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Moe Mitchell – MMS

veröffentlicht: Donnerstag, 07.06.2012, 12:14 Uhr

Autor: Redaktion



01. Alles an dir
02. MMS
03. Feuer und Flamme
04. Meine Stadt
05. Gangster
06. Regen
07. Roboter
08. Herz in Ketten
09. Es tut mir leid
10. Stern
11. Joe Black


R'n'B ist eine vielschichtige und komplexe musikalische Musikrichtung. Nicht in Deutschland, sondern in den Vereinigten Staaten. Der ursprüngliche R'n'B existierte bereits seit den 40er Jahren und Musikgrößen wie Otis Redding, Ray Charles und Elvis Presley ließen sich von den vielfältigen Einflüssen inspirieren. Diese reichten über die Jahrzehnte von Blues, Gospel und Funk bis hin zu Disco und endeten in den 80ern im Contemporary R'n'B, der mit Künstlern wie Michael Jackson, Whitney Houston und Stevie Wonder endgültig die Popwelt eroberte. Der Boom überlebte in den 90ern und Acts wie Boyz II Men, Erykah Badu und R. Kelly setzten den Siegeszug fort. Spätestens in den 2000ern verflachte der Musikstil unter dem Einfluss von Mainstream-Pop und Elektro, auch wenn der kommerzielle Erfolg weiterhin anhielt und Künstler wie Usher, Beyoncé und Rihanna Welthits verzeichneten. Die Musikrichtung ist am kommerziellen Limit angekommen. Reiland Rabaka von der University of Colorado beschrieb den heutigen R'n'B in seinem Standardwerk "Hip Hop's Inheritance" (2011) treffend als ein "hit single-oriented genre based on catchy 'hooks' [...] cameos from commercial rappers, computerized music [...] and the pop-oriented super-polished sound of a recognized production team". Womit der Bogen zu deutschem R'n'B und Moe Mitchell geschlagen wäre.

Deutscher R'n'B beginnt in der Zeit des amerikanischen Mainstream R'n'Bs der 90er, ohne auf dessen historische Wurzeln zurückgreifen zu können. Moe Mitchell, bekannt geworden durch Optik Records und eine Bandbreite an Features mit anderen HipHop-Größen, vertritt eine Musikrichtung, die es in Deutschland nie wirklich geschafft hat. Xavier Naidoo war trotz einer starken Anfangsphase weder ein Repräsentant dieser Richtung, noch durch seinen späteren Pathos als Vertreter tragbar. Andere Acts wie Cassandra Steen, J-Luv oder Joy Denalane hatten trotz teilweise starker musikalischer Qualität nie stilbegründenen Einfluss. Deutscher R'n'B bleibt bis heute mit allen Vor- und Nachteilen vor allem eine Liebhaber-Richtung sowie ein Hook-Lieferant für Deutschrap-Produktionen. Letzteres war bisher auch die Aufgabe von Moe Mitchell. Mit "MMS" versucht er sich erstmals als Solokünstler und vollkommen ohne Features. Kool Savas und Franky Kubrick haben zum Songwriting beigesteuert, Melbeatz die Produktion geleitet. Inhaltlich geht es um Emotionen ("Herz in Ketten"), Zwischenmenschliches ("Es tut mir Leid") und Themensongs ("Meine Stadt"). Inhaltlich nimmt sich das längst nicht so schlagerhaft aus, wie die suggestiven Titel nahelegen. Selbst die gefühlsbetontesten Songs wie der starke Opener "Alles an dir" und "Stern" drücken nicht auf die Tränendrüse:

"Wir schauen nach unten, 'n paar Sekunden noch/
Und wir sind völlig schwerelos/
Wir verlassen diese Umlaufbahn jetzt/
Vollkommen ausgelöst von Raum und Zeit/
Und wir fliegen mit Lichtgeschwindigkeit/
Auf der Erde schauen sie hoch zu uns und sehen's vielleicht/
Oder war's nur ein Kometenschweif/
"
("Stern")

Auf diesem metaphorischen, persönlichen und doch nicht gefühlsüberladenen Level bewegt sich der Großteil der Songs auf "MMS". Die Produktion ist steril, aber angenehm unaufdringlich und professionell gemacht. Die perfekte Bühne für einen Solokünstler, sich in den Vordergrund zu stellen und den Lauf des Albums zu variieren und inhaltlich wie technisch versiert zu nutzen. In Ansätzen versucht Moe Mitchell dies auch. Auf "Gangster" wird es inhaltlich härter, "Meine Stadt" spiegelt ansatzweise soziale und gesellschaftliche Themen und "MMS" spielt mit den Einflüssen der technologischen Moderne auf die Mitteilungsfähigkeit per "Multimedia Messaging Service" ("MMS"). Auf "Regen" wird es dann etwas düsterer, aber nicht weniger gefühlvoll:

"Du hellst den Raum wieder auf/
Erschaffst neues Leben/
Ertränkst all das Schlechte/
Und du durchbrichst alle Staus/
Vergießt für mich Tränen, hilfst zu vergessen/
"
("Regen")

Ganz am Ende des Albums kommt schlussendlich der nicht mehr erwartete Höhepunkt des Selbigen. Moe Mitchell singt stimmlich exzellent ausgerechnet über den Tod und schafft die Balance zwischen Emotionalität und Distanziertheit. Ein seltenes Kunststück in der deutschssprachigen Musik.

"Ich seh', wie sie trauern, doch ich frag' mich, um wen/
Da sind Tränen in ihren Augen, wenn sie hoch zu Dir seh’n/
Du schaust sie genau an, wie sie grad jetzt da steh'n/
Willst ihnen so gerne sagen: 'Macht euch bloß keine Sorgen!/
Es ist alles okay...'/
"
("Joe Black")

Am Ende bleiben mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen. Moe Mitchell beschränkt sich stilistisch auf ein sehr enges Themenfeld, nämlich das Zwischenmenschliche. Das war noch nie der Kritikertraum, ist aber das Kerngeschäft des modernene R'n'B. Trotzdem funktioniert es nicht. Das liegt zum einen daran, dass die englische Smoothness durch die nie wirklich soft klingende deutsche Sprache kaum zu erreichen ist. Wo Usher auf Englisch oberflächlich klingt, lässt es sich leicht vergeben. Wenn Moe Mitchell auf "Feuer & Flamme" anstrengend versucht, Liebe und Hitze metaphorisch zu verschmelzen, ist es eher anstrengend als cool. Wirklich zünden mögen dann auch die meisten anderen Textideen nicht und spätestens in der zweiten Hälfte wird das Ganze monoton und klingt stellenweise reichlich uninspiriert ("Roboter").

Als Konzeptalbum scheitert "MMS" an der fehlenden textlichen Variabilität. R'n'B muss weder tiefgründig sein, noch die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrung auf ein Album pressen. Man sollte aber erwarten können, dass auf wenigen Textzeilen definitive Aussagen transportiert werden, die packen, inspirieren und Aussage haben. Jedenfalls, wenn deutscher R'n'B nicht als Kopie des amerikanischen Mainstreams begriffen wird. Im Inhaltlichen lag in Deutschland immer die Stärke althergebrachter Popmusik der Marke Westernhagen und Grönemeyer. Hier mangelt es nicht an Beispielen guter deutscher R'n'B-Musik. Gerade in seinen Featureauftritten war Moe Mitchell vielseitig und konnte auch ohne Probleme Spaßtracks wie Savas "Holiday Hoe" bereichern. Nur weiß er auf "MMS" nicht vollständig, was er musikalisch transportieren will und so pendelt das Album ohne definitive Richtung von einer Anspielstation zur nächsten. Gerade in einem Land, wo R'n'B der Mainstream-Background fehlt, ist die künstlerische Schaffenskraft gefordert. Was Moe Mitchell auf einem Nachfolger leisten sollte, ist der Abschied von externen Songwritern, die stärkere Vermischung mit anderen Stilrichtungen und eine Orientierung hin zu einer präziseren Sprachform mit definitiver Aussagekraft und der Fähigkeit, durch wenige Wörter zu bewegen, provozieren, packen und vor allem eines – wirklich zu unterhalten.


(Philipp)



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