01. Trailerpark 02. Wir sind was? 03. Medien feat. JAW & Patrick mit Absicht 04. Medley feat. Hookbeats 05. Komm zurück feat. Greckoe 06. Spaßbremse feat. Meister Elch & Johnzen 07. Gossenblues 08. Gib mir die Flasche 09. Genau wie du (Bjet Remix) 10. Pöbeln mit den Atzen feat. Manny Marc & Smoky 11. Trailerpark (Bjet Remix)
Straight aus der Wohnwagensiedlung, dem so genannten Trailerpark, wollen DNP, Pimpulsiv und Sudden der Deutschrapszene zeigen, wo's langgeht: Mit dreckigen Untergrundraps, hochkarätigen Featuregästen und einer Extraportion schwarzem Humor werden hier dutzende verschiedene Drogen eingeworfen, Frauen abgeschleppt und durchgehend Party gemacht. Doch lohnt es sich wirklich, durch das Anhören des Mini-Labelsamplers an diesem expliziten Lifestyle teilzunehmen oder verschwendet man hier nur seine Zeit mit einem Haufen heruntergekommener Hartz4-Empfänger, die nichts anderes zu tun haben, als primitiven Mist zu rappen?
Dass die Crackstreet Boys zumindest keine Kompromisse eingehen und ihr Ziel klar vor Augen haben, wird von der ersten Sekunde an verdeutlicht. Auf ein herkömmliches Intro wird gänzlich verzichtet, vielmehr wird sofort eine eindeutige Ansage gemacht:
"Aus dem Slum an die Börse – Trailerpark/
Das kaufen Junks und Gestörte – Trailerpark/
Auch die Kanzlerin hört es – Trailerpark/
Trailerpark, Trailerpark/"
(Pimpulsiv auf "Trailerpark")
Was durchgehend positiv auffällt, ist die Tatsache, dass die Rapper trotz ihrer komplett verschiedenen Styles fabelhaft miteinander harmonieren. Während die Drogenjunkies von Pimpulsiv quasi dauerhaft high sind, fährt Sudden viel lieber die Gangsterrap-Schiene und lässt die ein odere andere Straßenpunchline springen. Und bei den Herren von DNP ist sowieso jedes Wort mit Vorsicht zu genießen. Von Langeweile keine Spur! Dabei dürfte das Herzstück der Platte der Track "Medien" sein, auf dem sich die zuletzt genannten Künstler gänzlich entfalten. Mit jeder Menge Sarkasmus wird hier erklärt, wie sich die Rapper von den Medien falsch dargestellt fühlen:
"Halten mich für'n Nazi, weil ich auf 'nem Track im letzten Winter/
Auf 'nem Schwarzen rumgetrampelt bin, als wär' ich Derrick Vineyard/
Und weil sie die Ironie in unsren Texten nicht versteh'n/
Heißen wir bei unsren Hatern nur noch NSDNP/"
(DNP auf "Medien" feat. JAW & Patrick mit Absicht)
Auch PMA gibt auf diesem Titel eine glänzende Figur ab – sauberste Doubletimepassagen und überragende Reimketten inklusive. Einzig "Weisse Scheisse"-Kollege JAW enttäuscht hier ein wenig, da sein Text zwar wieder einmal eine superbe Battlerapeinlage beinhaltet, jedoch überhaupt nicht ins Bild zu passen scheint und sein gewähltes Thema das der Medien nur geringfügig streift – schade.
Sudden, der einigen bereits durch sein früheres Signing bei MOKs Label "Ersböserjunge" ein Begriff sein dürfte, liefert mit seinem Solobeitrag eine zwar gute, aber in sich recht widersprüchliche Ansammlung einminütiger Parts in Form seines "Medleys" ab. Denn während er im ersten Moment noch auf seine ganz eigene Art und Weise von der großen Liebe rappt, ist er kaum eine Minute später schon wieder dabei, Frauen "wie Hunde" zu behandeln. Solche in sich unlogischen Verknüpfungen verschiedener Tracks wirken sich definitiv störend auf die Atmosphäre aus und erschweren es dem Hörer nur unnötig, dem Act wenigstens einen Teil seiner Worte abzukaufen. "Komm zurück" ist schließlich ein weiterer, herrlich ironischer Track aus der Perspektive verlassener Proleten, die letztlich doch noch einsehen, dass sie einige Fehler begangen haben:
"Ganz sicher ist, dass ich dich nie betrogen hab'/
Da ich Romantiker bin wie ein Bibliothekar/
Na gut, vielleicht doch ein, zwei Mal – da war ich besoffen/
Und habe nix mehr mitgekriegt und es auch gar nicht genossen/
Und heute sagst du mir, du hättest diese Lügen satt/
Bedank dich lieber Mal bei mir, dass ich dich nie verprügelt hab'/
Und als mir das eine Mal dann doch die Hand ausgerutscht ist/
Tat es mir wirklich Leid, dass du deshalb ins Krankenhaus musstest/"
(DNP auf "Komm zurück" feat. Greckoe)
Die durchgehend überragenden Instrumentals, welche die Herren aus der Wohnwagensiedlung unterstützen, wurden von den verschiedensten Producern zur Verfügung gestellt und klingen auch dementsprechend sehr unterschiedlich. Von harten Gitarrenklängen ("Trailerpark") über Klaviersamples ("Wir sind was?") und Synthiebeats ("Spaßbremse") bis hin zu sanfteren Tönen ("Komm zurück") ist quasi alles dabei – so viel Abwechslung ist lobenswert und findet sich nur selten auf einem einzigen Release. Zuständig für den Klangteppich waren hierbei Bjet, Beatmasta, Skinny Shef, Peet, Hookbeats, Qwerti und Rapo64.
Am Rande bemerkt: "Crackstreet Boys" erscheint in zwei verschiedenen Editionen. Zum einen kann man sich das Werk umsonst und legal in einer abgespeckten Version herunterladen, welche die Tracks eins bis sechs beinhaltet, während die Verkausversion fünf weitere Bonustracks mit sich bringt. Bei diesen handelt es sich allerdings um verflixt gute, jedoch größtenteils bereits bekannte Titel. So gibt es beispielsweise zwei neue Remixe von Bjet zu "Trailerpark" und "Genau wie du" (von Pimpulsiv – "H.U.R.Z.") sowie den schon unlängst releasten Free-Track "Pöbeln mit den Atzen", auf dem sich auch die Atzenmusiker Manny Marc und Smoky tummeln. Auf dem zuletzt genannten Musikstück gilt jedoch weitgehend die Devise "wenig Text, viel Bass". Dafür liefern Pimpulsiv mit ihrem "Gossenblues" noch einmal eine wundervolle Hymne an das auf der Straße allseits beliebte Weed ab, während Sudden sich zum wiederholten Male so richtig die Kante gibt.
Fazit:
Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber mit "Crackstreet Boys" legen die Jungs des frisch gegründeten Trailerpark-Labels einen rundum gelungenen Start hin. Abwechslungsreich, herrlich ironisch, jedoch ab und an sicherlich grenzüberschreitend sind die hier dargebotenen Texte. Dass dieses Release ein leider nur recht kurzweiliges Vergnügen ist, bleibt schließlich der einzige Wermutstropfen – Rapfans mit einem ausgeprägten Sinn für tiefschwarzen Humor können hierbei nichts falsch machen und ein Download bringt auch sonst wohl niemanden um.