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MoTrip

veröffentlicht: Donnerstag, 26.07.2012, 13:08 Uhr

Autor: lupa



Wie bereits im letzten Jahr trafen wir Universal-Signing MoTrip auch auf dem diesjährigen Splash!-Festival in Ferropolis, um mit ihm getreu seiner Textzeile "Du bist aufm Trip und jeder Schritt bringt dir was bei" über seinen Werdegang zu reden. Verändert hat sich seit unserem letzten Interview nämlich einiges, denn während der Aachener 2011 noch meinte, keinen richtigen Hype um sich zu spüren, lässt sich das 2012 wohl nicht mehr verneinen. Sein Signing bei Majorgigant Universal, der Top 10-Charterfolg mit seinem Debütalbum "Embryo" und die Supportauftritte auf der Bushido-Tour waren dabei wohl die wichtigsten Stationen, die er auf seinem "Trip" 2012 abgeklappert hat. Was MoTrip sonst noch so zu erzählen hat, lest ihr hier ...

rappers.in: Das letzte Interview, das wir mit dir geführt haben, war vor genau einem Jahr auf dem Splash! – damals hast du gesagt, dass es deiner Meinung nach noch keinen wirklichen Hype um dich gibt. Wie siehst du die Entwicklung deiner Karriere von damals bis heute?

MoTrip: Sehr gesund. Ich bin sehr zufrieden, mit dem Weg, den wir gehen. Es ist nicht so, dass ich einen Weg gegangen bin und jetzt aufgehört habe, wir sind noch dabei und ich bin sehr froh und stolz auf diesen Weg. Es hat alles sehr gut funktioniert. Das Album kam gut an und ich bin glücklich. Es gibt viele andere, die gerade durch die Decke gehen und ich bin froh darüber, dass ich ein Teil davon bin. Und: Genauso wie ich es den anderen gönne, freue ich mich, wenn sie es mir gönnen.

rappers.in: Du hattest ja bisher ein sehr erfolgreiches Jahr. Was sind deine nächsten Pläne?

MoTrip: Ich muss und will natürlich ein zweites Album nachlegen. Ich hab' viel zu sagen und das ist in erster Linie gerade mein Plan. Ich hab' dafür aber noch keinen konkreten Zeitraum festgelegt. Ich arbeite mit verschiedenen Künstlern an verschiedenen Projekten zusammen. Das macht voll Bock. Unabhängig davon, dass das mit dem Album und dem ein bisschen bekannter werden jetzt alles funktioniert hat, macht das alles richtig viel Spaß. Es ist anstrengend, immer hin und her zu reisen. Das tut mir um meine Freunde und meine Engsten leid, weil ich selten da bin. Wahrscheinlich ist das der Preis, den man dafür zahlt. Aber abgesehen davon macht alles, was im Moment ist, unheimlich Spaß.

rappers.in: Fühlst du dich momentan von dem Erfolg deines Debütalbums unter Druck gesetzt? Hast du das Gefühl, dass große Erwartungen an dich gestellt werden?

MoTrip: Ehrlich gesagt: ja. Ich werde manchmal auf eine etwas ironische Weise gefragt: "Wie willst du denn dein Album noch toppen?" Ich sehe das nicht so, dass es das beste Album war, das ich jemals machen konnte. Und ich denke schon, dass ich das noch toppen kann. Aber ich merke Leuten an, dass sie irgendwie Angst haben, dass ein neues Album sie nicht wieder auf die gleiche Art und Weise kriegt. Insofern sind die Ansprüche auf jeden Fall gewachsen. Und was mich selber betrifft: Ich gehe eh immer mit den krassesten Kriterien an meine eigene Musik. Ich glaube, ich muss einfach genauso kritisch bleiben. Meine Texte wurden schon immer einfach so geschrieben – aber nur die besten kamen raus. Und die anderen sind verworfen worden. Genauso werde ich weiter machen. Das übrige Material ist auch nicht wertlos, aber ich möchte nur die besten Sachen auswerten und dann habe ich am Ende wieder ein Album. Am liebsten würde ich auch wieder dieses Jahr releasen, aber das kann ich heute noch nicht sagen. Ich nehme mir einfach so viel Zeit, wie ich brauche.

rappers.in: Pusht dich dieser Druck denn auch in irgendeiner Art und Weise?

MoTrip: Bevor es so war, befürchtete ich, dass mir dieser Druck zu groß werden könnte. Bevor ich ein Album machen musste, hatte ich oft Angst, ob das wirklich der richtige Schritt ist. Ich hab' durch das Machen dann aber gelernt, dass es manchmal besser ist, sich nicht so verrückt zu machen. Generell mache ich mich jetzt nicht mehr so wahnsinnig. Wenn meine Aufnahme verkackt ist, dann mache ich es halt in einem anderen Studio nochmal. Ich habe mich definitiv ein bisschen lockerer gemacht. Und das ist auch gut so, bei den vielen Punkten, auf die ich achte ... Ich glaube ja auch, dass ich jetzt entspannter bin als Mensch. Es war alles ein bisschen viel auf einmal. Ich habe mir manche Dinge schon sehr zu Herzen genommen und wenn ich mich da nicht verändert hätte, dann wäre das alles ein bisschen zu viel geworden.

rappers.in: Dürfen wir dich fragen, mit wem du aktuell zusammenarbeitest?

MoTrip: Klar. (grinst) Mit vielen. Ich mache weiterhin Sachen mit Silla und JokA, die bald in den Startlöchern stehen. Ich habe einiges mit Bushido gemacht und Eko getroffen. Ansonsten arbeite ich an meinen Songs und oft trifft man sich einfach. Chefket zum Beispiel: Wir haben uns nicht im Internet angeschrieben oder so, aber immer wieder zufällig getroffen und festgestellt, dass wir gerne zusammenarbeiten möchten. Jetzt haben wir auch ausgemacht, dass wir uns mal richtig treffen. Solche Sachen entwickeln sich einfach. Keine von diesen Personen habe ich mir ausgesucht, aber alle sind Teil von meinem Weg und ich bin stolz darauf. Ach, und mit Azad habe ich auch was gemacht. Er hat mir unfassbare Props gegeben. Er hat mein Album gehört, meine Nummer rausgefunden und mich angerufen. Dann hat er gesagt, wie krass das Album ist, dass er es seit mehreren Wochen hört und es für ihn noch nicht totgehört ist. Das hat mich wirklich sehr geehrt.



rappers.in: Du hast für dein Alter schon einiges erreicht. Von welchen drei Personen würdest du sagen, dass sie deine musikalische Laufbahn am meisten beeinflusst haben?

MoTrip: Das ist wirklich sehr schwer zu sagen. Ganz viele verschiedene Personen haben mich an bestimmten Punkten meines Lebens sehr stark beeinflusst. Ich denke auch gerade gar nicht an die musikalische Seite, sondern zum Beispiel an Freunde, die mir einen Rat gegeben haben. Das wäre auf drei Personen gar nicht runterzubrechen. Aber sagen wir mal auf die Musik bezogen ... Definitiv, und das wird sich nie verändern: Kool Savas. Er hat mich mit Abstand von allen deutschen Rappern am meisten beeinflusst. Mit dem, was er damals gemacht hat. Es gibt viele deutsche Rapper. Auch Samy. Ich hab mir ja auch Sachen von Bushido angehört. Es wäre unfair, das nur auf drei runterzubrechen. Ich habe echt viel gehört und von vielen gelernt. Ich sage deswegen nur Savas, weil er der Auslöser für mich war.

rappers.in: An dieser Stelle würden wir gerne wissen, mit welcher Musik du groß geworden bist.

MoTrip: (lacht) Voll peinlich! Ich hab' voll spät erfahren, dass es HipHop gibt. Davor wusste ich nicht mal, dass es Musikrichtungen gibt. Ich hab' mal hier und da ein Lied gehört. Gut, ich war sehr jung. Das erste Album, das ich in die Hand gedrückt bekommen habe, war von Nana. Und das fand ich sehr krass, ehrlich gesagt. Ich hab' erst im Nachhinein alles von meinem großen Bruder gezeigt bekommen. Bevor dann diese HipHop-Sachen kamen, hab' ich alles gehört, was ein normales Kind auch hört. Mal einen Pop-Song oder ein bisschen Techno. Gar nicht fokussiert. Und irgendwann hab' ich dann HipHop entdeckt und nichts anderes mehr gehört.

rappers.in: An was kannst du dich erinnern, wenn du drüber nachdenkst, wann du Musik bewusst das erste Mal wahrgenommen hast?

MoTrip: Ich weiß, dass ich mal ein Fanta4-Album im Jugendzentrum geklaut habe, aber da kannte ich schon HipHop. Ich weiß leider nicht mehr, wie das heißt ... aber es gab mal ein Techno-Lied. Ich könnte jetzt die Melodie summen. Ich erinner' mich, dass wir im Auto gefahren sind und mein großer Bruder meine Eltern dazu bekommen hat, die CD einzulegen. Mein Vater hat das Lied gehasst. Ich hab' die Melodie genau im Kopf, aber ich weiß leider nicht mehr, wie das Lied heißt und von wem es war. Es war definitiv House, Techno oder Trance. Was Schnelleres, was damals so angesagt war. Das ist meine erste Erinnerung, glaube ich. Und dann kam Gott sei Dank mein Bruder mit HipHop. (grinst) Dann kamen schnell die ersten deutschen Sachen mit Savas, Sido, Bushido. Aggro Berlin fand ich richtig krass. Azad, Samy. Wobei Samy erst etwas später kam.

rappers.in: Wo wir gerade dabei sind, dass du Rap erst spät wahrgenommen hast: Du hast ja scheinbar noch gar nicht so früh daran gedacht, Künstler beziehungsweise Rapper zu werden. Was hast du denn als Kind gedacht, was du später mal machst?

MoTrip: Ich hab' meinen Eltern immer gesagt, dass ich Anwalt werde, weil ich mich immer gut aus allem rausreden konnte. Das war mein erster Berufswunsch. Dann habe ich Fachabi gemacht. Ich hab' die 13. Klasse gar nicht gemacht, ich war auf einem Berufskolleg, das nur bis zur 12. geht. Dementsprechend war die Ernsthaftigkeit spätestens dann auf Eis gelegt und ich musste Musik machen. (lacht) Ich war nicht das Kind, das mal auf eine große Bühne wollte. Ich bin ja auch nicht der Rapper, der Musik macht, um auf einer großen Bühne zu stehen. Ich mache wirklich Musik, weil sie mir hilft und ich das machen will. Und das Ergebnis ist dann davon, dass Leute das hören wollen und ich mich auf die Bühne stelle. Ich finde, Künstler sollten ihre CDs auch keiner Saison anpassen. Wenn du was zu sagen hast und künstlerisch kreativ bist, dann kommst du eben raus. So sollte man arbeiten. Manche arbeiten nach Strukturen, die schon da sind: Wir machen jetzt ein Mixtape, dann muss ein Album kommen und so weiter. Das ist nie mein Fall gewesen.

rappers.in: Dann wissen wir ja jetzt, was als Kind dein Traum war. Aber was ist denn aktuell dein Traum im Bezug auf die nächsten Jahre?

MoTrip: Ich wünsche mir mittlerweile absolut, dass ich die kommenden zehn Jahre weiter mit Musik bestreiten kann. Das heißt nicht, dass ich auf der Bühne stehe und rappe. Aber ich möchte der Musik nicht wieder den Rücken kehren. Ich hab' so viele Leute gesehen, die gesagt haben, sie treten zurück und dann wieder kamen. Und ich weiß genau, dass man das nicht einfach abschalten kann. Vor allem nicht, wenn man ein Künstler ist, der arbeitet, weil er kreativ ist. Und nicht, weil der Markt gerade etwas braucht und man sagt: "Okay, komm, wir machen jetzt Geld!" Und dann kann man eben auch nicht aufhören. Ich wünsche mir, Musik zu machen und das auch weiterhin zu können.

rappers.in: Es gibt ja auch Rapper, die irgendwann aufhören und sich anderweitig künstlerisch betätigen. Zum Beispiel als Moderator, Schauspieler, Songwriter ... Was sagst du dazu? Kannst du dir sowas auch vorstellen?

MoTrip: Das find' ich gut. Wenn es irgendwas ist, was ich kann oder weiß, dann klar. Ich kann mir auch vorstellen, für andere Songs zu schreiben. Ich mache das sehr, sehr gern und es macht mir viel Spaß. Ich könnte dir bestimmt auch leichter einen Song schreiben als mir selber. Dieses Fernsehding ist wahrscheinlich nichts für mich. Ich bin ja wie gesagt nicht so die Rampensau. Wenn ich eine coole Aufgabe bekommen würde, zum Beispiel in einer Sendung, die mit Musik zu tun hat, würde ich das wahrscheinlich aber auch nicht ablehnen.



rappers.in: Konzentrierst du dich inzwischen jeden Tag auf die Musik oder hast du auch noch einen anderen Job? Sprich: Kannst du mittlerweile allein von der Musik leben oder hast du nach wie vor ein zweites Standbein?

MoTrip: Ich brauche Gott sei Dank kein zweites Standbein. Ich weiß aber auch, dass sich das schnell ändern kann und nicht auf Dauer so bleiben muss. Momentan mache ich nur Musik und ruhe mich auch nicht auf dem aus, was ich habe. Es gibt ja viele, die ihren ersten Vorschuss einfach mal verprassen. Ich habe bisher noch keinen Urlaub genommen – seit vor dem Deal. Aber ich habe das auch bald vor.

rappers.in: Du bist neulich wieder nach Aachen gezogen. Was hatte das für Gründe und wie heimatverbunden bist du?

MoTrip: Es bedeutet mir unheimlich viel, in der Heimat zu leben. Meine Engsten und Vertrauten wohnen alle in Aachen. Meine Familie wohnt in Aachen, mein Herz schlägt da. Es ist nicht so, dass ich schon immer der Aachener Junge war. Und ich laufe auch nicht durch die Welt und sage: "Wir sind die besten im Fußball, wir sind die besten in allem!" Aber es ist halt so. Ich bin da aufgewachsen und fühle mich sehr wohl dort. In den großen Städten fühle ich mich auch wohl, aber ich war ein bisschen ... auch, wenn das jetzt komisch klingt: einsam. Ich hab' auch nie wirklich woanders gewohnt. Ich war ein paar Monate weg und hab' dann gemerkt, ich will gar nicht dahin. Für Hamburg und Berlin habe ich auch viel Liebe. Aber momentan macht das keinen Sinn. Ich hab' eine schöne Wohnung in Aachen. Und ich bin stolz, dass ich nicht einer von denen bin, die nach Berlin gezogen sind für die Musik. Ich hab' immer das Gefühl: Alle, die ich treffe in Berlin, sind gar nicht von dort.

rappers.in: Kommen wir nochmal auf HipHop zurück. Was war im vergangenen Jahr denn der HipHop-Moment schlechthin für dich?

MoTrip: Es sind viele Sachen im letzten Jahr passiert. Aber ich glaube, es war mein Auftritt auf dem Splash!. Der Moment, mit JokA auf der Bühne zu stehen und zu sagen: "Wir haben das endlich gemacht". Das war ein sehr großer Moment für uns beide. Wir waren davor noch nie auf dem Splash!, und ich glaube, das war echt das Größte für mich. Natürlich habe ich auch im letzten Jahr meinen Deal bekommen und "Cover my Song" gedreht ... es ist richtig viel passiert.

rappers.in: Ich war letztens auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung und habe einen Artikel über Cro gelesen. Darunter hat jemand den folgenden Kommentar geschrieben: "Nate57 oder MoTrip haben eine viel größere Relevanz als solche mittelmäßigen Spaßrapper wie Cro." Was hältst du persönlich von einer solchen Aussage?

MoTrip: Im besten Fall sollte man sowas gar nicht vergleichen. Wenn man Cros Weg anguckt, ist es schon ziemlich krass, was da geht. Aber: Jeder macht was anderes. Ich mache eine ganz andere Musik als er und ich glaube auch nicht, dass er so eine Musik wie ich machen könnte. Ich habe das Gefühl, dass er ein offener Typ ist – trotz der Maske. (lacht) Cro sagt ja sogar, er habe nichts erlebt. Was soll er dann also erzählen? Ich finde es trotzdem sehr cool, was er macht. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Und zu dem Kommentar: Jeder kann sagen, was er will. Ich muss mich aber nicht mit Cro vergleichen. Ich finde die Musik sehr anspruchsvoll, die einige Kollegen von mir machen. Und ich suche mir nicht extra Gründe, mich über irgendwen aufzuregen. Ich gönne jedem seinen Erfolg und auch Cro ... Gerade ihm, weil es ihm scheinbar sehr wenige gönnen können. Er musste keine dues payen, haben manche das Gefühl – er war einfach plötzlich da. Bei ihm war's noch schneller, aber bei mir war das auch ähnlich. Da haben viele gesagt: "Ey, der ist ja nur durch das Feature bekannt geworden." Da kann ich das bei Cro ein bisschen nachfühlen. Und ich hate da nicht. Trotzdem: cool – für den Kommentar.

rappers.in: Zum Abschluss noch eine kleine Frage zum Splash!: Von welchem Künstler, der dieses Jahr hier war, kann man deiner Meinung nach am meisten lernen? Und im Bezug auf was?

MoTrip: Von Marsimoto kann man auf jeden Fall mies lernen, wie man eine Bühne zum Beben kriegt. Wie man eine Gage, die man kriegt, nicht komplett in ein Cabrio steckt, sondern so männlich ist und ein bisschen in ein Raketenfeuerwerk investiert. Und einfach der Mukke und dem Auftritt zuliebe alles tut. Und ich finde, Marsimoto macht da das Rennen. Zum Abschluss möchte ich jetzt aber noch rappers.in grüßen. Danke für eure objektive Berichterstattung. Und danke für alle Kommentare – ich lese euch immer, ihr macht voll Spaß. Ich finde die User bei euch echt auf 'nem relativ hohen Stand im Gegensatz zu anderen Foren.


(Florence Bader & Pauline Staigle)

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