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Xatar – Nr. 415

veröffentlicht: Dienstag, 29.05.2012, 14:09 Uhr

Autor: TonySunshine



01. Intro
02. 415
03. Knast oder Kugel
04. Hazaks
feat. Bero Bass
05. Beifall feat. Schwesta Ewa
06. Skit – Für immer Yok – Aram Kaya
07. Für immer Yok
08. Connekt
feat. Celo & Abdi, Capo & Haftbefehl
09. Ein Dieb kann kein Dieb beklauen
10. Attrappen
feat. Farid Bang & Eko Fresh
11. Interpol.com
12. Wieder erreichbar
feat. SSIO, Kalim & Hanybal
13. Befreundete Feinde
14. Meine Welt
feat. Nate 57
15. Knastreservierung
16. Es ist wie es ist
17. Führe mich auf den graden Weg
18. Wenn ich raus komme
feat. Aram Kaya

Gerade will ich mich an die Kritik zu Xatars Album "Nr. 415" wagen, doch bevor ich überhaupt auf "Play" drücken kann, erscheint aus dem Nichts plötzlich ein kleiner Teufel auf meiner rechten Schulter. Seines Zeichens ist er ein besonders böswilliger Redakteur, der nur darauf aus ist, Verrisse zu schreiben. "Halt, Stopp! Der Typ is' 'n Schwerkrimineller, sitzt wegen Goldraub acht Jahre im Gefängnis, der hat's nicht anders verdient! Hör dir das Album erst gar nicht an und gib 1 Mic!" Ehe ich über diesen Satz nachdenken kann, ploppt ein kleiner Engel, ein außerordentlich gutmütiger, auf meiner linken Schulter auf. "Hör nicht auf ihn, der arme Xatar hat schon genug durchgemacht! Du weißt doch, dass er im Irak gefoltert wurde!" "Oh, mir kommen die Tränen! Der Typ verkauft T-Shirts, auf deren Rückseite die Tatbestände seines Goldraubs aufgelistet sind und auf der Vorderseite allen Ernstes 'Free Xatar' zu lesen ist", entgegnet der Teufel. "Ist doch eine nette Idee! Xatar musste das Album mit einem Diktiergerät im Gefängnis aufnehmen, heimlich unter einer Wolldecke. Wenn das nicht seine bedingungslose Liebe zur Musik zeigt, weiß ich auch nicht weiter", meint der Engel. "Das zeigt lediglich seinen unbedingten Drang zur Volksverdummung, nichts weiter!" Langsam wird es mir zu viel und ich schüttle die beiden Streithähne von meiner Schulter und sage – vorbildlich, wie ich bin: "Ruhe jetzt! Ich werde mir das Album nun ohne Vorurteile anhören und nichts als die Qualität der Musik bewerten." Endlich alleine bin ich nun in der Lage, mir das Album anzuhören ...

"'415' ist mein Name im Knast/"
(Xatar auf "415")

"Wenn Kool Savas rumläuft, klatscht es richtig/"
(Xatar auf "Beifall")

Woher der Hass auf Kool Savas rührt? Wer weiß, wir lassen es einfach so stehen. Dass Xatar sein Knastaufenthalt für seine Lyrics jedenfalls gerade recht kommt, hätte wohl der ein oder andere bereits vermuten können. Wie selbstverständlich wird dieses Thema nicht nur angeschnitten, sondern ausgeschlachtet bis zum Umfallen. Etwa ein Viertel der Songtitel – vom Albumnamen ganz zu schweigen – sprechen Bände. Gut, zahlreiche Poeten aus vergangenen Jahrhunderten ließen dies ebenso in ihre Werke einfließen. Der gewaltige Unterschied zu diesen Genossen besteht nur hierin: Xatars markantestes Stilmittel besteht darin, die deutsche Sprachrichtigkeit nicht nur möglichst gekonnt zu ignorieren, sondern gänzlich auf sie zu spucken. Die für Deutschrap beängstigend niedrige Dichte an wirklich deutschen Begriffen mal vollkommen außen vor gelassen, betont der Bonner Rapper Worte, wie er scheinbar gerade lustig ist. Die Benutzung von Artikeln scheint unser Knasti für völlig überbewertet zu halten. So fordert er auf: "Frag Sargträger" oder "Halt Ball flach". Teile der Hook aus "Hazaks" – was auch immer dies bedeuten mag – klingen folgendermaßen: "Hazaks, Kanacken voll Hass, beten nachts, dass du Unfall machst/ Ja, der Hazak, der Kanacke voll Hass, macht Flasche auf [...]". Auch sehr schön – wenn auch hier mehr die englische Sprache in den Dreck gezogen wird – ist die Tatsache, wie Xatar Michaels Nachnamen "Jackson" ausspricht, nur damit er sich auf Biegen und Brechen und mehr schlecht als recht auf seinen eigenen Künstlernamen reimt. So so, der allseits bekannte "King of Pop" Michael "Tschacksaan" also ("Attrapen"). Doch das war noch längst nicht alles! Man höre und staune, was dem Herrn unmittelbar in den Sinn bezüglich der Beschäftigung nach der fernen Haftentlassung kommt:

"Trotz allem hat Allah mich beschützt/
Ich darf wieder nach Hause, da hab' ich mein Glück/
Doch vorher werden erst Schellen verteilt/
"
(Xatar auf "Wenn ich rauskomm'")

Na also, da scheint aber jemand aus seinen Fehlern mehr als nur gelernt zu haben. Dieses Ausmaß der Einsicht und Besserung ist ja beinahe rührend! Wahnsinn, ich bin hin und weg! Mir selbst fehlen die passenden Worte hierzu, nur allzu gut, dass sie der zungenfertige Alles Oder Nix-Gründer selbst parat hat: "Was wundert das dich, dass du Knast sitzt?" ("Knastreservierung"). Ein weiteres Thema, das – wen wundert's?! – auf "Nr. 415" zu Genüge behandelt wird: Wie katastrophal es sich in einem der sowohl finanziell als auch politisch bestgestelltesten Länder der Welt so leben lässt. Menschenunwürdige Bedingungen hierzulande. Man ist nahezu gezwungen, mit Drogen zu handeln, Gewalt auszuüben, seinen Körper zu verkauf... Apropos, Schwesta Ewa befindet sich auf der Gästeliste und liefert den einzigen Part des Albums ab – vom erneuten Rätselraten, ob Bero Bass wirklich ernst meint, was er da hinter dem Mikrofon veranstaltet, einmal abgesehen –, der irgendwo unterhält:

"Kurrrva, Ewa macht den Beat jetzt frisch/
'Alles Oder Nix' mit der miesesten Bitch/
[...]
Meine Kunden sind Freier, die stundenlang feiern/
Und durch mein' Schrott statt bumsen nur reihern/
"
(Schwesta Ewa auf "Beifall")

Dass ihr nun eine langlebige – oder überhaupt eine – Karriere bevorsteht, wage ich stark zu bezweifeln, für die gnadenlose Vermarktung ihres gesellschaftlich vielleicht nicht ganz so hoch angesehenen Berufs und die knallharte Ehrlichkeit verdient sie hier jedoch einige kleine lobende Worte.
Xatar selbst hingegen bleiben ebensolche von meiner Seite aus leider erspart. Was hätte ein besserer Rapper nur mit diesen Beats angestellt? Erstklassige, entspannte Instrumentals, die sich von derzeitigen Trends deutlich distanzieren und stellenweise an Westcoast-Sounds erinnern, können Xatars fehlende Qualitäten am Mikro... äh, Diktiergerät zwar auch nicht mehr retten, sind aber tadellos produziert. Und nicht, dass ich solche Erfahrungen irgendeinem Rapper wünschen würde, aber welch ergreifende Tracks hätte ein begabterer Lyriker über Xatars schlimme Erlebnisse im Irak schreiben können? Wie "Nr. 415" jedoch letztendlich geworden ist, ist furchteinflößend und wird diesbezüglich nur von der vermutlich angestrebten Zielgruppe übertroffen. Für mein begrenztes Rechtsverständnis ist das Album ein größeres Verbrechen als der Goldraub selbst. "Siehst du, ich hab's dir doch gleich gesagt!", ertönt es plötzlich, als der Teufel wieder erscheint. "Schon gut, schon gut", erwidere ich, "ganz Unrecht hattest du tatsächlich nicht."


(TonySunshine)



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