Angemeldet bleiben?

Review: Bushido – Carlo Cokxxx Nutten 3

veröffentlicht: Dienstag, 17.03.2015, 18:33 Uhr
Autor: Cuttack





01. Intro
02. Butterfly Effect
03. Junge
04. Kommt Zeit kommt Rat
05. Gangsta Gangsta
06. Immer noch 2015
07. POV
08. Tempelhofer Junge
09. Wenn der Beat nicht mehr läuft
10. Sonny und die Gang
11. Ich muss gucken wo ich bleib
12. Lila Scheine lügen nicht
13. Skit
14. Schluss mit Gerede
15. Rap
16. Finishing Move


Irgendwo zwischen Mafiagerüchten, einer schier unausweichlichen Medienpräsenz, dauerhafter Berichterstattung in Zeitschriften wie "Stern" und "Spiegel" und dem unendlich scheinenden Beef mit Kay One hat sich der Name Bushido wohl zu einem Selbstläufer entwickelt. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass sich sein jüngstes Werk Carlo Cokxxx Nutten 3 einmal mehr in aller Munde befand, am ersten Wochenende trotz quasi nicht existenter Promophase sage und schreibe 52.000 Verkäufe erzielen konnte und den ersten Platz der Albencharts im Prinzip aus dem Ärmel geschüttelt hat. Für diese Aufmerksamkeit musste er dazu kaum einen Finger krümmen, denn mehr als eine Hand voll Interviews und ein paar Videobotschaften auf YouTube erschienen von seiner Seite aus nicht, selbst auf Videoauskopplungen zum kommenden Album verzichtete das ersguterjunge-Oberhaupt gänzlich. Warum Bushido also anscheinend einen derartigen Garanten für ein gelungenes Werk darstellt, dass er solche Menschenmassen zum Blindkauf seiner neuesten Platte bewegen konnte und ob das Album dieser Peripherie überhaupt gerecht werden kann, gilt es nun herauszufinden: Denn abseits von all dem Polarisieren, all den Gerüchten und all der Gossip geht es selbst bei so einer Platte doch allem voran um die Musik.

"Ich hab immer noch die Skyline im Blick/
Immer noch der Junge mit dem Mike-Tyson-Schnitt/
Yeah, fick' noch immer deinen Z-Promi-Status/
Immer noch leckt Deutschrap Sonnys Anus/
"
(Bushido auf "Immer Noch 2015")

Recht schnell kristallisiert sich heraus, dass die Linie des Vorgängeralbums Sonny Black recht stringent weiter verfolgt wird, sprich er setzt einmal mehr auf eine sechzehn Anspielstationen starke Aneinanderreihung von möglichst stumpfsinnigen Pöbeleien und Beledigungen, wenn nicht gerade gegen unser aller Mütter, dann zusammenhangslos gegen eingeworfene Drittpersonen. Gerade in letzterer Disziplin, wenn man es denn als solche bezeichnen mag, übertrifft Sonny sich auf diesem Werk selbst, denn wenn sogar "Die Welt" einen Artikel darüber verfasst, wie viele Personen Querschläger abbekommen haben, dann ist das wohl ein Zeichen. Ob ein gutes oder ein schlechtes bleibt wohl dem subjektiven Geschmack des Hörers überlassen, dennoch hinterlassen amtliche 79 gedisste Personen, von obligatorischen Schüssen gegen Lieblingsfeind Kay One ("Immer noch der größte Hurensohn, Kay One") bis hin zu scheinbar völlig willkürlichen Attacken gegen irgendwelche Personen des öffentlichen Lebens ("Ich ficke Dieter Nuhr, diesen Riesenhaufen Scheiße" oder "Alice Schwarzer braucht 'nen fetten Schwanz, damit sie endlich wieder klarkommt"), durchaus den faden Beigeschmack, dass dieser zum Selbstzweck erhobene Namedropping-Wahn gerade durch Sonnys meist wenig raffinierte Ausführung mangelnde Trackideen kaschieren sollte. Das wäre nach stattlichen dreizehn Studioalben auch kein Wunder. Doch so wirklich übel nehmen kann man es Sonny Black nicht, immerhin wurde Themenvielfalt im Hause EGJ sowieso noch nie groß geschrieben und die meisten der Texte sind dermaßen asozial und primitiv, dass sie in ihrem Unterhaltungswert einem erzwungenen Lovesong oder unbeholfenen Storyteller um Längen voraus sein dürften.

Ein weiterer Faktor, der diese inhaltliche Dünne ein wenig rechtfertigt, ist die musikalische Komponente von CCN3. Denn auch in Sachen Instrumentals zelebriert sich Bushido selbst dafür, das Rad nicht neu erfunden zu haben. Und das ist auch gut so, denn warum sollte man an dieser Stelle von einem mehr als bewährten Konzept abweichen? Der gekonnt ausproduzierte Samplesound bietet einen mehr als gelungenen Klangteppich für den authentischen Gangsterfilm und hebt sich erfreulich vom sonst sehr nach Plastik klingendem Grundton dieser Sparte ab. Insbesondere das Instrumental zu "POV" setzt sich in seinem epochalen Einstieg und dem nach vorne gehenden Grundton vom restlichen Album ab und liefert einen Track, der auch als Auskopplung Hitpotential geboten hätte. Trotz alledem wirkt die LP über sechzehn Titel ein wenig monoton, da konsequenterweise auf musikalische Ausreißer oder Featureparts gänzlich verzichtet wurde. In Anbetracht des ansonsten absolut stimmigen Gesamtprodukts lässt sich das jedoch durchaus verschmerzen.

"Deine arbeitslosen Kumpels singen Nazichöre/
Im Gefängnis ist Prinz Marcus nicht mehr so ein Partylöwe/
[…]
Deine schwulen Freunde sehen alle aus wie Technojunks/
Komm ich piss' dir ins Gesicht, dann hast du deinen Sektempfang/
"
(Bushido auf "POV")

Fazit:
Carlo Cokxxx Nutten 3, ob nun mit Frank White oder ohne, stellt insgesamt alles andere als eine Mogelpackung dar. Wer Bushido vorher und insbesondere das Vorwerk Sonny Black schon mochte, der wird auch auf dem aktuellen Album bekommen, was er erwartet haben wird: Pöbeleien, Stumpfsinn, authentischen Gangster-Flair und asoziales Verhalten auf wunderbaren Samplebeats. Nicht mehr und nicht weniger. Erwartet man allerdings komplexe Flow- und Reimtechniken, tiefgreifende Sozialkritik oder poetischen und lyrischen Feinsinn, dann wird man wohl bitter enttäuscht werden. Aber ganz ehrlich: Nach all der Zeit sollte man doch so langsam wissen, worauf man sich einlässt, wenn man eine CD von Bushido einlegt, und kann auch dementsprechende Kaufentscheidungen tätigen. Dadurch erklärt sich auch die eingangs gestellte Frage – Bushido muss in dieser Hinsicht nichts mehr beweisen und beherrscht das, was er tut, nun mal beinahe perfekt. So lässt sich sagen, dass CCN3 ein grundsolides weiteres Album ist, dass sich nahtlos in Bushidos Diskographie einreiht und weder einen Meilenstein noch einen Tiefpunkt markiert. Und somit sollte es für jeden Fan des Berliners definitiv einen Blick wert sein.

(Yannik Gölz)



Bewerte diese CD:

Diese Review wurde 18183 mal gelesen
23 Kommentare zu dieser Review im Forum