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Review: Bushido - Heavy Metal Payback

veröffentlicht: Freitag, 10.10.2008, 19:56 Uhr
Autor: Cr0c





Disc 01:
01. Gangsta
02. Hunde, die bellen, beißen nicht
03. Paragraph 117
04. Die Träne fällt
feat. Nyze
05. Flug LH3516
06. Merk dir eins
07. 4, 3, 2, 1
(Vielen Dank Aggro Berlin)
08. Ching Ching
09. Heavy Metal
feat. Kay One
10. Ich hoffe es geht dir gut
feat. Bizzy Montana
11. Bonnie und Clyde feat. Cassandra Steen
12. Jenny
13. Hai Life
14. Es kommt wie es kommt
15. Für immer jung
feat. Karel Gott
16. Rolling Stone
17. Boomerang
18. Mann im Spiegel
19. Outro

Disc 02:
01. Apres Ski
02. So Ghetto
03. Kennst du die Stars
feat. Oliver Pocher
04. Hass feat. Chakuza

Bushido. Ein Rapper, dessen Namen jeder schon mal gehört hat. Sogar mein Vater kennt ihn und dabei hat er nichts mit Rap am Hut. Würde man eine Umfrage in einem Altersheim machen, wer schon einmal den Namen Bushido gehört hat, würde wahrscheinlich auch die Mehrzahl sagen, dass sie weiß, wer er ist.
Doch die Meinungen sind gespalten.
Für den einen ist Bushido ein Rapper, der absolut alles kann, für die anderen ist er ein Schandfleck für deutschen Rap und für den Rest ist er einfach nur ein „Standardrapper“. Doch was uns das neue Werk von Deutschlands wohl bekanntestem Rapper zeigt, erfahren wir in dieser Review. Zeit für „Heavy Metal Payback“.

23 Tracks befinden sich auf dem neuen Album „Heavy Metal Payback“ von Bushido und weist Features wie Kay One, Chakuza, Bizzy Montana, Nyze und Cassandra Steen auf, aber mit Oliver Pocher und Karel Gott auch zwei Überaschungen, mit denen sich Bushido in den neuen Trend der „Rapper featuring Deutsch-Pop-Legende“ neben Curse und den Fantastischen Vier einreiht.

Produziert wurde das neue Werk Bushidos von Bizzy Montana, Martin Stock, der komplett ohne Samples arbeitet und alles selbst einspielt, Screwaholic, einigen eher unbekannten Producern wie „83 Sounds“ aus Kaiserslautern aber sogar auch dem Nationalorchester aus Bratislava (Slowakei).

„Hier kommt der G-G-Gangsta, ich schreib mein Album über Nacht/“

Rappt der Ersguterjunge bereits im Chorus des ersten Songs ("Gangsta") und bei mir wird der Eindruck erweckt, dass er dabei gar nicht lügt. Danke für die Ehrlichkeit!

Das wohl am meisten polarisierende Lied ist die Neuauflage „Für immer jung“ von Alphaville, dem Hit der 80er, zusammen mit Karel Gott. Und es ist auch gleich der beste Track auf dem Album, auch wenn der Text teilweise zweckgereimt ist, aber Karel Gott macht seine Arbeit verdammt gut und wird dem Status einer Deutsch-Pop-Legende wirklich mehr als gerecht.

„Junge, mach dein Geld mit Trips, cool ist der, der Schule schwänzt/
Glaub mir, es wird sonst auch deine Jugend sein, die du verpennst/
Mach – jetzt die Kippe an, Mann – auch, wenn du dreizehn bist/
Schuld – sind die anderen, Atze – guck, jeder scheißt auf dich/“


Ein Auszug aus dem Song „Mann im Spiegel“, bei dem ich leider vermute, dass seine Hörerschaft nicht verstehen wird, dass er sich in dem Song mit seinem inneren Ich auseinandersetzt, das ihn dazu auffordert, auf Bildung, Tugenden und das Gesetz zu pfeifen. Angesichts der Tatsache, dass man diesen Song, und andere, missverstehen könnte, so wie ich anfangs, wäre dieser Song meiner Meinung nach ein Fall für die BPjM.

„Ich weiß, dass deine Mutter voll auf so Gesocks spuckt/
Deswegen hast du mich vergessen wie auf Knopfdruck/
Und das tut tierisch weh – egal wie schwul das klingt/
Es ist nicht viel, doch in mir steckt noch was Gutes drin/“


Ist ein Auszug des Songs „Jenny“, der in Zusammenarbeit mit dem slowakischen Staatsorchester entstand. Bushido zeigt hier größtenteils gute Ansätze, auch einmal qualitativ hochwertige, nachdenkliche Songs zu machen, doch zerstört sich jede Ernsthaftigkeit mit oberflächlichen Phrasen wie „egal wie schwul das klingt“. Ansonsten fehlt ihm leider generell zumeist auch der Tiefgang, der einen Hörer wirklich zum Nachdenken und Mitfühlen anregt.

Ansonsten fällt besonders auf, dass Anis in seinen Texten nicht nur oft nicht-punchende Punchlines gegen Ex-Kollegen Fler bringt, sondern auch auf seinem "Sonnenbank-Flavour-ich-nenne-Wörter-doch-bilde-keine-Sätze-Stil" hängen geblieben ist und er somit einen Hick-Hack-Stil an den Tag bringt, der den Hörgenuss deutlich herunterzieht. Leider echt sehr nervig. Auch die mehrfache Wiederholung von Konsonanten, mit denen das folgende Wort beginnt, kommt immer und immer wieder in seinen Songs vor und geht ziemlich auf die Nerven. Sch-sch-sch-schade.

„Uns wurde keine Möglichkeit gegeben/
Kein Monaco – wir hatten nur ’ne schöne Zeit im Regen/
Ich ess Döner und du Trüffel -/
Und mein scheiß Bewährungshelfer guckt jeden Tag wie sich der Köter so entwickelt/“

("Ching Ching")

Kommen wir zu dem wohl interessantesten Feature des Albums. „Kennst du Stars“ zusammen mit dem Fußballnationaltrainer Sansibars und Comedian Oliver Pocher.
Wie bekannt gegeben wurde, wurde Pochers Text von Bushido geschrieben und erstaunlicherweise rappt der Hannoverfan meines Erachtens nach hier besser als Bushido, dem es offensichtlich sehr schwer fällt, zwei zusammenhängende Zeilen zu schreiben. Zudem hat „Oli P. 2“ eine sehr lustige Lil Wayne-Verarsche in seinem Part. Insgesamt ist der Track allerdings sehr gut hörbar und hat einen angenehm hörbaren Chorus und einen genialen Beat.

Insgesamt fällt mir sowieso auf, dass die Beats auf „Heavy Metal Payback“, neben Kay One, Oliver Pocher und Karel Gott, das einzige sind, das wirklich positiv zu bewerten ist. Vom textlichen Können her ist leider nicht viel von Bushidos jahrelanger Erfahrung zu hören. Wenn man vom Raptechnischen spricht, gibt es wenigstens einige Lichtblicke wie „Paragraph 117“, „Für immer jung“ oder „Jenny“, doch oft fängt er auch mit einem extrem stockenden Flow an, bei dem meist die Hälfte seiner Zeilen aus Atempausen bestehen. Als Fazit kann man das Album hartgesottenen Bushidofans natürlich empfehlen, doch einige Songs wie „Für immer jung“ stechen positiv heraus. Letztendlich fällt es mir nach dem Hören des Albums schwer, Bushido wirklich noch als Rapper bzw. Musiker zu bezeichnen, da dieses Album eher wie ein simples Produkt als ein Musikalbum und Bushido mehr wie ein - zugegeben sehr guter - Geschäftsmann als ein Musiker wirkt.


(Cr0caldinho)



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