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Review: DCVDNS – Brille

veröffentlicht: Sonntag, 26.02.2012, 22:31 Uhr
Autor: Enu





01. Outro (Intro)
02. Wie ich
03. Skit1
04. Interview mit sich selbst
05. Hier kann ja jeder tanzen
feat. Frauenarzt
06. Mein Mercedes
07. Die Uhr
feat. Hermann Weiss, Wolfgang H. & Smoe83
08. Skit2
09. Brille
feat. Basstard, Tamas, Wolfgang H., Boba Fettt, Trip & Justus Jonas
10. What's Tweef?
11. Skit3
12. Pullunder & Brille
13. ZDS
14. Du machst dir keine Gedanken solange die Nutella nicht nach Scheiße schmeckt
15. Ein wenig Tourette
feat. Eric Cartman & Wolfgang H.
16. Hilfe, ich werde bedroht
17. Meike
18. Intro (Outro)


DCVDNS. Das E steht für Action. In letzter Zeit erfreuen sich Künstler aus Saarbrooklyn immer größerer Beliebtheit. Neben dem Selfmade-Signing Genetikk erreichte auch dieser aufstrebende Internet-MC mit humoristischen Videos und den Markezeichen roter Pullunder und Brille eine größere Fangruppe. Und nach einem dieser Markenzeichen benennt der gebürtige St.-Ingberter (Eigenangabe) seine erste Veröffentlichung. "Brille".

Ganz in typischer DCVDNS-Manier begrüßt uns als erster Track auf dem Album? Richtig! Das "Outro (Intro)" und überrascht werden wir von keinem anderen als Jörg Stuttmann, dem Synchronsprecher des fetten, politisch unkorrekten Eric Cartman aus der TV-Serie Southpark. Wer würde wohl besser dafür geeignet sein, diese 45 Minuten des schrägen Humors einzuläuten.
Auch die zweite Anspielstation der Platte – man kann es nicht anders sagen – schockt. Sporadische Favoriteanfeindung. Eher stupide als eingängige Hook, absolut absichtlich gemeinte grammatikalische Fehler ("Ihr kennt mich alle, gibt es zu"), gewöhnungsbedürftige Stimme und eine ordentliche Prise Selbstironie und Humor. "Wie ich" handelt von den Gemeinsamkeiten, die Benjamin Ballack (auch Eigenangabe) mit diversen im Musikbusiness tätigen Künstlern hat, und dem absoluten Mangel medialen Interesses, das im Vergleich zu den im Track genannten Künstlern um ihn herrscht. Daraus werden natürlich sofortige Konsequenzen gezogen, und wenn die gängigen Portale nicht wollen, führt man halt einfach ein "Interview mit sich selbst". Auch hier wieder das altbewährte Rezept, allerdings mit sehr netten Doubletimeansätzen aufgepeppt. Ballernder Beat, an den sich DCVDNS' Stimme fast... na ja, man möchte sagen anschmiegt. Im Interview selber erfahren wir allerlei über den Künstler.

"Wieso hast du bei 'Pimp Yannic' denn so eine weiche Stimme/
Ich würde sagen, ich habe einfach ganz andere Einflüsse/
Ich bitte dich, keiner der deutschen Rapper würde über so schwule Beats rappen/
Sie würden anders darüber denken, würden sie Sugar Free kennen/
"
(DCVDNS auf "Interview mit sich selbst")

Das absolute Highlight der Platte setzt DCVDNS aber mit "Ein wenig Tourette". Begleitet von Eric Cartman (kein Sample) und Coole Gang-Mitglied Wolfgang H. entfesselt er eine Sintflut an Schimpfwörten, die mich – wenn ich besser erzogen wäre – wohl dazu nötigen würden, mir die Ohren mit Kernseife oder Ähnlichem auszuspülen. Weder der Vulgärhumor, noch die dürftigen Rapskills von Cartman, noch DCVDNS' aufgekratzter Stimmeinsatz, noch das Karikieren einer neurologischen Krankheit werden jedermanns Sache sein, doch die Chemie, die zwischen den drei Künstlern besteht, lässt über jedwede Mängel hinwegsehen. Der ganze Track hat einfach eine unglaubliche Atmosphäre, die einem das Gefühl gibt, sich inmitten der Haupthandlung einer Southpark-Folge zu befinden.

"Abfalleimer-Vagina, Schwanznippeltitten, leck mir die Arschrosette"
(Eric Cartman auf "Ein wenig Tourette")

Natürlich muss es auch auf einer Platte mit bisher hohem Niveau einige Aussetzer geben. "Du machst dir keine Gedanken solange die Nutella nicht nach Scheiße schmeckt" fällt neben dem sonst zwar konstant monotonen, aber trotzdem ansprechenden halb Doubletime, halb aufgekratzten Flow von DCVDNS ungewöhnlich leiernd und belanglos aus. Mit gleichen Problemen kämpft auch "Hier kann ja jeder tanzen", welches sich nebenbei aber auch durch einen grottigen Frauenarzt-Part auszeichnet, der im Vergleich zu seinen letzten Gastbeiträgen auf diversen anderen Alben dennoch überraschend an alte Zeiten erinnert.

"Tanz den Boogiepimp/
tanz den Boogiewoogiepimp/
"
(Frauenarzt auf "Hier kann ja jeder tanzen")

Die übrigen Featurepartner fallen jedoch um Längen besser aus. Ansprechende Parts von Boba Fettt und Justus Jonas auf dem Liebessong an die offenbar zu Rapskills verhelfende Sehhilfe. Der Song "Brille" hat puren Vieraugenflavour. Auch Basstard und DeineLtan-Member Tamas überraschen mit guten Parts, die sich hervorragend ins abgedrehte Gesamtbild der Scheibe einfügen.

Fazit:
Nun muss man wissen, durch bisherige Videoauskopplungen ging ich sehr skeptisch an das Album heran. "Dementsprechend tiefe Erwartungen können leicht übertroffen werden" könnte man hier argumentieren. Aber ich empfehle jedem Fan von nicht allzu ernst gemeintem Rap, sich näher mit diesem Album zu beschäftigen. Eine absolut stilsichere Scheibe mit einer Menge guter Tracks, aber auch ein paar Ausfällen nach unten. Affentittengeile Beats mit stets allgegenwärtiger harter Snare, Doubletime, ansprechenden Features und Eric-Fucking-Cartman. Loopshit. Meine (positive) Überraschung des noch jungen Deutschrapjahres 2012.


(Enu)



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