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Review: Azad – Azphalt Inferno 2

veröffentlicht: Freitag, 09.04.2010, 14:42 Uhr
Autor: ProRipper





01. Komm ran
02. Fuck tha police 2010
feat. Godsilla & Navigator
03. Welt des Scheins feat. Snaga
04. So much trouble feat. Chaker
05. Bozz Effekt feat. Manuellsen & SAW
06. Murder (Manuellsen feat. Kee-Rush)
07. La vie cut
08. Immer wenn es regnet
09. Scheizz auf alle
(Jeyz)
10. Waz loz feat. Hanybal
11. Wenn die Strasse spricht (Chaker)
12. Drive by Sound feat. Hanybal
13. Es ist wie es ist feat. Chaker
14. Rollin' like a Bozz feat. Manuellsen & Francisco
15. Futurama Remix feat. Kool Savas, Havoc & Moe Mitchell
16. Fly away feat. Kool Savas & Francisco
17. Waz Lan waz (Adem)
18. Kopfschuzz feat. Jeyz, Manuellsen & Juvel
19. Aufz Maul feat. Tone & Manuellsen
20. Tag aus Tag ein feat. Jeyz
21. Blocktränen feat. Chaker

"Schlag Alarm, denn der Bozz is' back" – graue Blocks, Smog, Beton, Gangs, Schlägereien, Straßenpoesie. Das dürften seit eh und je die Hauptpfeiler sein, die die Welt des "Krankfurters" und Ex-Bozz Musicers Azad stützen. Und ich muss im Vorfeld zugeben: Die letzten Jahre konnte er mich mit diesen vertonten Hauptpfeilern nicht wirklich begeistern, obwohl ich mich selbst in längst vergangenen Tagen noch zu seiner Hörerschaft zählte. Nun blicke ich auf die Tracklist seines neuen Werkes "Azphalt Inferno 2", uuund... genau waz ich erwartet habe: "Aufz Maul", "Kopfschuzz", "Bozz Effekt", "Scheizz auf alle", "Waz Lan waz". Ich kann mich vor Begeizterung ja kaum mehr zügeln, zofort dieze verdammte Playtazte zu betätigen! Aber was soll's. Ich denk' mir einfach mal ein obligatorisches "Kopf hoch, Homie" und lasse mich sogleich berieseln von dem "Sound, der mich bommmbt", mit dem kleinen Hoffnungsschimmer, dass sich der Phoenix vielleicht doch noch einmal aufrappeln und aus der Asche erheben kann.

"Der Bozz mit den Z's am Ende und ich represente/
Hier dein Testament, wird Zeit für eine Wende, es ist jetzt dein Ende/
Ich zerfetz' dein Camp und brech' dich Keck in kleine Teile/
Meine Zeilen reißen deine Schweinescheiße wie ein Fleischer/
Leise, wenn du keine Reime hast und nichts kannst/
Dis is' Bozz, ich bin Macht in dem Land/
"
(Azad auf "Drive by Sound" feat. Hanybal)

Der Kampf auf den Straßen gestaltet sich auf den ersten Blick jedenfalls recht featureüberladen. Man möchte fast meinen, dass Azads Streettape-Reihe das Pendant zu "One"-Kollege Savas' "John Bello Story" ist... aber nur fast. Die Beats sind dreckiger, die Drums härter und schmetternder und es finden sich weniger sogenannte "Mainstream"-Instrumentals auf der Platte wieder, was den Sound untauglich für Diskotheken und MTV macht. Ab und an wird zwar mal auf eine in der heutigen Zeit allseits beliebte Autotune-Hook gesetzt, aber das war's dann auch schon. Doch massentaugliche Musik zu produzieren schien ja sowieso noch nie so wirklich die Absicht Azads gewesen zu sein. Die Themen, die der Frankfurter und seine Konsorten auf "Azphalt Inferno 2" abarbeiten, sind jedenfalls an einer Hand abzuzählen: Die auf der Straße regierende, altbekannte Armut, Kriminalität und das übliche "Fuck tha police", das man als waschechter Gangsterrapper nun einmal von sich zu geben gezwungen scheint. Dazu dann noch eine Menge an Battleparts, ein wenig Kritik am Staat, und schon hat man das komplette Konzept des Streettapes.

"Meine Stadt ist'n Krisengebiet/
Scheiße rollt abwärts hier – Pyramidenprinzip/
Für die Reichen gibt's Glitzern, Nutten und Banken/
Für uns hier unten Gitter, Schulden und Schranken/
Wir bilden Banden, denn Bullen sind unsre Feinde/
Frag' jeden hier – alle Bullen sind Schweine/
"
(Snaga auf "Welt des Scheins")

Doch so ganz haut mich das hier nicht mehr um, wie es noch vor fünf Jahren der Fall gewesen wäre. Zwar hat Azad wieder mehr Druck in der Stimme als auf den jüngsten Releases, was sich passend ins Konzept des "Aufz Maul"-Soundtracks einreiht, aber dennoch ist da irgendwie die Luft raus. Klar, er erzeugt mit seiner verbalen Gewalt eine beachtlich dichte Straßenatmosphäre, und ich würde mir nie die Dreistigkeit erlauben, zu sagen, dass Azad ein schlechter Rapper wäre. Aber leider überzeugt mich einfach nichts mehr so wirklich und es gibt keine einzige Stelle auf dem gesamten Tape, von der ich sagen könnte: "Wow, das hat er ja noch nie gemacht!". Im Gegenteil, die meisten seiner Parts wirken austauschbar, die Beats auf Dauer allzu eintönig und ähnlich und so gut wie jede Stelle, bei der ich kurz mal so richtig aufhorche, stammt nicht vom eigentlichen Interpreten, sondern von einem der zahlreichen Featuregäste. So überzeugen mich unter anderem SAW, die sich mit besonders aggressivem Flow und einer anhörlichen Technik hervorheben, sowie Snaga und Tone. Enttäuschend fällt hingegen der Gastauftritt von King of Rap Kool Savas aus, der lediglich mit ein paar neuen, aber nicht wirklich herausragenden Zeilen auf "Fly away" und mit einigen sehr guten, leider bereits bekannten Zeilen auf dem x-ten "Futurama Remix" vertreten ist. Da Azad selbst nur die Hälfte der Spielzeit einnimmt, gebührt der Rest dann MCs wie Chaker, Jeyz und Hanybal, die – machen wir uns nichts vor – nicht wirklich jemand braucht. Immer das gleiche Gesülze, "Ich bin hart", "Ich ficke dies, ich ficke das", "Das sind meine Straßen", bla – und das dann nicht einmal sonderlich innovativ, sondern teilweise mit einfachsten Reimschemen umgesetzt. Ganz ehrlich: Das bekommt man in Zeiten des Internets bereits umsonst von einer Massenbewegung an Nachwuchsrappern um die Ohren geworfen.

"Wenn die Straße spricht, hast du'n scheiß Problem/
Und wenn die Straße spricht, dann bleibt keiner mehr steh'n/
Wenn die Straße spricht, dann mach' ich Schein für Schein/
Und wenn die Straße spricht – es ist Krankfurt am Main/
"
(Chaker auf "Wenn die Straße spricht")

Produziert wurde das Inferno von Benny Blanco, Sti, Gee Futuristic, X-Plosive und Abaz. Diese machen ihre Sache zwar exzellent – so passen die Beats perfekt zu Azads druckvoller Stimme und der allgemeinen Block-Atmosphäre, die "Azphalt Inferno 2" erzeugen will – jedoch klingen die Stücke leider nur allzu ähnlich. Wirkliche Abwechslung findet sich auch auf instrumentaler Ebene ebenso wenig wie auf textlicher Basis der verschiedenen Artists.

Fazit:
Zwar stimmgewaltig und atmosphärisch, aber textlich viel zu eintönig und wenig berauschend – Azad bleibt der "Azphalt Inferno"-Linie weitestgehend treu, kann mich aber einfach nicht mehr überraschen oder gar begeistern. Die hartgesottensten Azad-Fans mögen wohl auch Gefallen am zweiten Teil der Streettape-Reihe finden, aber für mich wird dieser Phoenix sich wohl nicht mehr neu gebären, um wieder anmutig wie in längst vergangenen Tagen Richtung Sonne zu fliegen. Asche zu Asche, Staub zu Staub.


Pascal Ambros (ProRipper)



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