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Roger – 4S Punks

veröffentlicht: Dienstag, 24.07.2012, 00:06 Uhr

Autor: johnnydieratte



01. Malen statt Radieren
02. Karaoke
03. Irgendwann
feat. Wasi
04. 4S Punks
05. Gib mir 5
06. Vielleicht
07. Geht's dir gut
08. Schuld sind die Anderen
09. Schlimm schlimm
10. Serienkiller
11. Gespenster
12. Warum


Es ist wieder Sonntag, das bedeutet: Opa im Altersheim besuchen. Ich mag das nicht, Opa sitzt dann immer da und erzählt von besseren Zeiten. Er erzählt von früher und wie er dieses und jenes anders gemacht, vor allem besser gemacht hat als heute. Damals hätte man noch das Rad neu erfunden, hätte man das Feuer geklaut, hätte man Aufbruchswillen besessen, man war kritisch, nicht so wie heute. Heute gibt es ja nur Waschlappen, die vor der Demo nach der passenden Sonnenbrille suchen, wenn überhaupt hingegangen wird. Damals war das Flyerdesign egal, da kam es noch auf den Inhalt an. Und hätte er noch eine Hüfte, dann aber, dann würde er noch genauso am neu erfundenen Rad drehen, aber hallo, Gummistiefel aus Holz und so, kennt man.
Mein Opa ist Gott sei Dank nicht wie Roger. Roger ist ganz anders. Roger ist zwar auch schon ein Rapopa, ja ... so könnte man das nennen, jedoch möchte ich ihn lieber einen Grand-Seigneur nennen, das ist eine Frage des Respekts. Schließlich ist der Münchner mit der Band Blumentopf mittlerweile 20 Jahre aktiv im Rapspiel unterwegs und ganz eindeutig auf diesem Film hängen geblieben. Bald kommt Album Nummer 7 vom Topf und jetzt eben releaste Roger sein zweites Soloalbum via Wortsport. Und Wortsport aus purer Realness und nicht etwa, weil er kein größeres Label gefunden hätte. Solo bedeutet für den vormals Specht gerufenen Rapper nämlich wirklich solo und deshalb sind Beats, Raps und Artwork komplett von ihm, im heimischen Kleiderschrank aufgenommen. Und was beim ersten Soloalbum noch mit dem Titel "Alles Roger" platt getrampelt wurde, gewinnt mit der neuen Scheibe "4S Punks" erst richtig an Fahrt.
Ich muss an dieser Stelle zwei Dinge klarstellen, damit man als Leser meine Bewertung in den richtigen Hals bekommt: Ja, es stimmt, der Topf hat mich Hiphop-sozialisiert, ich bin halt ein Münchner Kind der 90er. Aber "Alles Roger" fand ich trotzdem richtig mies und deshalb hat es lange gedauert bis ich mir "4S Punks" angehört habe und dann erst feststellen durfte, dass damit gar keine "Force Punks" gemeint sind. Jetzt läuft das Album zum circa neunten Mal durch.

"Wir kenn' die Wahrheit nur vom Hörensagen/
Doch unter der Dusche sing' wir wilde Lieder von der Revolution/
Aber nicht mehr so laut, wegen den Leuten, die neben uns wohn'/
"
(Roger auf "4S Punks")

Der Pressetext schreibt vom Langspieler, dass es kein richtiges Konzept gab. Das ist falsch. Roger selbst ist das Konzept, er trägt es in sich, seine Erfahrung, seine Weltsicht, sein Gefühl spannt den roten Faden durch die 12 Anspielstationen. Auf knarzend gesampelten Beats, soulig jazzig verraucht, die Drums ein wenig staubig aber komplex, betrachtet Roger die Welt, in der wir leben. Das Schöne dabei ist, dass er eigentlich nur den Spiegel vor eine Gesellschaft hält, die ihn geprägt hat, ganz Kästner-like. Er schließt sich dabei selbst nicht aus, spricht immer vom "wir", hackt also nicht auf anderen Lebensentwürfen herum oder verliert sich in einem Stuckrad-Barreschen Identitätsfaschismus. Er porträtiert eine Gesellschaft der Zwanzig- bis Vierzigjährigen und übertreibt nicht übermäßig, nur pointiert nennt er uns "krasse Draufgänger mit Bügelschloss und Fahrradhelm" oder "Peter Pans mit Rentenplan" oder "ausgeflippte Bausparer". Punks mit iPhone 4S eben, "4S Punks".
Er deckt Widersprüchlichkeiten auf, mehr auch nicht. "Schuld sind die Anderen" fragt, warum wir den Fehler immer im Gegenüber suchen, nicht bei uns selbst. "Schlimm schlimm" ist ein Agglomerat an miesem Zeug, das wir im Zuge von diversen Trends und Styledekaden erleben mussten, von Föhnfrisuren und Heidi Klum bis Truckercap und Sommerhits. Also eigentlich nur rückblickend wirklich furchtbar, ähnlich einem Klassenfoto aus der Sechsten.

"Es ist so leicht, sich sein Leben schwer zu machen/
Es ist so leicht, nicht richtig reinzupassen/
Es ist so leicht, den Rest der Welt zu hassen/
Es ist so leicht, zu denken alles wär' auf einmal Schwachsinn/
"
(Roger auf "Warum")

Und statt mit dem Finger auf den Schuldigen zu deuten, sucht Roger lieber nach den Ursprüngen dieser arg menschlichen Angewohnheiten. Man fragt sich zeitweise, ob dieser Neunmalklug von Rapper eigentlich auch Antworten hat. "Gib mir 5" sucht nostalgisch nach der Liebe von damals, aber hoffnungsvoll nostalgisch, nicht traurig wie Casper. Irgendwann sucht Roger nach einer passenden Beschäftigung für seinen Lebensentwurf, "Vielleicht" metaphert in unterhaltsamer Wortspielmanier umher: "Vielleicht bewerb' ich mich bei Google, suche 'ne Stelle bei Yahoo/ vielleicht begreif' ich dann, wonach die Menschheit in Wirklichkeit sucht". Und schließlich sucht der Solo-Topf in "Geht's dir gut" nach keinem Mädchen, sondern etwas Abstraktem zwischen Zufriedenheit und Unschuld, nur flüchtig in Kinderaugen zu entdecken.
Jetzt könnte Roger doch dieser Opa sein, der im Perfektum lebt, im Sinne von: In unserer Vergangenheit waren wir die Zukunft. Keine konstruktiven Verbesserungsvorschläge, keine Lösungen, nur Genörgel und Gemoser über die Jugend von heute. Aber wenn man wieder von der 12 auf die 1 skippt, dann ist da plötzlich auch die Antwort:

"Ich such' nach Bildern in den Wolken, nach Schätzen in Rillen/
Nach den Kernen unter Hüllen, Textblättern, die ich nicht zerknüll'/
Nach Kunst im Müll und andersrum/
Nach der Wahrheit auf dem Grund von 'ner Flasche Rum/
"
(Roger auf "Malen statt Radieren")

Roger spricht von den Widersprüchlichkeiten in uns allen, ihn selbst eingeschlossen, und bietet als Lösung "Malen statt Radieren" an. Also seine persönlichen Schätze suchen und finden, nicht die Fehler der Anderen finden und ausmerzen. Punkt. Das war's schon. Und das erzählt uns der Münchner Rapper in vermaledeit guten 40 Minuten, pumpender als sonst geflowt, emotionaler, aufgebrachter, als hätte er Land entdeckt. Klar, ohne Doubletimes und irren Vergleichen oder solchem Schnickschnack. Dazu ist Roger immer noch viel zu, pardon, Rapopa, macht eben "echten Rap", also Samplebeats ohne Flowakrobatik, aber real. Genau deshalb begeistert das Album wohl vor allem Hörer, die diese Sorte Rap feiern. Man darf eben kein Reimgewitter erwarten, kein Flowfeuerwerk oder Features, die über Wasi hinausgehen. Und man kann auch getrost über "Serienkiller" und "Gespenster" hinwegskippen, ich vermute dahinter Überbleibsel von "Alles Roger".

Ansonsten empfinde ich "4S Punks" als sehr gelungen. Das Album ist authentisch, emotional und ehrlich, nicht verbittert oder seiner Zeit zurück. Es stimmt optimistisch und pessimistisch zugleich, denn nach dem "Ja Mann, so ist es" und dem darauffolgenden "Scheiße, so ist es" kommt kein "Und was jetzt machen außer eingraben?" sondern die Lösung in unserer Hand. Nicht die Welt ist ungerecht, sondern wir denken sie uns ungerecht. Wenn wir uns nicht ärgern lassen, dann ist auch alles gut. So ein kleines bisschen zumindest. Klar, jeder halbwegs reflektierte Mensch ist da schon drauf gekommen und Roger erfindet das Rad nicht neu, aber er macht Rap daraus. Mann, wenn mein Opa auch mal solche Sachen zu mir sagen würde. Dann würde ich jetzt auch aufhören zu schreiben und endlich ins Altersheim gehen und sagen: "Opa, die Welt ist nur so schlecht wie du denkst!"


(johnnydieratte)



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