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Review: Ali Bumaye – Fette Unterhaltung

veröffentlicht: Dienstag, 07.07.2015, 15:08 Uhr
Autor: Rogozhin





01. Intro
02. 12 Cheeseburger
03. Alles gut in der Hood
04. Same shit, different day
feat. Bushido & Shindy
05. Bulletproof
06. Nicht mit uns
feat. Eko Fresh
07. Zu fett
08. Safe (Skit)
09. Bitch
feat. Shindy
10. Neukölln King
11. Supersize me
12. BLN
feat. Bushido
13. Auf deinen Nacken
14. Outro


Als Ali, in einer Zeit, in der Platz-eins-Rapper Bodybuildingprogramme verkaufen gewissermaßen ein Antiheld, das erste Mal ins Bewusstsein des durchschnittlichen Deutschrapfans trat, war er ein Unbekannter, hatte jedoch bereits das Erfolgslabel ersguterjunge im Rücken. Seine Single "Voll süß aber", bestechend durch einen fetten Kopfnickerbeat, einige lustige Zeilen und eine markante, kratzige Stimme, erreichte vor etwa einem Jahr Platz 41 der Singlecharts, obwohl sie nur über iTunes vertrieben wurde. Auf seitdem erschienenen Featureparts blieb Ali seinem bekannten Stil treu, ohne weitere Facetten zu zeigen. Von dem nun erscheinenden Debütalbum "Fette Unterhaltung" ist also nicht wirklich eine künstlerische Weiterentwicklung zu erwarten, sondern zu erhoffen, dass Ali einfach das tut, was er gut kann. Man darf aber gespannt sein, ob die bekannten Themen auf Albumlänge unterhalten können.

Die Instrumentals, die den wohl direktesten und bleibensten Höreindruck hinterlassen, zeichnen sich durch scheppernde Drums im BoomBap-Stil aus, die entweder als Fundament für durchaus gelungene Samplebeats oder doch recht beliebig klingende Preset-Synthsounds dienen. Erstere zwingen sogar zum Mitnicken, wofür die Videoauskopplungen "Bitch" und "Supersize me" die besten Beispiele sind. Produktionstechnische Meisterwerke sucht man vergebens, doch einige Male kann man sich durch einen gut gelaunten Beat über den mangelnden Inhalt täuschen lassen.
Dieser besteht tatsächlich nur aus Lines über die eigene Physis, regelrechtem Lästern über Bitches und andere Rapper, allen voran Kay One, gegen Fitnessstudiogänger und über sein Viertel Neukölln. Wem das bekannt vorkommt, hat guten Grund dazu: Fette Unterhaltung ist wirklich nicht mehr als ein "Voll süß aber" auf Albumlänge. Zu dieser überschaubaren thematischen Leistung kommen begrenzte lyrische Fähigkeiten und ein monotoner Flow, der so klingt, wie Vin Diesels Gesicht in emotionalen Szenen aussieht. Zu oft bestehen Parts nur aus aneinandergereihten Zeilen ohne Zusammenhang, ohne dass beim Zuhörer das Gefühl entsteht, man wolle ihm etwas mitteilen.

"Guck mich an, ich bin stabil, also zugehört/
Bald hab' ich mein eigenes Profil bei Google Earth/
Ich bin umfangreich, mein Rap ist umfangreich/
Checkt mal unser'n Hype und der Labelumsatz steigt/
"
(Ali Bumaye auf "Zu fett")

Auch inhaltliche Widersprüche bleiben trotz minimaler Thematik nicht aus, wenn Eko Fresh auf "Nicht mit uns" Rapper für ihre Aussagen zu Ehre angreift, während Ali auf dem gesamten Album, insbesondere auf "Bitch", über die heuchlerische Ehre gewisser junger Damen spottet. Generell fügen sich die ebenfalls vorhersehbaren Features nicht wirklich passend ein. Es entsteht der Eindruck, man wolle Ali auf seinem eigenen Album nicht vorführen. So beschränken sich die Gäste auf Lückenfüller, die dem Gesamtwerk damit keine zusätzliche Würze verleihen.

"'Du Hurensohn' liegt mir auf der Zunge wie Bacardi-Rum/
Hab euch Fotzen alle schon durchschaut wie mein Aquarium/
Und wenn Sonny Black sein Schusseisen holen geht/
Liegst du am Boden wie das Fruchtfleisch in Hohes C/
"
(Bushido auf "Same shit, different day")

Die einzige Ausnahme bildet hier, nach einem etwas faden Part in der ersten Hälfte des Albums, erstaunlicherweise "BLN" mit Bushido. Auf einem Beat, der durch Synthies und Stimmung stark an Ghettohymnen der frühen 2000er Jahre errinnert, huldigen Ali und sein Labelchef ihrer Heimatstadt und entfalten dabei einen brachialen Lokalpatriotismus. Dabei gelingt ihnen zwar nicht, Berlin anders als eine düstere Gosse aus Beton, Armut und Gewalt zu beschreiben, was den Hörer etwas ratlos zurücklässt, aber daran stören sich die beiden anscheinend nicht. Leider trifft Bushido mit dem Einstieg "Ich muss das eigentlich nicht sagen" unfreiwillig den Kern des Problems. Über bereits Bekanntes und die typischen Klischees kommen die beiden Berliner nicht hinaus und so entsteht hier nichts Neues, sondern lediglich ein Produkt, bei dem man das Gefühl, alles schon einmal in einer besseren Version gehört zu haben, einfach nicht los wird. Dafür geht die Hook ins Ohr und stellt paradoxerweise einen kleinen Albumhöhepunkt dar.
Obwohl sich bei den Skits die Frage stellt, ob das noch Humor oder schon eine Mutprobe ist, bieten einige Lines wie "Ich trainiere Bauch auf Masse" ("12 Cheeseburger") oder "Du verlierst im Armdrücken gegen meinen Mittelfinger/" ("Supersize me") doch zumindest in den ersten beiden Hördurchgängen die versprochene Unterhaltung. Ein lyrischer Glücksritter kann außerdem, wenn er denn tief gräbt, in einem einzigen Song, namentlich "Alles gut in der Hood", sogar sozialkritische Elemente finden, im bereits erwähnten "BLN" auch vage politische Aussagen, welche allerdings im Gesamteindruck des Albums untergehen.

"Vierzig Leute warten auf den Bus und er kommt nicht/
Jobcenter überfüllt als wenn's was umsonst gibt/
Es gibt Döner, Spiel- und Shishacafé/
Und das die ganze Sonnenallee/
"
(Ali Bumaye auf "Alles gut in der Hood")

Fazit:
Abzüglich der Skits kommt Fette Unterhaltung auf magere 34 Minuten Spielzeit, was tatsächlich keine Tragödie ist, da die inhaltlichen Möglichkeiten schon nach der halben Dauer erschöpft sind. Fette Unterhaltung fristet ein Dasein im Schatten von "Voll süß aber", dessen Unterhaltungswert zu keinem Zeitpunkt übertroffen werden kann. Die oft absolute Belanglosigkeit der Texte und ihr rasch abnehmender Unterhaltungswert machen es zu einem Album, das lediglich durch einige Instrumentals vor einem Totalausfall gerettet wird. Nicht einmal eigentlich hochkarätige Featuregäste können daran etwas ändern. In Zukunft sollte Ali Bumaye an seinen technischen Skills und seinen Schreibfertigkeiten arbeiten, und bei seiner Beatauswahl konsequenter auf Samplebeats zurückgreifen, da diese sich bereits bewährt haben. Wie man so schön sagt: Es ist Potenzial vorhanden und dieses auch genutzt zu sehen, wäre wirklich schön. Dann hätte der Nachfolger von Fette Unterhaltung die Chance, nicht in der musikalischen Versenkung zu verschwinden, um es somit nicht seinem Vorgänger gleichzutun.


(Rogozhin)



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