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Review: Die Orsons – What's goes

veröffentlicht: Dienstag, 26.05.2015, 19:44 Uhr
Autor: KDePa





01. What's Goes?
02. Papa Willi und der Zeitgeist
03. Lass uns chillen
feat. Maxim
04. Ventilator
05. Sunrise 5:55am
06. Schwung in die Kiste
07. Grün
08. Tornadowarnung
09. Feuerrot
10. Leicht
11. Seitdem
12. Das Klo
13. Wasserburgen
feat. Mine
14. Oben vom Heu
15. Abschiedsparty
16. SalamiFunghiZwiebelPartypizza
17. Das Öl


Die Hooligans of Love sind wieder am Start! Die vier Chaoten aus Baden-Württemberg haben sich zum vierten Mal zusammengefunden, um eine neue gemeinsame Platte aufzunehmen. Tua, der Misantroph, der lustige Bartek, Kaas, der alles und jeden gern hat, und der nachdenkliche Maeckes werfen alle ihre verschiedenen Eigenschaften und Raps in einen Topf und daraus soll wieder einmal der typische Orsons-Sound entstehen. Man wollte dabei alles, was bereits auf dem letzten Album gerockt hatte, behalten und die dem Major Label geschuldeten Einflüsse über Bord werfen. Wie sich das auf "What's Goes" anhört, werden wir nun erfahren.

Was sich nach dem Hören der ersten Tracks sofort als ein Schwerpunkt des Albums herauskristallisiert, sind die avangardistischen Beats von Tua, der die komplette Scheibe produzierte und für ein einheitliches Klangbild sorgte. Der Titeltrack ist ein typischer Representer, auf dem bereits eines klargestellt wird: die Jungs können rappen. Das zu einem hochgepitchten Sample verarbeitete Denglisch des EU-Komissars Oettinger ("Everybody does as he pleases") bildet Intro und Hook des Titeltracks, Die Orsons flowen auf einem plastischen, minmalistischen Beat munter ab und liefern haufenweise lustige Lines. Auch auf "Papa Willi und der Zeitgeist" wird eine englische Line des Rappers Jay-Z ("Pop a wheelie on the zeitgeist") gesamplet und gnadenlos per Nachahmung des ersten Höreindrucks ins Deutsche übertragen. Am Ende entwickelt sich der Song zu einem richtigen Abrisstrack. Auf "Ventilator" und "Schwung in die Kiste" gehen zu Anfang befremdlich anmutende Vocal Samples mit nicht weniger neuartigen und wilden Beats eine Symbiose ein, zu der die Spontaneität, der Wortwitz und die Energie der vier Jungs passen wie die Faust aufs Auge.

"Rapper komm', fragen, ob sie mit mei'm Smartphone ihre Ma anrufen könn'/
Ich sag: 'Klar, da, drück einfach Wahlwiederholung.' (Was?)/
Wovon handelt dieser Song? Weiß nicht/
Aber seid ihr schon mal nackt auf einem Trampolin gesprung'?/
"
(Maeckes auf "Schwung in die Kiste")

Auch "Tornadowarnung" schlägt in die gleiche Kerbe wie die meisten Songs zu Beginn der Platte. Wir werden gewarnt in Deckung gehen, denn Die Orsons schleudern eine tighte Line nach der anderen auf uns. Der basslastige Beat mach den Track zu einen der vielen auf der Platte, welche enormes Live-Potential bergen und einfach ausgelassene Stimmung aufkommen lassen. Doch "What’s Goes" ist noch wesentlich facettenreicher. die ruhigeren Tracks punkten durch Tuas innovative Beatgestaltung. Der einheitliche Sound ist auf der ganzen Platte stimmig, bietet jedoch immer wieder aufs Neue Überraschungen. Ernste Themen wie der Tod auf "SalamiFunghiZwiebelPartypizza" oder die Unwiderbringlichkeit der Kindheit auf "Grün" bleiben den Orsons ebenfalls nicht verschlossen. Clevere Lyrics und gesungene Hooks lassen aber die Lockerheit und den Humor von "What's Goes" nie in den Hintergrund treten. Auf dem introvertierten Stück "Seitdem" erzählt uns Tua von einer vergangenen Beziehung und mit "Sunrise 5:55am" singt uns Kaas einen richtigen Sommerhit vor. Dabei spielt er mit an Kitsch grenzenden Pop-Melodien und einem überzogenen Friede-Freude-Text – ein Song, der sicherlich polarisiert.

Ich steig' aus dem Bett und plan' den Tag/
Mach' mir ne Liste, was ich heut' erreichen mag/
Ich werde trainier'n, viel mehr Rücksicht zu nehmen/
Auf die Umwelt und die Menschen in mei'm Leben/

(Kaas auf "Sunrise 5:55am")

Ob eine "Abschiedsparty" besungen oder wie auf "Oben vom Heu" eine Ode an den Kannabiskonsum geboten wird, "What's Goes" lässt keine Langeweile aufkommen. Uptempo-Nummern und Balladen finden in Style und Atmosphäre ihren gemeinsamen Nenner. Da die einzelnen Crewmitglieder zumeist selbst nur einen Part rappen, sind viele Tracks aus mehreren nebeneinander stehenden Anekdoten aufgebaut. Große Pointen, auf die von Anfang an hingearbeitet wird, entfallen so, doch dafür greifen die Rap-Parts perfekt ineinander. Keiner stiehlt den anderen die Show, keiner tritt in den Hintergrund. Und gerade wenn man nach einer eher ruhigeren Albummitte irren Humor für das Album schon fast abgehakt hatte, kommt mit "Das Klo" ein Aufruf zur Badezimmerhygiene daher, der in seiner Vortragsweise einfach nur schmunzeln macht. Am Ende entlässt uns die Jumpstylenummer "Das Öl" – man könnte meinen, es ginge darum, ja keine Stylevariation für die Beatproduktion auszulassen – in die Stille nach dem Album. Zuerst herrscht nun wohl eine ganze Portion Irritation. Man will die Platte noch mal hören und immer wieder hören. Die Detailversessenheit der Orsons wird einen auch sicherlich immer wieder Neues entdecken lassen.

Hinterlass das Klo bitte so, wie du's selber vorfinden magst!/
Soll ich's jetzt renovier'n oder wie, oder wo, oder was, was, was?/
Soll ich's jetzt renovier'n oder wie, oder wo, oder was, was, was?/

(Kaas & Tua auf "Das Klo")

Fazit:
"What's Goes" bietet jede Menge Innovation, Tanzbarkeit, Humor, Entspannung, Wortwitz, fette Flows und eingängige Hooks. Der rote Faden bei der Vielfalt an Styles und Themen bleibt das Soundbild. Und für dieses konsterniert Bartek passend: "Eure Beats haben Bass, uns're Beats haben besser." Für manche mag die Platte zu wild daherkommen, doch wer sich auf ein neues Rap-Erlebnis einlassen möchte, wird bestimmt nicht enttäuscht werden. Der ein oder andere Hit kann allerdings nicht immer ganz auf dem sonst sehr hohen Niveau der Platte mithalten. Auf jeden Fall scheinen Die Orsons sich als Musikgruppe gefunden zu haben und können auch gerne dort weiter machen.


(Maximilian Lippert)



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