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Review: B-Tight - Goldständer (Premium Version)

veröffentlicht: Donnerstag, 11.12.2008, 03:53 Uhr
Autor: endlizZ





(CD 1):
01. Intro
02. Noch Einmal
03. Skit 1: Rapstarz 4
04. Partytime
feat. Frauenarzt
05. Sie Will Mich
06. Egoist
07. Skit 2: Rapstarz 5
08. Voll OK
09. Wir Sind Hart
feat. Tony D.
10. Skit 3: Rapstarz 6
11. Kingmäßig
12. Sündenbock
13. Hart Aber Herzlich
feat. M-Hot

(CD 2):
01. Leben Nach Dem Tod
02. Schattenseiten
03. Ghettostar
04. Weißt Du
feat. She-Raw
05. Schaukelpferd feat. Sido & Shizoe
06. Es Sind Die Drogen
07. Ich Bin Es Leid
feat. Shizoe
08. Könnte Ich feat. Alpa Gun
09. Glücklich feat. Greckoe & Freddy Cool
10. Erste Liebe
11. Weine Nicht
feat. Zoe Mazah


Er ist solariumgebräunt, überaus gelenkig und... Niederländer. Ein begnadeter und leidenschaftlicher Rollschuhläufer, der in den Discos der 70er Jahre sein Unwesen treibt. Er liebt es, seine abfallenden Hautschuppen zu bewundern, zu sammeln und zu verzehren. Und er besitzt offensichtlich eine Schwäche für Gold. Aber genug von Austin Powers’ Gegenspieler!

Kommen wir endlich zu B-Tights neuestem Streich! Nach „B-Tight Sein Album“ und „Neger Neger“ versucht Bobby Dick mit „Goldständer“, seinem, wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, dritten Longplayer, an den Erfolg des Vorgängers (Chartplatz 6) anzuknüpfen. 13 Tracks (inkl. drei Skits) soll(t)en dieses Vorhaben in die Tat umsetzen.

Schon die für den einstigen HipHop-Scheuklappenträger atypische erste Single („Sie Will Mich“) sorgt durch gitarren- und electrolastige Klänge für Aufsehen und weiß auf erfrischende Art und Weise zu überzeugen. Das Video dazu, das durch (typische) weibliche Überpräsenz glänzt und selbst Alice Schwarzer hinterm Ofen vorholt, tut sein Übriges. Die Erwartungen an das Album sind gestiegen, doch können sie auch befriedigt werden? Teilweise!

Ich bin nich’ back und auch nich’ wieder zurück/
Nein! Ich war nie weg, ich hab euch alle im Blick/
Jap! Jetzt wird wieder euer Leben zerfickt/
Ich mache wieder mal die Szene verrückt/

(„Intro“)

Auf das, wie ihr merkt, belanglose, Standardphrasen dreschende und demnach durchaus enttäuschende Intro folgen jedoch glücklicherweise Lieder, die zumindest den Vibe von „Sie Will Mich“ aufnehmen. Da hätten wir den Partybanger „Noch Einmal“, der sich durch einen nach vorn gehenden Beat und eine simple, aber eingängige Hook auszeichnet, die von der mittlerweile entblößten Maskenlady Kitty Kat erst den besonderen Flair erhält. Zum anderen haben wir da „Egoist“. Wie der Name schon sagt, feiert B-Tight hier seine Ich-Bezogenheit. Im Grunde unspektakulär. Jedoch schafft er es, insbesondere durch diesen unglaublichen Grime-Beat, nicht nur kalten Kaffee – Falco lässt grüßen – wieder aufzuwärmen, sondern durchaus auch zum Überkochen zu bringen. Der dritte im Bunde ist der Track „Sündenbock“. Thematisch etwas an Sido erinnernd, aber anders angehend, nämlich ironisch, behandelt Bobby die inzwischen leidige Schuldzuweisung, für die Verrohung der Jugend und der Gesellschaft an sich verantwortlich zu sein.

Ich bin so cool – Gesetze gelten nich’/
Wegen mir respektiern sie ihre Eltern nich’//
Deutschland ist asi, das ist alles meine Schuld/
Doch die Eltern und die Regierung, die ham keine Schuld/


Mit Hilfe des genannten Schusses Ironie eine wirklich gute Umsetzung. Des Weiteren propagiert der Berliner, dass „Schlampe sein“ völlig klargeht („Voll OK“). Interessant und... sicher mal erwähnenswert.
Dennoch finden sich halt auch andere Songs auf der Platte, die eher auf der Festplatte ihr Dasein hätten fristen sollen. Beispiel gefällig? „Wir Sind Hart“ mit dem übertalentierten Tony „Wo-sind-die-Gegners“ Damager ist leider nicht mal unter dem Aspekt „Nimms halt nich’ so ernst“ zu ertragen. Die Grenze zwischen Musik und Lärm ist hier schon beinahe überschritten. In eine andere, aber trotzdem unterirdische Kategorie scheint sich „Hart Aber Herzlich“ einzureihen, da eine schon tausendmal gehörte Sexgeschichte auf eine gähnend langweilige Weise präsentiert wird. Dass der Refrain, gesungen von M-Hot, Ohrkrebs hervorruft, lassen wir mal außen vor.

Klar gibt es auch Skits – und zwar die Fortsetzung von Rapstarz. Aber Skits sind halt immer so eine Sache. Entweder sind sie gut und lustig oder schlecht und, na ja, unlustig. Bei Bobbys Rapstarz-Skits tritt leider Fall zwei ein. Nette Idee, aber an der Umsetzung hapert es gewaltig, so dass man sich das hätte sparen können.

Bei der Premium Edition finden wir noch weitere elf Songs des Aggroberliners. Das Verblüffende daran ist, dass er endlich mal persönlich wird. Der Grund, warum diese Stücke „nur“ auf der zweiten CD gelandet sind? Sie würden nicht zu den anderen Tracks passen, aber vorenthalten wolle er sie uns auch nicht. Zum Glück!
Sei es der Track „Leben Nach Dem Tod“, der mit dem Horrorszenario eines jeden Rappers beginnt, dem Niederstich durch einen Fan, in dem er – ungewohnt intim – sein Leben Revue passieren lässt. Oder seien es Tracks wie „Schattenseiten“, „Weißt Du“ mit einer erneut beeindruckenden She-Raw und „Weine Nicht“, den er für seine kleine Tochter geschrieben hat. Man kann einfach nicht leugnen, dass es B-Tight damit schafft, überraschend überzeugende, gehaltvolle Songs fernab jeder Halligalli-Partymucke abzuliefern.

Scheiß mal auf Bitches, davon gibts unendlich viele/
Ich red von dieser einen, von dieser ersten Liebe/
War ich mal mies drauf, dann hat sie mich aufgemuntert/
War ich mal aggressiv, dann sagte sie: Hör auf, komm runter/

(„Erste Liebe“)

Sicher, irgendwie jeder Musiker bezeichnet Musik als seine erste Liebe, und dennoch hatte man bei B-Tight nicht das Gefühl, dass er das jemals thematisieren würde. Zu hart wirkte er, so etwas nach außen zu tragen. Tja, was man mit dem Alter alles offenbart.
Erwähnenswert sind gewiss noch die Kollaboration mit Sido und Shizoe („Schaukelpferd“), eine Reminiszenz an die Kindheit, und „Es Sind Die Drogen“. Hier preist Bobby auf einem sehr perversen Brett von Beat (made by Tai Jason) seine Lieblingsspielerei: die Drogen! Was ein Apparat!

Sehr schade nur, dass diese elf Lieder, die wirklich weitaus besser und bedeutender sind als die vorangegangenen zehn, nicht die erste CD besiedeln, und damit auf der Standard Version zu finden wären.


Mein Fazit:
B-Tight war noch nie der Techniker vor dem Herrn und wird es wohl auch nie sein. Doch seine Steigerung von Album zu Album ist beachtlich. Hinzu kommt, dass er als einer der ersten den Wandel hin zu (gutem!) Electrorap erkannt hat und dessen Vorzüge auf wohltuende Art und Weise für sich nutzt.
Goldständer“ in seiner Reinform ist erstens zu kurz und zweitens nicht mehr als nur Durchschnitt, da sich gute und schlechte Tracks die Waage halten. Über die inhaltliche Eintönigkeit brauchen wir erst gar nicht sprechen.
Bei der Premium Version (auf CD zwei) jedoch kommt ein ganz anderer Bobby Dick zum Vorschein. Plötzlich nutzt er thematische Vielfältigkeit, bringt Tracks, die man so nicht von ihm erwartet hat, und überzeugt damit auf ganzer Linie. Wenn er weiter in diese Richtung geht, ohne dabei seinen Drang nach Partymusik zu verlieren, dann könnte er eines Tages eventuell sogar ganz oben mitspielen.



(Uli Mativ)



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