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PA Sports

veröffentlicht: Freitag, 04.05.2012, 22:33 Uhr

Autor: lupa



So lange, wie dieser Name schon durch die Szene kursiert, ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie jung er noch ist. Der 21-jährige PA Sports ist seit neun Jahren in der deutschen Rapszene aktiv. Erst letztes Jahr kam es jedoch zu seinem Debütalbum "Streben nach Glück". Nun, ein Jahr später, meldet er sich auf seiner zweiten Platte "Vom Glück zurück" und veröffentlicht diese über das von ihm und KC Rebell eröffnete Label Life is Pain. Im Interview sprachen wir mit dem Essener unter anderem über seine persönliche Entwicklung, die Bedeutung des Labelnamens und die Hypes um neue Künstler. Und dann gab es da ja noch die Geschichte mit Labelkollege KC Rebell und Money Boy ...

rappers.in: Du hast zusammen mit deinem SAW-Crewkollegen KC Rebell vor Kurzem ein eigenes Label namens Life is Pain eröffnet. Was muss man denn in seinem Leben alles durchgemacht haben, um unter dem Motto "Life is Pain" rappen zu wollen?

PA Sports: Wenn man meine Musik hört, merkt man schnell, dass ich sehr tiefgründige Sachen mache und dabei vieles, was ich erlebt hab', verarbeite. In den letzten drei, vier Jahren habe ich das zum Hauptziel meiner Musik gemacht. Mir war's einfach wichtig, jemand zu werden, bei dem die Leute wissen: Seine Musik geht mehr in diese als in die andere Richtung. Bei dem Titel "Life is Pain" kann man sich auch direkt vorstellen, in welche Richtung das Ganze geht. Der Begriff kommt von Kianush, das ist ein sehr guter Freund von mir, der momentan leider noch inhaftiert ist. Er wird auch der erste Künstler sein, den wir signen werden. Er wollte dieses Ding mit mir aufbauen, und so haben wir beschlossen, "Life is Pain" als Labelnamen zu benutzen.

rappers.in: Wir haben euren Labelnamen jetzt mal so interpretiert, dass es aus eurer Sicht das Schicksal eines jeden Lebens ist, dass es aus Schmerzen besteht, die wir ertragen müssen. Der libanesische Philosoph Khalil Gibran hat aber mal gesagt: "Vieles von eurem Schmerz ist selbst gewählt." Wie siehst du das?

PA Sports: Ich kann dem auf jeden Fall insofern zustimmen, dass der Mensch in seiner Psyche manchmal so reagiert, dass er sich Probleme sucht. Aber auch der Titel "Life is Pain" spricht dafür – egal, wie viele Krisen und Probleme man im Leben hat und wie oft man probiert, da rauszukommen, es gibt einfach keine Ruhe. Es gibt immer wieder Stresssituationen oder zumindest kleine Kopfficker, die dabei sind und bei denen man kleine Filme schiebt. Ich bin zum Beispiel seit zehn Jahren nicht in den Urlaub gefahren, weil ich mir immer gesagt hab': Ich will dann in den Urlaub fahren, wenn ich alles hinter mir gelassen und alles beendet hab', was ich machen will. Und wenn ich so weitermache, werd' ich halt niemals in den Urlaub fahren, denn es gibt im Leben immer irgendwas, das dich irgendwo behindert. Das hab' ich jetzt gecheckt.

rappers.in: Aber glaubst du, dass man sich diese Probleme teilweise selbst aussucht und macht? Oder hat sie jeder automatisch?

PA Sports: Kommt drauf an, was man für einen Lebensweg einschlägt. Wenn man von vorneherein in einer richtigen Familie aufwächst und ganz normal seinen Schulweg geht, wie es das System vorgibt, stößt man jetzt nicht unbedingt zwangsläufig auf irgendwelche Probleme, solange dich kein Schicksalsschlag trifft. Man kann auch ein sehr solides Leben führen. Aber man kann nicht von vorneherein festlegen, wie man sein Leben leben will. Manchmal bewegt sich alles in eine bestimmte Richtung und plötzlich steht man vor einem Berg von Problemen, die man bewältigen muss. Und an dem Punkt ist man dann vielleicht auch noch ein bisschen zu jung.

rappers.in: Glaubst du nicht, dass auch die, die jetzt vielleicht ein solides Leben führen, irgendwelche Probleme haben und diese als die größten ansehen? Ich glaube, dass niemand sagt, er hätte keine Probleme, nur, weil er relativ "normal" aufgewachsen ist ...

PA Sports: Richtig. Aber die Krisen, die ich in meiner Musik verarbeite, sind bei mir ganz alltägliche Dinge. Ich hab' in meinem Leben nichts erlebt, von dem man sagen könnte: Boah, das hat kein Zweiter erlebt! Es gibt Menschen, die ihre Eltern verloren haben, als sie noch jung waren, oder noch Schlimmeres erlebt haben. Jeder Mensch steckt in seiner eigenen Haut und man kann die Dinge nur aus seiner eigenen Sicht sehen, aber ich find', dass man gerade, wenn man eben in eine solide Familie reingeboren wird, viel weniger Probleme hat. Höchstens vielleicht Arbeitsstress, Lernstress oder Liebeskummer. Aber das, was wir in unseren Texten verarbeiten, ist ja schon sehr viel mehr – da muss man wirklich einiges erlebt haben, um solche Sachen auf Papier bringen zu können. Und das macht das Leben.

rappers.in: Das kommt ja auch immer auf das Umfeld an ... Man kann aus einer reichen Familie kommen, aber trotzdem mal Mist bauen.

PA Sports: Richtig. Ich komm' aus keiner reichen, aber aus einer akademischen Familie. Meine Eltern leben seit 20, 30 Jahren in Deutschland und haben hier auch Berufe ausgeführt, aber irgendwann geht's einfach nicht mehr darum, in welchem Bett du einschläfst, sondern in welcher Gegend du dein Leben führst. Wenn du zum Beispiel mittags rausgehst und bis nachts auf der Straße rumhängst. Die Wege können in verschiedene Richtungen gehen, aber wenn man von vorneherein kein schwieriges Kind ist, so wie ich das zum Beispiel war, und mit zehn Jahren schon von der Musik geträumt hat, mit elf, zwölf schon bis 5 Uhr morgens auf irgendwelchen Jams sein wollte, passiert nicht zwangsläufig was Schlimmes.

rappers.in: Inwiefern hat dich das geprägt, dass du aus einer akademischen Familie kommst?

PA Sports: Ich hab' beide Seiten kennengelernt. Mein Bruder ist zum Beispiel sehr gebildet und studiert Medizin. Wenn ich den manchmal besuche und ein paar Stunden mit seinen Freunden dasitze, kann ich mich mit denen unterhalten, ohne dass die denken: Ach du Scheiße, was ist mit deinem Bruder los?! Und wenn ich abends dann da bin, wo ich sonst so rumhäng', würde keinem auffallen, dass ich auch nur zu einem Prozent von irgendwoanders herkomme. Trotzdem heißt das nicht, dass ich nicht froh bin, diesen Weg gewählt zu haben, weil mich einfach viele Dinge geprägt haben, die meine Persönlichkeit ausmachen und auf die ich auch stolz bin. Meine Mentalitätseinstellung und Werte, die man kennenlernt, zum Beispiel.

rappers.in: Du hast ja letztes Jahr dein Debütalbum veröffentlicht, mit diesem "nach Glück gestrebt" und Letzteres scheinbar auch erreicht, denn jetzt kehrst du mit deinem zweiten Album "Vom Glück zurück". Was hat sich für dich persönlich verändert?

PA Sports: Ich hab' gemerkt: dieses Fazit, das ich nach dem Album gezogen hab', dieses unendliche Glück – das ist etwas, was man vielleicht nie finden kann. Auf "Streben nach Glück" verkörper' ich eine Person, die mitten in diesen Problemen drinsteckt. Jemand, der den Durchbruch schaffen will, weil er denkt, dass dieser Ruhm und Erfolg alle Probleme beiseite schafft. Man hebt ab und alles ist cool. Und auf "Vom Glück zurück" bin ich vielleicht noch kein Millionär, aber jemand, der von diesem Bekanntheitsstatus, den das Musikgeschäft so mit sich bringt, sehr viel gekostet, dadurch aber auch viele weitere Probleme erst kennengelernt hat. Auch wenn ich jemand bin, der im Rampenlicht stehen muss und seine Aufmerksamkeit braucht, genieß' ich dennoch die Normalität. Und viel Normalität gibt es nicht mehr, wenn man Rapper ist. Wenn du zum Beispiel Musik für Frauen machst, lernst du viele Frauen kennen und irgendwann kannst du das nicht mehr auseinander halten. Das hab' ich gemerkt. Dass manch alltägliche Probleme, die mich auf "Streben nach Glück" belastet haben, auch gut waren. Ich will dahin zurück, weil da, wo ich jetzt bin, ist alles nur noch Schein.

rappers.in: Hört man deiner Musik diese Veränderung auch an? Auf der ersten Single "Narben der Zeit" rappst du etwa über "Streben nach Glück": "Den Rapshit im Blut, nur der Hass in mir war tief/ also ließ ich alles raus auf der Platte, die ich schrieb." Ist das auf dem neuen Album anders?

PA Sports: Auf der ersten Platte war ich mehr so der jammernde Junge, der sich einfach aufgeregt hat und nicht verstehen konnte, warum es ihn trifft. Und auf dem neuen Album bin ich der, der das schon verarbeiten konnte – man merkt auf jeden Fall, dass ich über die Zeit erwachsener geworden bin und Dinge jetzt anders betrachte. Das kommt auf dem Album sehr deutlich rüber.



rappers.in: Hast du Angst, dass die Hörer da vielleicht ein bisschen skeptisch reagieren könnten? Wenn man sich weiterentwickelt, kommen ja immer wieder Vorwürfe von wegen: "Was machst du da?"

PA Sports: Ich bin meiner Linie insgesamt sehr treu geblieben. Ich weiß, dass meine Fans mich für meine sehr tiefen Songs schätzen, und es gibt kein Deutschrapalbum, das tiefer geworden ist als das hier. Das heißt nicht, dass alle anderen Alben wack sind, aber es gibt keines, das von den persönlichen Inhalten so tief geht wie meine Platte. Da sind wirklich Songs drauf, wo die Leute mir gesagt haben: "Das kannst du nicht machen!" Aber mir ist das scheißegal. Dafür feiern mich die Leute. Ich hab' auf den letzten beiden Alben jetzt schon sehr viele Kopfschmerzen verarbeitet und fühl' mich so, dass ich auf jeden Fall Bock hätte, wieder mehr auf die Kacke zu hauen, wenn ich jetzt morgen mit meinem dritten Album anfangen würde. Vielleicht mal ein Album zu machen, auf dem ich zehn Songs lang austeile, bisschen Technik zeige und nur sechs Songs mache, auf denen ich irgendwelche Krisen verarbeite. Und da ist dann halt die Frage: Würden meine Fans, die mich so krass feiern, weil ich meine Probleme verarbeite, das auch noch feiern? Am Ende des Tages mach' ich das, worauf ich Bock hab', aber das ist auf jeden Fall 'ne Frage, die mich beschäftigt.

rappers.in: Dein Kollege KC Rebell hat vor einiger Zeit Money Boy reingelegt, ihm ein Feature versprochen und anschließend einen Part geschrieben, auf dem er ihn disst. Dafür gab's überraschend viel Kritik, vor allem im Internet. Was hast du davon mitbekommen?

PA Sports: Am Anfang, als das rausgekommen ist, hab' ich ihn gefragt: "Denkst du, das war so schlau?" Aber irgendwie hab' ich danach auch nichts mehr von Money Boy gehört. (Gelächter) Also, meiner Meinung nach hat er ihn schon irgendwie beerdigt und ihm die Luft rausgenommen.

rappers.in: Wie stehst du dazu? Hättest du das auch gemacht?

PA Sports: Ich hätt's nicht gemacht ... Der Typ tut mir auch irgendwie schon leid. Das ist jetzt nichts, bei dem ich KC gesagt hätte, dass es voll scheiße gewesen wäre, weil, ganz im Ernst: Wir sind alle sehr talentierte Typen. Viele Leute in Deutschland stecken Arbeit und Herzblut in diese ganze Sache hinein und dann kommt so ein Typ um die Ecke, der einfach nichts kann. Also, er kann nichts! Er kann auch nicht erzählen, dass er denkt, dass er nichts kann. Kein Mensch dieser Welt kann sagen, dass er was kann, denn jeder, der ihn feiert, feiert ihn nur, weil er diese Verarsche darin sieht. Mich regt das nicht auf, aber ich kann nachvollziehen, wenn's jemanden aufregt. Der hat den Hype nicht verdient – da stecken weder Arbeit noch Talent drin, in dem, was er tut. So könnte ich auch sein, wenn ich mich als Spasti verkaufen wollen würde, aber ich möchte meiner Linie treu bleiben und mit richtiger Musik an den Start kommen. Und dann kommt jemand und zieht alles durch den Kakao, was wir seit Jahren ernst nehmen und machen, kriegt dann zehn Millionen Klicks bei YouTube und wird von Rappern, die ihn eigentlich boykottieren müssten, gefeiert und sie treffen sich mit ihm ... Idioten! Jeder, der sagt, dass er rappen kann, kann nicht rappen!

rappers.in: Du hast gerade das Wort "Hype" erwähnt ... Es gibt gerade ja viele Rapper, die gehypet werden, egal, wie man sie nun bezeichnet. Was hältst du allgemein von diesen oft so genannten "Hipster"-Newcomern, die da gerade an den Start kommen? Gibt's da jemanden, den du besonders beobachtest und der dir gefällt?

PA Sports: Also, vorweg: Ich will da jetzt nicht nachtreten, jemanden beleidigen oder irgendwem keinen Respekt zollen. Von Olson oder Ahzumjot hab' ich bisher noch keine Musik gehört. Das sind Namen, die mir in der letzten Zeit immer wieder unter die Augen gekommen sind, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, mir jetzt was von ihnen anzuhören. Von Cro hab' ich einen Song gehört, das war "Easy". Ich fand den witzig und ich fand die Frau in seinem Video sehr hübsch. Ich fand die Idee cool, find's aber jetzt auch übertrieben, dass einer einen Song bringt und der Hype des Jahres draus wird, weil ich denke, dass ein Hype etwas ist, das man sich ein bisschen aufbauen sollte. Das ist aber nichts, was ich hate. Ich hab' ein bisschen Musik von den ganzen neuen Rappern gehört, zum Beispiel auch von Timeless, und er ist ein sehr starker Rapper. Ich würd' mich auch freuen, wenn sich deutscher Rap in den nächsten zwei Jahren an sich ein bisschen in die Richtung bewegt, dass die Rapper rappen können. Die müssen ja nicht die ganze Zeit auf Flow und Technik rumreiten, aber das routiniert machen können und trotzdem Messages in den Texten rüberbringen. Ohne die ganze Zeit deinen Text an deine Technik anpassen zu müssen, damit du zeigen kannst, dass du ein krasser Rapper bist. In die Richtung muss es gehen! Momentan bist du entweder hart und kredibil, aber kannst nicht rappen, oder du bist ein krasser Rapper, hast aber keine Persönlichkeit, bist kein interessanter Typ und ein Opfer, wenn man dich hinten im Backstage sieht ... Ich finde, es sollten mal wieder ein paar Leute an den Start kommen, die das Ganze vereinen.

rappers.in: Das heißt, es gibt für dich viele Leute, die ungerechtfertigt einen Hype genießen?

PA Sports: Ja. Sehr viele! 80%, die es jemals gab auf dieser Erde. (lacht) Es gibt im Untergrund immer viele Talente, die viel mehr schaffen würden, wenn sie genau solche Möglichkeiten bekommen würden, wie sie diese momentan gefeierten Rapper mit finanziellem Background haben. Damit möchte ich jetzt niemanden dissen, der gerade 'nen Hype hat, aber man merkt auch, dass mit diesen Hypes immer so 'ne große Welle ausbricht. Und davon bin ich immer sehr schnell abgeturnt. Ich kann mich noch genau dran erinnern, als Bushido damals diesen Hype ausgelöst hat, und dann kam 'ne Zeit, in der alle angefangen haben, wie er zu rappen. Kragen hoch, Kette raus – drei Jahre lang waren alle wie er und irgendwann hat man sich abgefuckt. Dann war's egal, welcher Kanacke angefangen hat zu rappen – man hat ihn direkt gehatet, egal, wie er gerappt hat. Und jetzt hat Haftbefehl Straßenrap wieder ein bisschen revolutioniert mit seinem etwas anderen Flow, was ich am Anfang auch richtig cool fand. Aber das Ding ist: Jetzt kommen 180 Rapper aus allen Ecken gekrochen, die genau so rappen. Das ist halt schon wieder so uninteressant geworden und die Konsumenten in Deutschland sind dann aber so blöd, dass sie alle 180 Rapper auch feiern. In dem Moment feiern die einfach nur noch alles, was so ist, alles andere sehen die gar nicht mehr. Und das ist das, was mich aufregt. Es gibt ja auch keine Heads mehr, es gibt nur noch Kids. Und als erwachsener Typ Kids zu überzeugen, ist ziemlich schwer, es sei denn du weißt, welchen Film die wollen und gibst ihnen diesen Film. Aber ich mach' keine Filme. Deswegen gibt's auf meinem Album auch den Song "Alles Filme" mit Alpa Gun.

rappers.in: Glaubst du auch, dass es mehr dieser von dir so genannten "Kids" gibt, weil diese Plattform einfach größer geworden ist? Wenn du mal einige Jahre zurückschaust, haben noch ganz andere Leute Rap gehört und diese ganze HipHop-Sache auch noch viel mehr gelebt.

PA Sports: Ja. Vor fünf, sechs Jahren war es so, dass es weniger Rapper gab, die Hype hatten, aber diese Rapper waren auch richtige Stars und konnten wirklich davon leben. Heute gibt es tausend Rapper in Deutschland, die bekannt sind, aber keine fünf Euro in der Tasche haben. Der Ausdruck "Rapper" oder "Star" ist heutzutage sehr klein geworden. Wenn du heute auf Facebook einem Fan zwei Fragen nicht persönlich beantwortest oder deine Telefonnummer gibst, bist du sofort ein Hurensohn. Früher warst du froh, wenn der Künstler, den du auf der Bühne gesehen hast, dir einen Blick gewürdigt und auf der Stage seine Songs performt hat. So hat sich das Ganze verändert. Ich sehe mich als einen Rapper, der sich in dieser Szene trotzdem durchgesetzt hätte, wenn das ganze Ding wie damals gewesen wäre. Aber es gibt auch viele Rapper, die heute nur bekannt sind, weil so viele an den Start gekommen sind. Viele von denen hätten sich damals gar nicht durchgesetzt, weil sie nicht die Professionalität oder das nötige Know-how gehabt hätten. Deswegen fand ich das früher cooler, denn wenn alles so geblieben wäre, hätte ein Rapper wie ich keine Probleme gehabt, seinen Platz in der Szene zu finden.

rappers.in: Heutzutage kann man sich eben Freebeats runterladen, die Programme besorgen, ein Mikrofon kostet fast nichts ...

PA Sports: Ja, richtig, aber das ist ja cool, dass jeder die Möglichkeit dazu hat. Die Leute sind teilweise sehr kreativ. Nur gibt es hinter jedem, der kreativ ist, immer 40 Stück, die gleich sind und deswegen das ganze Ding so uninteressant machen. Würde es nur einen Haftbefehl, einen Farid Bang, einen Kollegah, einen PA Sports, einen KC Rebell, einen Azad, einen Savas geben und nicht 200, dann wäre doch alles cool! Jeder würde genau das sein, was er wirklich macht. Aber es gibt Haftbefehl und ... noch 70 andere. Es gibt Farid und ... noch 70 andere. Es gibt mittlerweile bestimmt auch 20 andere von mir. Und die alle erringen dann auch einen gewissen Status und das kann auch ein bisschen langweilig sein. Es ist nicht mehr schwer, etwas mit deutschem Rap in Deutschland zu erreichen. Was schwer ist, ist stehen zu bleiben. Und deswegen bin ich auch fest davon überzeugt, dass sich von den ganzen Rappern, die jetzt am Start sind, keine 20% durchsetzen werden. Viele von denen werden so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind.



rappers.in: Kommen wir mal zu deinem Kollegen Kianush, den du vorhin schon angesprochen hast. Der sitzt ja momentan im Gefängnis, aber können wir in Zukunft dennoch Neues von ihm erwarten?

PA Sports: Sobald er rauskommt, werden wir durchdrehen. Das Bemerkenswerte an dem Jungen ist, dass er sehr intelligent ist und seine Haftentlassung schon vorher bekommen könnte, aber er macht seine Ausbildung im Knast und deswegen kommt er erst in 15 Monaten raus. Damit er keine drei Jahre einfach so verschwendet hat. Er könnte vorher rauskommen, aber dann wäre die Ausbildung, die er zwei Jahre lang gemacht hat, für nichts gewesen. Kianush ist jemand, den man, meiner Meinung nach, sehr braucht, weil er genau das ist, was ich die ganze Zeit probiere zu erklären. Er ist ein übertrieben krasser Rapper. Ich hab' auf meinem letzten Album mit vielen Künstlern zusammengearbeitet, aber Kianush war eigentlich der einzige Rapper, mit dem ich im Studio war und von dessen Arbeitsweise ich so beeindruckt war, dass ich mir eine Scheibe davon abgeschnitten hab'. Er ist meiner Meinung nach einer der besten Rapper Deutschlands, und ich bin auch der Meinung, dass er sehr viel reißen, aber diesen krassen Hype nicht haben wird. Ich hab' das Gefühl, dass sich in Deutschland nichts durchsetzt, das Qualität hat und hochwertig ist. Vor drei Jahren kam Manuellsen mit einem Video, das so noch kein Mensch in Deutschland hatte. So eine Hook hatte kein Mensch in Deutschland und so eine Produktion hatte kein Mensch in Deutschland ... Und weil das kein Mensch in Deutschland hatte, war das auch noch zu viel für Deutschland. Deutschland hat diesen Song nicht verstanden. Moe Phoenix – ein überkrasser Sänger – hat jetzt auch noch keine Millionen Klicks auf YouTube. Weil die deutschen Konsumenten es, glaube ich, auch sehr stumpf und simpel mögen. Wenn man eine richtig krasse Produktion hat und ein enormes Engagement dahintersteckt, wissen die gar nichts damit anzufangen. Es setzen sich meiner Meinung nach auch Sachen durch, die sehr simpel und einfach sind. Auch ich bin da ein Beispiel. Ich hab' selten technisch krasse Sachen rausgebracht; dann hab' ich einen Song wie "Dank dir" gemacht, und ... Ey, das ist ein Killersong, aber das war nichts Schwieriges für mich! Ein ganz simpler Song! Zwei Parts, eine gerappte Hook – und dieser Song war in dem Sinne dann der Start meiner Solokarriere. Von der Qualität und der Produktion, die dahinterstecken, gab's, meiner Meinung nach, zehn Songs, die das eher hätten erreichen können. Und das war auch so ein Beweis für mich.

rappers.in: Noch mal zurück zu Kianush: Es gibt im Internet derzeit ja auch kritische Stimmen, die meinen, dass er wie KC Rebell klingt. Was sind, deiner Ansicht nach, die größten Unterschiede zwischen den beiden und wie stehst du dazu?

PA Sports: Das ist genau das, was ich meine! Dass wir heute keine Musik mehr für Heads machen, sondern für Kids. Weil: Würden wir heute noch Musik für Heads machen, würden die sagen, dass diese Jungs eine rauhe Stimmfarbe haben. Wenn Kianush seinen Flow und seine Stimme von KC übernommen haben soll, könnte man KC vorwerfen, dass er seine Stimme von Azad übernommen hätte, und der hat seine Stimme von Tone, der sie von DMX übernommen hat. Das sind halt alles Menschen, die eine rauhe Stimmfarbe haben, und wenn die rappen, wirkt das halt oft ein bisschen kratzig. Aber jeder von denen hat einen eigenen Flow. Das ist halt Unwissenheit – wenn das jemand sagt, weiß ich direkt, dass der von Mucke und Rap in dem Sinne keinen Plan hat. Der hört nur: Ey, rauhe Stimme: KC-Kopie! Es gibt ganz andere Leute, die biten, aber da hör'n die das nicht raus, weil die Stimme anders ist. Die Stimme sagt aber nichts, sondern die Flows.

rappers.in: Wenn du jetzt 'nen Track hörst, hörst du das dann sofort raus, wenn jemand bitet?

PA Sports: Ich hör' auf jeden Fall sofort raus, wenn jemand kreativ ist und was Eigenes macht. Ich weiß in dem Moment, wenn jemand bitet, vielleicht nicht direkt, von wem er das hat, aber es turnt mich dann einfach nicht, weil ich es schon zehn Mal vorher gehört hab'.

rappers.in: Du hast vorher auch Manuellsen angesprochen. Du und KC, ihr wart ja bei seinem früheren Label Pottweiler Entertainment, habt euch dann aber im Streit davon getrennt. Was hast du momentan für ein Verhältnis zu den damaligen Künstlern?

PA Sports: KC und ich sind nach wie vor sehr gute Freunde. Moe Phoenix seh' ich zurzeit sogar öfter als damals, wo wir noch alle bei Pottweiler waren. Joshimixu ist seit Tag 1 mein Hausproduzent und meiner Meinung nach der beste Produzent Deutschlands – und er ist auch immer mit mir gewesen. Mit Juh-Dee hab' ich nichts mehr zu tun, der war aber auch nie wirklich Teil von Pottweiler für mich. Auch Josh hat immer sein Ding gemacht und gehörte für mich mehr zur SAW-Familie, sag' ich mal. Pottweiler waren Kee-Rush, KC, Manu, Moe und ich. Und Kee-Rush macht rapmäßig nichts mehr, er macht andere Sachen. Man sieht sich hin und wieder und telefoniert mal, aber der Kontakt ist nicht mehr so wie damals. Und mit Manu gab's halt damals eine längere Geschichte, die Deutschland auch bekannt sein dürfte, aber ich bin mittlerweile an dem Punkt angekommen, an dem ich kein Benzin mehr ins Feuer gießen möchte, weil wir auch eine sehr enge Freundschaft miteinander hatten. Das war nicht so wie bei anderen Rapgangs in Deutschland, dass es alles mehr businesslike war. Wir waren wirklich eine Familie, und es gab auch Zeiten, da hatten wir monatelang mehr privat als musikalisch miteinander zu tun. Wir haben alles miteinander gemacht und geteilt und umso größer war dann halt der Bruch. Wenn ein Bruch so krass ist, ist es natürlich auch viel schwieriger, zurückzugehen. Wenn du mit 'nem Rapper beefst, siehst du den vielleicht irgendwann mal auf 'ner Party, bist besoffen, gibst ihm die Hand und alles ist gegessen. Aber zwischen uns war eine größere Mauer – er hat sehr viele Fehler gemacht, das sag' ich nach wie vor. Und wenn ich einen Fehler gemacht hab', dann ist das der, dass ich sehr extrem reagiert hab' an einem Punkt, aber trotzdem seh' ich nach wie vor nur Hass, Neid und einen Typen, der mich gerne ficken würde, wenn er könnte. Wenn ich etwas anderes gesehen hätte, wär' ich auch schon längst wieder zu ihm gegangen. Vielleicht würden wir dann morgen kein Album miteinander machen, aber mal wieder was unternehmen. Doch wenn ein Mensch auf diesem Musikfilm sehr verbohrt ist, muss ich das auch lassen und sagen: Mit diesem Typen wirst du nicht mehr zurechtkommen! Trotzdem wünsch' ich ihm viel Erfolg und Glück! Musikalisch ist er meiner Meinung nach einer der Krassesten, der viel mehr verdient hat. Auch sehr schade. Er ist, meiner Ansicht nach, auch einer, der wegen dieser Misslage im Musikgeschäft nicht den Erfolg bekommen hat, der ihm zugestanden hätte, und das ist ihm vielleicht auch an die Psyche gegangen. Deswegen hat sich seine Persönlichkeit auch so verändert. Manuellsen wird jetzt ein nächstes Album bringen und, ohne es zu hören, weiß ich, dass das auch sehr krass sein, aber nicht in die richtige Richtung gehen wird. Und das ist auch sehr traurig.

rappers.in: Bereits vor dem Zerfall von Pottweiler hieß es, dass du mit KC an einem zweiten SAW-Kollaboalbum arbeiten würdest, das dann für eure jeweiligen Soloprojekte vorerst wieder auf Eis gelegt wurde. Wird da noch etwas kommen?

PA Sports: Wir sind immer mal wieder zusammen im Studio. Meistens nachts und auf gewissen Substanzen ... Die Sache ist: Wir wollen diese Kollabo machen. Aber erst an einem Punkt, wenn's auch interessanter ist als nur SAW. Dann, wenn wir vielleicht auch solomäßig schon einen gewissen Werdegang hinter uns gebracht haben und die Leute uns als eigenständige Charaktere sehen. Das soll dann nicht SAW sein, sondern den Effekt haben, dass die Leute sagen: KC Rebell und PA Sports machen zusammen ein Album, krass! Die sollen SAW dann vielleicht schon vergessen haben, das soll in dem Moment was Neues sein. Deswegen haben wir gesagt, dass wir erst mal diese Soloschiene fahren und jeder von uns erst mal ein, zwei oder drei Alben macht. Und sobald wir merken, dass das hart durch die Decke gehen wird, wird es KC Rebell und PA Sports wieder auf Albumlänge zu hören geben.

rappers.in: Was den Ruhrpott angeht, seid ihr beide ja echte Lokalpatrioten – wie schaut denn momentan der Rest der Besatzung aus? Wie seht ihr die Ruhrpotter Szene zum aktuellen Zeitpunkt?

PA Sports: Pillath ist der einzige Mensch, mit dem ich immer lachen und Spaß haben kann, egal, wie kopfgefickt ich gerade bin. Aber ich glaube, der macht musikmäßig gerade nichts mehr. Ich hab' gehört, dass Snaga was machen wird, aber ich sag': Ruhrpottrap zurzeit sind Fard, KC Rebell und PA Sports. Sonst gibt's in meinen Augen momentan nichts Relevantes dort. Hamad 45 aus Essen vielleicht noch. Ist ein sehr guter Freund von mir und jetzt bei Ruhrpott Illegal.

rappers.in: Der Beef mit Favorite ist ja schon längst Geschichte ...

PA Sports: (unterbricht) Ja, und Favorite auch! Der macht ja heutzutage andere Musik und zieht eine andere Sparte Fans an, mit denen wir eigentlich gar nichts zu tun haben. Du wirst einen Favorite-Hörer niemals auf mein Konzert kommen sehen, aber er steht auch für Ruhrpott-Rap. Für die Jungs, die solche Musik hören, ist er Ruhrpott-Rap. Er ist ja auch auf 4 gechartet und das sollte man auch nicht verkennen!

rappers.in: Zum Abschluss: Hast du vielleicht noch eine Weisheit, die du uns mitgeben willst?

PA Sports: Wenn man was im Leben dazulernen will: Einfach in den Laden gehen und mein Album kaufen. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Leute, die mir auf Facebook auf meine Pinnwand schreiben und mir Nachrichten hinterlassen, dass meine Musik sie berührt und aus gewissen Lebenssituationen geholfen hat, in den Laden gehen und das kaufen. Eine Weisheit noch so fürs Leben: Macht eure Schule, geht einen vernünftigen Weg und macht euer Ding! Ich seh' zurzeit, dass sehr viele Jugendliche auf dem Film sind, ihren Ruhm zu genießen. Und auch ohne 50 Cent zu sein: Heutzutage genießt man schon mit ein paar YouTube-Klicks einen gewissen Bekanntheitsgrad draußen. Und ich kann jedem nur mit auf den Weg geben, dass das jetzt nicht unbedingt die Erfüllung des Lebens ist!


(Florence Bader, Erich Unrau & Pascal Ambros)
(Fotos von Jeromin Films)

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