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Review: David Asphalt – Eine Maschine

veröffentlicht: Samstag, 27.11.2010, 21:00 Uhr
Autor: LongJohnSilver





01. Intro
02. Eine Maschine
03. Ground Zero feat. Chakuza
04. Das gleiche Spiel feat. Patrick Enemy
05. Zwischenzeitlich im Ghetto (Skit)
06. Danke für's Gespräch
07. Welt retten
08. Wellen (Skit)
09. Elektrische Luft feat. Rock Toxin
10. Vögel (Skit)
11. Blauer Stahl
12. Dämmerung (Interlude)
13. Schnaps
14. Nie wieder (Skit)
15. Was wartest du?
16. Der Rasenmähermann
17. Die Sanduhr (Skit)
18. Wie die Zeit so schnell vergeht
19. Wenn ich schreib
20. Karma
21. Outro

David Asphalt, eine Maschine. Ist die Entdeckung vom exgutenjungen Chakuza nun der Terminator und damit die Revolution der Maschinen oder nur ein lahmer Robocop-Verschnitt? Ich gehe stark davon aus, dass mir gleich wieder ein Straßenjunge von seinem harten Ghettodasein berichten wird. Nun gut, um sein Primärziel zu erkennen, habe ich die Maschinerie angeschmissen und mich selbst an die virtuelle Schreibmaschine gesetzt.

"Du hast deine Zeit gehabt, ich töte all den whack shit/
Knall' dir Lines an deinen Kopf und du machst 'nen Backflip/
Alles ist vorbei, das ist das bedeutendste Album der deutschen Nachkriegsgeschichte/
Konnichiwa ihr Bitches, ihr seid am Arsch und wisst es/
"
("Intro")

Bereits im "Intro" verspricht der mittlerweile bei Wolfpack Gesignete viel. Mir fällt gleich der starke Flow auf, den David vorweist und den er sich wohl lange erarbeitet hat. Was mir anfangs imponiert, geht mir leider nach den ersten Tracks total auf den Zeiger. Stark, aber auch stark nervtötend auf Dauer – die einzige Variation bringt er durch gute Gesangskünste ein. Gekonnt gesetzte Pausen, starker Stimmeinsatz und Rap straight on point lassen ihn die Beats absolut beherrschen. Angefangen hat er mit einer Veröffentlichung 2001, "Asphalt trifft Kopf" mit den Asphaltliteraten, seiner langjährigen Crew aus Kaiserslautern, mit der er bis 2007 stolze sieben Veröffentlichungen feierte. Doch mir fällt anfangs wenig von einem Literaten auf, dafür umso mehr Asphalt – und dabei spreche ich nicht von dem erwarteten Klischeerapper, nein, die Lyrics sind einfach flach wie der Straßenbelag, der seinen Namen ziert. Viel Battlestoff, der mich definitiv in keinster Weise zu überzeugen weiß. Nun gibt es die verschiedensten Themen, die auf dem Album behandelt werden – sei es nun die Ode an den "Schnaps", dem scheinbar seine Liebe gilt, wie auch das Ghetto, dem er in "Danke für's Gespräch" kritisch gegenüber steht – auf jeden Fall ein Anspieltipp! So wechseln sich also flache Battlestrophen mit eher persönlicheren Tracks wie "was wartest du?", in dem es um Fernweh und eine erhoffte Flucht aus dem Alltag geht, ab.

"Mein Job nervt mich und ich hab' so wenig Zeit/
Und eh' ich mich verseh', ist der Tag wieder vorbei/
Die Zeit verfliegt – Shit – ich glaub' es stimmt/
Alles, was wir sind, ist nur Staub und Wind/"

("Was wartest du?")

Thematisch scheint sich David Asphalt definitiv nicht festlegen zu wollen, den roten Faden sucht man vergeblich. Nur seinem starken, zum Leidwesen meiner Ohren und Konzentrationsfähigkeit ewig gleichen, Flow bleibt er absolut treu – weshalb das gesamte Album auf dem letzen Track auch genauso klingt wie auf dem ersten. Die Battlephrasen sind das Einzige, was er sich hätte sparen können. Auf Tracks wie beispielweise "Karma" merkt man dann doch, dass auch Herzblut in dem Album steckt. Raptechnisch bewegt sich die Entdeckung von Chakuza auf hohem Level. Abgesehen von seinem Singsang-Flow gibt es ausgefeilte Reimschemata, die weit mehr bieten als man es vermutet, von einem Rapper der sich "David Asphalt " nennt. Herausragend ist für mich lediglich "Karma" – wegen der Thematik und weil dort Flow, Beat, Stimme, Gesang und Rap perfekt kombiniert sind.

"Die Sonne geht auf, ein Kind wird geboren/
Alles zurück auf Null, alles beginnt von vorn/
Der Himmel strahlt blau, ein lauer Wind weht/
Alles noch offen, niemand weiß, wo es hingeht
/"
"(Karma)"

Das Cover zeigt den vitruvianischen Menschen Leonardo Da Vincis als Maschine. So in etwa wirkt auch das gesamte Album: sehr maschinell, sehr monoton, für mich wenig abwechslungsreich. Es klingt einfach wie schon einmal gehört, wenig frisch, und doch erkenne ich irgendwo den Zusammenhang zu einem Künstler. David Asphalt ist ein guter Rapper, das steht außer Frage. Die Beats sind im Großen und Ganzen wenig innovativ, also keine Bretter, die mich vom Hocker hauen. Man kann sie auf dem gesamten Album in zwei Lager teilen: elektronisch-experimentell und Piano. Sicher wird alles mal wieder von Gitarrenriffs oder Synthies gestriffen, jedoch ist das wichtigste Instrument des gesamten Albums die Stimme des Protagonisten, denn diese dominiert auf jedem Titel der Tracklist. Nach einer Stunde des Albums kann ich sagen: Es geht alles in die Richtung alte Schule. Und das ist ausnahmensweise kein Kompliment, denn mir scheint es so als hätte sich David terminatorgleich zurück ins Jahr 2000 geschossen und wäre dort hängengeblieben. Auch wenn "Eine Maschine" alles hat, was ein gutes Album braucht, überzeugt es mich nicht. Es fehlen mir einfach das Konzept und die Variation, die er zum Beispiel mit mehr Features hätte erreichen können. Davon findet man nur drei Stück, wohingegen es an Skits mit gleich sechs Stück nicht mangelt.

"Das bedeutendste Album der deutschen Nachkriegsgeschichte" ist dies für mich auf gar keinen Fall. Ja, ich finde diese Aussage sogar anmaßend, wenn es denn ernst gemeint sein soll. Und davon gehe ich aus, denn Humor konnte ich bei dem 'Lautrer auch nur vermissen, dafür bot er umso mehr Arroganz, die er hoffentlich nicht wirklich ernst meint.

Fazit:
Dem neuen Wolfpack-Künstler gelingt ein sicheres und solides Album. Er beherrscht sein Handwerk und beweist, dass deutscher Rap auch flowen kann, etwas mehr Abwechslung hätte dem Ganzen aber gut getan. Dies ist für mich dementsprechend auch kein Album, das auf Rotation laufen wird, da ich bereits nach den ersten drei Songs Schwierigkeiten habe, mich weiterhin zu konzentrieren – weil mich der Flow schlicht und ergreifend langweilt. Auch, wenn mir die einzelnen Thementracks beziehungsweise die Themen gefallen, wirkt das gut produzierte Album für mich insgesamt konzeptlos und zu monoton. Hoffnung habe ich bei diesem Künstler allerdings allemal, auch wenn ich durch den Namen ja nicht ganz unvoreingenommen war. Wenn er die Maschine in Zukunft hinter sich lässt, zur Handarbeit übergeht und ein Meisterstück zu schmieden bereit ist: Von mir gibt es drei solide Mics.


(Long John Silver)



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