Lang ist's her, da saß ich nachts mit einem jungen, deutschen Produzenten am Tisch und die Diskussionen drehten sich stundenlang um Beats und deren Väter aus unserem schönen Lande. Irgendwann stießen wir dann auf, wie könnte es anders sein, aufstrebende Jung-Produzenten und noch etwas später fiel (in Verbindung mit dem Track "Asozialen-Lifestyle" von Snaga & Pillath) der Name "Joshimixu". Den Track kannte ich, den Beat hatte ich damals zeitweise als "den besten Deutschrap-Beat aller Zeiten" auserkoren, von wem dieser allerdings stammte – davon hatte ich keine Ahnung. Umso mehr hat es mich jetzt, Jahre später, gefreut, den immer noch ziemlich jungen Joshimixu nicht nur interviewen zu dürfen, sondern ihm für euch auch einen exklusiven rappers.in-Beat aus den Rippen leiern zu können. Wunderbar viel Spaß!
rappers.in: Sicherlich warst du dem ein oder anderen auch davor schon ein Begriff, aber zumindest ich hatte so den Eindruck, die Initialzündung für deine Karriere war damals der Beat zu "Asozialen-Lifestyle" auf dem Snaga & Pillath-Album. Nimmst du den selbst denn auch als so eine entscheidende Station wahr?
Joshimixu: Also, du hast schon Recht: Auf diesen Beat werde ich immer noch am meisten angesprochen und das hat damals schon einen Schritt weiter bedeutet. Aber ich glaube, dass es jetzt nicht nur am Beat lag, sondern einfach daran, dass diese ganze Ruhrpott-Geschichte mit SPM und so weiter halt relativ groß war und ich Glück hatte, irgendwie ein Teil davon zu sein...
rappers.in: Du würdest also auch sagen, das ist dein bisher bekanntester Beat? Für manche vielleicht auch so was wie dein bisher bester... Was denkst du darüber? Gibt es einen Beat, auf den du ganz besonders stolz bist? Einen für dich selbst "besten"?
Joshimixu: Ich würde "Asozialen-Lifestyle" heute wahrscheinlich nicht mehr so produzieren, auch der Beat zu "Asozialen-Lifestyle Part 2", der ja jetzt auf dem neuen Snaga & Pillath-Album erschienen ist, ist schon etwas älter. Es ist natürlich immer sehr geil zu sehen, wie die Leute live durchdrehen oder zu einem kommen, weil sie den Beat feiern. Aber ich würde definitiv sagen, dass ich mit anderen Sachen von mir zufriedener bin, auch wenn ich da jetzt nicht ein oder zwei Beats bestimmen kann.
rappers.in: Wo Du gerade schon beim zweiten "Asozialen-Lifestyle" bist: Da Du ja jetzt die Chance hattest, den Beat quasi "ein zweites Mal" zu bauen – welcher von den beiden gefällt Dir denn persönlich besser und warum? War das zweite Mal eine interessante Erfahrung, vielleicht auch aufgrund von aufkommenden Erwartungen, oder war es eher langweilig?
Joshimixu:(überlegt) Das war auf jeden Fall 'ne ganz andere Sache... Beim ersten hab' ich mir nicht viel dabei gedacht, vor allem weil ich zu der Zeit generell erst für wenige bekannte Künstler produziert hatte. Der Beat war also gar nicht für Snaga & Pillath bestimmt. Naja, ist ja dann zum Glück anders gekommen. (grinst) Den Beat für Teil zwei hab' ich relativ schnell produziert, nachdem "Aus Liebe zum Spiel" erschienen ist. Ich hab' halt versucht, den Charakter vom ersten einzufangen, aber irgendwie den Sound frischer klingen zu lassen. Es gibt übrigens auch einen dritten Beat – der ist allerdings irgendwo in der Schweiz gelandet...
rappers.in: Irgendwo in der Schweiz?! Was passiert denn jetzt mit dem? Und war der auch von Beginn an für Snaga & Pillath produziert worden?
Joshimixu: Also, ich würde ihn vielleicht als inoffiziellen Nachfolger sehen, da dieser Beat halt 'nen ähnlichen Lead-Synthi hat. Wo der Beat jetzt genau erschienen ist, muss man selber rausfinden... (lacht) Achja, viele Produzenten fragen mich immer per MySpace, woher dieser Sound stammt. Er kommt aus dem Vanguard [Anm. d. Red.: Vanguard ist ein Synthesizer von reFX, ein Plugin], danach hab ich die Spur nochmal durch einen Gitarren-Amp geschickt.
rappers.in: Ich könnte mir generell gut vorstellen, dass man sich, wenn man einen Beat fertig hat, oft sehr genau ausmalt, was und wie darauf passenderweise gerappt werden sollte und dass das Ergebnis dann aber oft ganz anders aussieht. Ist das nicht irgendwie frustrierend, wenn man ein Stück Musik schafft, es aber stets vor den letzten, prägenden Schritten aus der Hand geben muss?
Joshimixu: Das ist immer sehr unterschiedlich. Bei manchen Beats hab' ich schon genaue Vorstellungen und dann kümmere ich mich aber auch meistens darum, dass der Künstler in etwa in die Richtung geht oder zumindest versteht, was ich mir da ausdenke. Manchmal ist es aber auch so, dass man sich überraschen lässt... Bei Snagas "Situation 7" war ich erst etwas enttäuscht, als ich den zum ersten mal gehört hab'. Mit der Zeit fand ich den aber immer krasser und kann ihn mir heute eher anhören als beispielsweise "Asozialen-Lifestyle".
rappers.in: Wie oft kommt es tatsächlich vor, dass sich ein fertiger Track mit deiner persönlichen "Vision" davon wenigstens nahezu deckt? Denkst du manchmal auch: "Hätte ich gewusst, dass du DAS damit anstellst, hätte ich dir meinen Beat aber nicht gegeben..."?
Joshimixu: Ja, das passiert schon mal. Aber immer hundertprozentig mit einem Track zufrieden zu sein ist eh schwer, weil man ja auch die Vision des Künstlers irgendwie einfließen lassen muss... Das entscheide ich dann eher von Track zu Track anders.
rappers.in: Drehen wir den Spieß doch gerade einfach mal um... Jetzt bist du mal für einen Moment Rapper und darfst anderer Leute Beats verwenden. Von welchen fünf deutschen Produzenten würdest du denn auf jeden Fall Beats picken wollen, um drauf zu rappen?
Joshimixu: Also, erstmal wüsste ich gar nicht, welche Art von Musik ich machen würde als Rapper beziehungsweise Sänger, aber okay... (grinst) m3 & Noyd machen sehr gute atmosphärische Sachen, das mag ich eh. Dann der Typ, der die Sachen von Hiob und Morlockk Dilemma macht ist echt krass, das ganze Album ist krass – ich glaub', die produzieren aber auch viel selber. Tuas Album fand ich auch gut, sind schön ausproduzierte Arrangements. Ach und dann eben viele Leute wie phreQuincy, Shuko, Gee, Rizbo und so weiter... Die machen alle immer wieder gute Sachen. Keine Ahnung, ich würde wahrscheinlich einfach bunt mischen.
rappers.in: Wo wir gerade bei deinen Kollegen sind. Du wirst ja auch zu dieser "neuen Generation" gezählt – zu einer Reihe junger Produzenten, die grade so im Kommen sind, wie zum Beispiel auch Hook oder X-plosive. Mal abgesehen von dir selbst: Wen siehst du denn da eventuell noch ganz vorn mit dabei? Quasi deine Nachwuchshoffnungen...
Joshimixu: Da bin ich gerade echt überfragt... Diese Namen hat man halt immer im Kopf, aber wer da jetzt noch so am Start ist, weiß ich gar nicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass viele junge Produzenten noch nicht komplett ihren persönlichen Style beim Produzieren haben, wovon ich mich selber aber auch gar nicht ausschließen will.
rappers.in: Hast du denn allgemein etwas mit anderen Nachwuchsproduzenten zu tun? Also gibt es da teilweise auch eine Art Zusammenarbeit oder distanzierst du dich eher von dem "Rest" – vielleicht auch bewusst?
Joshimixu: Mit Juh-Dee hab' ich schon öfters was zu tun, einfach dadurch, dass er auch für Pottweiler produziert. Und mit einigen anderen hat man halt so übers Internet zu tun. Mit Hook oder Gee zum Beispiel. Ansonsten mach' ich öfters was mit Just Phil, SolDJerBeatz oder Exact, das sind halt Leute, die ich auch persönlich dann besser kenne.
rappers.in: Irgendwie hat man gerade generell das Gefühl, Produzenten würden in Deutschland wieder ein wenig mehr für ihre Arbeit geschätzt. Würdest du dem zustimmen? Bekommt man als Produzent inzwischen die Anerkennung, die man verdient?
Joshimixu: Naja, ich weiß ja gar nicht so genau, wie es früher mal war... (grinst) Aber es geht. Viele denken halt, man ballert da fünf Beats am Tag raus und hat lustig was zu verschenken.
rappers.in: Und dann nur an dir selber gemessen: Findest du denn, dass deine Arbeit genügend gewürdigt wird?
Joshimixu: Das ist immer schwer zu sagen, man bekommt ja schon oft Respekt für seine Sachen. Und ich würd' mich auch nicht hinstellen und sagen: "Ich bin besser als der oder der". Wenn man hart genug arbeitet, wird der verdiente Erfolg schon irgendwann kommen.
rappers.in: Du hast ja einen Beat für die sixt-Kampagne "Leaser statt Loser" produziert. Wie kam es dazu? Bekommst du denn inzwischen öfter derartige Anfragen?
Joshimixu: Das lief alles über Manuell. Das da so ein Video gedreht wird und das für die Kampagne wird, habe ich erst später erfahren. Leider ist ja aus der sixt-Sache dann nicht so viel geworden, wie man vielleicht erwartet hat. Ansonsten sind solche Sachen eher sehr selten...
rappers.in: Was mich dazu noch interessieren würde und um vielleicht nochmal ein Thema von vorhin etwas aufzugreifen: Wie sehr baut man einen Beat eigentlich für sich und wie sehr für den Kunden – sei es nun ein Rapper oder jemand aus der Werbung? Also, triffst du einzelne Entscheidungen letzten Endes eher nach dem Motto "so finde ich, gehört das" oder machst du dir mittlerweile wirklich eher Gedanken, wie es der potenzielle Abnehmer wohl am ehesten gebrauchen könnte?
Joshimixu: Leider macht man sich diese Gedanken und ich glaube dadurch leidet dann die Musik. Wenn man selber durch einen Beat geflasht ist und man richtig Bock hat, weiter zu machen, entstehen glaube ich die besten Dinger. Andererseits ist man irgendwo auch Dienstleister in einem gewissen Sinne... Eine gute Mischung ist, glaube ich, am besten.
rappers.in: Was macht für dich denn allgemein einen guten Produzenten aus? Worauf kommt es an?
Joshimixu: Ein Produzent sollte es schaffen, die Vision oder die Idee hinter einem Song umzusetzen, und am Ende ein fertiges Produkt erschaffen. Da unterscheidet sich der Produzent dann wahrscheinlich auch vom Rapper und vom Beatbauer... Aber die Grenzen sind natürlich fließend.
rappers.in: Wieso, was ist denn dann für dich ein Beatbauer im Vergleich zu einem Produzenten?
Joshimixu: Wenn ich einfach 'nen Beat bastle und irgendwann den fertigen Song höre, oder wenn ich mit Künstlern im Studio bin und irgendwie meine Ideen miteinfließen lasse – dann ist das auf jeden Fall ein Unterschied für mich. Was aber nicht heißen soll, dass es bei mir nicht auch oft genug der erste Weg ist, denn da fehlen dann halt manchmal die Möglichkeiten.
rappers.in: Ich hab' gehört, du würdest gerne einmal mit Casper zusammenarbeiten. Was reizt dich an genau dieser Aufgabe? Und inwiefern, denkst du, würde sich eine Zusammenarbeit mit dir vielleicht von der mit Producer XY unterscheiden?
Joshimixu: Naja, ich fand' die alten Sachen von Casper immer sehr gut, aber das neue Album hat mich dann ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Auch, wenn es immer noch sehr gut ist – im Vergleich zu dem, was sonst so rauskam. Aber man denkt dann halt oft, wenn man selber Musik macht, sowas wie: "Hm, das hätte ich anders gemacht. Hier und da etwas verändert". Man ist halt meistens doch mehr Produzent als Konsument. Ich denke mal, dass ich auch in absehbarer Zeit nicht unbedingt mit Cas im Studio sein werde, aber man hat sich kennen gelernt und vielleicht sind da ja doch schon die ein oder anderen Beats gepickt worden... Wer weiß, wer weiß. (grinst)
rappers.in: Du möchtest uns also nicht sagen, ob diesbezüglich schon etwas Konkretes geplant ist, oder? Auf welchen Releases wird man denn in nächster Zeit in den Genuss von Joshimixu-Produktionen kommen?
Joshimixu: Da vergesse ich leider eh immer die Hälfte. (überlegt) Also, auf allen Pottweiler-Sachen natürlich. Mit SAW hab' ich viel recordet, auf dem nächsten Farid Bang-Album wird was von mir drauf sein... Naja und der Rest ist dann meistens noch nicht spruchreif, weil viele Alben bis jetzt noch gar nicht angekündigt wurden.
rappers.in: Nun, zu guter Letzt: Falls du noch irgendetwas loswerden möchtest, hast du jetzt die Gelegenheit dazu.
Joshimixu:(grinst) Ich grüße alle, die mich kennen – und vor allem Jens Berger.
(Florence Bader)
... und hier der exklusive Beat von Joshimixu für rappers.in: