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Review: DJ Khaled - Father of Asahd

veröffentlicht: Mittwoch, 22.05.2019, 15:56 Uhr
Autor: No My Name Is Maxi





01. Holy Mountain feat. 070 Shake, Mavado, Sizzla & Buju Banton
02. Wish Wish feat. 21 Savage & Cardi B
03. Jealous feat. Chris Brown, Lil Wayne & Big Sean
04. Just Us feat. SZA
05. You Stay feat. J Balvin, Meek Mill, Jeremih & Lil Baby
06. Celebrate feat. Travis Scott & Post Malone
07. Higher feat. John Legend & Nipsey Hussle
08. Won't Take My Soul feat. CeeLo Green & Nas
09. Weather the Storm feat. Lil Baby & Meek Mill
10. Big Boy Talk feat. Jeezy & Rick Ross
11. Freak N You feat. Lil Wayne & Gunna
12. Top Off feat. Future, Jay-Z & Beyonce
13. No Brainer feat. Justin Bieber, Quavo & Chance the Rapper
14. Thank You feat. Big Sean
15. Holy Ground feat. Buju Banton

Schon seit 2006 veröffentlicht DJ Khaled fast jedes Jahr — meist um die Sommerzeit — ein neues Album, auf dem er das Who‘s Who der HipHop-Szene (und natürlich Mavado) versammelt. Trotz Executive-Producer-Credits agiert er dort seit einigen Jahren in erster Linie nur noch als Hype-Man in Albumform, indem er in den unpassendsten Momenten entweder "We the best", "Another one", "DJ Khaled" oder seit der Geburt seines Sohns Asahd — die er vollständig für seine Snapchat-Story filmte — auch "It's father of Asahd" schreit. Trotzdem ist vor dem Release seiner Alben immer ein gewisser Hype da, weil Kollaborationen wie Justin Bieber, Chance the Rapper, Quavo und Lil Wayne sonst wohl nie zustande kommen würden. Wie gut das Album dann ist, lässt sich daran messen, wie das Hit-or-Miss-Verhältnis ausfällt; wie viele Songs playlist-würdig sind. Anders gesagt: Inwiefern das Line-Up an Stars den zu häufig forciert wirkenden Kollaborationen gerecht wird.
Dieses Jahr heißt DJ Khaleds neues Release "Father of Asahd"; der Personenkult um seinen Sohn hört aber nicht beim Titel und Cover des Albums auf: Asahd hat mit seinem Vater und Allah zusammen Executive-Producer-Credits auf dem Album. Das ist aber nur der nächste logische Schritt, nachdem das Kleinkind schon seinen eigenen Instagram-Account mit fast zwei Millionen Followern führt und Interviews gegeben hat. Ob der kreative Input von Asahd diesmal dann auch für viele Hits sorgt?
Das Line-Up sieht nämlich wieder mal vielversprechend aus: Von Travis Scott und Post Malone über Justin Bieber und Lil Wayne bis hin zu Beyonce und Jay-Z sind viele der größten HipHop- und RnB-Stars des Jahrzehnts gefeaturet, doch auch eher unerwartete Namen wie 070 Shake und Nipsey Hussle befinden sich auf der Tracklist.

"Father of Asahd" ist offensichtlich kein kohärentes Album, sondern hört sich eher wie ein zusammengewürfelter Label-Sampler an. So kommt es zum Beispiel dazu, dass auf das Intro namens "Holy Mountain" — ein misslungenes Reggae-Trap-Crossover, das allein schon durch die Tatsache, dass Buju Banton und 070 Shake auf demselben Track einfach nicht funktionieren, ein einziges musikalisches Chaos ist — mit "Wish Wish" von Cardi B und 21 Savage ein kompromissloser Trap-Banger folgt, der mit einigen unterhaltsamen Lines und einem für Tay Keith typischen repetitiven und simplen, aber extrem eingängigen Groove besticht. "Holy Mountain" kann also getrost aus der Musik-Bibliothek gelöscht werden, während "Wish Wish" eins der Highlights des Projektes ist.

"Your bitch got that crazy head like a Kanye tweet/
Had a wedding for my glocks, call 'em Jay and Bey"

(21 Savage auf "Wish Wish")

Um eins vorwegzunehmen: Großartig steigen oder fallen wird die Qualität der Songs auch im späteren Verlauf des Albums nicht — auf fast jedes Highlight folgt ein vergessenswerter Song. "Celebrate" von Travis Scott und Post Malone sorgt mit seinem melodischen, an 2015 erinnernden Pop-Trap-Sound für Nostalgie und hat ein hohes Hit-Potential, "Freak N You" von Lil Wayne und Gunna überzeugt mit einem fröhlichen Instrumental im New-Orleans-Bounce-Stil sowie einem extrem starken Weezy-Part und "Just Us" von SZA sorgt mit einem perfekt eingesetzten OutKast-Sample, Jay-Z-Referenzen und dem mit Abstand besten Khaled-AdLib des Albums ("This how a angel sounds") für positive RnB-Vibes. Auf der anderen Seite gibt es auf dem Projekt aber auch extrem erzwungen wirkende Party-Songs, die eher wie DJ-Mustard-Tracks von den frühen 2010ern in noch langweiliger klingen ("Jealous" und "No Brainer"). Dazu kommen noch Songs, die ihrem Line-Up in keiner Weise gerecht werden, weil sie wie ein fünf Jahre alter, generischer Throwaway-Track der vertretenen Künstler wirken ("Top Off" von Future, Jay-Z und Beyonce), und natürlich die bereits erwähnten grauenhaften Reggae-Einflüsse (das Intro "Holy Mountain" und das Outro "Holy Ground"). Letztere beiden sollen den roten Faden des Albums darstellen, was aber allein schon daran scheitert, dass beide Titel zwei der größten Totalausfälle des ganzen Projektes sind. Viel zu oft wirken die Tracks wie nicht eingelöste Versprechen: Man denkt sich, dass bei einem Song von Justin Bieber, Chance the Rapper und Quavo die Garantie für einen lockeren Upbeat-Sommer-Hit schon fast gegeben ist, aber wenn dieser auf einem Album von DJ Khaled landet, geben alle Interpreten ihren schlechtmöglichsten Auftritt ab.
Die einzige Stelle — neben dem eben erwähnten misslungen Intro und Outro — in der Tracklist von "Father of Asahd", an der man kurz daran erinnert wird, dass man gerade ein Album und nicht eine bunt zusammengewürfelte Playlist hört, sind die beiden aufeinander folgenden Songs "Higher" und "Won‘t Take My Soul". Ersterer ist die schon im Voraus angekündigte Kollaboration von Nipsey Hussle und John Legend, wobei es sich hier aber nicht um einen posthumen Cash-Grab handelt, "Higher" wurde nämlich schon kurz vor Nipseys Tod im März fertiggestellt. Das ruhige, vom atmosphärischen Soul-Vocal-Sample geprägte Instrumental und die motivierende, hymen-artige Hook von John Legend stellen die perfekte musikalische Grundlage für Nipsey Hussles autobiographische, selbstreflektierte Parts dar. Während der erste Verse noch von seiner familiären Herkunft handelt, dreht sich der zweite um die vielen Gefahren, denen er als Jugendlicher in Los Angeles begegnet ist — der Stadt, in der er im März ermordet wurde. Besonders die Line "Looking back at my life make my heart race" trifft durch den Kontext besonders hart. "Won‘t Take My Soul" von Nas und CeeLo Green funktioniert nach einem sehr ähnlichen Prinzip; zwar ohne die Melancholie und Eeriness von "Higher", dafür aber mit einem starken Nas-Part, der diesmal sogar ohne Anti-Impf-Lines oder andere Verschwörungstheorien auskommt. Abgesehen von diesem gelungen Two-Track-Run bleibt das Album aber bis zum letzten der 15 Songs all over the place.

"I was thinkin' chess moves but it was God's grace/
Crooked ass whoever 'til we all straight/
With no shame, I peeped game and it's all fake/
South Central state of mind, high crime rate/
Homicide, hate, gang banging'll get you all day/
And look at my fate"

(Nipsey Hussle auf "Higher)

50 Prozent gute, 50 Prozent vergessenswerte Songs oder sogar Totalausfälle, keine Kohärenz, nervige AdLibs in Marktschreier-Manier, nicht im Ansatz dem auf dem ersten Blick beeindruckenden Line-Up gerecht werdend — oder in anderen Worten: "Father of Asahd" ist leider nur ein typisches DJ-Khaled-Album; nicht mehr, nicht weniger. Ob das jetzt auf Asahds mangelnde Erfahrung in seiner Rolle als Executive-Producer zurückzuführen ist oder eher daran liegt, dass ein großer Teil der Songs wie mediokres Throwaway-Material klingt, wird sich nächstes oder spätestens übernächstes Jahr zeigen, wenn Khaled und Asahd mit der Produktion des Nachfolgers fertig geworden sind und es wieder "Another one" heißt.

(Maximilian Krupp)



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