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Review: Chakuza – Suchen & Zerstören 2

veröffentlicht: Montag, 13.12.2010, 19:00 Uhr
Autor: ProRipper





01. Intro
02. Sorry
03. Teufelsgitarre
04. In Richtung All
feat. Vega
05. Ich wünsche feat. Marc Sloan
06. Aber nix
07. Monster RMX
feat. Timid Tiger
08. Nanana
09. Robocop tanzt
feat. Bizzy Montana
10. Proletenwunder
11. Denk nicht nach
feat. David Asphalt
12. Hier und da feat. D-Bo
13. Egal
14. Bei uns beiden
feat. Nyze
15. Hellboy feat. Marc Sloan
16. Winterstürme feat. David Asphalt
17. Wixxa feat. Jack Untawega
18. Outro

Aus dem tiefsten Vietnam Deutschraps vernimmt man das gnadenlos auf Rapper gerichtete Feuer einer Maschinenpistole, kurz bevor einem panische Schreie aus den gegnerischen Truppen durch Mark und Bein fahren. Aufgeschreckte Vögel – etwas raschelt im Gebüsch, während das leise Echo der abgefeuerten Patronen von den Tiefen des undurchdringlichen Dschungels verschlungen wird. Chakuza, der alte Kriegsveteran, meldet sich zurück an der Front. Nur: Nicht mehr an der Front, an der er vor wenigen Monaten noch sein inneres Monster ("Monster in Mir") herausgelassen hat. Denn: "So Jungs, das Monster ist tot" heißt es da. Dieses Mal sucht und zerstört man viel mehr auf der Seite von D-Bos frisch gegründetem Label Wolfpack anstatt für Bushidos ersguterjunge-Army. Jap, Commander Chak scheint ein waschechter Überläufer zu sein!

"Das ist kein Intro, das ist Chak, für manche Typen bin ich Rapgott/
Ich hab' nichts zu verkünden, fuck, ich zünd' einfach den Sprengkopf/
Das ist mein Streetalbum, die Nummer zwei, ein Mörderteil/
Das gar kein schwules Feature hat – wie 'Suchen & Zerstören eins'/
"
(Chakuza auf "Intro")

Gleich im "Intro" auf einem überaus wuchtigen VTZ-Beat einen kleinen Seitenhieb gegen seine alten Rappartner loszulassen, stimmt einen auch sofort auf das "Suchen & Zerstören"-Konzept ein: Denn dieses beinhaltet eben genau das, was schon der Titel sagt. Und hatte der Linzer bislang sowieso schon eine äußerst herbe Stimmgewalt, so setzt er die auf seinem neuen Streetalbum so brachial wie nie zuvor ein. Vor Aggressivität strotzend schießt er sich regelrecht über die schmetternden Beats, die ihm – mit zwei Ausnahmen – ausschließlich von Beatlefield, also DJ Stickle und seiner eigenen Wenigkeit, zur Verfügung gestellt wurden und für ein wahres Schlachtfeld sorgen. Und auch von der textlichen Umsetzung her begeht man gewohnte Routen – hier und da ein lustiger Vergleich, gute Reimschemata und ab und an mal eine Zeile, die sinngemäß eigentlich überhaupt nicht passen möchte. Also weder eine Verschlechterung, noch eine Verbesserung im Vergleich zu Vorgänger-Releases, denn wer mit Chakuzas Musik etwas anfangen kann, der weiß nun mal, dass auf eine Zeile wie "Was nun, ich laber' einfach Schrott und lass' es so, nicht ungewöhnlich" so etwas wie "Was war kurz dein Name? Ich glaub' Tassilo, der Hundekönig" zu folgen hat. Die Themen, die Chak auf "Suchen & Zerstören 2" somit abhandelt, belaufen sich ebenfalls weitestgehend entweder auf einer battlewütigen oder auf einer "Die-Welt-kann-mich-mal"-depressiven Stimmung. Oder aus einer Mischung aus beidem, hört man sich etwa Tracks wie "Egal" an.

"Ich trauere, ich hasse, doch das Hustlen ist Geschichte/
Doch ich saufe lieber Schnaps, denn da im Wasser ficken Fische/
Ich seh' grade dein Gesicht, es sind nicht alle Menschen gleich/
Du solltest zumindestens reich sein, Hässlichkeit bringt dich nicht weit/
"
(Chakuza auf "Egal")

Allerdings gibt es auch hier einige Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Da hätten wir etwa den "Monster RMX", bei dem es sich nicht – wie der Titel vermuten lassen würde – um einen Remix des gleichnamigen Tracks aus dem letzten Album "Monster in Mir" handelt, sondern viel mehr um einen gänzlich neuen Song, auf dem der Beatlefield-Veteran komplett ohne Drums auskommt und die depressivsten Töne des ganzen Longplayers, einzig von einer Gitarre und Marc Sloans Gesang begleitet, anschlägt. Oder etwa der Storyteller "Robocop tanzt" mit Kollege Bizzy Montana, auf dem die beiden mit ihren Stimmen ein herrliches Endzeitszenario nach dem Atomkrieg zeichnen. Was vor allem auffällt: Chakuza zeigt sich experimentierfreudiger als je zuvor. Denn auch, wenn er keine wirklich komplett neuen Themen außer genannte Ausnahmeerscheinungen anschneidet, so finden sich dennoch Passagen auf "Suchen & Zerstören 2" wieder, mit denen man so nicht gerechnet hatte. Eine Menge gesungener Hooks von englischsprachigen Sängern wie Marc Sloan oder Timid Tiger, sowie noch mehr auf deutsch gesungene Hooks von "Maschine" David Asphalt oder Chakuza selbst, der sich ebenfalls nicht nur im deutschsprachigen Singsang-Dickicht aufhält, sondern sogar mal auf spanisch trällert ("Sorry"). Leider wirken genau diese zwischenzeitlichen Einlagen schon zu experimentell oder gar gekünstelt und überladen die jeweiligen Songs dermaßen, dass die Gesamtproduktion des jeweils einzelnen Titels leicht schwammig erscheint.

"Hallo Atomkrieg, uns're Wohnung hier ist radioaktiv/
Da draußen geht ein chromlakierter Homo ab zu uns'ren Beats/
Und jetzt geb' ich allen Recht, es machen Drogen doch krank/
Sag mal, seh' ich etwa schlecht? Robocop tanzt/
I like dancing, I like shooting, don't like people who like dance/
While I'm dancing to the groove, I like to shoot 'em dead, dead/
"
(Chakuza und Bizzy Montana auf "Robocop tanzt")

Featuretechnisch präsentiert Chakuza eine wahrlich bunte Mischung, denn neben bereits erwähnten Sängern, dem üblichen Bizzy Montana-Gastpart und den aufgrund der gemeinsamen Tour fast schon vorhersehbaren David Asphalt-Beiträgen – auf die ich nebenbei bemerkt getrost hätte verzichten können – findet sich neben Nyze und D-Bo etwa auch eine musikalische Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Vega auf der Platte wieder. Und obwohl ich mich selbst nicht gerade als Vega-Fan outen möchte, weiß mich dessen Part auf "In Richtung All" vollkommen zu überzeugen. Ein absoluter Fehlgriff gelang Chak dagegen mit Jack Untawega, denn auch auf dem Song "Wixxa" – der nebenbei bemerkt haargenau das beinhaltet, was der Titel verspricht – wurde mir noch eine ganze Ecke zu viel rumexperimentiert. Komplett in österreichisch eingerappt, für mich zumindest teilweise schwer zu verstehen und keinen Deut lustig. Die, wie bereits eingangs erwähnt, größtenteils von Beatlefield produzierten Beats halten dafür durchgehend positive Überraschungen bereit, denn selten zeigte sich ein Klangbild derart in sich stimmig und abwechslungsreich wie hier. Unverwechselbare Gitarrenkänge, Chorsamples, ab und an mal ein berühmtberüchtigter Banger-Beat, durchdrehende Synthesizer, Violinen. Kein Beat klingt wie ein anderer und dennoch hat man nicht das Gefühl, eine wild zusammengewürfelte Wundertüte zu hören zu bekommen. Schön!

Fazit:
Noch einen Tick depressiver, noch ein klein wenig aggressiver, textlich auf gleichbleibendem Niveau und stellenweise einfach zu experimentell gehalten. Sprich: Unser österreichischer Kriegsveteran läuft größtenteils seine übliche Route auf dem Schlachtfeld ab, benutzt jedoch hier und da mal einen neuen Schleichweg und robbt dabei wortwörtlich durch den Dreck. Künstlerische Entfaltung schön und gut, aber: alles in Maßen und bitte etwas durchkonzeptionierter, als das hier teilweise der Fall ist. Dennoch: Wer bislang nicht von Chakuza enttäuscht wurde, der wird auch mit "Suchen & Zerstören 2" seine Freude haben. Sofern er bei gelegentlichen Missgriffen mal ein Auge zudrückt.


Pascal Ambros (ProRipper)




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