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Special: Deutschrapcover: Ein Kreativitätsproblem #2

veröffentlicht: Dienstag, 05.06.2018, 17:08 Uhr
Autor: El-Patroni

Auch Teil 2 dieser Artikelreihe führt uns wieder in die Untiefen deutscher Coverkunst:


Dipset!
Keine Phase der Deutschraphistorie weist mehr Fremdschammomente auf als die Dipset-Jahre. Auch wenn dieser Zeit vereinzelte Klassiker entsprangen, so können sich heute wohl alle darauf einigen, dass die Masse an Diplomats-Nachahmern, die Vogelgeräusche über Plastikbeats schmetterten, alles andere als eine Glanzstunde deutschsprachiger Musikkultur repräsentierten. Auch die Ästhetik der Plattencover folgte diesem Beispiel: Die Männer in XXXL und allen Farben des Regenbogens gekleidet, schmissen sich in alle Posen, die der Katalog zwischen Gangster und Player so hergab und sahen dabei jedes Mal aus wie die Karikatur ihrer Selbst. Auch wenn es zwischen Freunde der Sonne, Kid Kobra und Taichi ziemlich schwer fällt, sich für ein Cover zu entscheiden, so fällt meine Wahl aufgrund der perfekten farblichen Abstimmung von Cap, Poloshirt, Hintergrund und Schriftzug auf den guten alten Sentino. Und bitte überseht bloß nicht die kleinen dicken Engel <3



Das Kinderfoto
Von "Illmatic", über "Zum Glück in die Zukunft 2", bis "Nevermind" haben sich Fotos der kleinsten Mitglieder unserer Gesellschaft auf Plattencovern Genre übergreifend stets als Erfolgsgarant erwiesen. Auch wenn der kommerzielle Erfolg von Summer Cems "Sucuc & Champagner" wohl kaum an den des Nas-Debüts heranreicht, so berührt mich der dicke Junge mit der Goldkette und Sonnenbrille an einem Punkt tief in meinem Herzen.



Wie bin ich hier hergekommen?
Regelmäßig finden sich Rapper auf ihrem Albumcover in kuriosen Situationen wieder. Als Betrachter stelle ich mir dabei gerne die Frage, wie es zu ebenjenen Szenarien kommen konnte. Ein sehr gutes Beispiel finden wir in Form eines jungen Prinz Pi mit fragendem Gesichtsausdruck an Bord des Todessterns. Die Story würde ich gerne hören. Auf einer Seite des Booklets trägt der Rapper übrigens eine Panzerfaust auf der Schulter. Ja – Prinz Pi – eine Panzerfaust – auf dem Todesstern – ja … im ernst.



Das Massiv-Cover
Ein Mann hat das Covergame verstanden wie sonst keiner: Massiv! Ob er nun in Handschellen auf dem Elektrischen Stuhl sitzt oder sich mit Palischal in einer Ruine ablichten lässt, sein physisches Erscheinungsbild gepaart mit dem bösesten aller bösen Blicke sorgt stets für Aufsehen. Das Artwork zu "M10" übertrifft allerdings alle anderen: Massiv in der körperlich wohl besten Form seines Lebens, behangen mit Goldketten, so schwer, dass der Durchschnittsbürger sie vermutlich nicht mal heben könnte, streichelt einen Panther. Ja! Genau so!



Besondere Erwähnung
Berliner Rap zeichnete sich um die Jahrtausendwende durch einen gewissen Grad an Minimalismus und völlig eigenen Style aus. Auch ein Cover aus Berlin hatte herzlich wenig mit einem Cover aus Stuttgart oder München gemein und ein heute allseits bekannter Rapper stellte dies mit seinem ersten Album unter Beweis: Zu bewundern gibt es den jungen Bushido! Ein Blick zwischen Ignoranz und Arroganz gepaart mit dem ausgestreckten Mittelfinger – typisches Rap-Album bisher. Mein persönliches Highlight stellt allerdings die halbnackte Frau im Hintergrund dar, denn bei genauerem Hinsehen fällt auf, sie wurde einfach gespiegelt und nochmal eingefügt. Zwei Frauen waren anscheinend nicht im Budget. Dieser Fakt amüsiert mich derart, dass ich gar nicht dazu komme, mich zu fragen, was es mit dem Hundekopf auf sich hat.
Ein Glück, dass aktuelle Bushido-Cover etwas anders aussehen.



Hier gehts zum Ersten Teil


El-Patroni (David)

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