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Review: Bushido, Fler & Kay One – Berlins Most Wanted

veröffentlicht: Montag, 25.10.2010, 20:41 Uhr
Autor: ProRipper





01. Intro
02. Was du machst in 'nem Monat
03. Weg eines Kriegers
04. Schlampen (Skit)
05. Sie wissen, wer wir sind
06. Lauf, Nutte, lauf!
07. Mein Ein und Alles
08. Für dich da sein
09. Die ganze Galaxie
10. Rapstar
11. Teufel auf Erden
12. Alles anders (Skit)
13. Geld, Sex und Ruhm
14. Berlins Most Wanted
15. Nur Gott kann uns richten
16. Wunschkonzert
17. Das ist Hip Hop
18. Outro


Mag es sich nun um ein Plagiat oder doch nur um das gute Recht von Bushido handeln, den Namen Berlins Most Wanted neuerdings für sich und seine Ersguterjunge-Kollegen Fler und Kay One zu beanspruchen – in Diskussion stand das Ganze allemal! Denn natürlich fühlten sich frühere BMW-Crewmitglieder, allen voran Bass Sultan Hengzt, dazu angestachelt, die Patentierung des Namens nicht einfach so auf sich sitzen zu lassen. Beef hin, Beef her – eine bessere Promo hätte sich Deutschlands erfolgreichster Gangsterrapper für sein neuestes Projekt wieder einmal nicht wünschen können. Und auch, wenn ich mich nach den letzten Alben bekanntermaßen nicht gerade als Bushido-Fan outen kann, bin ich durchaus gespannt, wie die Herren Black, White und Kay One diese frisch gewonnene Aufmerksamkeit, die sie von mir zugesprochen bekommen, nutzen. Also dann: Der Überfall auf mein Trommelfell kann beginnen! Most Wanted, Junge!

"2002, BMW, alles Schnee von gestern/
Ich bin depressiv – und das liegt an dem Schnee von gestern/
Das sind Airmax, Trainingshose, Nikeshirts/
Und du kotzt, wenn du wieder Albumcharts 1 hörst/
"
(Bushido auf "Was du machst in 'nem Monat")

Nach einem Intro, in dem ein wütender Fler via amüsantem Telefonat auf einen besoffenen Kay One trifft, steht uns mit "Was du machst in 'nem Monat" ein typischer EGJ-Track bevor, der quasi repräsentativ für das komplette Album ist. Denn, wer hätte es gedacht – fast den ganzen Longplayer über wird hier rumgeprollt, gepöbelt, gegangbangt und gebattlet. Most Wanted eben. Aber bereits von Anfang an wird klar: Die Drei haben sich gemacht. Fler kommt plötzlich mit Doppelreimen daher, während Kay teilweise wie eine Granate über die zumeist erhabenen Beats flowt und mit seinen gelegentlichen Doubletimepassagen für Abwechslung sorgt. Wow. Ehrlicherweise hätte ich das nicht erwartet. Und was Bushido macht? Was er am besten kann: Polarisieren. Egal, ob mit einer Kachelmann-Line oder der Bitte "Sido, bitte, mach einen Track mit Menowin!" Und ich muss sagen: Ich bin heilfroh darüber, denn genau das ist, was mir bei dem pseudodeepen "Zeiten ändern dich"-Soundbild der letzten Jahre so sehr gefehlt hat. Und wenn Kay One sich dann noch rotzfrech einen Seitenhieb gegen Hengzt erlaubt, indem er dessen Track "Playboy" ein wenig durch den Dreck zieht, dürfte klar sein, dass "Berlins Most Wanted" wieder einmal Wellen in Sachen Beefgeschichten schlagen wird.

"Ich trag' die Maske, hör' den Beat, wenn ich schieße/
Ich ziele, du liegst auf der Wiese wie ein Kriegsinvalide/
Und du jobbst wieder bei Lidl, ich trage die Desert Eagle/
Und diesen Teufel, man, verdammt, ich seh' ihn wieder im Spiegel/
"
(Fler auf "Die ganze Galaxie")

Natürlich ist dennoch nicht alles Gold, was glänzt, denn trotz spürbaren Verbesserungen ist weder der Eine, noch der Andere, noch der Dritte im Bunde der Wahnsinnsrapper, der die dicksten Punchlines auspackt oder überragende Skills an den Tag legt. Und die Eintönigkeit der Hooklines, die ich so oft als Problem dieser Rapsparte empfinde, schlägt auch wieder zu. "Was-was du machst in 'nem Monat, mach' ich in einer Stunde – Ers-ersguterjunge", "Geld Sex und Ruhm, Geld, Geld, Sex und Ruhm" um mal zwei komplette Hooks zu zitieren, die von der Endlosschleife-Funktion leben. Genau so finden sich diverse Widersprüchlichkeiten in den Texten – ich meine, Lines wie "Ich bin wortgewandt, du Horst, du Hans" (Bushido auf "Berlins Most Wanted") können doch nie im Leben ernst gemeint sein?! Da erinnert man sich doch mal wieder an das Zitat "Ich mach' Scheiße zu Gold". Was neben dem Geprolle an Themen übrig bleibt, sind der Liebessong für die Heimatstadt Berlin ("Mein Ein und Alles"), ein Reue bekennender Track ("Für dich da sein"), das Lied für die Ex ("Teufel auf Erden") und der pseudodeepe Ich-will-doch-nur-glücklich-sein-Titel ("Wunschkonzert").

"Ich hätte nie gedacht, dass Engel einmal sterben könn'/
Alles, was ich jetzt seh', ist der Teufel auf Erden, denn/
Du hast gedacht, ich spiel' das Spiel jetzt mit, du Witzfigur/
Doch deine Zeit läuft ab, in diesem Fall bin ich die Uhr/
"
(Kay One auf "Teufel auf Erden")

Was die Instrumentalisierung betrifft, hat Bushido wieder einmal ganze Arbeit geleistet – denn 90% aller Beats stammen aus eigener Hand, während die restlichen 10% von Djorkaeff und Beatzarre beigesteuert wurden. Man ist es zwar ohnehin von Ersguterjunge gewohnt, mit erstklassigen Produktionen verwöhnt zu werden, aber "Berlins Most Wanted" übertrifft in dieser Hinsicht meine kühnsten Erwartungen – Orchestersamples en masse, melodiöse Stücke, schmetternde Drums, Violinen, hier und da mal der passende Einsatz eines Synthecisers – ich bin begeistert und würde mir die Instrumental-Version des Albums wahrscheinlich ohne zu zögern kaufen.

Fazit:
Mies-geniale Beats, check. Durchschnittliche Rapper, check. Eintönige Hooks und wenig Themenvielfalt, check. Und trotzdem: "Berlins Most Wanted" ist genau das, was sich der Hörer wünscht, wenn er in den Laden rennt und eine Platte sucht, die den guten, alten Berliner Gangsterrap wieder aufleben lässt. Nach Bushidos "Zeiten ändern dich"-, Flers "Flersguterjunge"- und Kay Ones "Kenneth allein zu Haus"-Pleite – und das waren diese drei Soloalben für mich definitiv – muss ich sagen, dass sie mich mit dieser Platte doch noch erwischt haben. Daumen hoch für meine persönliche Überraschung des Monats, "also fick hier nicht mit BMW!"


Pascal Ambros (ProRipper)



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