01. Das Leben ist kein Ponyhof
02. Chuck Norris
03. Ego Trip
04. 0 zahlende Gäste
05. Skit 1
06. Der Affentanz auf dem Vulkan
07. Bekanntenkreis
08. Der alte Mann und das Meer
09. Luftballon
10. Skit 2
11. Holzklotz
12. Ach Herje
13. Aquaman
[Hidden Track] Das Leben ist kein Ponyhof (Ponyhood Remix)
Liebe, Leben und Tod: laut Homepage die Quellen, aus denen der Rapper Misanthrop die Inspiration für seine Texte schöpft. Und so liegt es für mich scheinbar auf der Hand, welches Konzept er für ein Album namens "Das Leben ist kein Ponyhof" verfolgt. Negativität bis hin zum Nihilismus, amateurphilosophische Ansätze und erschöpfende Ausreizung des Fremdwörterfundus. Ein weiterer Künstler, der sich eine Menge auf seinen Intellekt und seine ach-so-negative Weltansicht einbildet, gleichzeitig aber nur durch pseudoprovokante Aussagen nach Aufmerksamkeit hascht. Zugegebenermaßen vorurteilsbehaftete Gedankenblitze beim Einlegen der CD. Doch geht diese Gleichung genau so leicht auf, wie der Rechenweg zum vermuteten Ergebnis ist? Oder steckt in diesem Werk vielleicht eine reflektierte und charmante Betrachtung des Lebenszirkus der menschlichen Rasse?
Nach dem ersten Durchhören des Albums scheint eines klar zu werden: Hinter "Das Leben ist kein Ponyhof" steht vermutlich ein durchdachtes Konzept – welches jedoch nicht konsequent umgesetzt wurde. So ist auch meine Reaktion auf den Intro- und Titeltrack erst einmal verhalten. Ich fühle mich verarscht. Denn einen Ausflug nach Orsons-Island habe ich wissentlich nicht gebucht. Der verspielte Beat hüpft unter der fröhlichen Beschreibung paradiesischer Zustände. Und genau das wollte ich nicht hören. Auch "Sei nicht naiv, das Leben ist kein Ponyhof" lässt mich nicht aufhören, mit dem Gedanken zu spielen, das Album des selbst ernannten Misanthropen erst einmal nicht mehr ernst zu nehmen. "Chuck Norris" räumt mit einem gezielten Roundhousekick dann doch noch auf – auch wenn die Aneinanderreihung von Trendwitzen nicht gerade rapskilltechnische Glanzleistungen aufweist. Vielleicht eine nette Idee, doch bleibt dieser Beitrag die Unebenheit des Werkes – Irren ist menschlich.
Was für unseren Protagonisten "Ego ist", erfahren wir auf "Ego Trip". Doch dass dabei eher eine unterschwellig moralische Botschaft transportiert als die von mir gewünschte Hasstirade auf den Rest der Menschheit losgelassen wird, kann auch dieses Wortspiel nicht richtig verstecken. Genau so wenig wie der schwerfällige Beat bewegt sich der Rapper sowohl textlich als auch inhaltlich eher auf einem flachen Niveau. Oder ich verstehe die Platte halt immer noch nicht...
"Ego ist, wenn man alles besser weiß als der Rest/
Ego ist, wenn man sich höher stellt als das Gesetz/
Ego ist, was man andere nicht haben lässt/
Ego ist, wo die Ignoranz den Namen gibt/"
("Ego Trip")
Zum ersten Mal wirklich interessant wird es dann bei "Der Affentanz auf dem Vulkan". Auffällig ist vor allem, dass die instrumentale Untermalung zum beschriebenen menschlichen Reigen auf der heißen Lava erwartet spielerisch und doch musikalisch so geschickt verpackt ist, dass er erfrischender Weise kein Stück kindisch wirkt. Eben so abwechslungsreich ist der Perspektivwechsel auf "Der Alte Mann und das Meer". Hook - und schnörkellos: Zum ersten Mal begeistert mich ein Track des Albums. Auf einem drumlastigen Beat schreddert die Lebensgeschichte des Alten dahin – "vermodert, vereinsamt, verrostet, versteinert/ und nicht mehr von dieser Welt wie beschworene Geister". Auch der mit Frustration prallgefüllte "Luftballon" lässt mich jetzt glauben, was ein endlich wütender Misanthrop zu sagen hat.
"Gegen mich wirkt ein Choleriker schlicht teilnahmslos/
Sprech' ich in einem Saal voll Misanthropen, ist der Beifall groß/"
("Luftballon")
Insgesamt mutet das letzte Drittel des Albums deutlich positiver für meine Ohren an – je negativer die Texte, desto mehr ergibt das Ganze für mich einen Sinn. "Ach Herje" ist ein weiteres Highlight der Weltansicht des Misanthropen – der nebenbei auch noch fließend ironisch spricht. Ein erneuter Perspektivwechsel zum "Aquaman" lässt das Album dann für mich versöhnlich ausplätschern und so bleibt unter'm Strich zusammenfassend ein Konzept, das sich für mich als entweder nicht komplett aufgehend oder so vielschichtig zeigt, dass mir der umfassende Sinn dahinter immer an der Ecke zu entgleiten droht, an der ich meine, ihn gepackt zu haben.
Musikalisch ist das Album durchaus interessant, gerade weil die Beats nicht immer nur verspielt und positiv oder düster und negativ sind, sondern das Soundgerüst Widersprüche in sich trägt. Dies harmoniert für meine Ohren erstaunlich gut miteinander und spiegelt zudem auch den inhaltlichen Zwiespalt wieder. Denn ganz klar Position beziehen will unser Misanthrop nicht. Auslegen kann das Dargebotene am Ende jeder wie er will – dank unserer alten Freundin Ironie. So komme ich zu versöhnlichen 4 Mics, denn hörenswert ist "Das Leben ist kein Ponyhof" allemal. Und ich bin dankbar für jedes deutsche Rapalbum, das sich dann doch von der Masse abhebt.