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Die Orsons – Jetzt (JUICE-EP)

veröffentlicht: Samstag, 21.04.2012, 11:54 Uhr

Autor: Die Robbe



01. Jump
02. Die Fanfaren
03. Jetzt
04. Kalter Krieg feat. Ol Dirty Bartek, Kaasface Killah, Maeckes Man & Inspectua Deck
05. Surrealismus
06. Zurückgelassen
07. Motherfuckin' Orsons
08. Hi Fuss Posifeet
09. Ihr misskapiert es feat. MC Basstard & JAW

"Deutschlands erste echte Boygroup" möchte sich – nachdem imaginäre Schaukeln gebaut, Frauen gepflanzt und die Dorfdisko abgerissen wurden – in Form einer exklusiven JUICE-EP zurückmelden. Nach einigen Soloerfolgen der einzelnen Künstler soll nun wieder im Kollektiv angegriffen werden. Doch wer sind eigentlich diese Orsons? Da hätten wir zum einen KAAS und dessen Lovemovement 2011, welches eine wahre Welle der Versöhnung in Rapdeutschland auslöste. Denn bitte wer weiß nicht, was gemeint ist, wenn ein langgezogenes "Liiiieeeeeebeeeeeee" durch den Raum schallt?! Liebe, Sex und Twilight Zone hier, Eurodance da – und vor allem viel Durchgeknalltheit wird mit dem Reutlinger assoziiert. Kommen wir zum blauäugigen Teil der Gruppe: Maeckes. Eine EP namens "MANX", die nicht unbedingt jedem HipHop-Kopf ins Ohr ging, ist meines Erachtens nach wie vor eines der Highlights 2011. "Was ist da los?", wundert sich so manch eingefleischter Rapfan, als Tuas "Raus"-EP mit so allerlei ungewöhnlichen Geräuschen aus den Boxen sprang. Dessen von Dubstep-Einflüssen gebrandmarkter Extended Player weicht von konventionellen Produktionen ab und zeigt einen derart eigenen Sound, dass durchaus von "Tua-Musik" gesprochen werden darf. Dieser Begriff wurde nicht zuletzt von ... Tua geprägt. Abrundend zu erwähnen bleibt der ewig verunsicherte – doch keinesfalls unsympathische – Plan B, dessen Ill Street Blues-Ep mittlerweile zwei Jahre alt ist, doch immer noch gerne gehört wird. Und nun will diese doch sehr ungewöhnliche Boyband wieder zusammen musizieren? Hören wir doch einfach mal rein!

"Was geht? Kids fragen: 'Twitterst du selbst?'/
Nee, das macht ein unterdurchschnittlich miserabel bezahltes Kind in der dritten Welt/
"
(Maeckes auf "Motherfuckin' Orsons")

"Ich hab' mir eins bewahrt: Ich seh' die Welt mit Kinderaugen/
Jetzt, da Kim Jong Il tot ist, muss ich halt auf Dinge schauen/
"
(Plan B auf "Motherfuckin' Orsons")

Säbelrasselnd, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, inszenieren sich vor allem Plan B und Maeckes. Man scheint Hunger bekommen zu haben im Chimperator'schen Lande – eine gehörige Portion Selbstvertrauen ist mittlerweile selbstverständlich. Doch dies mindert keinesfalls den Unterhaltungswert, den spaßigen Beiklang, den man von ihnen gewohnt ist. Besagte witzige und zuweilen mit gesunder Polemik versehene Zeilen werden dem festgefahrenen Street- und auch Gangsterrap-Hörer mal so gar nicht ins Ohr gehen, doch das soll die Spaßgemeinschaft um Stimmungsmacher KAAS nicht stören.

"Bereitet uns vor auf den 2013 bevorstehenden menschlichen Bewusstseinssprung/
In ein Becken ohne Wasser, doch die Fliesen geben nach wie der Klügere/
"
(KAAS auf "Surrealismus")

Sei es Tuas Fuß-Aids ("Hi Fuss Posifeet") oder ein von KAAS erschaffener Darth Vader in weißer Uniform ("Surrealismus") – über die Sinnhaftigkeit so mancher Textpassagen, Themen und auch Tracks lässt sich bei den Orsons nahezu immer eine Grundsatzdebatte lostreten. Doch für die Reutlingen-Stuttgart-Group sind Reime, die keinen Zusammenhang haben, schon fast ein Stilmittel. Wenn man die Texte betrachtet, die wohl eher aus einer Laune heraus entstanden sind, und dann hört, wie überzeugend, mit welch beispiellosem Frohmut dieses Textbrot vermittelt wird, ist Mitnicken unvermeidbar. Hin und wieder frech werdend und vor allem viel Quatsch machend – das ist Orsons-Anarchie. Das Trällern eines Refrains à la "Fuß-Aids" sollte dann jedoch bei allem Respekt in Anwesenheit wildfremder Personen tunlichst unterlassen werden.

"Ich glaub', sie haben den Köter geschluckt/
Kein Rapper in Deutschland hat jemals blöder geguckt/
Und während du noch einen schlechten rap.de-Kommentar gibst/
Box' ich mich endbesoffen auf C-Promi-Partys/
"
(Tua auf "Jump")

Während KAAS wie gewohnt den Gute-Laune-Bär gibt und Maeckes die ruhigeren Parts übernimmt, sich jedoch erlaubt, das ein oder andere Mal auszuufern, hält sich Tua dezent zurück und überlässt das politisch Unkorrekte lieber den anderen. Der ganz eigene Humor wird in persona KAAS natürlich wieder exzessiv ausgelebt und bis auf die Spitze getrieben – und zwar auf jedem Track. Um zu den namhaften Features und gleichzeitig meinem größten Kritikpunkt zu kommen, muss ich "Ihr misskapiert es" erwähnen. Die das "O" formenden MCs haben sich Unterstützung in Form von JAW und MC Basstard geholt, was auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination zu sein scheint. Der erste Eindruck spiegelt sich beim Hören wider. Der Beat passt sich wunderbar MC Basstards stümperhaftem Part an und bildet einen Klangteppich, der die Künstler der Lage nicht Herr werden, sondern eher darüberstolpern lässt. So wird aus einem verheißungsvollen Doppel-Feature ein katastrophales Sextett. "Ihr misskapiert es" ist der Tiefpunkt des Albums, er besticht durch Monotonie und ermüdet mich bereits nach zwei Minuten. Die Beats an sich, die Maeckes, Tua und Dirty Dasmo beisteuern, sind extrem ausgefallen und alles andere als jedermanns Sache. Erscheinen einige als lustiger Klamauk, können andere einfach nicht gefallen. Die Parts der vier sympathischen Chimperatorianer sind dagegen nahezu durchgehend amüsant und wissen fast immer auf irgendeine Weise zu zu überzeugen. Niemand soll sich persönlich angegriffen fühlen, wenn ich sage, dass Die Orsons, was die Beat- und Featureauswahl betrifft, schon deutlich besser zugelangt haben. Damit tut man sich zwar keinen Gefallen, im Endeffekt kann man aber auf jedem Beat Quatsch à la Orsons machen. Einzig JAW und Basstard bleibt der Spaß verwehrt ...

Fazit:
Das Rap-Quartett macht nach wie vor keine massenkompatible Musik – jedoch viel Quatsch. Mein einziges Problem bleiben somit die zum Teil – wenn auch so gewollt – sehr ungewöhnlichen Beats. Ein nicht unbedingt rundes, aber dennoch stimmiges Stück Musik setzen uns die Vier hier vor, wenn man von der teilweise gruseligen Beatauswahl absieht. Ich muss zugeben, dass ich nie wirklich ein Orsons-Fan war, dieser EP jedoch durchaus etwas abgewinnen kann, selbst wenn sie einige Mankos aufweist. Womit sich die meisten verständlicherweise wohl nie anfreunden werden, sind die partiell inhaltslosen Texte. Mit einer Prise Humor und ein bisschen Verständnis für das Verrücktsein dieser Boygroup kann man sich jedoch alle Mal mit den sympathischen Jungs arrangieren.


(Die Robbe)



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