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Interview: Behind the Beats #3 - Max Mostley

veröffentlicht: Samstag, 02.04.2016, 11:06 Uhr
Autor: kollin


Nicht nur auf ihren Tracks sind es ausschließlich die Stimmen der Rapper, die man hört, auch in den Interviews kommen Produzenten so gut wie nie zu Wort. Unser neues Format Behind the Beats soll diesem zweifelhaften Trend entgegenwirken und jene zu Wort kommen lassen, die sonst eher durch ihre Musik als durch ihre Aussagen überzeugen.


rappers.in
Hey, Max Mostley! Danke, dass du dir die Zeit für unser kleines Interview nimmst! Für die Leser, die dich bisher noch nicht kennen: Wie würdest du dich vorstellen? Was hast du bisher schon produziert?

Max Mostley:
Moin! Selber danke! Ich habe 1999 angefangen, Musik zu machen, und seitdem unter anderem Beats für eRRdeKa, Bushido, Chakuza, Raf Camora, Prinz Porno, Summer Cem, Freestyle of The Arsonists, Edo G und D-Bo produziert. Anfang 2015 habe ich meinen Major-Deal bei BMG unterschrieben. Ansonsten ... Meine Hobbys sind schlafen, essen und rauchen.

rappers.in:
Welche deiner Instrumentals siehst du selbst als besonders gelungen?

Max Mostley:

Das ist echt schwer zu sagen. Ich glaube, das muss der Hörer entscheiden. Mir fällt immer noch irgendwas ein, was ich hätte anders machen können.

rappers.in:

Gibt es irgendeinen Künstler, mit dem du besonders gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Max Mostley:
Momentan hätte ich ziemlich Bock, mit Banks, Die Antwoord oder Hans Zimmer zusammenzuarbeiten!

rappers.in
Gab es einen Produzenten oder Künstler, der für dich als Vorbild fungierte?

Max Mostley:
Im Endeffekt hat mich alles, was ich über die Jahre gehört habe, inspiriert und beeinflusst. Anfangs war es Michael Jackson, später dann Mos Def, DJ Premier, Wu-Tang, Outkast, Jay Dilla, anschließend Justice, Boys Noize, Noisia und mittlerweile sind es Kanye West, Kendrick Lamar, aber auch Künstler wie Other Lives, Bon Iver, Hans Zimmer und Max Richter. Darüber hinaus haben mich allerdings auch Bands wie Nirvana, Rage Against The Machine, Metallica, Korn, Limp Bizkit und System of a Down sehr geprägt. Mein absolutes Vorbild ist Liam Howlett von The Prodigy.

rappers.in
An welchen Projekten arbeitest du momentan?

Max Mostley:
Abgesehen von einer schön kratzigen Whiskeystimme arbeite ich gerade viel an Pop-Sachen, national wie international. Über diese und weitere Projekte kann ich zwar leider im Moment noch nichts verraten, es ist aber Einiges geplant.

rappers.in
Welchen Beat eines anderen Produzenten hättest du gerne gebaut?

Max Mostley:
Da gibt es einige, aber "Smack my Bitch up" von The Prodigy ist definitiv einer davon!

rappers.in
Wie stehst du zu aktuellen und aufkommenden Produktionstrends (Trap, Cloud-Rap et cetera)?

Max Mostley:
Es ist schwer, das zu beantworten, ohne sich über die Definition von Trap zu unterhalten. Insgesamt kann ich aber sagen, dass ich gut gemachten "Trap" geil finde. Künstler wie Rick Ross, Asap und Travis Scott zum Beispiel machen unfassbar gute Tracks. Und auch im Cloud-Rap-Bereich gibt es dope Produktionen. Autotune hab' ich allerdings schon IMMER gehasst, schon seit Cher. Ich finde es ausgelutscht und langweilig. Vor allem im Deutschrap. Und leider sind die Songs oft auch inhaltlich einfach nicht mein Ding. Ab und zu gibt es zwar ein paar, die ganz witzig sind, aber wirklich interessant ist es künstlerisch für mich nicht.

rappers.in
Im Rap-Genre konntest du in den letzten Jahren besonders durch die Produktionen der beiden Alben von eRRdeKa einiges an Aufmerksamkeit gewinnen. Wie lief die Zusammenarbeit zwischen euch beiden ab?

Max Mostley:
Es gibt immer bestimmte Inspirations-Moods, anhand derer ich ein paar Beats vorskizziere. Anfangs tauschten wir uns per Mail aus, dann setzt man sich zusammen und eRR textet, ich produziere, bis wir genug Tracks haben. Wenn wir dann alles zusammen ausgearbeitet haben, gehen wir ins Studio, um alles aufzunehmen und zu finalisieren.

rappers.in
Fangen wir bei "Paradies" an, dort hast du das komplette Album produziert. Wie kam es zu dieser Entscheidung? War das von Anfang an geplant?

Max Mostley:
Für mich gab es von Anfang an den Anspruch, das komplette Album zu machen. Wenn ich mich auf eine Zusammenarbeit einlasse, dann denke ich mich automatisch in das Gesamtkonstrukt ein und entwickle zusammen mit dem Künstler eine Vision davon, wie das Ganze im Endeffekt sein soll. So arbeite ich einfach am liebsten. Grundsätzlich geplant war im Prinzip aber nur, dass wir einfach erst mal loslegen und schauen, wie es sich entwickelt.


rappers.in
Auch die nächste Platte "Rapunderdog" hast du komplett alleine produziert: Wie lief dort der Arbeitsprozess für dich ab? Gab es große Unterschiede zum vorherigen Album?

Max Mostley:
Die Arbeit an "Rapunderdog" war entspannter und weniger verkopft als die an "Paradies". Ich meine, ich habe ja '99 mit BoomBap-Beats angefangen und nach einem Album wie "Paradies" hat es einfach Spaß gemacht, sich in gewohnter Umgebung auszutoben! Der Arbeitsablauf ist aber im Prinzip sehr ähnlich. Viel Kaffee, Kippen und wenig Schlaf – also alles wie immer!

rappers.in
In vielen Kritiken werden die Beats besonders hervorgehoben und gelobt. Hast du damit gerechnet? Wie zufrieden bist du selbst im Nachhinein?

Max Mostley:
Was heißt "damit gerechnet" ... ich glaube, jeder Produzent wünscht sich, dass seine Arbeit ihre Wertschätzung bekommt und wenn die Beats dann von den Kritikern gelobt werden, ist das natürlich geil!

rappers.in
Wie hoch war der Arbeitsaufwand für dich als Produzent an den beiden Alben? Kann man da per Definition schon von "Kollabo-Alben" reden?

Max Mostley:
Also per Definition ist eine Kollaboration ja eine Zusammenarbeit. Man kann aber, glaube ich, nicht sagen, dass ein Album ab einem bestimmten Arbeitsaufwand ein "Kollabo-Album" ist. Ich sehe mich bei einer Produktion nicht als eigenständigen Künstler, sondern als Teil eines Teams, und in diesem Team entwickelt sich eine bestimmte Dynamik, die dann im Endeffekt dazu führt, dass Alben klingen, wie sie klingen.

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Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit an einzelnen Tracks von der Arbeit an einem kompletten Album?

Max Mostley:
Bei einem Album hat man immer einen Blick auf das Gesamtkonzept. Es ist also fast so, als ob man an einem einzigen Track arbeitet, der aber 45 Minuten lang ist. Die einzelnen Tracks sind dann quasi Abschnitte des "langen Tracks" mit dem Unterschied, dass man sich eben für jeden Abschnitt so viel Zeit nimmt, dass er auch unabhängig von den anderen funktioniert.

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Du produzierst genreübergreifend von Rap bis Pop und Elektro. Möchtest du dich demnach nicht auf eine Richtung festlegen?

Max Mostley:
Nein, das wäre mir auf lange Sicht auch zu eintönig. Jedes Genre transportiert für mich unterschiedliche Emotionen und genau so, wie ich nicht jeden Tag dasselbe essen will, brauche ich auch in der Musik diese Abwechslung. Ich feiere so viele verschiedene Sachen und sehe es als eine Art Weiterentwicklung, sei es persönlich oder handwerklich, mich in die unterschiedlichen Bereiche reinzudenken.

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Du kamst auch durchs Texten zur Musik. Ist das Produzieren erfüllender für dich oder schreibst du nebenbei immer noch Texte?

Max Mostley:

Na, ich hab', wie wahrscheinlich fast jeder Jugendliche, mit 14, 15 Jahren angefangen, Texte zu schreiben. Aber die Leidenschaft für das Produzieren war irgendwann einfach größer als die für das Texten. Ich würde nicht sagen, ich bin Texter, aber ich schreibe hin und wieder mal was und habe bei Produktionen immer auch den Text im Blick, da natürlich beides wichtig für einen guten Track oder Song ist.

rappers.in
Für die Upcoming-Producer: Welche Hard- und Software benutzt du für deine Beats?

Max Mostley:
Ich habe lange mit FL Studio gearbeitet, auch das "Paradies"-Album habe ich noch mit "Fruity" produziert. Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich dann auf Ableton Live umgestiegen.
An "Hardware" habe ich nur eine Mouse und meine Ohren!

rappers.in
Mit welcher Unterstützung oder welchen Hilfsmitteln hast du das Produzieren gelernt?

Max Mostley:
Was mir am Anfang viel geholfen hat, war das Analysieren von Beats, die ich geil fand. Man fängt an, selektiv zu hören, und versucht dann erstmal, Gehörtes zu rekonstruieren. Dabei lernt man extrem viel. Welche Instrumente wurden benutzt? Wie ist die Kick gesetzt? Wie ist das Sample gechopped? Wie klingen die Drums? Und dann ist das Wichtigste: Einfach rumprobieren!! Die ersten 100 Beats (wenn das reicht) sind mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eher scheiße, aber ich glaube, das sind auch die Beats, bei denen du am meisten lernst!

rappers.in
Könntest du dir in Zukunft auch mal vorstellen, ein Beattape rauszubringen?

Max Mostley:
Jein. Für mich sind "Beats" per Definition Instrumentals ohne Rap, die aber für Rap beziehungsweise Gesang angelegt worden sind. Ich würde eher schauen, dass jeder Track auf diesem Tape in erster Linie auch instrumental als ein eigenständiger Song funktioniert.

rappers.in
Warum, denkst du, sind solche Beattapes in der Szene eher eine Seltenheit?

Max Mostley:
Ich glaube, es ist eben genau dieses Ding, dass Beats (nach meinem Verständnis) unfertige Songs sind. Wenn ein Produzent so etwas wie ein Beattape macht, dann eher, um einem Künstler eine Kostprobe oder vielleicht auch eine Auswahl seiner Beats zu präsentieren. Es ist also eine Art Portfolio und nichts zum Veröffentlichen. Mich würde aber interessieren, wie viele Leute sich Beattapes von Produzenten wünschen?

rappers.in
Vielen Dank für das Interview! Gibt es etwas, was du als Produzent den Lesern noch sagen möchtest?

Max Mostley:
Danke euch! So etwas wie einen guten Rat? Ich würde hier jetzt ungern irgendeinen schlauen Spruch wie "Lebe deinen Traum" zitieren, so etwas finde ich immer ein bisschen corny und pseudo-weise, aber ich kann Euch empfehlen, im Winter immer lange Unterwäsche zu tragen. Ist echt mega angenehm!



Facebook: Max Mostley

Autor: Lukas Kollin (mollin)

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