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PA Sports – Vom Glück zurück

veröffentlicht: Sonntag, 27.05.2012, 13:06 Uhr

Autor: Redaktion



01. Intro
02. Narben der Zeit
03. Volles Magazin
04. Harami Crimesound
feat. Hamad 45
05. Eine Chance feat. Moe Phoenix
06. Sie ist eine Hure feat. KC Rebell & Moe Phoenix
07. PAsozial 2
08. Wahre Liebe 2012
09. Ich such dich
10. Kurzer Prozess
11. Alles Filme
feat. Alpa Gun
12. Ich muss gehen
13. Kickdown
14. Schick mir ein Zeichen
feat. Moe Phoenix
15. Ich wollte nie sein wie ihr
16. Arazel Business
feat. Nazar
17. Nur ein Tag feat. Vega
18. Happy End

Bonus-Tracks:
19. Plastik
20. Eiskalt


___________________________________________________________

Review von beatlejuhz:

Das Ruhrgebiet bietet Raum für über fünf Millionen Einwohner und ist demnach der größte Ballungsraum Deutschlands. Namensgebend hierbei war die Ruhr, die am südlichen Rand der Region fließt. Viel Schweiß und Blut ist hier geflossen; etliche Arbeiter setzten ihre Gesundheit aufs Spiel, um zu überleben und ihren Familien ein Dach über dem Kopf zu bieten. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Rapper aus dem Ruhrpott – Fard, Snaga & Pilath, Ercandize und Manuellsen oder auch RAG damals – nicht unbedingt für sinnfreien Funrap stehen. Auch PA Sports reiht sich in diese Liste ein. Sein Debütalbum war düster, hart und zeigte die Kluft zwischen dem Leben – geprägt von Kriminalität und dem Drogenhandel – sowie dem Wunsch nach innerem Frieden, einer intakten Familie und einem sorgenfreien Leben auf. Knapp ein Jahr ist seitdem vergangen und PA ist nun "Vom Glück zurück". Was hat sich verändert?

Inhaltlich und musikalisch ähnelt das Werk seinem Vorgänger "Streben nach Glück". Die Beats sind überwiegend finster und schwermütig; harte und simpel gestaltete Drumsets ohne besondere Spielereien dominieren, die sich harmonisch PAs Inhalten anpassen. So beginnt das Intro mit melancholischen Synthieklängen und einer in Moll gehaltenen, schlichten Klaviermelodie, die den tiefsinnigen Worten des Künstlers Ausdruck verleiht:

"Jede Rettung kam zu spät/
Schau in meine Augen und du wirst es schnell erkenn', dieses Lächeln hier ist fake/
[...] Wir dachten, Erfolg bringt Licht und Glück/
Aber in Wahrheit macht es dich verrückt und du kannst nicht zurück/
Nicht mal ein' Schritt aus der Scheinwelt/
Bruder, hier interessiert nur Fame und dein Scheißgeld/
"
(PA Sports auf "Intro")

PA schreibt sich seinen Frust von der Seele und wirkt dabei fast schon depressiv, einsam. Man merkt, dass er vieles bereut und sich ändern möchte, was ihn verletzbar und zugleich sympathisch erscheinen lässt. Er ist im Vergleich zu seinem Debüt menschlich gereift und zeigt sich nachdenklich. Auch "Narben der Zeit" und "Nur ein Tag" (feat. Vega) beschäftigen sich mit seiner Vergangenheit und der Suche nach Harmonie. Dazu gehört auch eine Frau an seiner Seite, was er in den Tracks "Ich such dich" und "Wahre Liebe 2012" zum Ausdruck bringt. Doch selbst hier ist die Verbitterung und der Missmut Parham Vakilis jederzeit zu spüren. Er hat es in seinem Leben oft nicht einfach gehabt und seine Musik ist das Ventil nach außen. Dass er ein HipHop-Head der ersten Stunde ist, erwähnt er ja in diversen Interviews, aber dass er sogar eine Hommage an Curse ("Wahre Liebe 2012") mit angelehnter Hook auf das Album packt, spricht für sich. Damit grenzt er sich ganz bewusst von der im Deutschrap üblichen Standardaussage "Ich war nie ein Rapper!" à la Bushido & Co. ab. Auch "Sie ist eine Hure" (feat. Moe Phoenix & KC Rebell) geht inhaltlich in die gleiche Richtung.

"Erzähl mir nicht, du hättest es mit mir gut gemeint/
Du hast mir gezeigt, dass eine Hure eine Hure bleibt/
Wenn ich dran denke, bleibt's mir stecken in meinem Hals/
Deine Augen voller Lügen und dein Lächeln, es ist falsch/
"
(PA Sports auf "Sie ist eine Hure")

Dass er sowohl auf künstlerischer als auch auf menschlicher Ebene gereift ist, verdeutlicht der Track "Eine Chance" (feat. Moe Phoenix). Hier spricht er in einem Dialog mit einem imaginären jugendlichen Gesprächspartner und erklärt ihm, dass man im Leben nur eine einzige Chance hat und diese nutzen sollte. Man müsse kämpfen, nur so erlangt man Glück im Leben, allerdings ist der kriminelle Weg eben der falsche. Und dass das nicht einfach irgendwelche leeren Phrasen sind, veranschaulicht der Song "Ich muss gehen", auf dem PA seinen tatsächlichen Umzug von Essen nach Hannover und die Abkehr von seinem kriminellen Umfeld behandelt. Technisch ist das alles auf höchstem Niveau gerappt; die Reime sind sowohl mehrsilbig als auch oft in verschachtelten Varianten vorhanden. Der Hannoveraner schafft es, Sinn und Aussage mit raptechnischen Raffinessen zu verbinden, ohne dabei auf platte Attitüden und leere Floskeln zurückzugreifen.

Doch auch eine weitere Sache passt zu PA wie die Faust aufs Auge, nämlich seine innere Diskrepanz zwischen dem Streben nach einem anderen Leben und seinem reellen Alltag. So beschäftigt sich die eine Hälfte des Albums mit der Suche nach der richtigen Frau und dem Wunsch nach einem sauberen Leben, auf der anderen Seite gehört allerdings auch Sex mit möglichst vielen Frauen oder der nach wie vor kleinkriminelle Lebensalltag zu seinem Dasein, siehe "Kickdown". Während er auf der einen Seite nicht müde wird zu erklären, dass Musik sein Leben ist, erscheinen Sätze wie "Für mich ist Rap nur ein Mittel zum Zweck", um Frauen flachzulegen, auf der anderen Seite stark widersprüchlich. Auch Battletracks wie beispielsweise "Arazel Business" (feat. Nazar) verdeutlichen PAs innere Zerrissenheit:

"Dieser Vollblutiraner ist ein echter Prolet/
Deine Schwester – sie bläst backstage beim Comet/
Mach den Mund zu, du Parasit/
Hier kommt der Ruhrpotter, der nur das Para sieht/
"
(PA Sports auf "Arazel Business")

Generell haut der "Ghettophilosoph" gerne auf die Kacke und flext wütend auf aggressiven Beats. So sind "Volles Magazin", "Harami Crimesound" (feat. Hamad 45) sowie "Kurzer Prozess" bitterböse Produkte seiner dichterischen Kampfeslust. Lyrisch bewaffnet bis an die Zähne und voller Ausdrücke geht er seinen Gegnern an die Kehle, allerdings lässt er hierbei etwas an Lässigkeit zu wünschen übrig. Er wirkt zu verbittert, es fehlt ein Quäntchen Humor. Dieses Aneinanderreihen von Schimpfwörtern und Beleidigungen mag in vielen Situationen genau das Richtige sein, im normalen Alltag wird es aber schnell monoton. Daran ändern auch die überaus musikalischen Beats, die durchweg auf Topniveau und eingängig produziert sind, nichts.

Fazit:
Schwarz und weiß. Yin und Yang. Gegensätze ziehen sich an. Auch PA Sports' Album "Vom Glück zurück" ist inhaltlich zweigeteilt, dennoch vereinen alle Tracks seine innere Wut und die druckvoll gereimten Lyrics. Technisch durchaus anspruchsvoll rappt der gebürtige Essener sich seinen Frust von der Seele und überzeugt hierbei auf ganzer Linie. Das Endprodukt wirkt nicht nur aufgrund der tadellosen und gleichzeitig stimmigen und gut gewählten Beats äußerst ansprechend. Auch die Art, wie PA Dinge hinterfragt oder Themen angeht, ist interessant und fesselt – man muss sich nur die Zeit nehmen und in seine innere Gefühlswelt hineintauchen. Das Highlight ist definitiv der aussagekräftige, ehrliche und reflektierende Teil, nicht der battlelastige. Wie auch schon beim Vorgänger fehlt mir etwas der Humor; zu verbissen und zäh wirkt der Künstler an mancher Stelle, was allerdings durchaus dem Zeitgeist entspricht. So gesehen ist das Album ein Spiegel der Gesellschaft und Straßenrap vom Feinsten. PA Sports hat vielleicht nicht sein persönliches Glück gefunden, seinen musikalischen Weg geht er dennoch. Und das in einem Panzer, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich feier's.

Redakteur-Bewertung der CD:

___________________________________________________________


Review von TonySunshine:

Geschmack hin oder her – hierzulande gibt es eine kleine Liste an Rappern, denen man einfach Respekt zollen sollte, sei es für ihren Stellenwert innerhalb der Szene oder ihre Musik. An keinen anderen als Kool Savas werden an dieser Stelle wohl mehr Leser denken müssen. Seine erstklassige Raptechnik und der allanwesende Einfluss auf andere Künstler sind nur zwei Gründe hierfür. Selbst als bekennender, strikter Nichtfan würde auch ich Samy Deluxe in diese Reihe aufnehmen. Weitere Beispiele wären Olli Banjo und Azad – aber nun sei vorerst genug der Arschkriecherei, ich möchte nur noch einen Einzigen erwähnen; gerade aufgrund seiner grandiosen Lyrics, die oftmals kaum anders bezeichnet werden können denn als fabelhafte Poesie. Den gekonnten Umgang mit Worten versteht wohl kein anderer in dieser Szene so gut wie er. Die Rede ist von niemand Geringerem als Curse. Und auch wenn dieser von seinen Genrekollegen bereits einiges einstecken musste, an Respektlosigkeit überboten wird das alles erst jetzt. Und zwar, indem ein Rapper, dessen Tracks zu einem beachtlichen Teil in etwa folgenderweise klingen, einen von Curse' Songs zu covern versucht:

"Deutscher Rap ist ein Film, Bruder, Lak, alles Spielzeug/
Jeder [sic] zweite Opfer macht mir heute ein' auf Streetboy/
"
(PA Sports auf "Alles Filme")

Die darauf anschließenden zwei Zeilen wären genauso zitiert worden, hätte ich nicht enorme Verständnisprobleme bei Ausdrücken, aus welchem Teil der Erde sie auch immer stammen mögen. Selten hatte Deutschrap so wenig mit Deutsch zu tun. Künstlerisch nahm man sich den Satz "Scheiß auf Integration!", der vonseiten des Featuregasts Nazar fällt, scheinbar reichlich zu Herzen. Es ist noch kein vollkommen schwerwiegendes Problem, wenn der Beat von "Volles Magazin" klingt wie direkt aus der heruntergekommensten Dönerbude. Aber wenn darauf gerappt wird, als wäre Buddy Ogün höchstpersönlich sowohl als Ghostwriter als auch als Vocalcoach verpflichtet worden, dann hilft keine einzige ordentliche Reimkette und keine annehmbare Raptechnik der Welt mehr. Selbst auf der Rütli-Schule wurde zu Hochzeiten über meine Mutter wohl niveauvoller und sprachlich gewandter herzogen als auf PA Sports' Battletracks. Die Herkunft aus einer Akademikerfamilie hätte ich nach bloßem Hören des Albums jedenfalls als schlechten Scherz abgetan.

"Isch nehme dich mit zu mir, zeige disch meiner Mum/
Mit dir an meiner Seite bin ich stark/
Ischwöre dir auf alles, isch werf' hunderte Frauen weg nur für unser Glück/
Weil isch Rapper bin, macht dich das Drumherum verrückt/
"
(PA Sports auf "Ich such dich")

Ein fast noch größeres Übel als die Battletracks sind dann jedoch diese, die vermutlich tiefgründig sein wollten. Leider besitzt jeder Poesiebucheintrag eines Grundschülers mehr Substanz als diese Songs. Wüsste man es nicht besser (und wären gewisse Vokabeln nicht vorhanden), hätten ebendiese astrein aus der Feder Dieter Bohlens stammen können. Mit dem Unterschied, dass dessen lyrische Ergüsse reinste Berechnung für die schnellstmögliche Geldmache sind, was – wenn überhaupt – wesentlich weniger verwerflich ist, als diese ernst zu meinen oder gar sein Herzblut hineingesteckt zu haben. Die restlichen Lieder etwa dieser Machart sind nicht besser: Es wird mal wieder Blut geweint ("Sie ist eine Hure"), dem "Bruda" zum x-ten Mal "Kopf hoch" gesagt und auch im Curse-Cover "Wahre Liebe 2012" der Wortschatz nicht um "Ischwör" und Co. gekürzt ... und so weiter und so fort. Trauer.
Auch die Gastbeiträge können leider wenig bis nichts retten. Moe Phoenix lieferte definitiv bereits bessere Hooks ab als hier, Nazar konnte ich noch nie etwas abgewinnen und Hamad und KC Rebell unterbieten den Gastgeber sogar noch. Alpa Guns Part ist durchaus in Ordnung und Vegas Part unterscheidet sich für mein Verständnis in Sachen Text, Flow und Betonung so gut wie überhaupt nicht von dem allergrößten Teil seiner kompletten Diskografie. Schade, dass er hiermit trotzdessen mit Alpa Gun den besten Part des kompletten Albums abliefert. Aber wen wundert's bei Darbietungen wie diesen?!

"Und ich schieß' auf dein Team ohne Grund/
Hier bei uns beißt du mies auf Granit wie ein Hund/
Also pump! Das ist Südlibanon und Iran/
Das ist Mucke für die Gang, mit der ich häng und bang, wenn es brennt/
"
(PA Sports auf "Harami Crimesound")

Fazit:
Es ist fast beängstigend, wie gewollt, aber keineswegs gekonnt die Songs auf dem Album ausfallen. Textlich gesehen, entsteht das Gefühl, als ob aus dem sagenumwobenen Baukasten aus Standardphrasen gegriffen wurde. Einmal aus der "Tiefgründig für Arme"-, das andere Mal aus der "Rap für den Bazar"-Edition ("Arazel Business"). Selten fiel es mir nicht nur schwer, sondern war es mir fast unmöglich, irgendetwas Positives an einem Album zu finden. Von der einen halben Sekunde Hoffnung, ein Azad-Feature – das sich dann als Voicesample entpuppte – zu hören zu bekommen, mal abgesehen ("Kurzer Prozess"). Was die Beats als auch die Raptechnik betrifft, bekommt man zwar vielleicht nichts Schlechtes auf die Ohren, überzeugt oder überrascht wird man aber während der kompletten Spieldauer in keinster Weise. Es bleibt zu hoffen, dass Curse Anspielstation acht verkraften wird oder am besten erst gar nicht zu hören bekommt. Lak, ischwör.



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