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Review: ASD – Blockbasta

veröffentlicht: Freitag, 31.07.2015, 19:47 Uhr
Autor: Antagonist





01. Die Partei
02. Blockbasta
03. Mittelfinga hoch
04. Deadline
feat. Max Herre
05. Bruda
06. Überall is Krieg
07. Tortellini Augen
08. Legendär / Populär
09. Ausrasta
10. Airhorn
11. Antihaltung
12. Mensch gegen Maschine
13. Non
14. Großes Finale
15. Ich seh was
feat. Nena

Ich komme etwas spät, meine Jacke ist wegen der darunter befindlichen Chipstüte und den beiden Bierdosen in den Ärmeln ziemlich ausgebeult, doch nach kurzem Suchen finde ich einen freien Sessel, mittig in der vorletzten Reihe. Zwei Altmeister sitzen wieder zusammen auf dem Regiestuhl, zwölf Jahre nachdem sie mit der Buddy-Komödie "Wer hätte das gedacht?" einen veritablen Genre-Klassiker lieferten, haben sie sich endlich für ein Comeback zusammengefunden. In der Zwischenzeit hatten sich die Karrieren des Duos in höchst unterschiedliche Richtungen entwickelt, während dem einen keine wirklichen Kassenschlager mehr gelangen, vergrämte der andere durch einen Ausflug in Arthouse-Gefilde seine Stammzuschauer, konnte sich allerdings zumindest kommerziell durch die letzte Veröffentlichung wieder aufrappeln. Die Trailer, die ich vor meinem Kinobesuch gesehen hatte, lösten direkt nostalgische Gefühle in mir aus , es fühlte sich an wie 2003, doch ein Grundmistrauen blieb, zu oft bin ich schon von Sequels enttäuscht worden. Ich ziehe meinen Kugelschreiber aus der Tasche und formuliere für meine Review auf filmmakers.in eine Leitfrage: Gelingt ASD mit "Blockbasta" die Rückkehr auf den Olymp oder scheitern Samy Stallone und Afrob Schwarzenegger beim Versuch, an die Erfolge eines vergangenen Jahrzehnts anzuknüpfen und landen im Direct-to-DVD-Segment?

"Scherz, ich mein das bloß ernst/
Ich werd ins Fettnäpfchen treten und 'nen Scheiß daraus lern'/
Ich bin ein Rebell, der Scheine zählt, mach hier nicht auf Heile Welt/
Und schreib so schnell, dass man für mich Bäume fällt/
"
(Samy Deluxe auf "Blockbasta")

Vorhang auf, Film ab! Die ersten drei Szenen wirken wie die klassische Einleitungssequenz eines guten Actionfilms: Viele Schnitte, hohes Tempo. Die zwei Hauptcharaktere werden ausführlich eingeführt, hier überzeugen besonders die Dialogwechsel der beiden Protagonisten, denen exakt der gleiche Sprechanteil zugestanden wird. Die Chemie ist also immer noch vorhanden, die Ablösung gelingt scheinbar intuitiv, und bereits nach wenigen Sekunden bemerkt der kritische Redakteur, dass sein Kopf rhythmisch zu nicken beginnt. In der titelgebenden Szene "Blockbasta" überzeugt besonders Samy Deluxe, der seinen Partner hier fast an die Wand spielt, seine Darstellung war seit langem nicht mehr derart facettenreich, er wirkt zehn Jahre jünger – zurück in der Rolle seines Lebens. "Mittelfinga hoch", welches ich schon aus dem Teaser kenne, bringt die Energie des bisher Gesehenen auf einen vorläufigen Höhepunkt, instrumentiert durch eine Deluxe-Eigenkomposition, verspricht er besonders live auf einer großen Leinwand zu überzeugen.

Mit der Einführung des Nebendarstellers Max Herre wird der Fuß etwas vom Gaspedal gelegt, das Tempo wird gedrosselt, die folgenden Szenen dienen vor allem der Charakterzeichnung und sind um mehr Substanz bemüht. Das Zusammenspiel mit Herre hat sich in der Vergangenheit bewährt und auch hier enttäuscht er nicht, das nachdenkliche Sinnieren über die eigene und daran geknüpft die künstlerische Vergänglichkeit verleiht dem Werk deutlich mehr Tiefe und rührt meine zartbesaitete Sitznachbarin zu Tränen. Der folgende Schnitt ist mir allerdings zu radikal, das klassische Thema der Männerfreundschaft wird in "Bruda" ohne die nötige Innovation behandelt und bleibt besonders durch die schlecht gemachten GCI-Effekte (Autotune) negativ im Gedächtnis. Nach "Überall ist Krieg" und "Tortellini Augen" wird ein weiteres Problem deutlich: Es wirkt, als hätten die Drehbuchautoren, um sich nicht mangelnden Inhalt vorwerfen lassen zu müssen, versucht, so viele Themenkomplexe wie möglich im Mittelteil abzuhandeln, denen sie jedoch nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen können. So verkommt die erstgenannte Szene zur stumpfen Systemkritik, die in den schwächsten Momenten an Stammtischparolen erinnert, zweitgenannte behandelt ein tausendfach aufgegriffenes und schon deutlich kreativer umgesetztes Bild, das zum Weiterspulen einlädt.

"Mit 30 lern ich zweifeln, war alles bloß 'ne Masche?/
Lüg mir doch weiter in die Hosentasche/
Mit 35 die Einsicht, dass nichts für immer bleibt/
Kenn die Endlichkeit, auf einmal rennt die Zeit/
"
(Max Herre auf "Deadline")

Nach dem zwischenzeitlichen Durchhänger besinnen sich ASD auf ihre Kernkompetenzen und so wird die Frequenz in Hinsicht auf das große Finale deutlich angezogen. Für ihren "Ausrasta" (mit Doubletime-Einlage) müssen sich die Darsteller zwar Over-Acting Vorwürfe gefallen lassen, allerdings finde ich dieses Element hier durchaus adäquat eingesetzt, es heizt die Stimmung vor dem kommenden Showdown an und ist auch handwerklich solide inszeniert. Die folgenden Stationen lassen sich wohl als retardierendes Moment zusammenfassen, qualitativ bewegt man sich auf durchschnittlichem Niveau, etwas unterhalb des guten Beginns. Herauszuheben ist lediglich "Mensch gegen Maschine", das durch die musikalische Untermalung von Derek von Krogh einen treibenden Charakter erhält, auf der die stimmlichen Stärken der Protagonisten zur vollen Entfaltung kommen. SPOILER. "Großes Finale" hält durchaus einen interessanten Twist bereit, sehr reflektiert resümieren ASD ihr eigenes Werk, diese weitere Facette schärft das Profil der Akteure ungemein und weitere Metaebenen und Interpretationsspielräume scheinen sich aufzutun. Für die Gestaltung des Abspanns hat Nena einen Gastbeitrag eingebracht, dieser rundet das Gesamtprodukt trotz vorheriger Skepsis gekonnt ab und hallt auch noch etwas nach, als der Vorhang längst wieder zugezogen ist.

Fazit:
Afrob und Samy Deluxe liefern wie schon der Albumtitel verspricht einen Blockbuster, der zwar mit beeindruckenden Effekten auffahren kann, jedoch auf der inhaltlichen Ebene nicht vollends überzeugt. Da es den Regisseuren lediglich gelingt, eine Stimmung gebührend umzusetzen, fehlt der Wiederanschauungswert und die Disc bleibt schon nach wenigen Durchläufen häufig im Regal stehen. Ohnehin ist "Blockbasta" ein Projekt, das die volle Qualität nur in bestimmter Atmosphäre und mit dem nötigem Equipment entfaltet; möglichst mit einem Dolby Surround System als Unterstützung zum Eisen Stemmen oder beim Autofahren. Für den ruhigen DVD-Abend zum Rendezvous eignet sich das Werk, wie Samy Deluxe in "Großes Finale" ausführt, ebenso wenig wie fürs Philosophieren im Ohrensessel mit einem Glas Rotwein in der Hand. "Blockbasta" ist auf Zelluloid gebanntes Dosenbier, zuhause nimmt man es nicht wirklich zu sich, doch vor der Festivalbühne oder wie ich in meinem Kinosessel, geht es runter wie Öl. Genre-Fans, die sich an mangelnder Themenvielfalt nicht stören, kann man den neuesten Streich von ASD guten Gewissens ans Herz legen, denn über die Qualität des gemeinen B-Movie ist die Four Music-Produktion schon durch den routinierten Vortrag der Altmeistern einzuordnen.

Lennart Gerhardt



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