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Review: Casper – Lang lebe der Tod

veröffentlicht: Freitag, 01.09.2017, 16:49 Uhr
Autor: Redaktion





01. Lang lebe der Tod feat. Blixa Bargeld, Dagobert und Sizarr
02. Alles ist erleuchtet
03. Keine Angst
feat. Drangsal
04. Sirenen (Prolog)
05. Sirenen
06. Lass sie gehen
feat. Ahzumjot & Portugal. The Man
07. Morgellon
08. Wo die wilden Maden graben
09. Deborah
10. Meine Kündigung
11. Flackern, flimmern


Laute Trompeten erzeugen vehemente Schwingungen, die meinen ganzen Körper erstarren lassen, der Bass stampft durch den Raum wie eine Heerschar von Reitern, die auf die eingerissenen Stadtmauer in einer Staubwolke anvisieren. Nein, wir befinden uns nicht vor den Toren Jerichos in einer Szene aus dem alten Testament – es ist der 01.09.2017, es ist Casper – und "Lang lebe der Tod". Das zuerst für den 23. September des Vorjahres angekündigte Album findet heute seinen Weg in die Plattenläden und in unsere Ohren. Auch wenn der Titeltrack seit fast einem Jahr ein Bild in meinem Kopf malt, wie der Langspieler auszusehen hat, hoffe ich, dass Casper die letzten zwölf Monate dazu genutzt hat, um die Leinwand noch einmal zu übermalen und hier und dort noch einmal auszubessern. Wenn es ihm gelungen ist, die Energie zu übertragen und das Arrangement der einzelnen Stücke so abwechslungsreich zu gestalten, wie eben in diesem ersten Track, wird er meine Erwartungshaltung auch erfüllen können. Die letzten Monate der langen Dürre-Periode des Wartens verkürzte Casper seinen Fans mit der Auskopplung "Sirenen", eine Mischung aus Dubstep und Drum'n'Bass–Einflüssen. Ein Song für große Festival-Veranstaltungen wie Rock am Ring, bei dem auch der eingefleischte Heavy-Metal-Fan gezwungen wird, sich zu bewegen und es irgendwie gut zu finden. "Hört Ihr die Sirenen kommen?" Diese Textzeile kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Vor etwas mehr als zehn Jahren fragte bereits Dizzee Rascal: "Can you hear the sirens coming?" in, wen wundert es, "Sirens". Eigentlich das Prinzip, das Casper auch schon in "Michael X" oder "Ascheregen" verfolgte, in denen es bereits eine Hommage an Turbostaat und an Slime gab. Er versucht hier zwar irgendwie eine Verbindung zwischen den Helden seiner Jugend, dem modernen Zeitgeist und dem Tod zu schaffen, hat hierbei aber leider den Sargnagel nicht immer auf den Kopf getroffen. Auch der Track "Alles ist erleuchtet" wurde uns kurz vor der Veröffentlichung hörbar gemacht und siedelt sich ebenfalls am Anfang der Tracklist an. So läuft der Einstig ohne größere Überraschungen ab.

Deine Uzi wiegt ne Tonne, Seelen 21 Gramm/
Wieder Purge in Panem, macht Alarmanlagen an/
Strahlen an Wahrzeichen in Landesflaggenfarben/
Satan trägt weder Prada noch Primark, sondern orange/
Champagnerflaschen, bester Jahrgang verdammt/

(Casper auf "Alles ist erleuchtet")

Von dem als Emo-Rapper verschrienen Wir-Rhetoriker, der mit seinem musikalisch neu eingeschlagenen Weg Jung und Alt verbindet, ist heute nicht mehr viel übrig. Casper ist mehr als nur Energie geladene Liveshows, kluge Zitate und Fachsimpelei, authentische Interviews und zwanghafte Perfektion bei der Arbeit an seinen Werken. Denn wie ich es erwartet habe, handelt dieses Album von Abgrenzung, einem psychischen Riss und Andersartigkeit. Und selbst in den wenigen "XOXO"-Momenten, in denen er einen Schritt auf uns zugeht und uns seine Hand zu reichen scheint, wie in "Wo die wilden Maden graben" oder in dem im Vorfeld bereits erwähnten "Sirenen", dann doch eher in Form einer unsicheren, verwischten Bleistiftzeichnung. Noch nie entfernte sich Casper so weit von seinen Hörern und wirkte so unnahbar. Dabei wirkte "Lang lebe der Tod" im Vorfeld auf mich wie zwei Schritte zurück, nicht wie ein Schritt nach vorn. Zwar flackert dieser alte Sound immer wieder mal kurz auf und hinterlässt auf dem Album einen feinen Lichtschweif am Horizont, doch lässt sich zu den Ich-bezogenen Texten schwer eine persönliche Beziehung aufbauen. So wird die Gesellschaft nicht mehr aus den Augen der Hörers kritisiert, sondern muss sich Caspers kritischen Blicken beugen. Es bekommen die Medien-Berichterstattung, moderne Kommunikationsmittel und Steaming-Portale, genauer gesagt deren "Stars", aber auch der Teil der Rapszene, der in seinen Augen moralisch bedenklich zu sein scheint, ihren Tritt in die Kniekehle.

Das ist Springbreak Baby, jeder gefickt/
Mit mehr Gesichtern als Jaquen H'Ghar, dreh'n mit dem Wind/
Leben den Film, alle zusammen, jeder für sich/
Lachend auf dem sinkenden Schiff/

(Casper auf "Wo die wilden Maden graben")

Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger stellt "Lang lebe der Tod" sich doch musikalischer und thematisch breiter aufgestellt dar. Egal ob minimalistisch auf das Wesentliche eingeschränkt wie in "Deborah" oder plump ohne Feingefühl in "Lass sie gehen", ein wie von vielen erwartetes Indie-Pop-Album ist hier definitiv nicht produziert worden. So hat Casper mal wieder einen kleinen Trampelpfad neben dem Mainstream Highway gefunden, auf dem er trotz einiger Stolpersteine an sein Ziel kommt. Die stimmige erste Singleauskopplung, die uns fast ein Jahr lang spekulieren ließ, ist ein gutes Beispiel hierfür, aber auch die ungewöhnlichen Gastauftritte, wie die von Dagobert und Blixa Bargeld lassen in der HipHop-Szene bestimmt einige Diskussionen entflammen, was das Thema Timing und Stimmeinsatz betrifft. Diese kleinen Abstecher in das Krach-Segment lassen auch in "Morgellon" Verschwörungstheoretiker-Herzen höher schlagen, denn hier wird lautstark auf so manchen Verschwörungstheorie wie 9/11 hingewiesen. So machen diese Randale-Songs zusammen mit "Sirenen" immerhin fast ein Viertel des Langspielers aus. Gerade diese extremen Pegelspitzen in alle Richtungen lassen das Album im ersten Moment konzeptlos wirken, bis sich nach dem letzten Track die Puzzlestücke im Kopf zusammenfügen.

In meiner kleinen Blase mach' ich es mir kuschelig/
Jeder weiß, dass 9/11 Unsinn ist/
Dunkle Mächte sind dahinter, wahrscheinlich sogar der Zuckerberg/
Mobilfunknetze nicht sicher, ich funke in 'nem Bunker drin/

(Casper auf "Morgellon")

Fazit:
Trotz oder gerade wegen der langen Arbeitszeit an "Lang lebe der Tod" hätte ich nicht so ein wildes Durcheinander erwartet. Es fehlt anfangs anscheinend einiges an Struktur, Klarheit und gerade wenn man sich das Gesamtwerk und dessen Titel betrachtet, wird dieses Gefühl im ersten Moment bestärkt. Und genau das scheint auch gewollt zu sein. Ein so komplexes, unstimmig wirkendes Album war selten so perfekt aufeinander zugeschnitten wie dieses. Die ganze musikalische Selbstquälerei, diese Opferrolle, die Casper auf den Leib geschnitten zu sein scheint, als sei er der Messias der Rapszene. Was zuerst mit einem lauten Knall beginnt, flaut im Laufe der Spieldauer immer weiter ab, bis am Ende mit "Flackern, flimmern" der Stilbruch und die Wandlung vollzogen ist. Wie ein Phönix zurück in die Asche werden hier die Themen aus "Kontrolle/Schlaf" und "Endlich angekommen" neu verpackt und machen den Song zum ruhigen Highlight der Platte. Textlich merkt man dem Album seinen langen Werdegang und die investierte Zeit deutlich an, alles ist sauber und stimmig auf den jeweiligen Song zugeschnitten. Musikalisch wurde hier und dort einiges Neues ausprobiert, von dem mich leider nicht alles überzeugen konnte, allerdings dürfte wohl jeder Hörer bei so einem wilden Mix seine Lieblingsstelle schnell gefunden haben. Gerade dieser Mut, nicht den normalen Weg zu gehen, um ein Album zu produzieren, das auf Anhieb gefällt und Freude macht, sondern eine Scheibe, die man lange hören und überdenken muss, ist es, was "Lang lebe der Tod" zu einem typisch untypischen Casper Album macht, das sich auf keinen Fall zu verstecken braucht.


Stefan Bergermann






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Gegenreview von Max:


Geht es nur mir so oder ist der Hype um "Lang lebe der Tod" so gering wie vor "XOXO" nicht mehr? Schaut man sich die Single-Charts der letzten Wochen an, dann gab es bisher keinen so richtigen Hit, der in den Mainstream vordringen konnte. Sogar die Klickzahlen sind gerade im Vergleich zu "XOXO" und "Hinterland" fast schon enorm eingebrochen. Bei Amazon steht bei der Box immer noch "Auf Lager". Woran kann das liegen? Klar: Klicks und Verkäufe sind nur Zahlen, über die Qualität sagen sie höchstens mittelfristig etwas aus. Klar ist auch: Natürlich hat Casper immer noch eine massive Fanbase, die ihm spätestens seit seinem Durchbruch treu zur Seite steht; über Verkäufe wird er sich zumindest kurzfristig auch dieses Mal keine Sorge machen müssen. Irgendwo jedoch scheint er ein ganzes Stück Mainstream-Hype auf der Strecke verloren zu haben und eine richtige Aufbruchsstimmung, der große Hurra-Moment kurz vor und nach Release ist außerhalb der szeneinternen und vielleicht noch musikrelevanten Kreise ausgeblieben. Hat Casper einfach zu lange gewartet? Ist seine Musik noch mehr eigen und damit interessanter geworden? Oder ist etwa, Gott behüte, "Lang lebe der Tod" einfach kein so gutes Album wie die vorigen drei?

Eigentlich wurde doch alles, zumindest formell, gemacht wie bei "Hinterland": Elf Songs, eine gewaltige, erste Anspielstation, die auch als erstes ausgekoppelt wird, Features, die auf den exquisiten Geschmack des Protagonisten schließen lassen, gemischt mit ein, zwei Freunden, ein extrem trauriger Track mit ruhigen Parts … Doch irgendwie will der Funke diesmal nicht so richtig überspringen. Denn genau hier finden wir auch das Problem: Es gibt keines. Kein einziges. Alles funktioniert, ist bekannt, organisch und aufgebraust. Casper selbst beschrieb die Verschiebung des Albums als seinem Drang zur Perfektion geschuldet, wahrscheinlich wurden in dieser Zeit die noch restlichen Kanten geglättet. Während "Hinterland" mit einer Verbindung von Folk, Rap und Pop glänzen konnte, die es so in Deutschland noch nicht gab und "XOXO" sowieso alles über den Haufen warf, scheint es nun eindeutig an Inspiration zu fehlen. Am sinnbildlichsten ist da "Morgellon", benannt nach einer Novelle des langjährigen Freundes Jan Wehn, in dem Casper sich über Verschwörungstheorien lustig macht. Laut eigener Aussage war es für ihn dabei besonders wichtig, etwas Originelles zu schaffen, nicht den x-ten Song über so etwas in die Welt zu setzen. Ob ihm das gelungen ist?

Da kommen Gifte vom Himmel und im Wasser, das du trinkst/
Die sammeln Infos geschickt in Personalausweisen drin/
Langeweile, die ganze Zeit, der Arbeitsplatz ist hin/
Schuld an allem, ist klar, ganz einfach die Politik/

(Casper auf "Morgellon")

Versteht Ihr? Er zählt Verschwörungstheorien auf. Witzig. Oder? Natürlich wollen wir dabei nicht unterschlagen, dass er am Anfang jedes Verses eine ähnliche Formulierung benutzt, um so fast in Gedichtform die Geschichte von jemandem zu erzählen, der sich von dem Glauben an Verschwörungstheorien bis hin zum Wahnsinn entwickelt. Originell? Sicher nicht. Etwas Kritisches über den Glauben daran, den Konflikt, der in solchen Theorien besteht, die Schwierigkeit der Widerlegbarkeit, Vergleiche, kein von-oben-herab-Kritisieren? Fehlanzeige. Leider, denn wir wissen doch eigentlich alle, zu welch textlich reflektierten Höchstleistungen Casper normalerweise fähig ist. Ansonsten gibt es inhaltlich leider wenig zu erzählen: Die Depression verarbeitet in "Deborah" ist da vielleicht noch das Gelungenste, dünn wird es vor allem beim Thema Politik. Während der Interpret laut eigener Aussage unbedingt die aktuelle Verunsicherung und politische Veränderung verarbeiten wollte, ist im Ergebnis nicht mehr als "Scheiß Nazis!" und Schüsse in Richtung homophober Rapper herausgekommen. Schade, denn gerade mit einer umfassenden Politisierung oder zumindest Reflexion der aktuellen Ereignisse mit der eigenen Persönlichkeit hätte er der Figur Casper eine ganz neue, bis dahin kaum bekannte Facette geben können. So wie hier entlarvt es leider nur einen der größten Konflikte in der Darstellung des Künstlers: Wirkten seine Musik, seine Instrumentierung und die allzu weitreichenden Lyrics immer viel zu anders und dienten gleichzeitig als Identifikationsfläche, um überhaupt von einem Menschen stammen zu können, profanisiert sich Casper selbst. Aus einer so verworrenen Biografie und einem Typen mit so verworrenen Gedanken, die für niemanden richtig greifbar schienen, wird mit "Lang lebe der Tod" ein einfacher Typ, der über Verschwörungstheorien rappt, halbgare Konsens-Parolen über Politik herausfeuert und auch sonst nicht belanglos, jedoch aber weitaus normaler und durchschnittlicher herüberkommt als je zuvor. Er selbst mag dies nicht so empfinden und schon immer zumindest den Anspruch gehabt zu haben, eben wie jemand Normales zu wirken; jedoch machte gerade das Eigene, das für ihn normal zu sein schien, den Reiz der Texte der drei Vorgängeralben aus – dieser Reiz ist auf "Lang lebe der Tod" beinahe völlig verschwunden.

Ich lieb' die Stimmung, kurz bevor hier alles hochgeht/
Und selbst die Feinde meiner Feinde woll’n mich am Boden sehen/
Alle meine Sorgen, lass sie gehen/
Die gehen über Bord, ich lass sie gehen/

(Ahzumjot auf "Lass sie gehen")

Auch musikalisch bleibt es mau. Das große Steckenpferd des Künstlers, das für die gesamte deutsche Musikszene nun schon zweimal zum Weckruf geworden war, scheitert hier an seinen eigenen Ansprüchen: Am stärksten wird es noch, wenn Ahzumjot auf "Lass sie gehen" eine grandiose Hook liefert und Casper diese perfekt mit Parts bereichert – Highlight. Umso trauriger, dass "Wo die wilden Maden graben" (und ich hätte kaum geglaubt, dass ich sowas mal über einen Casper-Song sagen würde) auch auf einer Nickelback-Platte zumindest nicht herausstechen würde, während "Meine Kündigung" viel besser zu "Hinterland" passt als zum aktuellen Langspieler – nicht zuletzt auch wegen der deutlichen Anlehnung an "Endlich angekommen". Oft denkt man, dass dem Protagonisten der Mut fehlte, diesen einen Schritt nach vorne zu gehen, diese eine Weiterentwicklung zuzulassen und ein Risiko einzugehen, er sich stattdessen jedoch eher auf Bekanntes verlassen wollte und dabei oft durchschnittliche fast-schon-Filler wie "Keine Angst" zusammen mit einem hier viel zu unspektakulären Drangsal oder "Alles ist erleuchtet" herauskamen. Schade vor allem, wenn man sieht, dass durchaus mehr möglich ist: Absolutes Ausrasten wie bei "Sirenen", deutscher Untergrund in Verbindung mit einer dubiosen Ästhetik und dem kanyeesken Dilemma der eigenen Bekanntheit auf dem Titeltrack oder eben die Authentizität von "Deborah", das dann doch einmal echte Gefühle zu vermitteln vermag.

Fazit:
Casper selbst bezeichnete sich erst kürzlich als beliebtes Ziel von negativer Kritik. Doch stimmt das überhaupt? Schaut man mal so auf die Rezensionen vergangener Alben und auch des aktuellen, zeichnet sich ein gegenteiliger Eindruck ab: Casper ist ein absoluter Kritikerliebling. Und spätestens seit "Lang lebe der Tod" kauft ihm diese Opferrolle, die er zumindest kommerziell und musikalisch immer noch zu konstruieren versucht, keiner mehr ab. Casper würde gerne Musik einfach so droppen. Wie Ahzumjot das halt macht. Warum das nicht geht? Die Fans hätten nunmal zu große Erwartungen, für viele sei seine Musik mehr als nur das, sondern eben auch Lebensinhalt, da fühlt er sich in der Pflicht. Scheitert "Lang lebe der Tod" genau deswegen? Natürlich ist es kein schlechtes Album und liefert mit "Lass sie gehen", dem Titeltrack und "Deborah" sogar einige Highlights – im Vergleich zu vorherigen Alben und auch dem eigenen Anspruch ist dieses Werk jedoch nichts weniger als gescheitert. Schafft sich hier ein so derart vielversprechender Künstler, der über Jahre hinweg mit das Beste geliefert hat, das es im Deutschrap gab, Pflichten gegenüber Fans und einen Zwang zur Perfektion, dass er genau diese Lockerheit eben irgendwo verloren und gegen fehlende Themen gerade zum Ende hin und ein musikalisches Konstrukt eingetauscht hat, das sich an seinen schwächsten Stellen sogar auf einem Nickelback-Album finden könnte? Vielleicht sollte Casper einfach für ein Jahr jegliche Fanpost, -E-Mails und was man noch so alles bekommt, ignorieren und sich auf das konzentrieren, was für ihn zählt, nämlich Musikmachen. Denn sich einerseits über industrielle Zwänge und Verantwortlichkeiten, die natürlich und unbestreitbar mit seiner Größe als Musiker verbunden sind, zu beschweren, sich andererseits aber genau diesen Zwängen auch in der eigenen Musik hinzugeben – das funktioniert vielleicht beim x-ten Bangermusik-Prototyp, nicht aber bei einem der größten Innovatoren, die Deutschrap vor einigen Jahren aus der Versenkung geholt und mit gewaltiger kreativer Kraft nach vorne gehievt haben. Denn aktuell würde ich mir nach diesem an viel zu vielen Stellen verkorksten Album nichts sehnlicher wünschen: Einen Casper, der auf mich und seine anderen Fans scheißt, so schlimm das für einige ewig-Pubertierende sein mag, und einfach Musik macht, wie er Bock hat, mit wem er Bock hat. Nur dann, hoffe ich, wird man in einigen Jahren nicht dieses "Lang lebe der Tod" als den ersten Schritt zum Abstieg eines großartigen Musikers identifizieren, sondern lediglich als negative Nuance, als kleinen Ausrutscher, der ihm indirekt auch dazu verhalf, zu alter Stärke zurück zu gelangen und noch weit darüber hinauszugehen. Denn und daran kann auch der neueste Langspieler nicht ändern: Casper ist einer der größten und wichtigsten der Deutschrapgeschichte und hat auch das Potential, dies noch weiterhin zu sein.


(Max)



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