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Bosca

veröffentlicht: Montag, 16.04.2012, 20:50 Uhr

Autor: lupa



Die "Freunde von Niemand" erleben momentan einen rasanten Aufstieg. Hautnah miterlebt hat diesen auch Bosca, der vor einigen Monaten mit seinem Debütalbum "Fighting Society" über das Label mehr als nur aufhorchen ließ. Im Interview mit uns sprach er unter anderem über Interpretationsmöglichkeiten des Titels und – damit verbunden – auch über grundlegende Probleme in der Gesellschaft und die Ausübung von Staatsgewalt. Selbst das Label sorgt immer wieder für einige Reizpunkte. Bosca sprach mit uns auch über die ständigen Vergleiche zwischen ihm und Vega, Erfolgsgründe sowie eine "Facebook-Debatte" zwischen ihm und Manager Hadi El-Dor.

rappers.in: Du hast letztes Jahr dein Debütalbum veröffentlicht. Wir hatten gestern eine kleine Diskussion über den Titel des Albums "Fighting Society", weil wir ihn zunächst so interpretiert haben, dass du dich als Mitglied einer kämpfenden Gesellschaft siehst. Stimmt das?

Bosca: Ja.

rappers.in: Auf der anderen Seite haben wir dann nämlich überlegt, ob es heißt, dass du gegen die Gesellschaft kämpfst...

Bosca: Eigentlich stimmt beides. Der Name "Fighting Society" stammt von unserem Klamottenlabel aus Mannheim. Vega hat irgendwann mal Klamotten angeschleppt und ich hab' den Namen am Anfang nicht gerafft. Ich dachte, das heißt "gegen die Gesellschaft kämpfen" und fand das total geil. Und später hab' ich erst gecheckt: Eigentlich heißt das ja "kämpfende Gesellschaft". Aber im Prinzip stimmt beides.

rappers.in: Wenn man sagt, dass du ein Teil dieser kämpfenden Gesellschaft bist... Was ist das dann für ein Kampf, in dem du dich befindest, und was ist das Ziel davon?

Bosca: Allgemein ist es ein Kampf gegen die Einstellung vieler Leute, gegen den Staat und auf jeden Fall auch gegen die Bullen. Und beim Ziel sind wir dann gleich beim großen Problem... Bei der Frage, die ich mir immer stell': Was will man eigentlich erreichen? Im Grunde möchte man Freiheit. Man möchte sich in seinem menschlichen Umfeld wohlfühlen und nicht abgefuckt werden.

rappers.in: Ist es denn vielleicht so, dass das Ziel keine große Veränderung ist? Dass es einzig und allein darin liegt, auszudrücken, dass man einen Zustand nicht gut findet?

Bosca: Das Problem bei solchen Sachen liegt oft darin, dass man zum Beispiel sagt: "Okay, wir sind gegen Bullen! Scheiß auf Bullen! Keine Bullen mehr!" Aber wenn man sich bei allem, was man so sagt, vorstellt, dass es wirklich so wird, dann funktioniert das Ganze ja wieder nicht. Es wird niemals so sein, dass 80 Millionen Bürger in einem Land alle cool miteinander sind, Händchen halten und sich freuen. Das ist einfach Schwachsinn! Letztendlich ist das Ziel, den Leuten zu sagen, was man selber denkt, und damit vielleicht andere Leute zu erreichen, um dann mit der gesamten Gruppe größer zu werden. Um einfach eine Stimme zu kriegen.

rappers.in: Und woher kommt diese Wut gegen die Staatsgewalt?

Bosca: Die Wut gegen die Staatsgewalt kommt ganz klar vom Fußball und all den Erlebnissen der letzten Jahre, die in dem Umfeld passiert sind. Von Leuten, die zum Beispiel von Bullen verprügelt wurden. Klar, ich hab' auch selber schon mal 'nen Schlagstock abgekriegt. Und ich meine, wir sehen die Bullen eben da und sehen, wie sie drauf sind, was sie über uns denken und wie sie uns behandeln... Da bekommt man schon richtigen Hass!

rappers.in: Ist das nicht gewissermaßen auch selbst provoziert?

Bosca: Teilweise auf jeden Fall, oft aber auch nicht. Wir wurden schon einige Male irgendwo sinnlos angehalten, stundenlang kontrolliert, eingekesselt und abgefilmt. Das sind Aktionen, die total unnötig sind. Da weißt du halt: Sie wollen dich einfach nur mal wieder abfucken. Gestern wurde zum Beispiel mein Auto abgeschleppt. Ich hab' 300 Euro dafür bezahlt, davon sind 60 Euro Bearbeitungsgebühr von den Bullen. Die Bullen sehen: Da steht ein Auto doof rum, das kann abgeschleppt werden. Zack, 60 Euro kostet das. Die musst du direkt bezahlen. Das ist jetzt nur ein kleines Beispiel. Ich will mich nicht aufregen über Strafzettel und so was, obwohl ich das auch gerne tu'. (lacht) Im Endeffekt ist es der Umgang mit uns Fußball-Fans und eben auch mit uns als Rappern. Der Bulle hat ein Bild von dem, wie du drauf bist. Du kannst cool sein wie sonst was, er wird dich auf jeden Fall abfucken. Und ich würde über mich sagen, dass ich relativ normal reagiere, wenn ich von Bullen angelabert werde. Es gibt auch Leute, die direkt auf Abturn sind, das kriegt man dann auch zurück.

rappers.in: Was müsste sich denn verändern, damit du dem Staat gegenüber mehr Respekt zeigen könntest?

Bosca: Es müsste einfach weniger Präsenz vom Staat da sein. Früher, als ich mit dem Fußball angefangen hab', war das so gut: Du hast 'ne Kippe geraucht, ein Bierchen getrunken, bist zum Fußball gefahren, hast Party gemacht und alles war cool. Mittlerweile stehen in jedem Abteil zwei Leute – zack, geht 'ne Kippe an, gleich mal 60 Euro, Ausweis. So was müsste einfach weg sein und der Umgang gegenüber den Leuten wie uns, die halt vielleicht ein bisschen anders sind, müsste einfach normaler, mit ein bisschen mehr Verständnis sein. Wir müssen ja auch Verständnis für ihre Aktionen aufbringen, aber die bringen halt kein Verständnis für das auf, was wir machen.

rappers.in: Stell dir vor, die Kontrollen und alles würde es nicht geben. Das würde schon ausarten, wenn jeder machen könnte, worauf er Lust hat.

Bosca: Das ist genau das, was ich meine. Bullen wird es immer geben und es wird auch seinen Grund haben, dass das so ist. Das Problem ist aber, wie sie mit einem umgehen. Und wie sie bei diesen Kontrollen drauf sind. Ich mein', Straßenkontrollen find' ich irgendwie... behindert. Mich fuckt's halt ab, weil ich natürlich jemand bin, der nicht gerne kontrolliert wird. (lacht)

rappers.in: Die Frage ist vielleicht auch, ob das, was die Polizei in dem Fall macht, wirklich nötig ist... Fans zum Fußball begleiten, Straßensperren aufbauen, Blitzen und so weiter. Ich frage mich manchmal, ob die Polizei nichts Wichtigeres zu tun hat...

Bosca: Richtig. Natürlich muss man sagen, dass es Bullen geben muss, weil es auch viele Sachen gibt, die passieren und die ich nicht cool finde. Aber es stimmt schon so, wie du das sagst: Haben die nichts Besseres zu tun? Egal, ob es jetzt um Blitzer oder Kontrollen geht. Da geht es einfach oft nur ums Geldmachen und um Statistiken, dass irgendein Anzeigensoll erfüllt werden muss. Auch bei Drittliga-Spielen bei uns, wenn wir wo hinfahren, ist klar: Das ist jetzt kein Kaffeekränzchen. Wir sind laut und es kann auch mal passieren, dass irgendwo was kaputtgeht. Meistens ist das dann nichts Großes und die Leute denken trotzdem, wir schlagen alle Scheiben ein. Das ist ja auch Schwachsinn! Wenn normalerweise keine Bullen dabei sind, passiert nichts, alles ist cool, wir haben unseren Spaß. Die Leute sind vielleicht ein bisschen abgefuckt von uns, aber gut, ich bin auch fünf Tage lang abgefuckt von den Leuten. (lacht) Danach fragt mich ja auch keiner!



rappers.in: Sprechen wir mal über ein anderes Thema. Du hast auf deinem Titel-Track gerappt: "Ich bin im Kampf mit mir selbst." Was genau bekämpfst du dabei?

Bosca: Ich bekämpfe viele Sachen. Ich bin häufig im Kampf gegen Faulheit, führe momentan mehr oder weniger ein lockeres Musikerleben, mache diese ganzen Mischsachen und verbringe die meiste Zeit zu Hause und arbeite da. Klar, wenn man das immer von zu Hause aus in seinem kleinen Studioabteil macht, ist die Couch halt zwei Meter entfernt... (lacht) Was dann häufig dazuführt, dass man sich da hinhockt. Dann auch im Kampf gegen... Ja, Trinken klingt immer hart, aber ich trinke halt gerne. Das ist auch der Punkt, an dem ich dann häufig merke, dass es zu viel wird. Vielleicht auch im Kampf gegen irgendeine Scheiße, die man macht. Und wie man manchmal mit anderen Leuten umgeht. Wo man dann hinterher sagt: "Das hätte nicht sein müssen." Einfach solche Sachen. Die Fehler, die man an sich selber hat.

rappers.in: Wir haben heute auch ein Zitat für dich dabei: "Wenn du ein Problem nicht lösen kannst, liegt es daran, dass du dich an die Regeln hältst." Würdest du dem zustimmen?

Bosca: Ja. Also, ich würde vielleicht im Umkehrschluss sagen: Manchmal muss man Regeln brechen, um Probleme zu lösen. Das kann schon häufig sein, dass das mal vorkommt. Aber wenn man Regeln bricht, wird man auch immer weitere Probleme bekommen. Vielleicht muss man dann da durch, um das Grundproblem zu lösen. Das kann schon sein. So was zu verallgemeinern, ist natürlich immer schwer... Manchmal muss man sich auch an gewisse Regeln halten, um weiterzukommen. Aber grundsätzlich ist der Satz für mich nicht falsch.

rappers.in: Ich glaube, man kann es teilweise auch so auslegen, dass man Regeln im Sinne von Grenzen hat. Dass man sich zum Beispiel eine gedankliche Grenze gesetzt hat. Dann taucht ein Problem auf und man versucht, das in einem bestimmten Rahmen zu lösen, obwohl die Grenze, die man sich selbst zuvor gesetzt hat, total unlogisch ist. Und dass man manchmal gegen so etwas vorgehen muss.

Bosca: Das ist auf jeden Fall häufig so. Ein ganz einfaches Beispiel ist doch das Kiffen. Es gibt viele Leute, für die Kiffen einfach cool ist, die damit auf ihren Alltag besser klarkommen. Wobei ich mittlerweile sage, dass es nicht so ist. Aber es gibt auch Leute, die machen das gerne, fühlen sich gut dabei und es ist dennoch einfach verboten. Letztendlich machen sie das Ganze vielleicht, um Probleme zu lösen, cooler drauf zu sein und klar zu kommen, aber sie müssen dazu ja auch eine Grenze überschreiten – nämlich die, etwas Verbotenes zu tun.

rappers.in: Lassen wir das mal so stehen und kommen auf eure Musik zu sprechen. Du konntest mit deinem letzten Album sehr knapp nicht in die Charts einsteigen, Vega hingegen ist vor Kurzem auf Platz 5 gelandet. Ich finde, man kann in letzter Zeit einen starken Freunde-von-Niemand-Trend sehen. Was denkst du, woher die Faszination auf diese Antihaltung kommt?

Bosca: Ich denke, dass das mehrere Gründe hat. Zum einen feiern die Leute die Musik, die wir machen. Straighter Rap ist ja schon 'ne Seltenheit geworden, weil auch ein Farid Bang mittlerweile Autotune-Songs auf seinen Alben hat. Ob man das jetzt schlimm findet oder nicht, ist 'ne andere Frage. Deren Mucke ist halt sehr musikalisch, es wird viel gesungen, und wir machen einfach straighten Rap, immer gerappte Hooks, die Songs gehen meistens relativ gut nach vorne und sind deshalb auch live-tauglich. Die Leute feiern das einfach. Das ist Mucke, die man im Auto aufdrehen kann. Das andere sind dann die Inhalte. Wir sind sehr nah am Leben. Vega ist ja noch sehr straßenmäßig unterwegs, während ich mehr auf dieses Mittelstandsmäßige und Abgefuckte geh'. Ich mein', jeder kennt die Sachen, die ich beschreibe, wenn man normal aufwächst. Das ist nah dran. Klar, das gab's in dieser Form sicherlich auch schon, nur ist das bei uns einfach extremer. Die Freunde-von-Niemand-Haltung ist halt wie 'ne... (überlegt) Ja, Bewegung klingt immer übergroß. Aber die Leute merken, wir finden nicht alles cool, was jemand macht. Momentan ist dieser Hipster-Trend im Kommen und es gibt viele, die denken: So will ich nicht sein. Auf der anderen Seite sind dann vielleicht die überkrassen Straßenjungs, die sagen: Das ist mir aber auch zu wild, da hab' ich keinen Bock drauf, ich geh' jetzt straight meinen Weg, lass' mich nicht von allen bremsen. Zu denen passen einfach die Musik, der Name und die Aussagen der Künstler. Vega ist auch jemand, von dem man sagen muss, dass er ein sehr sympathischer Typ ist, wenn man ihn in Interviews sieht oder mal kennen lernt. Und ich glaub', das ist einfach so ein Ding, bei dem die Leute sagen: "Damit können wir uns identifizieren, so wollen wir auch sein!"

rappers.in: Und ihr seht das selber auch so, dass der Trend in den letzten drei, vier Jahren stark gewachsen ist?

Bosca: Ja, auf jeden Fall. V ist jetzt mit seinem Album auf Platz 5 eingestiegen. Beim letzten Album waren es knapp 2.000 CDs, die letztendlich weggegangen sind – das ist nicht sonderlich viel, aber das Album ist trotzdem überkrass angekommen. Viele werden es sich wahrscheinlich auch heruntergeladen haben. Das neue Album ist noch mal stärker, es war 'ne wesentlich größere Promophase, aber ich denke, wir haben die Leute auch ganz gut darauf getrimmt, jetzt ein paar Sachen zu kaufen. Wir hatten ja immer diesen Spruch "Saugen ist für Bitches!" und ich hab' einfach das Gefühl, dass sich viele Leute diesen Schuh nicht anziehen wollen und einfach sagen: "Ich will keine Bitch sein."

rappers.in: Dir wird ja immer wieder vorgeworfen, dass du ein bisschen wie Vega klingst. Der hat auf dem neuen Album gerappt: "Und sie sagen, Bosca klinge wie ich, und ich frag' mich, wie behindert das ist, denn er ist König heut'." Was sagst du dazu?

Bosca: Man braucht sich nichts vormachen, unser Flow ist relativ ähnlich. Wenn man sein Album nach meinem Album hört, würde man sagen: So krass ähnelt sich das nicht. Klar, wir wurden beide von den Frankfurter Rappern inspiriert, wir haben beide in unserer Jugend sehr ähnliche Musik gehört, wo man sich natürlich viel abguckt, und hängen seit drei, vier Jahren jedes Wochenende miteinander rum. Wir erleben eigentlich die gleichen Sachen und dann ist klar, dass die Musik ähnlich wirkt. Mich ärgert's einfach nur, wenn die Leute sagen: "Der klingt wie Vega." Da denk' ich mir: Wenn ihr euch die Alben wirklich mal anhört, merkt ihr, dass es einfach nicht so ist. Vega hat mal zu mir gesagt, meine Mucke sei bodenständiger. Er macht halt dieses Pathetische. So krass ist das bei mir ja nicht. Ich lass' auch dieses ganze Straßen-Hin-und-Her eher weg und beschränk' mich häufig auf irgendwelche Sufferlebnisse.

rappers.in: Das wird natürlich auch durch das Internet gefördert. Die Leute sehen mal kurz ein Video, bilden schnell ihre Meinung und schreiben dann ihre Kommentare...

Bosca: Bei den Kommentaren ist das ja auch so: Da sind 100 coole Kommentare und dann schreiben zwei Leute: "Klingt wie Vega." Ich sitze dann da, lese mir das so durch, sehe diese 100 "Cool, cool, cool"-Kommentare und lese dann: "Klingt wie Vega." (schreit) Klingt überhaupt nicht wie Vega, du Missgeburt! Ist ja auch nur 'ne kleine Meinung. Der V sagt zu mir auch immer: Gibt Schlimmeres, als mit ihm verglichen zu werden. (alle lachen) Also, würde da jetzt "klingt wie Battleboi Basti" stehen oder so... Nichts gegen ihn! Und eine Sache noch: In der JUICE wurde mir das ja voll krass vorgeworfen, bei meiner letzten Review. Ich hab' mit dem Typ dann auch drüber gesprochen...

rappers.in: Welches Album war das?

Bosca: "Kinokarte" mit Face. Da wurde uns vorgeworfen, das sei Trittbrettfahrerei und so. Und der Autor meinte dann zu mir: "Ja, ich mein's ja gar nicht mal so, es ist halt sehr ähnlich und ich erwarte einfach, dass jemand was komplett Eigenes macht." Ich hab' mir da auch gedacht: Was erwarten die Leute denn? Dass ich jetzt das Rad neu erfinde oder was?! Wir machen Rapmucke, die ein bisschen streetlastig ist, und die klingt halt einfach so. Casper klingt auch so und so, und Popmusik klingt auch so und so. Ich verstehe nicht, warum die Leute immer erwarten, dass man das Rad neu erfindet. Wieso können die sich nicht einfach damit zufrieden geben, dass es coole Mucke ist, bei der man vielleicht sagt: "Gut, das hat Ähnlichkeit mit dem, dem und dem"? Ich bin ja trotzdem eine eigene Person mit meinen eigenen Texten über meine eigenen Erlebnisse. Die sind ja trotzdem alle anders als bei jedem anderen.



rappers.in: Hadi El-Dor hat vor Kurzem gesagt, dass es einen Freunde-von-Niemand-Sampler geben wird, du dieses Jahr noch ein zweites Album bringen wirst und es zwei neue "HipHop lebt"-Sampler geben wird. Jetzt ist die Frage, woran es liegt, dass du momentan so einen hohen Output hast.

Bosca: Mein Album wird wahrscheinlich nicht dieses Jahr kommen. Ich denke, es wird eher nächstes Jahr werden, weil ich mir da doch lieber länger Zeit lasse. Ich kenne meine Rolle und weiß, dass ich bei Freunde von Niemand noch so ziemlich das kleinste Pferd im Stall bin. Timeless und ich sind beide die Jüngeren. Er hat jetzt gerade ein paar Videos gehabt und auf jeden Fall 'nen guten Hype. Ich werde zum Beispiel keinen Status, wie ihn Vega hat, bekommen, das ist klar. Ich will aber trotzdem noch ein bisschen mehr und weiß: Du musst viel schreiben und die Leute erreichen. Ich bin sehr motiviert, das war schon immer so. Ich habe auch noch viele Songs, die ich mal gemacht hab', zu Hause; und irgendwann fängt es an, dass sich alles wiederholt. Aber je mehr man macht, desto mehr Gutes kommt auch dabei raus. Bei Vega ist es ja so, dass er – das ist kein großes Geheimnis – weniger macht. Das weiß ja auch jeder! Der macht lange Zeit nichts und dann macht er drei Dinger, mit denen er alles tötet. Bei mir ist es so, dass ich mich jeden zweiten oder dritten Tag hinsetze und probiere, einen Beat zu bauen oder was zu schreiben. Da kommt dann halt auch viel zustande.

rappers.in: Das heißt, dein Output hat sich gar nicht so krass verändert?

Bosca: Ja. Es wirkt jetzt so, als hätte ich viel mehr Output, weil's jetzt auch nach draußen geht. Die ganzen Sachen, die ich gemacht hab', sind halt schon immer alle bei mir auf dem Rechner.

rappers.in: Auf dem letzten Track von deinem Album hast du gesagt, dass du alles an Geschichten erzählt hast, was du erzählen wolltest. Und dass du das einfach immer wieder wiederholen wirst, weil noch nicht jeder die Inhalte aufgenommen hat. Wie wird sich denn das neue Album dann vom alten abgrenzen?

Bosca: Ganz kurz: "Alles gesagt" war nicht nur auf mich bezogen, sondern eigentlich auch allgemein gedacht. Ich hab' dazu ja auch ein Video gemacht. In dem werden diverse Videos auf mich gestrahlt, die ich früher gefeiert hab'. Azad, Curse, Savas... Und ich mein' mit dem Song nicht nur, dass ich alles gesagt hab', sondern dass auch alle anderen Rapper schon alles gesagt haben. Das ist ein bisschen die Antwort auf dieses "Rad neu erfinden". Es wurde alles schon gesagt, aber trotzdem hat jeder Song sein eigenes Feeling und kann schon wieder so krass sein, dass man sagt: "Boah, geil!" Auch wenn der Inhalt schon tausend Mal erzählt wurde. Und zum neuen Album... Ich habe noch nicht so viel gemacht, weil ich auch an anderen Projekten arbeite. Auf dem Ding versuche ich dann einfach, facettenreicher zu werden. Das nächste Album muss einfach noch stärker werden, es müssen noch ein paar Banger drauf sein.

rappers.in: Du hast das Vega-Album gemischt und gemastert und dein eigenes Album auch. Machst du das beruflich oder woher kommt das?

Bosca: Ich habe mit meinen eigenen Sachen angefangen. Als ich irgendwann bei Emonex im Studio war, hab' ich halt gesehen, wie fasziniert er da immer rumgebastelt hat. Ich wollte dann, dass er mir ein paar Sachen zeigt – auch, weil ich kein Geld dafür hatte, das immer mischen zu lassen. Mir ging's einfach nur darum, dass ich meine eigenen Sachen mischen konnte. Irgendwann war dann die Schule vorbei und es stand die Frage im Raum, was ich machen soll. Dann hab' ich erst mal Praktikum und "Kinokarte" mit Face gemacht und viele Tutorials angesehen. Im Anschluss kam dann diese SAE-Schule (Anm. d. Red.: School of Audio Engineering) – und das war dann sozusagen mein zweites Standbein. Also, so viel verdien' ich mit Rap ja noch nicht, aber das sollte dann halt dazu dienen, dass ich einfach Geld verdienen und trotzdem in der Musik bleiben kann.

rappers.in: Wirst du die zukünftigen Releases von Freunde von Niemand auch mischen?

Bosca: Ja. Ich hab' auch das Bizzy-Album gemischt, als Nächstes kommt dann das Timeless-Album dran... Sind ganz coole Auftraggeber! (lacht) Ich hör' ja auch sehr viel Rap, von daher wird das auch daran liegen, dass ich immer probiere, das an diesen Sound ranzubringen, den die großen Leute haben.

rappers.in: Könntest du dir das auch beruflich vorstellen?

Bosca: Ja, auf jeden Fall. Momentan ist das auch fast mein Hauptberuf. Also, ich bin Freiberufler, aber im Endeffekt sitze ich an einem Album schon zwei, drei Wochen am Stück und dann kommt auch schon das nächste. Ich merke auch, dass ich mehr Aufträge bekomme, weil die Sachen gut angekommen sind. Dadurch entwickelt man sich weiter und bekommt noch mehr Aufträge. Das ist wie eine Kette. Ich freue mich auf jeden Fall und hoffe, dass ich das hauptberuflich machen und dann nebenbei rappen kann. Jeder hat seine vier, fünf guten Jahre. Aber das Problem bei den meisten, die jetzt gut verdienen, ist: Was machen die in vier Jahren? Du wirst kaum einen Musiker finden, der zehn Jahre durchhält, so wie früher. Die ersten großen deutschen Rapper wie Azad oder Curse, die haben das alle sehr lange gemacht. Aber heutzutage geht es sehr schnell hoch und wird bei vielen wieder sehr schnell runtergehen...

rappers.in: Möchtest du zum Abschluss noch etwas loswerden?

Bosca: Ich feier' auf jeden Fall eure Seite! rappers.in find' ich cool! Was ich nämlich total behindert finde, ohne da eine andere Seite anzusprechen, ist dieses Beef-Gepushe. "Sido twittert: Fard kann nicht rappen" oder so was. Das find' ich richtig scheiße! So was fuckt mich ab! Wahrscheinlich wird sich jetzt kein Sido denken: "Oh, scheiße, der und der hat das und das über mich gesagt", aber dadurch werden ja diese Beef-Sachen gepusht. Keiner weiß jedoch, was dahintersteckt. Die meisten Rapper wissen schon, was sie machen, wenn sie mit einem Stress haben. Und dann gibt es eben Seiten, die das auch noch anstacheln. Bei aller Liebe... So was finde ich richtig behindert! Und außerdem feier' ich euch auch, weil ihr meine Sachen immer postet und mich unterstützt. Ich lese mir auch immer alle Kommentare durch und finde das richtig geil! Danke!


(Florence Bader, Erich Unrau & Pascal Ambros)

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