Angemeldet bleiben?

Review: Chakuza - Unter der Sonne

veröffentlicht: Samstag, 14.06.2008, 16:29 Uhr
Autor: Malus Bam





Tracklist:
01. Intro
02. Blind
03. Unter der Sonne
feat. Bushido
04. Licht und Schatten
feat. Nyze
05. Running Man
06. Geht nicht
feat. RAF Camora
07. Stahlstadtjunge
08. Lass mich atmen
feat. Tareec
09. E.R. feat. Bizzy Montana
10. Jackpot feat. Lenny Wolf
11. Ich warte
12. Asozialenslang
feat. Summer Cem
13. Was ist passiert?
14. Wir maschieren
15. Krieg im Kopf
16. Outro




Ein schlechter Ruf haftet an dem Label ersguterjunge. Schlechter Rap sagt man. Zu viel Gangster heißt es. Um das zu widerlegen, reicht ein Album des Wahlberliners Chakuza, der auf 16 Tracks hochwertigen Rap mit reichlicher Themenvielfalt an den erwartungsvollen Mann bringt. Warum diese Platte so ganz anders als die der anderen guten Jungs ist, ist kaum zu überhören.

Das Album steigt ein mit einem Chor, der schon den Interpreten mit der rauchigen Stimme beim Namen nennt. Chakuza. Gewohnt breit und tief fliegt der Rapper über den Beat. So auch in den folgenden Tracks. Es ist ganz offensichtlich das persönlichste Album des Österreichers, denn man findet vorwiegend nachdenkliche Songs, unter welchen sich auch einige autobiographische Aufnahmen finden lassen. So zum Beispiel "Blind". Er spricht seine eigene Lage an und zeigt auch starke Züge von Selbstfindung und Erkenntnis. Es ist ein anspruchsvoller Song und es ist nicht der einzige.
Bushidos Schützling beruft sich oft auf seine Heimat, entfernt sich immer wieder ausdrücklich vom Gangsterrap, kritisiert das stumpfe Gangstergehabe und erzählt seine Lebensgeschichte verpackt in teilweise überragende Metaphern.

Du willst Frieden - aber geht nicht. Wenn du wieder Beef und Stress hast,/
dann verziehst du dich in etwas/ tiefere Gewässer./
Reiß dich los und zieh 'ne Wunde, es ist scheinbar nicht gelogen:/
Nur die großen schwimmen unten und die kleinen Fische oben./


Das einzige, was unter der Sonne wie Wolken wirkt, sind die Features wie das von Nyze, welches einen ganzen Track kaputt machen kann. Aber auch die Featurewahl hat der Stahlstadtjunge größtenteils gut gewählt. Der Sänger Tareec liefert auf "Lass mich atmen" eine außergewöhnliche Hook ab, die schon sehr nach Musical klingt.
Der selbsternannte Falco Nr. 2 kann aber auch härtere Töne spucken, wie er mit der Hilfe von Summer Cem auf "Asozialenslang" zur Schau stellt. Stumpfe aber witzige Punchlines regen auf einem simplen Beat zum Kopfnicken an.

Ich bin kein Gott sondern Rapper, hab dich Pussy enttäuscht/
und sprech, seit ich Wodka entdeckt hab, besser russisch als deutsch./


Persönlich wird es auch auf dem Track "Jackpot", der schon wie "Sollten alle untergehen" auf dem Vorgängeralbum direkt an seine Freundin gerichtet ist. Seine Gedanken und inneren Konflikte verarbeitet er auf Stücken wie "Ich warte", auf dem er zu Gott spricht und gleichzeitig immer wieder seine Existenz in Frage stellt.

Und ich warte auf ein Zeichen, macht es Sinn, wenn man dran glaubt?/
Kann ich im Himmel dann ein Zimmer haben mit Minibar und Couch?/
Deine Kinder hab'n Vertrau'n./ Deine Größe ist der Grund,/
dass wir uns hier unten töten, bis du böse bist auf uns./


Neben der Kritik an der Welt, Gott und sich selbst zeigt er aber auch, dass es wichtig ist, die schönen Momente des Lebens zu genießen und zu schätzen. Auf dem hoffnungsvollen Titeltrack hat er zu unserem und seinem eigenen Leid auch Bushido gefeaturet, der direkt auf politische Themen umsteigt und das eigentliche Thema scheinbar nichtmal peripher tangiert. Zudem kommt es mir stark komisch vor, dass der Mann mit dem 100.000%uFFFD Armbändchen mich als fetten Bonzen beschimpft.

Eine weitere Station auf Chakuzas Album, an der man unbedingt Halt machen sollte, ist "Wir maschieren", denn auch hier schafft es der gelernte Koch, anspruchsvolle Lyrics zu bringen und dabei absolut aggressiv zu wirken, auch wenn ab und zu mal eine Floskel durchkommt.

Alles in allem muss ich sagen, dass mich dieses Album sehr überrascht hat. Es bietet wirklich hochqualitative Texte, die seine eigene Geschichte sowie Gesellschaftskritische Themen anreißen, sauber geflowt auf gut ausproduzierten Beats. Die einzigen echten Kritikpunkte sind die teilweise miesen Features und manche misslungene Beats. Aber ich konnte mich doch sehr für dieses Album begeistern und kann es jedem, der sich gerne mit anspruchsvollem Rap auseinandersetzt, wärmstens empfehlen.


(Malus Bam)



Bewerte diese CD:


Diese Review wurde 11052 mal gelesen
50 Kommentare zu dieser Review im Forum