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Automatikk

veröffentlicht: Donnerstag, 16.08.2012, 08:38 Uhr

Autor: lupa



Die beiden Nürnberger Brüder Rokko und Attilah, besser bekannt unter dem Namen Automatikk, stehen derzeit an einem Wendepunkt ihrer musikalischen Laufbahn. Nach fünf Studioalben, zwei "Killatapes", intensiver Zusammenarbeit mit der Plattform Murderbass, dem sprichwörtlichen "Szenezerfikkken" und haufenweise Ärger mit dem Jugendschutz soll das sechste Album des Duos, "Vermächtnis", einen Neuanfang darstellen. Raus aus der alten "Wir fikkken immer noch alles"-Zeit auf einen neuen Weg, "jenseits von Eden". Auf dem diesjährigen Splash!-Festival waren die beiden Brüder ebenfalls zugegen, um mit uns über ihre Zukunft zu sprechen. Denn auch, wenn sich der Titel ihrer aktuellen Platte ein wenig nach Verabschiedung anhört, soll "Vermächtnis" erst den Grundstein für etwas Neues legen ...

rappers.in: Gleich zu Beginn würden wir gerne mal von euch wissen, was das genau für ein "Vermächtnis" ist, das ihr deutschem Rap mit eurem neuen, gleichnamigen Album hinterlassen werdet?

Attilah: Eigentlich darf man das nicht genau so betrachten. Wir haben das Album auch wegen einer Art Neuanfang "Vermächtnis" genannt. Das sollte ein Zeichen dafür setzen, dass wir uns aus unserer Labelsituation befreit haben. "Vermächtnis" hört sich an wie ein letztes Album, ist aber genau das Gegenteil. Es wird das erste Album von sehr vielen sein. In letzter Zeit kam ja nicht besonders viel von uns raus. Mit "Vermächtnis" ist auch gemeint, dass sich in der deutschen Rapszene Sachen entwickelt haben, wie zum Beispiel Straßenrap mit einem gewissen Anspruch an Texten und Technik. Und wir beide finden, dass wir auf jeden Fall unseren Teil dazu beigetragen haben.

rappers.in: Wo genau würdet ihr euch dabei in der Szene einordnen?

Attilah: Zwischen Kool Savas und Azad. Das sind auch unsere Vorbilder. Wegen den beiden haben wir auch unsere Sprache beim Rappen geändert. Bis 2001 haben wir es nie in Erwägung gezogen, Rap auf Deutsch zu machen. Wir haben '93, '94 angefangen, Texte von Amis nachzurappen. Bis '98, '99 hat es sich dann ergeben, dass wir selber Texte geschrieben und gefreestylet haben. Und ab 2001 haben wir uns dann Savas und Azad reingefahren und gedacht: "Krass, das geht ja auch auf Deutsch!" Das war dann der Startschuss für uns und wir haben uns gesagt, wir rappen jetzt auf Deutsch, denn die beiden Jungs machen das ja auch ziemlich geil.

rappers.in: Mal abgesehen von der Sprache habt ihr euch ja mit der Zeit auch raptechnisch beziehungsweise inhaltlich sehr verändert. Ihr seid weg von dem Straßending zu eher deeperen Inhalten übergegangen. Wie kam es dazu?

Rokko: Wir sind mit der Zeit älter und reifer geworden und das Ganze hat sich dabei automatisch so entwickelt. Das merkt man dann eben auch in unseren Texten. Viele Künstler machen jahrzehntelang Alben und alles klingt immer gleich. Bushido zum Beispiel. Und das wollen wir nicht. Wir wollen auch widerspiegeln, was in uns vorgeht. Wir haben uns vielleicht charakterlich geändert und sehen bestimmte Dinge anders. Wieso sollen wir dann trotzdem den gleichen Rap über Kokain-Verkäufe machen? Das ist eigentlich nicht unser Ding. Wir bleiben in der Hinsicht schon real und sagen den Leuten auch, was wir aktuell denken. Wir wollen nichts Aufgesetztes machen.

Attilah: Also nur noch ab und zu über Koks rappen. (grinst)

rappers.in: Denkt ihr, dass ihr mit eurer Musik auch einen Auftrag an der Jugend erfüllt?

Rokko: Es ist uns auf jeden Fall nicht egal. Ich sehe oft Rapper, die über Drogen rappen und die den Jugendlichen auch gar nichts vermitteln. Wir haben auf jeden Fall auch Songs, in denen wir sagen, was wir gut und was wir schlecht finden. Mir ist das auf jeden Fall wichtig, dass die 14- bis 15-Jährigen mitbekommen, dass ich mich als Mensch auch verändert hab'. Und dass sie vielleicht auch bestimmte Dinge richtig in ihrem Leben machen und aus ihren Fehlern lernen.

rappers.in: Ihr seid ja eigentlich drei Brüder. Euer dritter Bruder sitzt momentan im Gefängnis. War das vielleicht auch ein Grund dafür, warum eure Musik auf einmal in eine etwas andere Richtung ging?

Rokko: Jetzt, wo du's ansprichst: Kann sein, dass das auch unbewusst 'ne Rolle gespielt hat. Wir haben das nicht gezielt gemacht, so nach dem Motto: "Unser Bruder sitzt im Gefängnis, wir müssen jetzt für die Gerechtigkeit und das Gute kämpfen". So war das nicht.

Attilah: Unbewusst kann ich mir das schon gut vorstellen, dass wir das dadurch verarbeiten.

Rokko: Ja, das sind ja auch Dinge, die einen selbst und die Familie auch wirklich mitnehmen. Im Moment ist alles in Ordnung und es geht ihm auch gut. Aber vielleicht hast du wirklich Recht.



rappers.in: Aber ihr kamt nicht bewusst an einen Punkt, an dem ihr gesagt habt: "Okay, vielleicht überdenken wir das Straßenrap-Ding nochmal und gehen nun in eine andere Richtung, weil das Ganze ja auch böse enden kann"?

Rokko: Nee. Wir wollen uns auf jeden Fall auch als Rapper weiterentwickeln und nicht auf diesem Straßenfilm kleben bleiben. Wir selbst sind auch älter geworden und hängen nicht mehr auf der Straße ab. Die Zeiten sind vorbei. Und allein deswegen macht es auch keinen Sinn mehr, darüber zu rappen.

Attilah: Wir haben auch 2008 schon auf "Jenseits von Eden" gesagt, dass es wichtig ist, dass die Leute unsere Message checken: Leb für das, was du liebst. Versuch halt, keine große Liebe für Verbrechen und Kriminalität zu entwickeln. Das endet nur in der Scheiße. Wenn du Sport machst, 'n Nerd bist oder Musik machst: Klemm dich dahinter und mach dein Ding. Das erfüllt dein Leben. Bei Kriminalität wird nur deine Familie unglücklich und du wirst unglücklich. Das ist unsere Grundmessage. Heutzutage, vier Jahre später, unterstreichen wir diese Message eigentlich nur noch deutlicher. Haben wir damals halt nur im Vorbeigehen gesagt, weil wir noch krass cool waren. (grinst) Das sind wir natürlich immer noch, aber anders. Wir können heute einfach über unseren Schatten springen und sagen, dass es Dinge gibt, die nicht cool sind. Wir haben das am eigenen Leib erlebt. Unser Bruder ist einfach weg und muss jetzt seine Zeit absitzen, weil er Scheiße gemacht hat. Wir müssen jedes Mal irgendwohin fahren, unsere Ausweise abgeben und kontrolliert werden. Dann sitzt er hinter einer Glasscheibe und das ist nicht cool, seinen Bruder jahrelang so zu sehen.

rappers.in: Bleiben wir mal beim Thema "Familie". In der Rapszene wird das Wort "Bruder" ja ganz schnell mal in den Mund genommen. Wie ist es aber, tatsächlich als Geschwister in dieser Szene zusammenzuarbeiten?

Attilah: Es ist geil!

Rokko: ... die Hölle! (alle lachen)

Attilah: Es ist bombastisch. Egal, wer was sagt, es ist alles egal. Im Endeffekt streiten wir uns auch, wir sind Menschen. Die Leute bekommen das nur alles nicht mit. Aber egal, wie sehr die Meinungen manchmal auseinander gehen, man kommt wieder auf einen Nenner zurück. Weil: Blut ist dicker als Pisse.

Rokko: Wir verstehen uns auch einfach gut. Ich meine, ich kenne auch einige Leute bei uns in Nürnberg – Brüder, die sich jetzt nicht so gut verstehen. Aber bei uns ist das tight. Wir sehen uns auch fast jeden Tag und chillen miteinander. Sowohl im Studio als auch abends mal, um Blu-Rays zu gucken und so. Wir sind echt supergute Freunde und das war schon immer so.

rappers.in: Seid ihr nur drei Brüder oder habt ihr noch andere Geschwister?

Rokko: Eine Schwester noch. Sie ist die Älteste von uns.

rappers.in: Und seid ihr alle vier so eng, oder ist das bei euch beiden nochmal was anderes?

Attilah: Das ist wegen der Mukke schon was Anderes.

Rokko: Es kommt auf jeden Fall dazu, dass bei uns durch die Musik 'ne engere Bindung entstanden ist. Aber die Familie ist schon supertight.

rappers.in: Kommen wir nochmal auf euer neues Album zurück, auf dem ja auch Savas vertreten ist. Wie kam es denn zu dieser Zusammenarbeit?

Rokko: Ich fasse es mal kurz zusammen. Savas hat uns mehrmals in Interviews genannt, als er nach Rappern gefragt wurde, die er cool findet. Und nach dem dritten Mal meinte ich zu meinem Bruder: "Ey, der hat uns zwei, drei Mal genannt" ...

Attilah: ... zuerst dachten wir halt, das wäre 'ne Verarsche. Aber nach dem dritten Mal haben wir das dann nicht mehr geglaubt.

Rokko: Und als er dann mal nach Nürnberg zum Konzert kam, sind wir hingegangen und haben durch Amaris aus Stuttgart Savas kennengelernt. Der war auch ganz cool und so kam das zustande. Wir haben ihn dann nach 'nem Track gefragt und er hatte auch Bock drauf. Er meinte, dass wir zwar Rapper von der Straße sind, aber auch auf Technik und Style achten und dass er das sehr schätzt. Und so kam es dann zu den Tracks.



rappers.in: Wird es da auch noch eine weitere Zusammenarbeit geben?

Rokko: Also, geplant ist erstmal noch nichts, weil wir zunächst die zwei Songs gemacht haben. Aber wir haben auf jeden Fall Bock. Wir haben ja schon die "Killatape"-Mixtapes 1 und 2, und auf dem dritten wollen wir auf jeden Fall nochmal was mit Savas machen.

rappers.in: Ist das "Killatape 3" denn schon richtig geplant?

Rokko: Nee, das ist noch nicht geplant. Das war nur so 'ne Idee.

Attilah: Aber wir haben schon den Titel: "Killatape 3". (alle lachen)

Rokko: Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Da haben wir echt lange überlegt. Wahrscheinlich werden wir jetzt aber erstmal am nächsten Album arbeiten, um unser Comeback in der Szene wieder zu festigen. Und danach wird es dann wahrscheinlich auch das "Killatape 3" geben.

rappers.in: Wie war denn eigentlich die Resonanz auf "Vermächtnis"?

Rokko: Platz 23 in den Charts! Das ist gut, wir sind zufrieden. Das waren zwar nur die Trendcharts, aber das ist schon super. Aber kack mal auf die Charts. Was die Leute so geschrieben haben, das war ganz ehrlich superpositiv. Ich hab' nicht einen schlechten Kommentar gelesen. Das interessiert einen ja schon. Die Leute waren auf jeden Fall überrascht und die besten Kommentare sind immer die: "Ich hätte nicht gedacht, dass die nach zwei Jahren noch so ein gutes Album abliefern." Wir sind echt superzufrieden mit der Resonanz.

rappers.in: Allzu viele bekannte Rapper aus eurer Umgebung gibt es ja nicht. Wenn ich "Nürnberger Rap" höre, fällt mir spontan zumindest nur Automatikk ein. Gibt es in eurer Stadt vielleicht auch Nachwuchskünstler, die ihr uns weiterempfehlen wollt?

Attilah: Das sind noch übelste Newcomer, die keiner kennt, aus der Untergrundszene in Nürnberg. Zum Beispiel ist auf "Hassphalt" auf unserem neuen Album Akez drauf, ein neuer Künstler. Und Shafiq, 'n türkischer Rapper. Dann gibt es noch 'ne Crew, die heißt Schwarzkopf Anarchie. Die sind auch cool, die Jungs. Gipsy und Kay Baba auch auf jeden Fall. Und dann gibt es noch einen Haufen andere, mit denen wir uns noch nicht befasst haben, weil wir selbst so viel zu tun haben.

Rokko: Es gibt schon Leute in Nürnberg, die was machen. Aber ich sag' mal so und bin jetzt 'n bisschen hart: Die kommen nicht aus dem Arsch. Die machen hier und da mal ein paar Tracks auf YouTube, aber mehr auch nicht.

rappers.in: Mal abseits von Rap: Ich hab' gehört, ihr macht viel und gerne Fitness ...

Rokko: Sieht fast so aus! (lacht) Also, Atillah ist auf jeden Fall extremer als ich. Er geht fast jeden Tag. Was ja auch gut ist. Ich mein', Sport ist ja auch super. Ich geh' nur zwei, drei Mal die Woche.

Attilah: Wir gehen schon echt oft pumpen. Ich finde, da kann man seinen ganzen Stress und seine überschüssige Energie einfach rauslassen. Das ist einfach geil.

rappers.in: Macht ihr das, um breiter zu werden, oder wirklich nur für euch selbst?

Attilah: Also, am Anfang macht man das schon, um so schnell wie möglich so breit wie möglich zu werden. Inzwischen, wo man sich auch ein gewisses Know-how antrainiert hat, achtet man in erster Linie nicht mehr darauf. Man achtet eher darauf, dass man selber mit der Leistung seines eigenen Körpers zufrieden ist und mit der Arbeit, die man da geleistet hat.

Rokko: Das beruhigt uns. Das ist wie Yoga für uns. (grinst)

rappers.in: Abschließend: Was möchtet ihr denn unseren rappers.in-Usern noch mit auf den Weg geben?

Rokko: Leute, holt euch auf jeden Fall das Album oder hört euch das Snippet an – ihr werdet es nicht bereuen! Savas ist dabei, Nazar ist dabei, mit dem wir einen bomben Track gemacht haben. Super Beats von DJ Smoove, es ist ein super HipHop-Album geworden. Man sollte sich auf jeden Fall das Snippet anhören. Und: Die Leute von rappers.in sind sehr nett, das wollte ich nochmal an dieser Stelle gesagt haben. Sehr schöne Leute, da wird man gerne mal interviewt! (lacht)


(Florence Bader & Pauline Staigle)

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