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Review: 18 Karat – Geld Gold Gras

veröffentlicht: Sonntag, 15.04.2018, 15:05 Uhr
Autor: Vincentbl3003





01. Immer noch kein Rapper
02. Geld Gold Gras
03. Auf einmal sind alle korrekt
04. Global Player
05. Hustla
06. Intensivtäter
07. Zurück am Anfang
08. Dort wo ich steh
feat. KC Rebell
09. Versace
10. Hundert Prozent
11. Tam die Gangstas feat. Play69
12. Weltmacht
13. Komm ins Cafe 2
feat. Farid Bang
14. Ghetto Prominenz
15. Real Recognize Real
16. Mama ist nicht stolz
17. Verliebt in einen Gangster
18. Hublot


Straßenrap erlebt 2018 eine Renaissance. Olexesh, Animus, PA Sports und Co. haben gezeigt, dass in der mittlerweile riesigen Rapwelt unterschiedlichste Sounds erfolgreich sein können, gute Vorzeichen also für 18 Karat mit seinem zweiten Album. Der wohl prototypischste Straßenrapper, den das Banger Camp zu bieten hat, gibt sich seit Beginn seiner Laufbahn die größte Mühe, kein Klischee auszulassen. 18 Karat kommt von der Straße, ist im Besitz mehrerer Schusswaffen, hat gefährliche Freunde, vertickt Gras, ist mittlerweile reich, mag keine Polizisten, ist seinen Brüdern gegenüber loyal, verachtet Frauen, ist im Untergrund bekannt und hasst Rapper, die nicht real sind. Selbst seinen Fans würde es schwer fallen, in dieser Selbstdarstellung eines Banger Musik Artist irgendwas Außergewöhnliches oder Interessantes zu finden. Und wer einen Blick auf dieses Album wirft, der merkt schnell, dass die Platte mit etwas anderem als Kreativität beim Hörer punkten will: Quantität. Durch satte 18 Tracks darf man sich kämpfen. Und dass diese nicht gerade von Abwechslung geprägt sind, lassen schon die Singleauskopplungen vermuten. Das war jetzt jedoch genug Pessimismus, vielleicht kann er sich ja von Featuregästen wie Bonez MC und KC Rebell zu einem frischeren Sound hinreißen lassen und damit für Abwechslung sorgen. Außerdem stellt sich die Frage: Hat sich 18Karat bei seinem zweiten Album raptechnisch weiterentwickelt?

Ich bin der Typ, der mit Beretta auf dich schießt und dir dein'n Kopf zerschmettert
(18 Karat auf "Immer noch kein Rapper")

Nach dem Hören dieser Platte tue ich uns mal den Gefallen und nenne gleich alle Songs, die nahezu identisch sind, um diese Review unter Romanlänge zu halten und Euch nicht zu langweilen. "Immer noch kein Rapper", "Geld Gold Gras", "Global Player", "Intensivtäter", "Zurück am Anfang", "Hundert Prozent" und "Real Recognize Real" behandeln alle die im Albumtitel versprochenen Themen, darüber hinaus noch das Ghettoleben und natürlich die Bitches. Das war es dann aber auch schon, Innovation sucht man auf dieser Platte, wie auch schon bei seinem Debutalbum, vergeblich. Soundtechnisch bleibt alles bei Klischee-Gangster-Beats, die Farid Bang und Kollegah in Mode brachten, der uns zwar zum Glück von epischen Chören verschont, dafür jedoch durch eine unglaubliche Faulheit auffällt. Das verwundert umso mehr, wenn man einen Blick auf die Produzentenliste wirft. Diese sieben Songs gleichklingenden Beats haben sage und schreibe fünf verschiedene Produzenten erstellt und trotzdem sind die Drums sehr ähnlich platziert und viel zu dominant auf jedem dieser Tracks. Die Samples skizzieren alle die gleiche 0815-düstere Atmosphäre, auf die 18 Karat ebenso phrasengefüllte Texte rappt. Anders als seine Kollegen Farid Bang, KC Rebell und Summer Cem kann 18 Karat auch nicht mit Wortspielen oder bemerkenswerten Reimen überzeugen. Schlecht rappt er natürlich nicht, man merkt ihm Routine und Taktgefühl an, auch am Wissen, welche Wörter er betonen muss, mangelt es nicht. Aber das war's dann auch.

Nun aber zu den Tracks, die aus der Masse herausstechen: "Geld Gold Gras", auf dem Bonez MC vertreten ist, klingt wie ein Kompromiss der beiden Sounds. Heraus kommt ein Beat, den wohl keiner von Beiden gewählt hätte und ein Song, der nicht weiß, was er sein will. Warum man Hookgott Bonez MC auf einem gemeinsamen Track nicht die Hook machen lässt, ist eine Frage, die wohl nur 18 Karat selbst beantworten kann. Beide rappen ihren Part solide, dennoch bleibt der Track hinter den Erwartungen der Kollabo zurück. PA Sports hatte die Kombi mit Bonez vor einem Jahr viel besser hinbekommen, indem er sich auf den seinen Sound eingelassen hat, was 18 Karat wohl auch besser hätte tun sollen. "Hustla" ist eine positive Überraschung, der beste Beat des Albums und als einziger produziert von dem genialen Juh-dee. Das Instrumental geht nach vorne und ist viel voller und wertiger produziert als der Rest des Albums. 18 Karat rappt auch sehr stark on point, ohne jedoch inhaltlich irgendeinen Mehrwert zu liefern.

Der Richter fordert jedes Mal, dass ich mich veränder/
Guck auf deutschen Rap herab und seh nur lauter Blender

(18 Karat auf "Global Player")

Aber vom besten Song des Albums geht es direkt zur nächsten Enttäuschung: Bei einem Lied mit KC Rebell stellt sich die Frage, warum das sonst so um Promo bemühte Banger Musik Camp dieses nicht als Single mit Video vorgeschoben hat. Der Song "Dort wo ich steh" beantwortet diese Frage klar. KC hatte auf seinem Kollabo-Album mit Summer Cem gezeigt, wie musikalisch er mit Autotune klingen kann. Nur hört sich seine bearbeitete Gesangseinlage schrecklich an und der übrige Track ist auch nur solide gerappt. Wenn man jedoch genug Galgenhumor besitzt, ist das eine tolle Überleitung zu dem mit Abstand schlechtesten Track auf diesem Album. Man nehme einen vollkommen belanglosen und eintönigen Beat, eine in Autotune getränkte Frauenstimme, die "Versace" im Refrain vor sich hinstöhnt, und einen Rapper, der Parts mit Marken-Angeberei füllt, bevor er zwei Tracks später predigt, dass dir Geld ja gar nichts bringt, wenn du dann "zwei Meter unter der Erde liegst". Und schon hat man den Song "Versace". "Tam die Gangstas" sticht auch nur heraus, weil Play69 Part und Hook beisteuert, was es qualitativ nicht besser, aber zumindest abwechslungsreicher macht. "Komm ins Cafe 2" ist der logische, wenn auch schwächere Nachfolger von Teil eins, obwohl man das Gefühl hat, dass 18 Karat sich lyrisch etwas mehr Mühe gibt, um mit Farid Bang mithalten zu können, der ihm trotzdem textlich voraus ist. "Ghetto Prominenz" ist nur deshalb leicht überdurchschnittlich, weil der Beat sich durch eine andere Platzierung von Drums hervortut, diese Abwechslung tut dem Track. Dass das eigentlich eine nicht nennenswerte Kleinigkeit ist, zeigt, wie sehr kleine Veränderungen im Sound in dieser Monotonie auffallen. "Mama ist nicht stolz" wirkt für sich genommen wie ein ehrlicher und reflektierter Song, nur geben die bisherigen 15 Songs insgesamt 39 Minuten lang unzählige und sich ständig wiederholende Gründe, warum Mama nicht wirklich stolz sein kann, weshalb die Parts komplett redundant sind und nur die Einsicht lobenswert ist. Diese 180-Grad-Drehung seiner Weltsicht erscheint aber kaum glaubwürdig und der Eindruck nach dem Album ist, dass er ganz zufrieden mit seiner Lebensweise ist."Verliebt in einen Gangster" offenbart ein Frauenbild, das sich exzellent in den bisher beschriebenen Charakter einfügt. Und das ist bei deeperen Tracks etwas, das man durchaus kritisieren muss. Darüber hinaus würde ich gerne das Gesicht seiner Freundin, der der Track gewidmet ist, sehen, wenn ihr Geliebter in diesem Lovesong heroisch erzählt, dass er sie oft betrogen hat und als "echter Gangster" sie ja auch nicht lieben kann. So richtig romantisch wird es nicht. Zu guter Letzt "Hublot", ein Lied, das dir zeigen soll, wie schnell die Zeit und wie scheiße das Leben in seinem Block ist. Hier geht die Glaubwürdigkeit komplett abhanden, da die Platte als Ganzes widersprüchlich zu diesen Aussagen ist. Die Bekanntheit in seinem Ghetto, die tolle Gang, in der er ist, und die Vorteile seines Geldes wurden davor ja in 90% der Zeit ausgeschlachtet.

Das Positive an "Geld Gold Gras" ist, dass man genau das bekommt, was man erwartet. 18 Karat rappt gut und die Beats passen zu dem Inhalt und der Stimme. Darüber hinaus bekommt man, bis auf wenige Ausreißer ins Negative, das, was man sich erwartet hatte, und davon nicht zu wenig. Das Negative ist die unfassbare Ideenlosigkeit in allen Belangen. Beats, Texte und die Flows bedienen alle Strassenrap-Klischees und was in die nachdenklichere Richtung gehen will, bleibt phrasenhaft formuliert. Auch die Features können das Album leider nicht besser machen und so bleibt es selbst hinter meinen niedrigen Erwartungen zurück.


(Vincent Busche)



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