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KaynBock

veröffentlicht: Donnerstag, 14.06.2012, 20:57 Uhr

Autor: Redaktion



KaynBock gehört zu den Künstlern, die einem durch den Inhalt ihrer Texte und dann auch im Gespräch ganz selbstverständlich immer wieder neuen Stoff und Denkanstöße für Fragen rund um ihre Person, Sicht der Dinge und die Musik liefern. Seit seinem ersten Release, dem Mixtape "Trümmertetris", ist so einiges an Zeit vergangen. Grund genug für uns, den sympathischen Bielefelder zum Interview zu bitten und mit ihm nicht nur über seine kommenden Projekte zu sprechen. Herausgekommen ist eine schöne Unterhaltung, die nicht nur die musikalischen Themen, sondern auch viele Aspekte aus dem Alltag unserer Generation auf den Tisch bringt. Worum es genau ging, könnt ihr hier nachlesen.

rappers.in: Mir wurde zugetragen, dass es eine schöne Geschichte zu deinem Namen gibt ...

KaynBock: (lacht) Was heißt "schöne Geschichte"? Der Name kommt daher, dass ich immer unglaublich faul bin, mich bei neuen sozialen Netzwerken anzumelden. Das war bei Facebook schon so. Genauso wie bei Twitter. Mein ganzer Freundeskreis hat damals gesagt: "Du musst unbedingt bei Twitter sein, das ist das Ding überhaupt!" Und da hab' ich mich dann mit dem Namen "KaynBock" angemeldet.

rappers.in: Na, da hab' ich aber Größeres erwartet! (Gelächter) Haken wir doch gleich mal die wichtigsten Sachen ab. Seit deinem letzten Release ist ja einiges an Zeit vergangen – woran arbeitest du momentan?

KaynBock: Zur Zeit sitze ich an meinem Album. Und da sitze ich eigentlich schon ein ganzes Jahr dran. Als ich "Trümmertetris" fertig geschrieben habe – das war im Januar 2011 – hab' ich schon die Idee fürs Album gehabt. Und seitdem schreib' ich eigentlich konsequent daran.

rappers.in: Kannst du da schon ins Detail gehen?

KaynBock: Es baut schon auf diesem "Trümmertetris"-Prinzip auf. Es erzählt die Geschichte weiter. Ansonsten ... Den Löwenanteil hat Awe produziert, der mein Live-DJ und einer meiner besten Freunde ist, von daher war's 'ne sehr familiäre Situation im Studio. Ich hatte ja wirklich überhaupt keine Ahnung vom Produzieren und wir haben uns dann tatsächlich zusammen hingesetzt und gemeinsam den Sound erschaffen, den wir jetzt auf dem Album haben. Er hat wie gesagt das Meiste gemacht. Drei Beats hat Levon Supreme beigesteuert, den man ja auch schon von "Trümmertetris" her kennt.

rappers.in: Du warst ja neben anderen Künstlern wie Cro, Rockstah und Ahzumjot gemeinsam mit Falk in der damaligen Gesprächsrunde – was ja eine erstaunlich große Welle losgetreten hat ...

KaynBock: Eine negative Welle.

rappers.in: Möchtest du denn in dem Kontext dazu noch was sagen?

KaynBock: Es wurde ja schon ziemlich viel dazu gesagt. Ich versteh', warum es Leute aufregt. Es kam ja so rüber, als würde Falk nur uns als "die Neuen" verkaufen. Aber das ist doch Quatsch. Es war eigentlich als eine sehr stimmige Runde gedacht, weil Falk genau wusste, dass wir alle untereinander befreundet sind. Und mit diesem provokanten Titel dabei war es schon absehbar, dass die Leute dann vielleicht neidisch werden, weil sie nicht dabei waren. Und einfach auch vor den Kopf gestoßen, weil ich jetzt zum Beispiel auch nicht groß bekannt bin. Aber bei der Runde ging es nicht darum, wer schon möglichst viel erreicht hat, sondern darum, wer Potenzial hat und eventuell noch mal etwas erreichen kann.

rappers.in: Mir kam es auch einfach so vor, dass alle, die dabei waren, dann direkt in eine Schublade gesteckt wurden.

KaynBock: So der lustige Hipster-Zirkus, ne?! Da saßen die lustigen Hipster in einem Kreis und haben erzählt, wie toll sie sind. Aber so war's ja nie gedacht.

rappers.in: Hast du denn neben all den negativen auch positive Sachen daraus mitgenommen?

KaynBock: Downloadzahlen. Bei mir lief's mit "Trümmertetris" eh erstaunlich gut mit Downloadzahlen. Was die Leute ja auch immer bei mir vergessen: Das war meine allererste Platte. Und dass sie diese Aufmerksamkeit hatte, ist großartig. Und durch dieses Interview ...

rappers.in: Aber wie ist es denn jetzt? Fühlst du dich durch diese Gesprächsrunde in eine Schublade gesteckt?

KaynBock: Nee, glaub' ich nicht. Das verläuft sich gerade auch so ein bisschen, weil viele neue Künstler kommen, die sehr gut sind.

rappers.in: Du bist ja ein Rapper, der polarisiert.

KaynBock: Ich polarisiere?

rappers.in: Ja, denke ich schon. Weil es einfach viele gibt, die das, was du machst, sehr gut finden. Du wirst ja aber auch immer wieder ziemlich angefeindet.

KaynBock: Ich mache mich ja mit meiner Musik auch sehr angreifbar.

rappers.in: Ja, und ich kenne niemanden, der es halt nur so okay findet.

KaynBock: Das ist so ein "Hassen-oder-Lieben-Ding". Das finde ich auch besser. Ich hasse ja diese typische Radiomusik, die man nebenbei laufen lassen kann.



rappers.in: Wie sehr nimmst du dir denn solche Anfeindungen zu Herzen?

KaynBock: Ich nehme es natürlich wahr. Ich bin halt viel im Internet und versuche auch, in jedem Forum jeden Kommentar über mich zu lesen. Einfach, weil es sehr schwer ist, sich selbst von außen zu sehen. Und so kann man viele Eindrücke kriegen. Und ich lese das alles sehr gerne. Ich lese auch negative Sachen sehr gerne. Es ist immer interessant zu sehen, was Leute an mir scheiße finden können. Wenn's dann Kritik ist, die mich als Künstler schlecht dastehen lässt, rege ich mich natürlich drüber auf. Wie zum Beispiel "Emorapper" und "Drake-Übersetzer". Wobei der Begriff "Emorapper" heutzutage ja sowieso "played out" ist, wie Sentino sagen würde.

rappers.in: Das ist ja heutzutage auch einfach völlig überholt.

KaynBock: Ja, weil deepe Musik sich so weiterentwickelt hat im Deutschrap. Und jeder Rapper deepe Musik auf seine eigene Art interpretieren kann und irgendwie alles emotionaler geworden ist. Selbst so ein reines Rapalbum wie das von MoTrip hat ja auch seine unglaublich deepen und emotionalen Momente.

rappers.in: Das hat in Deutschland halt auch keinen Sonderstatus mehr.

KaynBock: Nee, das ist einfach fest etabliert, dass man melancholische Musik machen kann und es im Deutschrap sehr gut funktioniert. Ich finde, in keinem Musikgenre funktionieren traurige Lieder so gut wie im Rap.

rappers.in: Denkst du, das kommt auch daher, dass Deutschrap eine bestimmte Generation wiederspiegelt, die ja meiner Meinung nach schon ziemlich nachdenklich ist?

KaynBock: Voll! Wir haben gerade echt eine Generation, die alles hat, aber nichts will. Wir können ja alles machen. Jeder kann so leben, wie er möchte. Wir haben wahrscheinlich schon zu viele Möglichkeiten und zu viele offene Türen. Und darum bleiben wir auf der Stelle stehen und gucken, wie alles an uns vorbeizieht.

rappers.in: Denkst du denn, diese Traurigkeit könnte trotzdem auch so eine Art Modeerscheinung sein?

KaynBock: Hm. Mode ist ja auch eine Sache, die am Puls der Zeit liegt. Ich denke eher, es wird eine Mode aus dieser Negativität gemacht. Also, viele versuchen dann mit aufzuspringen und sich schlecht zu fühlen, weil andere sich schlecht fühlen. Das ist vielleicht die Modeerscheinung. Aber wir haben trotzdem eine Generation, die gerne traurig ist. Das zeigt sich jetzt nicht nur durch irgendwelche grauen Bilder auf tumblr-Blogs und das Hören von traurigen Songs. Das ist allgemein so. Wenn ich in meinem ganzen Freundeskreis gucke, dann hat jeder so 'ne depressive Grundstimmung.

rappers.in: Das Ganze hat aber auch so zwei Seiten. Es gibt glaube ich auch keine Generation, die so ausgelassen und feierwütig ist.

KaynBock: Ja, weil wir keine Grenzen haben.

rappers.in: Kommen wir auf die Musik zurück. Findest du, es spiegeln sich immer diese beiden Seiten wieder? Oder gibt es dafür dann unterschiedliche Rapper? Wenn man jetzt zum Beispiel jemanden wie dich auf der einen und jemanden wie Cro auf der anderen Seite sieht.

KaynBock: Ich versuche ja, die traurige Seite zu erklären und darüber hinaus einen Weg zu finden, wie man damit gut leben kann. Und bei Cro ist es mehr so, dass er sagt: Es gibt so viel Schlechtes, warum sollte ich negative Musik machen? Ich mache einfach Gute-Laune-Musik, die jeden ablenkt. Das ist dann nur 'ne andere Herangehensweise.

rappers.in: Inwiefern sind deine Texte autobiographisch?

KaynBock: Es ist alles sehr autobiographisch. Mich haben zum Beispiel auch viele Leute auf die Zeilen im Song "Schlechter Mensch" angesprochen. Das ist alles auch so gewesen. Ich mache Musik, um das loszuwerden, was ich in mir hab' und da muss ich dann nichts erfinden.

rappers.in: Wie gehst du damit um, dass du dich dadurch dann auch so angreifbar machst?

KaynBock: Im Prinzip mache ich mich angreifbar, aber auf der anderen Seite auch nicht. Das ist dieses Eminem-8-Mile-Prinzip. Und jetzt sag mir etwas über mich, das ich noch nicht weiß.

rappers.in: Ist es denn so, dass, wenn dir etwas passiert, du dich direkt hinsetzt und schreibst, oder dass du eher über einen langen Zeitraum sammelst und das dann in Musik verarbeitest?

KaynBock: Wenn man jetzt Rapper als Beruf sieht, ist es ja so, dass du 24 Stunden am Tag arbeitest. Egal, was dir passiert, du interpretierst es immer in die Musik rein. Du hast permanent irgendwelche Songideen im Kopf und irgendwelche Textfetzen. Das ist halt echt anstrengend. Aber ich schreibe trotzdem sehr lange an Songs. Dann ist auch jedes Wort so, wie ich das haben will und der Track einfach stimmig. Ein Lied braucht Zeit. Es gibt glaube ich wenige Lieder, die intuitiv entstehen und auch wirklich perfekt sind.

rappers.in: Arbeitest du zuerst an einem Konzept, wie du einen Song aufbauen möchtest?

KaynBock: Ich habe immer eine Songidee und dann füll' ich eine Textdatei mit total vielen Ideenfetzen und daraus entwickelt sich dann der Song.



rappers.in: Ich habe hier eine Zitatfrage für dich. Du sagst: "Ich möchte Fehler machen, aber nicht daraus lernen". Wie kommt man denn dazu, sehenden Auges so einen selbstzerstörerischen Weg einzuschlagen?

KaynBock: Ich mache mich damit ja auch ein bisschen über mich selbst lustig. Ich stelle mich damit als den Dummkopf dar, der ich ja nun mal in vielen Situationen auch bin. Jeder kennt das von sich wohl auch. Jeder hatte Situationen, in denen er wusste: Wenn ich das jetzt mache, das ist so dumm.

rappers.in: Man hat ja Verhaltensschemata, in die man immer wieder verfällt. Aber ist nicht irgendwann dieser Punkt ...

KaynBock: Mit 25 noch nicht! (Gelächter)

rappers.in: ... ich seh' den Fehler und ich komm' da raus?

KaynBock: Ich hab' ja immer wieder Phasen, in denen ich bestimmte Verhaltensschemata lasse, um zu sehen, wie ich ohne leben kann – aber dann rutsch' ich wieder rein.

rappers.in: Von dir gibt es den schönen Song "Pause". Von was brauchst du denn mal 'ne Pause?

KaynBock: Ich bräuchte 'ne Pause von allem. Ich habe gerade so 'ne ziemliche Pause-Phase. Ich hab' auch Anfang des Jahres auf einmal radikal mit allem aufgehört. Nur noch gesund gegessen, keinen Alkohol mehr getrunken und nicht geraucht. Ich hab' mir 'ne Gesundheitspause gegönnt. Und eine Weggeh- und Menschenpause. Und war dann ganz viel alleine und habe mir Gedanken gemacht. Das war so meine Pause. Aber jetzt bin ich in Berlin, jetzt trinke ich wieder. (lacht)

rappers.in: Bist du jemand, dem es leicht fällt, sich solche Pausen zu nehmen?

KaynBock: Ja! Ich bin sehr gut in radikalen Schritten. Also, ich kann mir nicht langsam Sachen abgewöhnen oder lassen. Ich muss immer alles sofort lassen.

rappers.in: Liegt das daran, dass du immer so lange wartest, bis es fast zu spät ist, um so 'ne Pause zu machen?

KaynBock: Absolut! Ich seh's dann schon oft kommen. Und lauf' dann noch ein bisschen weiter. Das ist bei allem so. Das ist so mit dem ganzen Fortschritt im Leben. Ich könnte ja jetzt arbeiten oder studieren. Aber ich hab' jetzt, mit 25, immer noch nicht das gefunden, was ich abseits der Musik machen will. Was mich erfüllt, worin ich Zeit investieren möchte. Wenn ich studieren würde, würde ich auf dem Papier studieren, aber trotzdem den ganzen Tag zu Hause sitzen und mir Gedanken über Musik machen.

rappers.in: Also ist Musik gerade dein Leben.

KaynBock: Das klingt so kitschig! (Gelächter) Ja, schon.

rappers.in: Aber ist doch schön, wenn man sich im Leben die Zeit nehmen kann, zu tun was man will.

KaynBock: Ja, aber ich hab' ja jetzt nicht den Hype, um finanziell gut davon leben zu können.

rappers.in: Aber du kannst es einfach für dich tun.

KaynBock: Ich tue das ausschließlich für mich. Das Album, das ich mache, ist ja auch kein poppiges Album oder ein Album, das groß massentauglich ist, aber das will ich auch nicht. Ich mach' das ja für mich.

rappers.in: Gibt es denn etwas, was du abschließend an unsere User loswerden möchtest, bevor wir uns zum Album wieder sprechen?

Olson (im Hintergrund): Trinkt keinen Schnaps!

KaynBock: Ich finde es wichtig, dass, wenn man Musik macht, man das für sich macht. Und sich selbst damit auch weiterbringen kann. Meine Mutter hat damals etwas sehr Schönes gesagt, bevor ich Musik gemacht hab' – das wollte ich mir eigentlich ewig aufheben, weil es so schön ist. "Du kannst Dinge sagen, die andere Menschen nur fühlen." Das versuche ich auf dem Album durchzusetzen.


(Pauline Staigle)
(Fotos von Julian Essink)

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