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Review: Bushido – Zeiten ändern dich

veröffentlicht: Mittwoch, 24.02.2010, 18:58 Uhr
Autor: ProRipper





01. Intro
02. Zeiten ändern dich
03. Ein Mann Armee
04. 23 Stunden Zelle
05. Lichtlein
06. Airmax auf Beton
feat. Fler
07. Alles wird gut
08. Vergeben & Vergessen
09. Ich lass dich gehen
10. Öffne uns die Tür
feat. Kay One
11. Es tut mir so Leid
12. Selina
13. Steh auf
feat. Glashaus
14. Nur für dich (Mama)
15. Battle on the Rockz
feat. Fler & Kay One
16. Wegen eines Blatt Papiers (Outro)
17. Mit dem BMW
(Fler feat. Sonny Black) (Bonus-Track)
18. Ich liebe dich
(Kay One) (Bonus-Track)
19. Weg eines Kriegers
(Chakuza feat. Bizzy Montana) (Bonus-Track)

Bushido, dessen Name übersetzt so viel wie "der Weg des Kriegers" bedeutet, sorgt seit Jahren immer wieder für Aufruhr und eine regelrechte Teilung der Rapszene. Die einen hassen ihn, die anderen vergöttern ihn, doch eines kann ihm keiner streitig machen: den enormen Erfolg, den er verbucht. Jüngst lief sein autobiographischer Film in den deutschen Kinos an und sorgte für regelrechte Hysterie unter vielen Jugendlichen, sowie selbstverständlich (wie alles, was er anfasst) für klingelnde Kassen. Und ich habe hier nun das dazugehörige Album – also quasi den Soundtrack zum Film – vorliegen: "Zeiten ändern dich". Ob er sich selbst mit der Zeit musikalisch eher zum Schlechteren oder Besseren verändert hat, wird in den folgenden Zeilen erläutert.

Mit einem bedrohlichen Instrumental, Applaus aus dem Publikum, sowie einigen Cuts aus diversen Nachrichtensendungen über seine Person und der Annahme, dass er die Jugend verderbe, beginnt das lang ersehnte "Meisterwerk". Der darauffolgende Titeltrack, dessen Thematik der Werdegang des "erfolgreichsten deutschen Gangsterrappers aller Zeiten" ist, kann quasi als der komplette Film, auf einen Song reduziert, betrachtet werden. Während "Zeiten ändern dich" diesen Werdegang jedoch eher von der nachdenklichen Seite erzählt, dreht "Ein Mann Armee" gleich im Anschluss den Spieß um. Wieder einmal schlägt sich Sonny Black allein vom Bordstein bis zur Skyline durch und bleibt als die einsame Spitze unter der Rapperschaft übrig.

"Labels machen dicht, Labels werden geschlossen/
Jeder findet Möchtegern-Playerrap zum Kotzen/
Die Nasen sind gebrochen, A&Rs sind misshandelt/
Deutscher Rap ist für mich wie 'Rumble in the Jungle'/
Es war einfach so ein langer Weg/
Ab heute nennen sie mich alle 'Ein Mann Armee'/
"
(Bushido auf "Ein Mann Armee")

Doch wer jetzt denkt, dass damit auch die LP zum Film wie ein ganz typisches Bushido-Album aufgebaut ist, der wird eine Überraschung erleben. Tracks wie "Ein Mann Armee" oder "Airmax auf Beton", bei dem es sich um eine typische CCN-Produktion mit Fler handelt, bleiben die Ausnahme, denn, wer hätte das erwartet: Bushido präsentiert sich auf seinem neusten Streich so zahm wie nie! Dass Abwechslungsreichtum darunter nun jedoch sehr leidet, ist absehbar. Die meisten Themen, die er auf "Zeiten ändern dich" anspricht, wurden bereits auf seinen früheren Alben schon abgehandelt – dazu noch wesentlich besser. Und auch vor Wiederholungen ist man nicht sicher. So gibt es gleich mehrere Tracks über verflossene Liebschaften ("Vergeben & Vergessen", "Ich lass dich gehen", "Selina"), bei denen man sich irgendwie nie so richtig sicher sein kann, ob Sonny Black nun verschiedene Frauen oder immer wieder die selbe anspricht. Die typischen "Kopf hoch"-Songs finden ebenso zur Genüge ihre Verwendung ("Lichtlein", "Alles wird gut", "Steh auf").

"Und wenn sie meinen, du stehst nie wieder auf, dann lass sie reden/
Junge, zeig ihnen, das ist dein Traum, du wirst ihn leben/
Und beweis diesen Leuten, die niemals an dich geglaubt haben/
Das, was sie haben, kannst du auch haben/
"
(Bushido auf "Alles wird gut")

Ich muss es ein weiteres Mal betonen: Das hatten wir alles schon, das kennen wir bereits in- und auswendig! Ironischerweise ist hiermit ein Zitat von Bushidos eigenem Signing Bizzy Montana mehr als nur passend: "Halt den Kopf hoch, weine nicht, ich bin für dich da – alles Blödsinn, man, es geht nur um die Zahlen in den Charts". Was inhaltlich dann noch von diesem Album übrig bleibt, ist ein Song für die Mutter ("Nur für dich"), die Bitte an Gott um Verzeihung für sämtliche Lebensfehler ("Öffne uns die Tür" feat. Kay One) und der Battletrack mit einigen EGJ-Kollegen ("Battle on the Rockz" feat. Fler und Kay One). Dann läuft auch schon das Outro für die Käufer der normalen Edition. Besitzer der limitierten Deluxe Edition kommen danach jedoch noch in den Genuss dreier Bonus-Tracks. Dabei handelt es sich um einen weiteren Posertrack von Fler ("Mit dem BMW"), noch ein – so langsam reicht es damit nun wirklich – Liebeslied von Kay One ("Ich liebe dich") und einen Battletrack von Chakuza und Bizzy Montana. Letztere beiden Künstler stecken mit "Weg eines Kriegers" übrigens sowohl lyrisch als auch humoristisch die komplette Standard Edition in die Tasche, wenngleich auch sie nicht ihre besten Parts abliefern.

"Du willst fronten und ich komm' mit dem Revolver zum Kiez/
Und dein Großvater tanzt wie John Travolta in Grease/
Ich bin krass und ein Held, aber schlafe im Van/
Trag' die Last der Welt wie Atlas und die Waage von Roseanne/
"
(Chakuza auf "Weg eines Kriegers" feat. Bizzy Montana)

Was kritische Stimmen dem guten Anis immer wieder vorwerfen, ist die häufige Verwendung von Zweckreimen und die daraus resultierende Inhaltslosigkeit seiner Aussagen, sowie die stets gleichen Gangsterphrasen. Hiermit schließt Bushido auf "Zeiten ändern dich" nun beinahe endgültig ab. Seine Reime leiden jedoch hörbar darunter, werden immer schlichter und auch seine Art zu flowen wirkt weniger flüssig als auf vorhergehenden Releases.

Auf der anderen Seite muss man sagen: Die Produktion ist erwartungsgemäß durchgehend fantastisch geraten. Auch dieses Mal sitzt hauptsächlich Bushido selbst an den Reglern, jedoch liefern auch Beatzarre und Djorkaeff erstaunlich geniale Instrumentals ab. So ziemlich jede Art von Beat ist vertreten, vornehmend jedoch ruhigere, was auch die Inhalte der Tracks nahelegen. Beschwerden sind von dieser Seite aus keine einzureichen, was man von einem Sonny Black-Album aber ohnehin gewohnt ist.

Fazit:
Es erscheint dem Hörer so, als würde Deutschlands berühmtestem Gangsterrapper nun endgültig einfach nichts Neues mehr einfallen. X mal dieselben Thematiken und Phrasen, sowie der Wandel vom Rüpelrapper in den besten Freund, der probiert, mich mit seinen Songs aufzuheitern – das ist schon lange nicht mehr der Bushido, den ich hören will. Und sollte er es in letzter Zeit wieder ein klein wenig geschafft haben, mich auf seine Seite zu ziehen, so hat er es sich nun wieder verspielt. Was letztendlich übrig bleibt, ist ein top produziertes, textlich solides, inhaltlich jedoch gähnend langweiliges Album. Wäre "Zeiten ändern dich" wirklich repräsentativ für Bushidos kompletten Werdegang, so könnte ich seinen steilen Anstieg auf der Karriereleiter nicht nachvollziehen.


Pascal Ambros (ProRipper)



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