seiner Musik selbst schon am besten, mit "Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte" trieb der Rapper diesen Pathos auf seinen Höhepunkt. Nicht nur, dass der MC dank diesem Schlüsselwerk seiner Diskographie verdientermaßen in den Dunstkreis deutscher HipHop-Medien eindrang, auch musikalisch erlebt man den Wuppertaler in seiner Höchstform, die sich wohl niemand sonst so zu eigen machen könnte: So verbindet dieser all den Frust über die Rapszene und deren jahrelanger Nichtbeachtung seines Schaffens mit packenden, literarischen Storytellern, die teils auch einen Einblick in das Seelenleben des Künstlers gewähren, sowie philosophischer Gesellschaftskritik, die auch mal in apokalyptischen Fantasien mündet. Zusammengehalten wird diese breite Themenpalette durch die stets dichte, zumeist düster-aggressive Atmosphäre, die aus dem Einklang der einfachen, dunklen Instrumentals und des stimmungsvollen Flows gebildet wurde.
Hat Prezident deutschen HipHop mit diesem Album nachhaltig geprägt? Wohl eher nicht, dafür ist der Langspieler zu unzugänglich. Doch bewies der Wuppertaler etwas ganz anderes: Auch im Deutschrap ist es möglich, aus seiner eigenen, mainstreamfernen Nische heraus großartige Werke zu erschaffen und für diese die berechtigte Anerkennung zu erhalten. "Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte" ist der Durchbruch und Höhepunkt des Schaffens des Rappers und erhält dafür seinen gebührenden Platz in dieser Bestenliste.



(Sanchyes)

Prezident selbst zu uns über seine Platzierung und "Kunst ist eine besitzergreifende Geliebte": Wie schön. Die Platzierung indiziert wohl einen Generationswechsel innerhalb dessen, was so als Deutschrapexperte zum Listenaufstellen herangezogen wird; es dürften ja kaum Falk oder die Juice-Riege [Anm. d. Red.: Die Juice hat nicht an der Umfrage teilgenommen] der späten 00er-Jahre gewesen sein, denen das Album in den Sinn gekommen ist. Man könnte auch fragen, ob es da stünde, wenn ich es wie seine Vorgänger als Free Download rausgehauen hätte, oder umgekehrt: ob auch oder stattdessen der Katechismus oder die Erkenntnisse dort stehen könnten, wenn ich sie nicht verschenkt hätte, was ja damals für genannte Experten ein absolutes Ausschlusskriterium war, sich mit einem Deutschraprelease überhaupt auseinandersetzen und eine fast so große Unverschämtheit wie ein eigenständiger Sound, der armen Schreiberlingen gleichfalls eigenständige Formulierungen abverlangen würde. Ich persönlich mag Alice, die Erkenntnisse und auch Limbus mehr, eben weil eigenständiger und roher, aber zweifelsohne hat die Geschlossenheit und Konsequenz des BoomBap-Entwurfs, den die Jungs von Epic Infantry hier auf den Pfaden von Roey Marquis und dem frühen Azad ausgeführt haben, dem Album zu seiner positiven Resonanz verholfen. Der Platz gehört wahrscheinlich mehr ihnen als mir.







Platz 7: Marteria – Zum Glück in die Zukunft (2010)

Das (Spoilerwarnung) etwas höher gelistete Casper-Album "XOXO" wird gern als Retter des Deutschrap Anfang der 2010er Jahre bezeichnet. Dabei werden Marteria häufig die Lorbeeren verwehrt, die er sich bereits ein knappes Jahr davor mit "Zum Glück in die Zukunft" durchaus verdient hat. Auf der Platte traf ein poppiges Soundgerüst mit HipHop-Einfluss, produziert von The Krauts, auf die teils gesellschaftskritischen, teils ironisch lustigen und teilweise sehr persönlichen Lyrics, die Marteria in seiner markanten, tiefen Stimme samt langsamem Flow mit enormem Wiedererkennungswert vortrug. Gastbeiträge von Peter Fox, Jan Delay, Casper, Miss Platnum und Yasha brachten willkommene Abwechslung in die Platte, passten aber auf die jeweiligen Tracks wie die Faust aufs Auge und taten ihr übriges, um ein Album entstehen zu lassen, das auch heute noch gut klingt und zahlreiche Hits beinhaltet.



(El-Patroni)







Platz 6: Kool Savas – Der beste Tag meines Lebens (2002)

Schon damals brachte er selten Alben, "Der beste Tag meines Lebens" war 2002 sein Debüt – der King of Rap, Kool Savas. So ziemlich jede zweite Zeile des Großmeisters auf diesem Werk ist heute wohl im Deutschrap mindestens zehnfach zitiert und gar zum geflügelten Wort geworden. Durch die dreckige Attitüde, gepaart mit dem so störrischen Battlerap, konnte der damals 27-Jährige schon vor seinem Erstlingswerk eine große Anhängerschaft vorweisen, seine kommenden Alben sollten diese nicht gerade mindern. Mit dem einzigartigen Flow würde er sich von da an noch so einige goldene, später gar Platin-Schallplatten mit Xavier Naidoo sichern und so sowohl seinen kommerziellen Status als auch zeitgleich den im Rapgame ausbauen – eine noch seltene Kombination hierzulande. Wenn viele heute den Künstler Kool Savas gar verehren und ihn in allen möglichen Umfragen immer wieder als den King of Rap, Künstler des Jahres oder was auch immer wählen, so war dieser hungrige, unangepasste Protagonist auf diesem Album mindestens der Wegbereiter für das, was noch kommen sollte – und sein Flow mindestens für genauso viele Rapper die Blaupause. Neben Savas selbst hatte vor allem einer aber seine Highlights auf "Der beste Tag meines Lebens": Eko Fresh, damals noch fest mit seinem Mentor verbrüdert, sollte nie wieder den Status erreichen, den er Anfang der 2000er innehatte.



(Max)







Platz 5: Casper – XOXO (2011)

Als "XOXO" 2011 erschien, hätte der Wahnsinn wohl kaum größer sein können. Auch wenn Casper selbst laut eigener Aussage noch auf sein persönliches "Stadtaffe" hinarbeitet, wird "XOXO" für ihn selbst, die Popkultur in Deutschland und nicht zuletzt die hiesige Rapszene immer ein ähnlicher Paukenschlag bleiben. Die Mischung aus konsequenter Musikalität, tiefgründigen, oft eingängigen Texten und nicht zuletzt einfach gutem Rap förderte einen damals derart einzigartigen Langspieler zutage, der bis heute nichts an Relevanz verloren hat – was man spätestens merkt, schaut man auf die zahlreichen Kopien und Nacheiferer, die auf ihrem Album immer gern mal einen Track á la Casper einbringen, indem sie versuchen, ein Instagram-würdiges Zitat nach dem anderen zu rappen und dabei allzu gern kläglich scheitern. Hinzu kam die kommerzielle Relevanz: Damals mit einer Platinschallplatte gewürdigt, war es jedenfalls einer der Wegbereiter für den zurückkehrenden Erfolg für Deutschrap in den Charts. Wie sagte Marteria einst: "Ich habe die Tür aufgemacht, Casper ist mit voller Wucht hindurch gerannt." Mindestens die Hälfte der heute erfolgreichen Rapper schuldet Casper wohl mindestens ein Wort für diesen Album: Danke.



(Max)







Platz 4: Bushido – Vom Bordstein bis zur Skyline (2003)

Was Bushido 2003 auf "Vom Bordstein bis zur Skyline" veranstaltete, beeinflusste die gesamte Szene, öffnete Türen und veränderte Straßenrap langfristig – man könnte fast so weit gehen, von einer Revolution zu sprechen. Verzweifelte Eltern versuchten vergeblich, ihre Kinder von dieser Musik fernzuhalten, Bushido adaptierte den in Frankreich aktuellen Stil auf seine eigene Art und Weise, arbeitete mit düsteren Samples und Filmschnipseln, erschuf durch den Einsatz diverser Streichinstrumente ein ganz besonderes Soundbild und ließ metallische Drums drüber scheppern. Textlich wurden Tabus gebrochen, vom Leben im sozialen Brennpunkt berichtet, alles und jeder beleidigt und in einem Storyteller auch mal erzählt, dass eine Frau ebenso verprügelt werden kann, wenn sie es denn verdient. Die heute ebenfalls weitestgehend bekannten Featuregäste kamen aus dem eigenen Umfeld, fügten sich gut ins Gesamtbild ein und vor allem Fler erschien inhaltlich wie stimmlich wie gemacht für die Platte. Bushido machte nicht viel anders als heute und dennoch wird wohl niemand widersprechen, wenn wir behaupten, "Vom Bordstein bis zur Skyline" war Bushido auf dem frühen Höhepunkt seines Schaffens.

(El-Patroni)







Platz 3: Haftbefehl – Russisch Roulette (2014)

"Russisch Roulette" retrospektiv einzuordnen, fällt nicht nur in Anbetracht des recht kurzen Zeitraums seit Entstehung des Werkes gar nicht einmal so leicht. Es war nicht der Paukenschlag, der Aykut Anhan in den Fokus der Medienwirksamkeit katapultiert hatte, immerhin standen wir bei Release schon zwei Jahre hinter "Blockplatins" kometenhaftem "Chabos wissen wer der Babo ist" und "Generation Azzlack", zwei Songs, die in jenem Jahr wirklich komplett unausweichlich waren. Viel mehr war es die bestmögliche Entwicklung aus dem Vorgängeralbum, legte ein Produktionslevel an den Tag, das im deutschen Rap selten erreicht wurde und präsentierte den Offenbacher zwischen Opulenz, Größenwahn und einer Energie so immens, dass sie seitdem nur ein einziger in dieser Form reproduzieren konnte, und zwar er selbst – auf dem darauf folgenden Mixtape "Unzensiert". Haftbefehls "Russisch Roulette" stellt dementsprechend einen der großen Höhepunkte des deutschen Streetraps dar, kreiert ein müheloses Zusammenspiel aus deutschen, amerikanischen und französischen Einflüssen und zeigt einen Rapper in seiner absoluten Blüte: Ausstrahlung und Charisma wie wörtlich aus einem alten Gangsterfilm zitiert und jeder Song ein gottverdammter Banger. Authentischer Straßenrap hat selten so viel Spaß gemacht.



(Cuttack)







Platz 2: KIZ – Hahnenkampf (2007)

Vor knapp 10 Jahren war Deutschrap vielleicht vieles, im Mainstream angekommen allerdings bei Weitem nicht. Wie oft wurde man schräg angeguckt, wenn man sagte, dass man deutschen Rap höre. Es sei Asimusik, quasi von der Straße für die Straße. Doch eine Band hat es zu dieser Zeit geschafft, irgendwie selbst der netten Klassenkameradin zu gefallen, denn seien wir ehrlich, wer hat den Satz "Deutschrap ist nicht so mein Ding, aber K.I.Z finde ich ganz cool" in seinem Leben noch nicht gehört? Und all dies begann in der Öffentlichkeit mit ihrem zweiten Studioalbum "Hahnenkampf". Woran dies gelegen hat, kann man nur vermuten; es könnte der eingängige Sound mit Elementen aus Pop, Disco und anderen Richtungen oder die Authentizität der Texte gewesen sein. Wenigen wäre es wohl gelungen, das Wort "Spast" so in den Vokabularen einer Generation zu verankern, wie es den Berlinern gelang. Vielleicht war es aber auch nur die "längst fällige Dekonstruktion des deutschen Gangsta HipHop" (Spiegel Online), die das Album bewirkte und somit wohl einen Meilenstein in der deutschen Rapgeschichte darstellen dürfte.



(PeasOut)







Platz 1: Tua – Grau (2009)

Der Platz Eins dürfte für viele sehr überraschend sein – für andere dafür umso weniger. Das beste Deutschrap-Album des bisherigen 21. Jahrhunderts, gewählt von Kritikern und Journalisten der deutschen HipHop-Szene, geht an Tua mit seinem Gar-nicht-mal-so-Untergrund Klassiker "Grau" aus dem Jahre 2009. Es war das zweite Solo-Album des mittlerweile 30-Jährigen Ausnahmetalents aus Reutlingen, der als Mitglied der Orsons in den Charts sein Unwesen treibt, während er sich allein musikalisch-experimentell eher im Untergrund hält. Obwohl der mal wortkarge, mal dafür umso impulsivere Musiker laut eigener Aussage heute vieles auf "Grau" anders gemacht oder ganz gelassen hätte, ist sein nachhaltiger Einfluss doch unbestritten. Am deutlichsten wurde dieser wohl mit dem bahnbrechenden Erfolg von Caspers "XOXO", bei dem Viele "Grau" für den (besseren) Wegbereiter hielten. Es ist der von so vielen Rappern zwanghaft angestrebte Spagat zwischen Nachdenklichkeit und Eingängigkeit, zwischen tiefster Trauer und höchster Euphorie. Es bietet vielseitige Features, der vielseitigste ist aber der Protagonist selbst: Gern singt er, mal lässt er seine Stimme ganz außen vor und oft rappt er, als hinge sein Leben davon ab – und hält dabei gar mit einem Savas problemlos mit. Als wäre das nicht genug für den absoluten Klassikerstatus, greift Tua in die Tiefen seiner persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, woraus mit "Für immer" und allem voran "Ohne Titel" zwei der wohl berührendsten Titel im Deutschrap entstanden sind, die es jemals gab.
Für Viele ist es das vollkommenste und gleichzeitig hungrigste Album, das es in den letzten 15 Jahren hierzulande gab. Tua gelang geradezu spielerisch alles auf diesem Werk und trotz seiner geringen kommerziellen Relevanz übte es einen gigantischen Einfluss auf die hiesige Rapszene aus, von dem noch heute so mancher Rapper zehrt – zurecht.



(Max)

Tua selbst zu uns über seinen Sieg und Grau: "Grau" ist mein Blueprint, die Basis für alles später Kommende gewesen. Seinerzeit sang- und klanglos untergegangen, ist mittlerweile wohl die Zeit gekommen, in der Menschen eher einen Zugang dazu finden. Darüber freue ich mich natürlich sehr.
Mein Leben war damals ein Haufen Chaos. Auch wenn ich vieles davon aussortiert habe, fängt das Album die Stimmung einer Zeit so ehrlich ein, dass es für mich nicht überholt klingt.
Auf meinen folgenden Platten habe ich dann verschiedene Facetten, die alle in "Grau" bereits angelegt waren, weiter nach Vorne geholt. Für ein kommendes Album ist es sicher nicht abwegig, wieder etwas zur Basis zurückzukehren. Mal schauen.
"


Autor: Max


Teilnehmer im Einzelnen:
rap.de-Redaktion: Nicolas Czichi-Welzer, Daniel, Oliver Marquart, Skinny, Lea Gerlach, Moritz Jehle, Maximilian Kessel, Viola (teilweise wurde zu zweit eine Liste abgegeben)
Backspin-Redaktion: Kevin, Shana, Yannick, Zino
Falk Schacht
Tobias Wilinski (Leitung Genius Deutschland)
Florence "Lupa" Bader (Leitung MZEE-Magazin)
Alexander "Up" Ryck (VBT-Host und rappers.in Inhaber)
rappers.in Redaktion: David (El-Patroni), Lennart (Antagonist), Lukas (kollin), Max (Chefredakteur), Marc (Sanchyes), Yannik (Cuttack)


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