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Review: DCVDNS – Der Wolf im Schafspelz

veröffentlicht: Donnerstag, 24.10.2013, 21:41 Uhr
Autor: TagTiC





01. Intro vom Intro
02. Intro
03. German Choppers
feat. Tamas
04. Eigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen
05. Wir reiten ein
feat. Morlockk Dilemma
06. Atelier
07. Kein Gee
08. Ich sage nicht ich liebe dich
09. Frankfurter Zoo
feat. Celo & Abdi
10. Wisst ihr noch?
11. D.W.I.S.
12. Vapo
feat. Tamas & Basstard
13. D.C.V.D.N.A. feat. Genetikk
14. Warum
15. Outro


Bonus-Tracks:
16. Dichter & Henker
17. Atelier
feat. MoTrip
18. St. Inglebird Psyco

"Der Mann, der jetzt kommt ... der hat einen echten Scheißnamen." Wenn Stefan Raab mit diesen Worten ein Album eröffnen darf, dann weiß man: Hier erwartet einen keine 0815-Durchschnittsveröffentlichung. Da kommt etwas Anderes, etwas Besonderes. "Besonders" trifft wohl DCVDNS am besten, denn wer auf den höchstens 18 Tracks von "Der Wolf im Schafspelz", veröffentlicht von Distributionz, so viele verschiedene Stile ineinander vereint, kann nicht gewöhnlich sein. Die Frage ist nur, inwieweit so zahlreiche, komplett unterschiedliche Ideen auf nur einem Album überzeugen können.

Ein zufälliger Schlag auf die Tastatur, "Der Coole von der neuen Schule" oder doch "Dominik Christoph von der Nordsee"? So viele Erklärungen für die Initialen, doch alle führen nur zu einem Künstler: DCVDNS. Genau dieser erzählt uns im "Intro", wie er sich, getarnt mit Pullunder und Brille, in die Szene schlich, nur um nun die AK-47 hinterm Rücken hervorzuziehen. Silben kann er übrigens genauso schnell verschießen wie Munition, wie er uns auf "German Choppers" zeigt. Im feinsten Doubletime legt er sich hier mit den Vertretern des Chopperstyles an %uFFFD so bezeichnet man Rap auf sehr hoher Geschwindigkeit, ohne jedoch an Verständlichkeit zu verlieren. In Deutschland dürften wohl Kollegah und Samy Deluxe die bekanntesten Vertreter sein. Bemerkenswert aber, dass er diesen Stil, für ihn eher unüblich, recht gut meistert und ordentlich parodiert. Das legt allerdings auch die Befürchtung nahe, er könnte wirklich das Sturmgewehr gezogen haben und mit Standardphrasen den etablierten Rappern den Krieg erklären, ganz ohne die Ironie, die seine Fans von "Brille" kennen und mögen ... natürlich ein Irrtum. Im direkten Kontrast zum vorherigen Technik-Geflexe präsentiert er uns auf "Eigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen" den guten alten DCVDNS, der hier auf dem Beat von Wolfgang H. den Gangster mimt und um die verlorene Hook trauert. Die Krone setzt er dem Track auf, als er ausgerechnet hiermit bei Raabs Bundesvision Song Contest Platz 5 holte. Ähnlich harten Ghetto-Rap zeigt er auf "Wisst ihr noch". Direkt gerichtet an die Polizisten in St. Ingbert, mit denen er wohl nicht nur einmal Probleme hatte, bekommen die Ordnungshüter nichts, außer ein trockenes "Fick die Cops" in der Hook, geschenkt. Ein kleines Highlight auf dem Album ist aber wohl "Wir reiten ein" mit einem Feature von Morlock Dilemma.

"Die Stimmung im Keller, denn Kay One legt dort unten auf/
Ich reite ein mit einer Winchester, gebe 'ne Runde aus/
Eine Kugel für alle, macht den Mund auf, Rätätätät/
Nur ein Opfer-MC gibt and'ren Rappern Respekt/
Ich gebe keine Komplimente, nehm' auch keine an/
Das Einzige, was ich dir sag', ist, dass ich dich schon immer scheiße fand/
"
(DCVDNS auf "Wir reiten ein")

Durch einen stimmigen Beat von Wolfgang H., dem Producer von DCVDNS, wird die Gesamtatmosphäre des Albums wieder ein wenig ernster, obgleich diese Stimmung nicht auch textlich wiedergegeben wird. Das erledigt der MC dann auf "Atelier", in dem er seine Alben mit Kunstwerken vergleicht. Er behauptet, DCVDNS sei nicht nur Name, sondern ein laufendes Projekt, und mit jedem neuen Track kommt ein weiterer Strich auf die Leinwand. Dementsprechend sollte man bis zum Ende abwarten, um zu gucken, ob einem das endgültige Werk gefällt oder nicht. Der Vergleich hinkt kein bisschen, denn wenn man eines beim ersten Mal hören von "Der Wolf im Schafspelz" nicht weiß, dann, was einen auf dem nächsten Song erwartet. So hätte ich auch nicht gedacht, im Laufe des Albums noch auf Celo & Abdi zu treffen.

"Ab ins Café, gib mir den Rucksack mit dem Kies/
Ich überreiche ihn Abdi, dann gibt Celo uns das Weed/
Wir verhalten uns leise, bis wir den Laden verlassen/
Vor der Tür folgt dann der Plan mit der Knarre/
Wir befinden uns am Ausgang, hab' die Hand an der Waffe/
Sie schubsen uns und flüchten durch die Frankfurter Gassen/
"
(DCVDNS auf "Frankfurter Zoo")

Hier wird ein Drogendeal aus drei verschiedenen Sichtweisen erzählt, bis am Ende das Geheimnis gelüftet wird, die drei Rapper hatten sowieso gemeinsame Sache gemacht. Celo & Abdi kennt man ja spätestens seit "Hinterhofjargon". Ob man die Musik der beiden grundsätzlich mag, ist wohl jedem selbst überlassen, auf dem Track sind sie jedenfalls optimal aufgehoben. Auch der sehr gute Track "D.C.V.D.N.A.", auf welchem DCVDNS mit den Saarbrücker Kollegen von Genetikk kollaboriert, ist ähnlich aufgebaut. Sie ahmen ein Telefonat nach, welches durch Perspektivenwechsel gleichzeitig Ende von Karuzos und Anfang von DCVDNS' Part ist. Bei allen stilistischen Unterschieden auf dem Album finden sich immer wieder solche Überschneidungen. Auch die Songs "Kein Gee" und "Ich sage nicht ich liebe dich" sind wohl nicht ohne Grund direkt hintereinander auf dem Album gelistet und beziehen sich aufeinander. Während DCVDNS noch auf ersterem Song erzählt, wie gerne er doch kein Gangster wäre, präsentiert der Rapper auf dem folgenden Track die Meinung seiner Traumfrau über ihn. Schade, sie kann das Image auch nicht wirklich leiden. Untermalt ist das Ganze von einer schmalzigen Gesangshook, die ihren Höhepunkt mal wieder in einem Seitenhieb für Max Herre findet. Das Besondere an "Der Wolf im Schafspelz" ist, dass jeder Track für sich selbst stehen kann, doch wer das ganze Album kennt, sieht auch Bezüge zwischen den einzelnen Songs, die ein ganz anderes Licht auf das Gesamtwerk werfen.
Tracks wie "Vapo", auf denen er Tamas und Basstard, die schon auf dem Release "Brille" vertreten waren, wieder hervorholt, wissen auch zu gefallen. Auch der Titelsong hat etwas Außergewöhnliches, selbst wenn es nur die wirre Hook ist, die mir seit Tagen nicht aus dem Kopf gehen will. Ein kleines Highlight bildet dann "Warum", der Track, der die normale Edition quasi beendet, wenn man vom eigentlichen "Outro" absieht. Hier zeigt sich DCVDNS wieder ungewohnt ehrlich und weiß damit sehr gut zu überzeugen.

"Warum hab' ich das große Glück und leb' von der Musik/
Warum habe ich das Pech und werde davon depressiv/
Warum machen mir Konzerte trotz Gage keinen Spaß/
Und warum geh' ich trotzdem auf Tour mit den Atzen und Savas/
"
(DCVDNS auf "Warum")

Auf dem letzten Track stellt sich DCVDNS auch noch eine andere, wichtige Frage: "Warum versucht jeder, witzig zu sein, doch das Ergebnis ist nur kindischer Scheiß?" Tja, warum sind es ausgerechnet diese Zeilen, die sich bei mir sofort nach dem ersten Mal hören eingeprägt haben, und nicht einer der zahlreichen Witze, die im Album verpackt sind? Und warum gefällt mir "Der Wolf im Schafspelz" so gut?

Fazit:
Es liegt vielleicht an diesem unkonventionellen Stil, der wahnsinnig gut unterhält. "D.W.I.S" hat keinen roten Faden, doch sammelt von allem ein wenig – gemeinsam ergibt das ein Release, das in keine Schublade passt, und trotzdem in jeder gut aufgehoben ist. Vielleicht wäre weniger hier dennoch mehr gewesen, denn bei so vielen unterschiedlichen Tracks scheint das Album recht überladen, da die Platte – trotz 16 Songs – mit knapp unter 40 Minuten Spielzeit sehr kurz bemessen ist. Neben dem MoTrip-Feature auf einer zweiten Version von "Atelier" sollte man auch "Dichter & Henker" hervorheben, was definitiv eine Perle auf dem Album ist. "Der Wolf im Schafspelz" ist eine absolut gute Platte, wenn auch nicht perfekt. Abschließen kann man hier nur mit den Worten von DCVDNS: "Das war mein Album, 2013 nach Christus! Ich mach' nie wieder ein Album ... aber mein nächstes wird ganz bestimmt noch besser!"


Sven Aumiller (TagTiC)



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