01. Intro – Volume Up feat. Don Mono 02. Volume Up – Mortis One, Vitamin C 03. Affenkot – Mortis One, Peter Oase, Vitamin C 04. Hip Hop – Mortis One, Vitamin C feat. Rene 05. Ich glaube es geht los – Peter Oase 06. Das Foto – Vitamin C 07. Teufel im Nacken – Mortis One 08. Üble Zeit – Mortis One feat. Melania & Jimmy Spliff 09. Ich weiss – Mortis One, Peter Oase feat. Abroo & Don Mono 10. Geh kaputt – Vitamin C 11. Mädchen – Peter Oase, Mortis One feat. Rasputin 12. Klopp den DJ um – Mortis One feat. DNice & Atze M. 13. Dieser Beat – Mortis One feat. Morlockk Dilemma 14. Jugendstil – Peter Oase 15. Messerschiesserei – Peter Oase, Vitamin C, Mortis One feat. Rawmantik 16. Was ich kann – Mortis One, Vitamin C, Peter Oase feat. Luis & Don Mono 17. Sonntag Nachmittag – Vitamin C 18. Solang du Geld hast – Mortis One 19. Luft – Mortis One, Peter Oase feat. Projekt Gummizelle 20. Young, dirty and wild – Vitamin C feat. Nut Rageous & Frenetikk 21. Niemals erwachsen – Mortis One feat. Zement87 & Drunkdudes
Die drei MCs Mortis One, Vitamin C und Peter Oase setzen zum Schlag an: Mit "Volume Up – Der Sampler" liefert das ungleiche Trio aus Hannover, das sich aus zwei Studenten und einem Hartz4-Empfänger zusammensetzt, der Deutschrapnation ein Untergrundrelease, welches von inhaltlichen Schwerpunkten unterschiedlicher nicht sein könnte. "Volume up, Volume up!" – der Name soll Programm sein. Doch verleitet die Platte ihre Hörerschaft wirklich dazu, den Sound aufzudrehen oder eher dazu, abzuschalten?
Nach einem oldschoolmäßigen Intro mit jeder Menge Scratches und Cuts wird im darauffolgenden Titeltrack sofort klar, wofür die Gruppe steht: "Volume Up", das steht für Party, für verrückte Lines und für Rap, der auch gerne mal mit einem Augenzwinkern auf die HipHop-Kultur verweist. Mit den ersten Songs demonstrieren die drei gekonnt, dass sie durchaus einen gewissen Sinn für Humor und ein Gespür für schlichte, aber dennoch prägnante Hooklines haben. Ihre charmante und teilweise stark unterschiedliche Art zu flowen sorgen hierbei für ein recht hohes Maß an Abwechslung. Dass die Jungs sich und das klischeehafte Bild, welches sich manch einer inzwischen von Rap gemacht haben dürfte, nicht unbedingt allzu ernst nehmen, zeigen sie vor allem mit Tracks wie "Hip Hop", wenn es da etwa heißt:
"Die Bibel ist ein Märchenbuch, weil 2Pac unsre Erde schuf/
JUICE-Redakteur ist ein anerkannter Lehrberuf/
Ich bin ein Opfer der Verkaufslage/
Hab' ein Abo der Wicked und wart' seit Jahren auf die nächste Ausgabe/"
(Mortis One auf "Hip Hop")
Im Anschluss lässt sich Peter dann auch gleich noch einmal in Form eines Solotracks passend zum Thema "HipHop von heute" auf einem etwas chilligeren Instrumental über die Konkurrenz aus ("Ich glaube es geht los"). Doch so verrückt und bissig die drei Hannover MCs auf gemeinsamen Tracks auch sein können – sie demonstrieren mindestens ebenso eindrucksvoll, dass in ihren Texten noch weit mehr als bloße Ironie und Witz stecken. So erzählt Mortis etwa auf seinem sehr emotional gehaltenen Solostück "Teufel im Nacken" vom inneren Kampf und dem Hass auf sich selbst aufgrund zu vieler verbauter Chancen im Leben, während Peter der Zuhörerschaft etwas über die Verrohung unserer Jugend durch falsche Ideale ("Jugendstil") beibringt. Mit "Üble Zeit" wird durch das Erwähnen von familiären Debakeln und gewalttätigen Ehen schließlich nahezu jeder Problembereich, der in der heutigen Zeit, in der Hartz4 die privaten Haushaltslöcher stopft, ein Knackpunkt der Gesellschaft zu sein scheint, abgedeckt. Und dass sich die komplette Welt sowieso nur um Geld dreht und jeder darum bemüht ist, sich so viele Scheine wie möglich in die eigene Tasche zu wirtschaften – wenn es denn sein muss, auch außerhalb des Rahmens der Legalität – sollte natürlich auch klar gemacht werden ("Solang du Geld hast").
Neben der Themenvielfalt sticht auch die Wahl der Features durchweg positiv ins Auge: Sowohl Abroo als auch Rasputin überzeugen durch gekonnte Flows und Parts wie man es von den beiden gewohnt ist, doch auch die weniger bekannten Featuregäste reihen sich wunderbar ins Gesamtbild ein. Besonders herausstechend ist bei all dem wieder einmal Leipzigsfinest Morlockk Dilemma: Auf einem Sampleinstrumental, wie es besser nicht zu ihm passen könnte, rappt er gemeinsam mit Mortis über die Liebe zur Musik und darüber, was sie aus ihm gemacht hat. Die besondere Widmung gilt, wie man aufgrund des Tracktitels bereits erahnen kann, hier natürlich dem Beat, wenn es da etwa heißt:
"Er entspringt aus einer Rille/
Komm mir mit deinem Synthiedrecksplugin, doch er spricht mit staubiger Stimme/
Er betet mich an: Bitte, Dilemma, mach mich komplett/
Zerfick mich mit Liedern über Liebe, Waffen und Sex/"
(Morlockk Dilemma auf "Dieser Beat")
Und auch Liebhaber von Storytelling-Tracks dürften bei diesem Sampler nicht zu kurz kommen: Vor allem Vita hat es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, den Hörer mit kleinen, teilweise recht emotionalen Erzählungen zu unterhalten. Sein Glanzstück dürfte hierbei "Sonntag Nachmittag" sein, welches eine Mafiageschichte der Extraklasse auf textlich sehr hohem Niveau schildert – auch, wenn aufgrund des etwas außergewöhnlicheren Beats noch einige Mängel in Sachen Flow erkennbar werden.
Was das Klangbild letztlich noch abwechslungsreicher gestaltet, sind diverse Audioeffekte wie z.B. Verzerrungen, die einen gewissen Techno-Charme versprühen ("Geh kaputt") oder auch die recht umstrittene Autotunefunktion, die auf der Hook zu "Messerschiesserei" Verwendung findet. Besagter Track ist übrigens eine der absoluten Perlen, die sich auf dem Album wiederfinden: Auf einem düsteren, typischen "Gangsterbeat" beweist das Hannoversche Trio hier, dass es auch auf dem Gebiet des Battleraps äußerst bewandert ist und präsentiert Skills in Form von Reimketten und gekonnten Vergleichen.
"Guck, ich polarisiere/
Als ob ich in politischen Ansichten ein paar Sätze meines Opas zitiere/
Bin groß wie ein Riese, du ober die Niete/
Du hast nicht mal Kumpels, ich die Soul-Djah-Familie/
Das' sowas wie Liebe oder ne Religion/
Ohne ne Bibel, guck bloß nicht in' Spiegel/
Denn Hoes sind frigide/
Meine wollen pausenlos erotische Spiele, Victorias Secret/"
(Peter Oase auf "Messerschiesserei")
Die Instrumentalisierung des Samplers versprüht in ihrer Schlichtheit ein angenehmes "Undergroundfeeling", wie man es sonst vermehrt auf Alben von Rappern wie Morlockk Dilemma spürt – nichts allzu überdrehtes, keine überlasteten Synthiebeats oder ähnlicher Schnickschnack. Den Löwenanteil der Beats hat hierbei Mortis selbst produziert, jedoch finden sich auch weitere Producer wie Kova, RAC, The Ruxtables oder auch Peter Oase selbst auf der Liste wieder.
Fazit:
Mit "Volume Up" bieten Mortis One, Vitamin C und Peter Oase ein gelungenes und abwechslungsreiches Release mit einem Untergrundcharme der Extraklasse. Unter der Lupe des Perfektionismus sind stellenweise noch wenige Mängel in Sachen Flow vorzufinden und auch textlich passt nicht jede Passage zu 100% – muss es aber auch garnicht. Was die Jungs hier geleistet haben, ist beachtlich und wird bei mir auf jeden Fall noch einige Zeit lang auf meinem MP3-Player laufen.