Angemeldet bleiben?

Special: Blood Spencore

veröffentlicht: Mittwoch, 15.09.2010, 19:59 Uhr
Autor: ProRipper



Status: Rhymin Simons neuester "Rummelboxer" Blood Spencore schenkt euch heute ein rappers.in-exclusive mit dem bei uns in letzter Zeit gern gesehenen Olson Rough zum Thema Alkohol und Drogen. Nebenbei stellt er sich auch noch einigen Fragen bezüglich seines kommenden Albums "Kauf, konsumier und stirb". Alles über seinen tiefschwarzen Humor und den Krieg mit ehemaligen Nachbarn lest ihr hier.


rappers.in: Für viele dürfte der Name "Blood Spencore" ja noch ein unbeschriebenes Blatt sein. Also tu uns doch mal den Gefallen und füll dieses obligatorische Blatt mit ein paar Informationen aus!

Blood Spencore: Geboren in Mönchengladbach, eigentlich aus der Hardcore Punk-Szene stammend. Bin durch einen Kumpel zu Rap gekommen, hab' Platten gesammelt und dann so '99 mit Graffitis angefangen, das hatte höchste Priorität! Anfang 2000 hab' ich dann mit 'nem Kumpel angefangen zu rappen – "All flesh must be eaten" hießen wir damals. Unmensh hab' ich auch durch Graffitis kennengelernt und mit ihm 2003 ein Demo als "Dead in motion" rausgehauen. 2005 dann Rhymin Simon kennengelernt, der mir ein Jahr später wegen Tracks wie "Meine Nachbarn" angeboten hat, bei ihm aufs Label "Rummelboxer" zu kommen. Das war ursprünglich als Unterlabel von Royal Bunker gedacht, deswegen auch die Abkürzung "RB"... Ich war damals aber immer noch nicht motiviert, ein Album fertig zu machen. Das hab' ich dann so Ende 2007 in Angriff genommen. Auftritte hatte ich schon vor Leuten wie Sido, Jeru the damaja, Leak Bros. und Jedi Mind Tricks, aber auch schon vor Bushido, Fler, Rhymin Simon oder Olli Banjo.

rappers.in: Mit deinem neuen Album "Kauf, konsumier und stirb" erwartet den Hörer laut offizieller Umschreibung "weder Gangster, noch Mainstream, sondern abgefuckter Hardcore-Rap". Wie definiert sich denn "abgefuckter Hardcore-Rap", beziehungsweise was für Themen können wir da erwarten?

Blood Spencore: Asoziale Lines mit schwarzem Humor, aber trotzdem selbstironisch, auf meist düsteren Beats. Themen... Battle, Punchline-Tracks, selbstreflektorische und depressive Songs, Drogen, Frauen, Gewalt, Graffitistories und ein paar Horror-Themen. Politische Statements kommen auch vor. Alles, was meine Welt umgibt, durch meine Augen, mit meinem manchmal grenzüberschreitenden Humor eben.

rappers.in: Deine Hörerschaft sollte also schon 'nen gewissen Sinn für schwarzen Humor mitbringen, damit sie das feiern kann, oder?

Blood Spencore: Auf jeden Fall, für die meisten Tracks schon.

rappers.in: Du hast vorher erwähnt, dass du Rhymin Simon 2005 kennen gelernt hast. Wie kam da der Kontakt zustande und was denkst du, hat diese Rap-Legende an deinem Style so sehr fasziniert, dass er sich dachte "Jawoll, genau DEN brauch' ich bei 'Rummelboxer'"?

Blood Spencore: Murat Aslan, der berühmte Berliner Fotograf und Freund von uns, hat Simon das erste Tape von Unmensh bei 'ner Jam in die Hand gedrückt – Simon hat das dann in der Juice positiv erwähnt. So ist der Kontakt zwischen ihm und Unmensh entstanden. Dann sind wir nach Berlin gefahren, weil Simon uns ins Royal Bunker-Radio eingeladen hat, als "Dead in motion" damals noch. Da hab' ich ihm mein Demo von 2004 vorgespielt und er fand den Track "Champion" cool. Als er dann "Jansen" ein paar Monate später gehört hat, hat er mich zu sich eingeladen. War so während der WM 2006. Wir haben im Royal Bunker einen Track gemacht und er meinte: "Wir bringen das bei mir raus". Ich denk' mal, er feiert das Ganze, weil ich mein eigenes Ding durchzieh', ohne Kompromisse, und nicht so klinge wie jeder andere.

rappers.in: Dein neuestes Video hast du zu dem Track "Meine Nachbarn" gedreht. Darin geht es um die frei erfundene und von allen gehasste Familie Jansen. Da fragt man sich doch, wieso du ausgerechnet diesen Titel gewählt hast, um auf dein Debüt vorzubereiten, und welche Aussage dahinter steckt. Klärst du uns auf?

Blood Spencore: Die gibt's wirklich! Steht aus ein paar Gründen, die sich jeder denken kann, da, dass es frei erfunden ist. Die haben mir und ich denen das Leben zur Hölle gemacht, jahrelang. Wie ich sie beschreibe, stimmt zu 99% – Horrorfamilie, richtig asozial. Ich persönlich feier' den Track, weil ich da das Thema Nachbarn für alle nachvollziehbar beschreibe und meinen Frust ablasse, auf noch nie da gewesene Art und Weise. Der Track ist eigentlich schon vier Jahre alt, aber alle feiern den überkrass in meinem Umfeld, besonders Rhymin Simon selbst. Auf dessen Ratschlag hab' ich dazu das erste Video gemacht. Ich persönlich hab' mich natürlich rapmäßig krasser entwickelt, was nicht heißt, dass ich hinter dem Track nicht stehen kann – ist halt komplett anti, noch nie da gewesen und irgendwie auch ein Anti-Statement an die ganzen Rapper da draußen.

rappers.in: Ach, vier Jahre alt ist der schon... Ist das dann der vorher erwähnte "Jansen"-Track, nur mit anderem Titel?

Blood Spencore: Richtig. Simon ist sich 100 pro sicher, dass der Track einschlägt wie 'ne Bombe... Whatever.

rappers.in: Interessanter Hintergrund, dass der Track, durch den du damals zu Simon gekommen bist, jetzt vier Jahre später dein Debüt ankündigt.

Blood Spencore: Ja, das war auch so gedacht. Ich hätte mein Album auch viel früher rausbringen können, aber andere Dinge waren halt wichtiger, wie meine kleine Tochter und das Rumreisen wegen Graffitis.

rappers.in: Die Grafittiszene scheint's dir ja richtig angetan zu haben.

Blood Spencore: Nee, nicht die Szene an sich... Aber das Bomben. (lacht)

rappers.in: Du hast uns ja noch einen kleinen Exclusive-Track mit Olson Rough als Featurepartner mitgebracht. Worum geht's auf diesem Song und wie läuft so die Zusammenarbeit mit Olson ab?

Blood Spencore: In dem Song geht es darum, dass wir beide ein kleines Alkoholproblem haben und ich außerdem noch eins mit Drogen. Dazu kommt, dass wir halt von der Welt abgefuckt sind und gerne saufen, um aus der Welt zu verschwinden – und nur Sport betreiben, um die Zeche zu prellen. (lacht) Die Zusammenarbeit ist easy. Wir kennen uns ja auch schon 'ne Ewigkeit und sind gute Freunde. Ich hatte den Beat und dachte, es wäre cool, wenn ich Olson mit drauf nehme. Dann haben wir uns getroffen und 'ne Hook ausgedacht und jeweils einzeln unsere Parts geschrieben. Leider haben wir diesen Track aus zeitlichen Gründen nicht zusammen aufgenommen, da er in Essen und ich in Köln wohne, bei meinem Homie Drumkidz vom Mellowton Studio. Es wird übrigens noch ein Video dazu kommen... Irgendwann.

rappers.in: Dann freuen wir uns da mal drauf und bedanken uns für die Zeit, die du dir genommen hast!

Blood Spencore: Ich danke euch!


Pascal Ambros (ProRipper)

Hier noch das rappers.in-exclusive von Blood Spencore & Olson Rough:




(Florence Bader)

Dieses Special wurde 13120 mal gelesen
14 Kommentare zu diesem Special im Forum